Neun Tage ohne Absturz – Warum ich beschlossen habe, Stress zu fasten
Hier erzähle ich euch, wie ich dazu gekommen bin, Stress zu fasten und wie mir das geholfen hat, endlich wieder Stabilität zu gewinnen. Wie immer verlinke ich diesen Blogbeitrag mit Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer.
Ein anderes Muster
Tag 10 hat begonnen.
Und ich danke Gott dafür von Herzen.
Neun volle Tage ohne Absturz.
Neun Tage ohne diese bodenlose Tiefe, die mich in den letzten Wochen jeweils von Montag bis Mittwoch eingeholt hat.
Ohne Panikattacke und ohne Heulkrampf.
Wer das nicht erlebt hat, versteht vielleicht nicht, warum das ein Ereignis ist.
In den vergangenen Wochen war das Muster klar:
Wochenanfang – Zusammenbruch.
Wochenende – Erholung.
Und jedes Mal dachte ich am Freitag: Jetzt wird es besser.
Nur um am Montag wieder am Boden zu sitzen.
Diese Woche war anders – zum ersten Mal seit einem Monat wirklich anders.
Der erste Tag im Garten
Der Wendepunkt begann leise. Schon Donnerstag und Freitag waren ja stabil gewesen und nun ging es weiter – am letzten Samstag.
Ich merkte: Mein sogenannter Reparaturmodus fühlte sich nach Zwang an.
Nach „Du musst dich jetzt zusammenreißen.“
„Du musst disziplinierter leben!“
„Dich einschränken – begrenzen!“
Und meine Seele wollte das nicht mehr.
Also habe ich nichts gestrichen – sondern die Perspektive verschoben.
Aus „Ich muss mich stabilisieren“ wurde:
Ich faste Stress und Überforderung bis Karfreitag.
Nicht Essen.
Nicht Genuss.
Sondern Überdruck.
Und plötzlich war da kein Gefängnis mehr – sondern ein Garten.
Ein Garten mit Beeten, die blühen dürfen, aber nicht müssen.
Lesen am Abend. Ganz ohne Autorenbrille.
Klassik ohne Analyse.
Lobpreis als Raum, nicht als Aufgabe.
Mini-Schreibspiele.
Kerzen.
Kurze Naturgänge.
Collagen ohne Anspruch.
Kein Beet muss gleichzeitig blühen.
Worte, die Druck herausnehmen
Der Sonntag war voll – Begegnungen, Gottesdienst, Gespräche, Verantwortung, Zahlen.
In der Predigt jedoch fiel ein Satz wie ein Anker:
Gott nimmt Druck raus.
Wow, es war so unglaublich. Als hätte der Pastor die Predigt genau für mich geschrieben.
Titel: Was ein Christ alles (nicht) tun muss.
Und darin ganz viele entlastende Sätze. Mutmacher, um loszulassen. Nicht mit Leistung vor Gott glänzen zu wollen.
Und am Ende dann noch Worte, die mir mitten ins Herz fielen.
Treue im Verborgenen bleibt nicht ungesehen. Und da wird Frucht wachsen.
Ich habe geweint. Nicht vor Erschöpfung. Sondern vor Trost.
Am Montag hörte ich mir diese Worte noch einmal an.
Und etwas in mir wurde ruhig.
( ja man kann die Predigten unserer Gemeinde auf you tube anschauen und diese hier findet man unter: Was man als Christ alles (nicht) tun muss)
Stabilität ist Regulierung
Der Wochenanfang kam – und blieb stabil.
Der Montag war ein Wunder an sich.
Kein Zusammenbruch.
Kein Rückfall.
Ich sagte Termine ab, die ich nicht tragen konnte.
Verschob Dinge ohne Drama.
Beantwortete Anfragen ohne sofort zuzusagen.
Und ich habe gemerkt, wie wichtig es gerade ist, meine Kräfte neu zu sortieren.
Ich lerne, Verantwortung nicht automatisch zu übernehmen.
Ich übe, nicht alles festhalten zu müssen.
Nicht aus Distanz – sondern aus Selbstfürsorge.
Zwischendurch kam ein alter Trigger hoch – ein Gedanke, der eine Woche zuvor noch gereicht hätte, um alles kippen zu lassen.
Mein Nervensystem fuhr kurz hoch.
Aber ich legte mich hin.
Las.
Schlief.
Kein Absturz.
Nur Pause.
Krank – aber nicht gekippt
Auch der Rest der Woche war nicht glatt.
Ein Infekt sitzt im Ohr.
Nächte mit Druck und Schleim.
Ein Tag mit Kreislauf und Übelkeit folgte. Ofenkäse war die Rettung.
Alte Erinnerungen, die auftauchten.
Momente von Unsicherheit, ob das alles wirklich trägt.
Aber nichts davon wurde zum Zusammenbruch.
Und das ist neu.
Montag bis Mittwoch vergingen ohne dramatische Wendung.
Alles blieb ruhig, auch der Donnerstag schloss sich erstaunlich ruhig an.
Damit war die erste stabile Woche geschafft.
Freitag war noch einmal ein Prüfstein.
Nicht euphorisch. Nicht glänzend.
Aber ich ging trotzdem vorwärts.
Mit Restinfekt.
Mit leiser Unsicherheit.
Kaffee, Bleistift und ein Urtier
Am Nachmittag von Tag 9 (Freitag) saß ich im Café.
Earl Grey. Ein Stück Kuchen.
Und mein Bulletjournal.
Ich begann mit Bergen – zu einem Psalmvers über Gnade, die nicht weicht, selbst wenn Berge fallen.
Dann zeichnete ich einen Matrosen und schrieb dazu:
Sei mutig und stark. Fürchte dich nicht.
Ein Schmetterling landete auf einer großen Blüte.
Wellen folgten. Spiralen. Ein tiefer Brunnen mit den Worten:
Ich gehe im Vertrauen auf Gott und in der Hoffnung auf Tiefe.
Und am Ende entstand – fast von selbst – ein waches Urtier.
Schutz.
Stärke.
Standhaftigkeit.
Ich hatte nicht vor, all das zu zeichnen.
Aber es kam.
Und ich war überrascht, wie viel Leben noch da ist.
Umweg, Müdigkeit und Trommeln
Vor dem Abend mit dem Bibelschultreffen gab es noch einen kleinen Sturm.
Eine Baustelle zwingt uns künftig zu einem Umweg durch ohnehin dichtes Verkehrsgebiet.
Schon der Gedanke daran stresst mich.
Als die Anspannung abfloss, war ich so müde, dass ich am liebsten ins Bett gefallen wäre.
Stattdessen fuhr ich doch los.
Drei Stunden Lobpreis und Anbetung.
Nicht nur theoretisch – praktisch.
Psalmen sprechen.
Hände heben.
Trommeln.
Neue Melodien erfinden.
Worte proklamieren, auch wenn die Umstände noch nicht danach aussehen.
Wir bewegten uns durch alte hebräische Worte für Lobpreis –
Tehilla.
Todah.
Yada.
Und noch eines, das mir entfallen ist.
Als ich nach Hause kam, holte ich sofort die kleine afrikanische Trommel vom Schrank.
Das war kein Pflichtprogramm.
Das war Kraft.
Tag 10
Heute ist der frühe Morgen von Tag 10.
Neun Tage liegen hinter mir,
an denen ich nicht abgestürzt bin.
Ich bin noch krank.
Das Ohr ist nicht perfekt.
Ich bin müde-wattewach.
Aber ich bin nicht im Crash.
Vielleicht beginnt Heilung nicht mit Stärke.
Vielleicht beginnt sie mit Ehrlichkeit.
Mit dem Mut, Stress zu fasten.
Mit der Entscheidung, ein Beet brachliegen zu lassen.
Einem Bleistift im Café.
Trommeln trotz Umweg.
Oder mit einem Tee um ein Uhr nachts.
Und vielleicht ist Stabilität nichts Lautes.
Kein Feuerwerk.
Kein „Jetzt ist alles gut“.
Vielleicht ist sie einfach das leise Vertrauen,
dass nicht jedes Zittern ein Absturz ist –
sondern manchmal ein Körper,
der lernt, sich selbst wieder zu tragen.
🌿Ich wünsche euch eine friedvolle, stabile Woche und das Wissen, dass ihr getragen seid.








Liebe Martina, vielen Dank für ehrliches, schonungsloses Teilen deiner Erlebnisse mit Stress-Fasten der letzten 10 Tage. Der innere Heilungserfolg zeigt auch hier, wie wichtig generell Fasten ist. Ich gratuliere dir, daß du konsequent durchgehalten hast. Ich glaube, so ein Stress-Fasten würde uns allen gut tun.
Ja, Gott nimmt Druck raus. Möge sich diese Erfahrung in den nächsten Wochen vertiefen. Gutes Weiterfasten.