Was bleibt. Was geht. Was weitergeht.

Eigentlich wollte ich heute einen ganz normalen Samstagsplausch schreiben und ihn wie immer mit Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer verlinken.
Ich wollte schreiben. Ganz normal . Wie immer.
Über das Crowdfunding. Darüber, dass wir Mamas Zimmer ausgeräumt haben. Über Erinnerungen an meine Eltern, die Beerdigung, zwei sehr unterschiedliche Schreibkurse und vieles mehr.
Stattdessen sitze ich hier nach zwei Nächten mit Zahnschmerzen, die mich fast wahnsinnig gemacht haben.
Ich merke, dass ich heute keinen roten Faden finde. Normalerweise weiß ich irgendwann, wie ich die Woche erzählen möchte. Heute nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Woche selbst keinen roten Faden hatte. Sie bestand aus Hoffen und Bangen beim Crowdfunding, aus Abschied, Erinnerungen, Bürokratie, schönen Begegnungen, wunderbaren Kursabenden – und jetzt eben aus einem Zahn, der beschlossen hat, alle anderen Gedanken zu verdrängen.
Deshalb nehme ich euch heute einfach mit durch diese Woche, so wie sie war.
Das Schöne zuerst
Ja, fangen wir damit an. Das Schönste zuerst: Mein Crowdfunding für Wolkenstein ist gestartet.
Ich hatte mich monatelang auf diesen Moment vorbereitet und trotzdem war ich überrascht, wie emotional er für mich wurde. Nach den ersten Stunden war gerade einmal eine Unterstützung eingegangen und ich merkte, wie unruhig ich wurde. Dabei wusste ich doch, dass viele Menschen das Buch kaufen möchten. Nur eben irgendwann. Für sie macht der Zeitpunkt keinen Unterschied – für ein Crowdfunding und mich als Projektstarter schon.
Zum Glück blieb es nicht bei dieser einen Unterstützung. Mein Mann überraschte mich mit fünfzig Euro, eine Leserin bestellte gleich zwei Hardcover und nach und nach kamen weitere Unterstützungen dazu. Besonders berührt haben mich allerdings die vielen persönlichen Empfehlungen. Menschen teilten den Link nicht einfach nur, sondern schrieben dazu eigene Worte. Das fühlt sich ganz anders an, als nur einen Link weiterzuleiten.
Inzwischen steht das Crowdfunding bei 506 Euro beziehungsweise 16 Prozent. Darüber freue ich mich wirklich. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, dass der Balken bald wieder weiterwandert. So ein Crowdfunding ist eine ziemliche Achterbahnfahrt. An einem Tag freut man sich riesig über jede neue Unterstützung, am nächsten fragt man sich, ob es überhaupt noch weitergeht.
Happy Teapot und Packaktion
Während mich diese Gedanken begleiteten, waren wir noch in Nordhessen.
Meine erste Unterkunft war ja die Katastrophe, umso schöner, dass ich am Sonntag umziehen konnte. Leider lagen da noch einige Arbeiten vor mir, die Matratzen zurück an ihren Platz bugsieren, den Treppenberg dreimal besteigen. Danach gabs als Belohnung sozusagen, ein leckeres Mittagessen bei meiner Tante: Spargel mit Sauce Hollandaise, Schinken und Kartoffeln und gute Gespräche.
Nach dem Umzug ins „Happy Teapot“ kehrte zum ersten Mal ein wenig Ruhe ein. Ich mag dieses Appartement einfach. Es tat gut, nach all den turbulenten Tagen einmal kurz durchatmen zu können. Mein Mann war noch im Zug unterwegs und ich wartete auf ihn. Ich überlegte, ob ich Fußball schauen sollte, verwarf den Gedanken aber wieder und versetzte mich stattdessen mit einem TKKG-Hörsiel in Kindertage. Nur Ruhe wäre zwar auch gut gewesen, aber dann wäre ich eingeschlafen und hätte verpasst meinen Mann vom Bahnhof abzuholen.
Am nächsten Morgen wartete dann eine der schwersten Aufgaben dieser Reise auf uns: Mamas Zimmer musste ausgeräumt werden.
Schon der Gedanke daran hatte mich morgens zum Weinen gebracht. Nicht einmal nur wegen der Erinnerungen, sondern auch, weil ich so gern einige ihrer Möbel mitgenommen hätte. Die beiden Kommoden, den Sessel oder den Hocker hätte ich tatsächlich gut gebrauchen können. Aber über diese Entfernung war das einfach nicht machbar.
Also packte ich Kartons mit Erinnerungen, Fotoalben, Briefen, Büchern, Deko. Ganz am Ende zeigte mir der Hausmeister noch ein Außenfach. Darin stand tatsächlich noch ein Koffer meiner Mama. Ich musste lächeln. Selbst als ich dachte, ich wäre fertig, hatte sie noch eine kleine Überraschung für mich.
Nachmittags zerlegten mein Mann und ich die beiden Kommoden vollständig. Ehrlich gesagt hätte ich vorher nicht geglaubt, dass am Ende wirklich alles ins Auto passt. Aber irgendwann war der Moment da, an dem alles verstaut war.
Besonders glücklich bin ich über zwei grüne Kisten. In der einen befinden sich Bücher, in der anderen die Liebesbriefe meiner Eltern. Außerdem durften einige Fotos und andere Erinnerungsstücke mit nach Hause fahren. Das bedeutet mir unendlich viel.
Erinnerungen, Termine und Schreibkurs
In der Nacht konnte ich lange nicht schlafen. Eigentlich hatte ich nur nachgeschaut, wie lange das Heimatfest in Melsungen dauert und ob wir am nächsten Morgen überhaupt einen Parkplatz an der Sparkasse finden würden. Daraus wurde eine Nacht voller Erinnerungen.
Ich dachte an meine Eltern. An ihre Briefe. Daran, wie meine Mutter als junge Frau bei B. Braun arbeitete, anschließend noch im Laden ihrer Eltern mithalf und Wäsche für die ganze Familie bügelte. An meinen Vater, der neben seiner Arbeit noch studierte. Und plötzlich war da wieder diese große Dankbarkeit für zwei Menschen, die ihr Leben lang für andere da waren.
Am nächsten Morgen holte ich meinen Sohn vom Bahnhof ab und gemeinsam fuhren wir zur Sparkasse und gingen anschließend zum Nachlassgericht. Vieles verlief leider anders als erhofft. Die Vollmacht reicht nicht aus, nun brauchen wir einen Erbschein. Immerhin kann ich ihn später auch von Lörrach aus beantragen. Trotzdem war es wieder einer dieser Termine, nach denen man das Gefühl hat, zwar viel Zeit investiert zu haben, aber kaum einen Schritt weiter zu sein.
Abends stand dann mein Schreibkurs auf dem Programm. Diesmal ging es ums Plotten. Eigentlich hatte ich Sorge, ob ich zwei Stunden sinnvoll füllen könnte. Doch während der Vorbereitung kam mir der Gedanke, das Sieben-Punkte-Modell von Dan Wells einmal auf ein echtes Leben anzuwenden. Also „plottete“ ich die Geschichte meiner Mutter. Von der jungen Frau in Melsungen über die Kontaktanzeige, die Briefe meines Vaters bis hin zu ihrem gemeinsamen Leben. Es war ein ganz besonderes Gefühl, ihre Geschichte auf diese Weise noch einmal zu erzählen.
Die Beerdigung
Und dann war plötzlich Mittwoch. Ich war früh wach, wie immer in letzter Zeit.
Vor diesem Tag hatte ich mich lange gefürchtet. Die Beerdigung meiner Mama stand bevor. Ich bügelte morgens doch noch meine schwarze Bluse, obwohl ich eigentlich keine Lust mehr dazu hatte. Vor der Trauerfeier trafen wir uns noch mit unseren Kindern im Edeka-Café. Mir war eher flau im Magen, während mein Mann sogar noch etwas essen konnte.
Auch am Friedhof waren wir früh. Zuerst nur meine Tochter und ich. Gespräche über ihre Oma, Erinnerung, gemeinsame Zeiten. Vertrautheit. Nach und nach trudelen die anderen Trauergäste ein. Ein letzter Gang zum Klo. Dann warten in der Trauerhalle, der Organist spielt schön. Menschen kommen, begrüßen uns. Verwandte, der Pfarrer.
Er macht es gut. Einen Impuls über Psalm 23 und den guten Hirten. Einen kurzen Abriss aus Mamas Leben. Gebete und Zuspruch. Worte des Lebens mitten in diesem Moment, in dem es ums Sterben geht. Menschen um mich herum weinen. Meine Tränen dagegen sind schon geflossen und bleiben heute versteckt.
Das Trauermahl. Wir sind etwa 20 Menschen. Es folgen Gespräche und Essen. Gute Gespräche und wirklich leckere Schnittchen und Kuchen.
Die Trauerfeier, das offene Grab, das Trauermahl und anschließend die lange Heimfahrt – irgendwann am Abend waren wir wieder zu Hause. Mein erster Gedanke war einfach nur: Geschafft.
Im Nachhinein hat mich überrascht, dass ich während der Beerdigung selbst gar nicht so viel an Mama gedacht habe. Ich war hauptsächlich damit beschäftigt, diesen Tag zu schaffen. Die vielen Menschen, die Hitze und alles, was dazugehörte. Erst später fragte ich mich, ob das wohl normal ist. Inzwischen glaube ich, dass ich in den Wochen davor schon so viel Abschied genommen hatte, dass mein Herz und mein Kopf an diesem Tag einfach nur versucht haben, mich hindurchzubringen.
Schreibkurs und Zahnweh
Am Donnerstag durfte ich dann wieder einen Schreibkurs halten. Diesmal stand Psalm 23 im Mittelpunkt. Lange hatte ich überlegt, wie wir den Abend gestalten könnten. Am Ende wagten wir etwas Neues und meine beiden Teilnehmerinnen ließen sich mit großer Offenheit darauf ein. Es wurde einer dieser Abende, an denen Schreiben und Glaube ganz selbstverständlich zusammenfanden. Als wir den Abend beendeten, war ich einfach nur dankbar.
Leider hielt dieses Gefühl nicht lange an.
Schon während des Abends wurden die Zahnschmerzen immer stärker. Was zunächst nach einem unangenehmen Ziehen aussah, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu Schmerzen, die die gesamte rechte Gesichtshälfte erfassten. Ohr, Kiefer, Lymphknoten – irgendwann schien alles miteinander verbunden zu sein.
Seitdem dreht sich mein Leben gefühlt nur noch um Kühlen, Paracetamol und die Hoffnung, dass der Schmerz endlich nachlässt. Gestern war ich noch einmal beim Zahnarzt. Er hat den Zahn erneut geöffnet, gespült und ein Medikament eingelegt. Trotzdem folgte eine zweite Nacht, in der ich kaum schlafen konnte.
Falls ihr diesen Samstagsplausch heute etwas wirr findet, wisst ihr jetzt warum. Der Schmerz sitzt leider nicht nur im Zahn, sondern gefühlt mitten im Denken.
Bevor ich mich wieder mit Kühlakku und Tee aufs Sofa verziehe, möchte ich euch aber noch um etwas bitten.
Mein Crowdfunding für Wolkenstein steht inzwischen bei 606 Euro. Während ich diesen Samstagsplausch geschrieben habe, kamen tatsächlich noch einmal 100 Euro dazu. Das hat mich gerade richtig gefreut.
Ich danke jedem einzelnen Menschen, der das Projekt bereits unterstützt hat. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie gut jede einzelne Unterstützung und jede persönliche Weiterempfehlung tut.
Falls ihr den Link bisher nur gespeichert habt oder jemanden kennt, der Freude an einer Fantasygeschichte über Glauben, Hoffnung, Freundschaft und Abenteuer haben könnte, dann schaut doch einmal vorbei oder gebt den Link weiter. Gerade jetzt hilft jede einzelne Unterstützung dabei, dass aus Wolkenstein wirklich ein Buch werden kann.
Hier geht’s zum Crowdfunding:
Wolkenstein unterstützen
Und nun hoffe ich vor allem auf eines: dass ich euch nächste Woche von einem Zahn erzählen kann, der endlich beschlossen hat, wieder Ruhe zu geben. Und vielleicht auch davon, dass der Crowdfunding-Balken wieder ein gutes Stück weitergewandert ist.






