Wollen reicht nicht

Wenn mein Körper mich im Stich lässt und ich mich nicht auf mich verlassen kann –
wird alles schwierig und Wollen reicht dann eben nicht mehr. Was das für meinen Alltag als Autorin und die Überarbeitung meines Romans bedeutet, erzähle ich dir in diesem Artikel.

Wie jede Woche verlinke ich diesen Samstagsplausch mit Karminrot und dem Karminroten Lesezimmer.

🌿 Diese Woche hatte es in sich

Diese Woche hatte es in sich – körperlich und innerlich.

Eigentlich war ich gerade dabei, wieder besser in meine Kraft zu kommen. Nach der Phase im Februar bis Mitte März, mit viel Stress im Nervensystem und Erschöpfung hatte ich das Gefühl: Jetzt geht es langsam wieder aufwärts. Ich war wieder drin im Manuskript, hatte Klarheit im Kopf, war dran – endlich wieder im Flow.

Und dann kam der Bruch.

Fieber. Körperliche Schwäche. Nichts ging mehr. Komischerweise sonst keine Symptome außer einem leisen, kaum ernstzunehmenden Hüsteln hier und da. Das konnte man beim besten Willen nicht Husten nennen. Trotzdem war die Auswirkung verheerend.

Nicht dieses „ich arbeite halt langsamer“, sondern ein komplettes Ausgebremstwerden. Zwei Tage fast nur liegen – und auch danach alles wackelig.

Was mir daran am meisten zu schaffen macht?
Nicht ein schlechter Tag. Sondern diese Unberechenbarkeit. Das nicht wissen, wann ich in der Lage bin zu arbeiten und wann nicht.

Dieses Gefühl, mich auf mich selbst nicht verlassen zu können – obwohl ich es so gern würde. Das ist einfach Mist. Und daran hängt so vieles. Ich hab gemerkt, wie mich das diese Woche richtig wütend gemacht hat, weil es mich ausbremst, wo ich gerade durchstarten wollte. Und weil eben gilt Wollen reicht nicht. Ich kann so viel Wollen, wie ich will, wenn mein Körper streikt, geht gar nichts.


📚 Zwischen Fortschritt und Stillstand

Dabei bin ich im Manuskript eigentlich richtig gut unterwegs.

Ich arbeite gerade die Lektoratskommentare durch – also die letzte große Phase vor dem Fertigwerden. Die ersten rund 140 Seiten sind inzwischen kommentarfrei. Ein Fortschritt, auf den ich eigentlich stolz sein könnte.

Und gleichzeitig fühlt es sich gerade nicht so an.

Weil mein Kopf in Plänen denkt.
Dienstag, Mittwoch Manuskript. Montag Organisation. Schritt für Schritt.

Aber mein Körper hält sich nicht daran. Da bricht einfach eine ganze Woche weg, zwei volle Arbeitstage am Manuskript und auch noch etliches an Organisation und Planung drumrum.

Und genau da entsteht diese Spannung:
zwischen dem Wunsch nach Struktur – und einer Realität, die sich nicht strukturieren lässt.

Und ja – da hängen auch ganz praktische Fragen dran. Termine, Planung, Veröffentlichung… Dinge, die ich eigentlich gern fest im Griff hätte. Und gerade nicht habe. Und das schaffte eine fast unerträgliche Unsicherheit.


📖 Und mittendrin: Ansgar

Diese Woche habe ich mich nochmal intensiv mit einer Szene von Ansgar beschäftigt – und gemerkt, wie sehr sie mich immer noch mitnimmt.

Es ist einer dieser Momente, die beim Schreiben schon schwer waren und im Lektorat nochmal anders wehtun, weil man genauer hinschaut. Wenn dann ein Kommentar kommt, der sagt: Achtung Klischee! Und man denkt: Scheiße, dann muss ich die ganze Szene neu bauen. Wo setze ich an? Wie schreibe ich um, umschiffe das gängige Muster?

Und wo ist da mein Ansgar? Was fühlt er wirklich?
Wo hält er noch fest – und wo bricht etwas in ihm?

Ich habe viel daran gefeilt, weniger an dem, was passiert, sondern an dem, was darunter liegt. Hab die Szene neu angelegt, neu ausgerichtet, einen anderen Schwerpunkt gelegt. Und versucht, Ansgars Gefühle, seine Motivation herauszuarbeiten.

Und jetzt sitze ich da und hoffe, dass genau dieses Gefühl später auch bei dir ankommt.

Mehr über Ansgar und Eloan kannst du übrigens in meinem neuen Blogartikel Die Familie von Briant lesen.

Weitere Teile der Serie sind unter der Rubrik: Die Welt von Eloan zu finden.


🎬 Sichtbarkeit – und ein echter Schritt

Diese Woche habe ich trotzdem einen Schritt gewagt, der mich Überwindung gekostet hat:

Ich habe zwei Videos aufgenommen. Und eins veröffentlicht.

Eins mit Gewandung. Eins mit normaler Klamotte. Beide mit Text. Mit mir selbst vor der Kamera.

Und ganz ehrlich? Das war ein ziemliches Hin und Her.
Nachts fühlte es sich richtig an.
Am nächsten Tag kamen die Zweifel.

Sieht das komisch aus?
Bin ich das wirklich?
Wirkt das nicht irgendwie seltsam?

Ich habe aufgenommen, verworfen, neu aufgenommen – bis ich gemerkt habe:
Ich komme nicht weiter, wenn ich nur bewerte.

Am Ende habe ich mich entschieden. Und für das erste Video auf „Veröffentlichen“ geklickt.
Auf Instagram. Auf Facebook. Sogar im WhatsApp-Status.

Ein kleiner Schritt. Kein perfekter.
Aber ein echter.

Und ich merke: Genau so darf dieser Weg gerade aussehen.
Nicht geschniegelt. Nicht perfekt. Sondern Schritt für Schritt.


✨ Kleine Lichtmomente

Zwischen all dem gab es auch diese anderen Momente.

Im Kurs für prophetisches Schreiben zum Beispiel – ein Augenblick, der mich tief berührt hat:
Eine Teilnehmerin gab ein Wort weiter, das mitten ins Herz traf. Sogar ein Name, den sie gehört hatte, stimmte.

Diese Mischung aus Staunen, Dankbarkeit und diesem leisen Wissen:
Gott sieht. Gott kennt. Gott spricht.

Oder Ostern.

„Der Herr ist auferstanden!“ – dieser alte Gruß hat mich dieses Jahr neu berührt.
Nicht als Tradition, sondern ganz persönlich:

Freude. Hoffnung. Licht. Zuversicht.
Und dieses Gefühl, umarmt zu sein von Gottes großer Liebe.

Wir waren im Gottesdienst unterwegs – und mussten unseren Osterspaziergang danach sogar abbrechen, weil mein Sohn sonst vor der Tür gestanden hätte. Am nächsten Tag haben wir ihn einfach nachgeholt. Mit dem Sohn zusammen.

Unperfekt. Aber schön.


📝 Schreiben – und echt bleiben

Diese Woche hatte ich einen kleinen inneren Ringkampf beim Schreiben eines ganz einfachen Blogartikels.

Ich habe meinen Text angeschaut, Feedback eingeholt – und gemerkt, wie schnell die Zweifel kommen:
Ist das gut? Zu lang? Zu ausführlich? Muss ich kürzen?

Und dann kam ein klares Gefühl:

Nein.
Das ist ein Tagebucheintrag.
Und da darf alles gleich wichtig sein.

Am Ende blieb genau das stehen:
👉 Es muss sich nach meinem Tag anfühlen. Nicht nach einer optimierten Version davon. Lesen kannst du den Text übrigens hier: WMDEDGT April 2026

Mein Fazit daraus?
Nicht jeder Text muss geschärft, gestrafft oder „besser“ gemacht werden.
Manche dürfen einfach echt und ungeschönt daherkommen.


💛 Grenzen – und das, was nicht geht

Diese Woche hat mir einmal mehr gezeigt, wie begrenzt meine Kraft gerade ist.

Ich hätte so gern mehr geschafft – auch im Drumherum: lesen, kommentieren, vernetzen.

Aber ich habe gemerkt: Ich schaffe es oft einfach nicht.

Und das fühlt sich dann schnell nach „nicht genug“ an.

Dabei liegt es gar nicht am Wollen.
Sondern daran, dass meine Energie irgendwo eine Grenze zieht.

Ich lerne gerade (mal wieder), dass ich nicht alles gleichzeitig tragen kann.
Dass manches liegen bleiben muss.

Und dass ich trotzdem Teil davon bin – auch wenn ich nicht überall auftauche.


🧭 Eine Entscheidung, die wehgetan hat

Diese Woche stand auch eine Entscheidung im Raum, die mir nicht leichtgefallen ist.

Es geht um etwas, das ich eigentlich sehr liebe – und genau deshalb ist es so schwer, ehrlich hinzuschauen, was gerade geht und was nicht.

Ich habe gemerkt, dass ich im Moment nicht alles verlässlich tragen kann.
Und bevor ich mich immer wieder über meine eigenen Grenzen hinwegsetze oder Dinge nur halb mache, musste ich innehalten.

Das auszusprechen fällt mir nicht leicht.

Die Reaktionen darauf waren verständnisvoll und herzlich – und trotzdem fühlt es sich nach Verlust an.
Da demnächst noch ein Gespräch folgt, um Dinge endgültig zu klären, kann ich dazu hier noch nicht mehr sagen.


🌿 Und jetzt?

Wenn ich diese Woche zusammenfasse, dann ist da viel:

Frust über den körperlichen Rückschlag
Wut über die fehlende Planbarkeit
Trauer über das, was ich gerade loslassen muss

und gleichzeitig dieser Wunsch, weiterzugehen.

Es ist nicht alles rund.
Es ist nicht alles gelöst.

Aber ich bin noch unterwegs. 💛 Und verlasse mich darauf, dass Gott sagt: Denen die ihn lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen.
Und dir und mir wünsche ich, dass Gott uns segnet mit Gesundheit, Freude und der Fähigkeit trotz aller Umstände weiter zu gehen, als wir uns selbst vorstellen können.


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