Wolkenstein startet – und meine Mama ist heimgegangen

Manche Wochen lassen sich nicht in ein einziges Thema packen. Diese Woche war eine davon. Eine von den ganz speziellen, wo die Gegensätze kaum krasser sein könnten, wo Lachen und Weinen, Vorwärtsgehen und Zurückblicken zusammen kommen. Wo Trauer und Abschied mitten aufs Leben prallen. Wie immer verlinke ich auch diesen besonderen Samstagsplausch mit der Seite von Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer.

Eigentlich hätte ich euch hauptsächlich von meinem Crowdfunding erzählen wollen. Von Videos im Wald, Newslettern, Dankeschöns und den letzten Vorbereitungen für Wolkenstein.

Doch dann kam die Nachricht, dass meine Mutter sich auf ihren letzten Weg macht.

Und plötzlich lief alles gleichzeitig.

Wolkenstein in den Startlöchern

Die Woche begann mit meinen Crowdfunding-Vorbeitungen für Ansgar von Briant – Wolkenstein.

Ich habe die Startnext-Seite noch einmal auf Herz und Nieren geprüft, Texte überarbeitet, Bilder ausgetauscht und die Dankeschöns kontrolliert. Gemeinsam mit meinem Mann habe ich Fotos für Lesezeichen und den Schwertanhänger aufgenommen. Ich habe Videos geschnitten, Newsletter verschickt und die letzten technischen Hürden genommen.

Ein besonderer Moment war mein erster Waldausflug seit dem Krankenhausaufenthalt. Mit noch immer begrenzter Energie fuhr ich in den Wald, setzte mich auf eine Bank und nahm Material für ein weiteres Video auf. Zwischen Vogelgezwitscher, Regenschauern und einigen Zweifeln entstand schließlich genau das Video, das ich veröffentlichen wollte.

Die Finanzierungsphase bei Startnext wurde freigegeben.

Und heute ist es tatsächlich so weit:

Das Crowdfunding für Wolkenstein startet.

Acht Jahre seit der ersten Idee. Fünf Jahre Arbeit an der Reihe. Und jetzt startet das Crowdfunding für Band 2 – das fühlt sich ziemlich unwirklich an.

Ich schwanke täglich zwischen Vorfreude und Nervosität hin und her. Zwischen dem Gefühl größenwahnsinnig zu sein und der Hoffnung, dass mein Buch einen guten Start bekommt. Denn dieses Projekt ist eine Herzensangelegenheit. Ich hab soviel Kraft und Zeit in dieses Buch invesiert, jetzt will ich es auch erfolgreich veröffentlichen. Aber dazu später mehr. Denn wie immer kam es anders als geplant.

Der Anruf

Meiner Mama ging es ja schon seit Wochen nicht gut und wir haben sie ja auch nach Pfingsten noch einmal besucht, weil es so aussah, als wenn sie sich auf den letzten Weg machen würde.
Am Dienstagabend schrieb meine Tante nun, dass es meiner Mutter sehr schlecht gehe. Der Onkel, der sie besucht hatte, berichtete, dass er sie nicht mehr geweckt bekam. Der Verdacht stand im Raum, dass sie sich nun wirklich im Sterbeprozess befindet.

Die Nacht war unruhig.

Am frühen Mittwochmorgen kam dann die Nachricht:

Meine Mama ist gestorben.

Obwohl wir wussten, dass dieser Tag kommen würde, traf mich die Nachricht mit voller Wucht. Trauer fragt nicht danach, ob man es schon geahnt hat. Ich habe meine Mami sehr geliebt, auch wenn es durch die Demenz in letzter Zeit schwer war, ihr noch so richtig zu begegnen. Und auch wenn ich sehe, dass es für sie, nach vielen Schmerzen und einem vollen Leben gut war, jetzt gehen zu dürfen, vermisse ich sie doch sehr.

Aber plötzlich ging es nicht nur um Trauer, sondern auch um Bestatter, Beerdigung, Termine, Unterkunft, Fahrten und unzählige organisatorische Dinge.

Ich hatte das Gefühl, ständig zwischen verschiedenen Rollen zu wechseln.

Mal war ich Tochter und durfte trauern.

Mal Organisatorin. Da muss man einfach funktionieren.

Mal Nachlass-Detektivin. Unglaublich, was man da alles herausfinden muss.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe ich mich alleine auf den Weg nach Nordhessen in die Heimat meiner Mama aufgemacht. Mein Mann konnte aus beruflichen und organisatorischen Gründen nicht gleich mitkommen und fährt erst morgen mit dem Zug hinterher. Die Kinder folgen dann nächsten Dienstag, denn die Beerdigung ist am Mitwoch.
Am Donnerstag nachmittag war ich mit meiner Tante beim Bestatter. Am Freitag habe ich zwischen fünf und neun Uhr morgens schon vier Telefonate geführt, zwei E-Mails geschrieben und wichtige Unterlagen herausgesucht.

Und zwischendrin kamen die Tränen. Trauer wartet nicht darauf, dass man Zeit für sie hat.

Unterwegs nach Nordhessen

Der Weg nach Nordhessen war diesmal ein besonderer.

Je näher ich Melsungen kam, desto mehr Erinnerungen wurden wach.

Nicht nur einzelne Geschichten, sondern eher das Gefühl, wieder in eine Landschaft einzutauchen, die mit meiner Familiengeschichte verbunden ist.

Die Reise war mehr als eine Autofahrt.

Sie war auch eine Reise zurück zu den eigenen Wurzeln und erinnerte mich für Momente an den Film Elisabethtown. Auch wenn dort die Heimreise nach der Trauerfeier gezeigt wird.

Die erste Nacht in der Unterkunft begann allerdings mit einer kleinen Rückenkatastrophe.

Als ich am Abend endlich ankam, stellte sich heraus, dass das Etagenbett aus einer dünnen Matratze auf weit auseinanderliegenden Metallstreben bestand. Mein Rücken war wenig begeistert. Nach wenigen Minuten spürte ich jede einzelne Strebe, während die Matratze dazwischen fröhlich durchhing.

Nach einem kurzen Moment des Jammerns entschied ich mich für Improvisation statt Heldentum. Im oberen Bett lag noch eine zweite Matratze. Also baute ich kurzerhand mein eigenes Nachtlager und legte beide Matratzen übereinander auf den Boden.

Nicht besonders elegant.

Nicht besonders stilvoll.

Aber deutlich rückenfreundlicher.

Manchmal besteht Reisen eben nicht aus großen Abenteuern, sondern aus der Frage, wie man nachts möglichst schmerzfrei schlafen kann.

Bestatter, Pfarrer und Verwandtschaft

In dieser Woche bin ich vielen Menschen begegnet, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass diese Tage tragbar blieben.

Der Bestatter und seine Frau nahmen sich Zeit und begegneten uns mit viel Herzlichkeit.

Der Pfarrer war freundlich, verständnisvoll und hörte aufmerksam zu. Beim Trauergespräch konnten wir viel über meine Mutter erzählen. Besonders berührt hat mich, dass er ihre Gebetsleidenschaft wahrgenommen hat und die Verbindung zu meinem eigenen Glaubensweg sah.

Ich bin sehr gespannt, welchen geistlichen Impuls er daraus für die Beerdigung entwickeln wird. Und hoffe, dass er klar und deutlich sein wird, was ich aber glaube, denn er hat mir sehr gut gefallen.

Auch meine Tante und mein Onkel waren einfach für mich da, haben Aufgaben übernommen und mich liebevoll begleitet. Meine Tante war mit beim Bestatter und beim Pastor, gemeinsam kümmerten sich Onkel und Tante um das Trauermahl.

Als ich nach einem Sushi-Essen plötzlich eine allergische Reaktion bekam und allein in meiner Unterkunft saß, holte mich meine Tante sofort ab. Mein Onkel besorgte Fenistiltropfen, und gemeinsam warteten wir ab, bis es besser wurde.

Solche Momente zeigen, wie wertvoll Familie ist.

Lieder und Erinnerungen

Überraschend emotional wurde die Frage nach den Liedern für die Beerdigung.

Manche Choräle tragen Erinnerungen in sich.

„Befiehl du deine Wege“ hab ich Mama vor ihrem Tode noch vorgesungen. Und ich weiß, dass sie Paul-Gerhard-Lieder liebte.

Auch andere Lieder wurden plötzlich wichtig..

Nicht die Liedauswahl selbst brachte mich zum Weinen.

Sondern das, was mit diesen Liedern verbunden ist.

Erinnerungen.

Gemeinsame Gottesdienste.

Gemeinsame Jahre. Der Abschied von ihr vor wenigen Wochen.

Und die Erkenntnis, dass meine Mutter nun wirklich nicht mehr da ist.

Schritt für Schritt

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, dann sehe ich vieles:

Trauer.

Organisation.

Erinnerungen.

Wolkenstein.

Familie.

Unterstützung.

Und eine Erkenntnis, die sich wie ein roter Faden durch die letzten Tage zieht:

Manchmal besteht ein guter Tag nicht darin, Berge zu versetzen. Manchmal besteht er darin, trotz Gegenwind den nächsten Schritt zu gehen. Und darauf zu vertrauen, dass Gott mitgeht.

Genau das versuche ich gerade.

Schritt für Schritt.

Und noch einmal Wolkenstein

Und während ich diese Zeilen schreibe, steht heute bereits der nächste Schritt bevor.

Das Crowdfunding für Ansgar von Briant – Wolkenstein beginnt heute um 9 Uhr.

Wenn ihr mich, Ansgar und die Welt von Eloan unterstützen möchtet, freue ich mich sehr, wenn ihr vorbeischaut, den Link weitergebt, das Buch vorbestellt oder euch ein Dankeschön sichert. Man kann das Projekt auch frei unterstützen. Schau doch gerne hier vorbei:

Wolkenstein

Nach all den Jahren Arbeit wäre es wunderschön, Wolkenstein gemeinsam mit euch auf die Reise zu schicken.

Ich wünsche euch ein gesegnetes Wochenende.

Eure Martina zwischen Trauer und Vorfreude

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