Und plötzlich war ich mittendrin

Eigentlich dachte ich, diese Woche würde vor allem von Zahlen bestimmt werden. Rechnungen, Kosten, offene Beträge – und die Frage, wie wir das alles stemmen sollen. Dass am Ende ausgerechnet ein abgesagtes Royal-Ranger-Camp die Woche völlig auf den Kopf stellen würde, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet.

Wie immer verlinke ich meinen Samstagsplausch mit Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer.

Zwischen Rechnungen und einer unerwarteten Erleichterung

Diese Woche ging es mehr um Zahlen, als mir lieb war. Rechnungen, Kosten, noch im Zusammenhang mit meiner Mutter und ihrer Beerdigung, insgesamt eine Summe, die nicht mit unserem normalen monatlichen Budget abzudecken ist.

Besonders die Kosten für die Grabstelle selbst schlugen zu Buche und machten mir Kopfzerbrechen. Die anderen Rechnungen konnten wir vom Urlaubsgeld meines Mannes begleichen. Eigentlich war das Geld für andere Dinge eingeplant gewesen, aber dort ließ sich manches verschieben.

Am Montag war daher meine erste große Aufgabe, mit der Stadtverwaltung in Melsungen zu telefonieren. Die Dame am anderen Ende war zwar freundlich, machte mir aber wenig Hoffnung. Nach dem Gespräch hatte ich eher das Gefühl, dass eine unkomplizierte Ratenzahlung wohl so wie ich es mir gedacht hatte nicht möglich sein würde. Sie verwies mich an die Stadtkasse. Diesen Anruf habe ich vor lauter Frust aber gar nicht mehr geschafft.

Stattdessen schrieb ich dem Bestatter, dass ich im Moment einfach nicht weiß, wie ich das lösen soll. Müdigkeit überkam mich mit Macht. Ich legte mich hin und schlief ein.

Vom Klingeln meines Handys wurde ich wieder geweckt. Der Bestatter war dran – und bot mir eine Lösung an, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Ich solle ihm einfach ein Foto der Rechnung schicken. Aus dem Treuhandvermögen, das meine Mama damals hinterlegt hatte, sei vermutlich noch Geld übrig. Er würde sich darum kümmern.

Vielleicht werde ich am Ende trotzdem noch eine Rechnung bekommen – dann eben vom Bestatter aber wohl nicht über die volle Summe. Bis dahin kann ich vielleicht sogar schon etwas zurücklegen. Jedenfalls ist die größte Sorge im Moment deutlich kleiner geworden.

Eigentlich war das Royal Ranger Camp längst erledigt

Das Royal Ranger Camp hatte ich längst abgesagt und innerlich abgehakt. Ich hatte meinen Frieden damit gemacht und gar nicht mehr daran gedacht.

Am Dienstag kam dann die Nachricht einer Freundin bei den Rangern, ob ich einer anderen Rangerleiterin helfen könne, die im Moment einfach zu viele Aufgaben gleichzeitig zu stemmen hat.

Natürlich habe ich gesagt, dass ich zumindest mal nachfragen kann, ob sie Unterstützung bei den Campandachten gebrauchen könnte. Das klang nach einer überschaubaren Aufgabe, die ich von zu Hause aus in den kühlen Morgenstunden erledigen könnte. Außerdem ist genau das ein Bereich, der mir Freude macht.

Gesagt, getan. Ich fragte nach – und ehe ich mich versah, steckte ich mitten in der Mosegeschichte, in Gesprächsfragen für die Teamzeiten und in der Vorbereitung der Andachten. Erst einmal musste ich allerdings überhaupt verstehen, wie die Vorgaben aus dem Leiterheft auf dem Camp umgesetzt werden sollten. Da waren einige Umstrukturierungen vorgenommen worden, die für mich zunächst nicht ganz nachvollziehbar waren.

Nach und nach wurde klar, dass die Hilfe umfangreicher werden würde als ursprünglich gedacht. Es ging längst nicht mehr nur um die Vorbereitung zu Hause, sondern auch um die Umsetzung während des Camps. Plötzlich stand wieder die Frage im Raum, ob ich mein Nein doch noch einmal überdenken sollte.

Die Gründe für die Absage bestanden ja weiterhin: Gesundheit, Kräfte und auch die Finanzen sind nach wie vor schwierige Themen.

Schließlich habe ich mich trotzdem durchgerungen und angeboten, einen Teil der Andachten selbst zu übernehmen.

Die Campleitung war ausgerechnet an diesem Tag stark eingebunden, sodass ich erst am Donnerstagabend mit ihr sprechen konnte. Dabei klärten sich gleich mehrere Dinge. Ich werde in einer Hütte schlafen und habe dort auch Strom für mein CPAP-Gerät. Allein das nimmt mir schon eine große Sorge und erhöht die Chance, dass ich das Camp körperlich überhaupt gut durchstehe.

Eine weitere Herausforderung beschäftigt im Moment allerdings alle: die enorme Waldbrandgefahr. Lagerfeuer gehören für Royal Ranger eigentlich selbstverständlich dazu. Noch viel gravierender ist aber, dass dort normalerweise auch über offenem Feuer gekocht wird. Sollte die Warnstufe weiter steigen, könnte sogar das Kochen mit Gaskochern untersagt werden. Dann müsste die gesamte Verpflegung kurzfristig neu organisiert werden.

Dazwischen ganz normales Leben

Neben all dem gab es auch ein paar Termine, die richtig gutgetan haben.

Am Wochenende hatte ich einen Hinweis erhalten, dass die Rechte bezüglich meines Buches und der Hörbuchproduktion vielleicht doch nicht so klar liegen könnten, wie ich gedacht hatte. Das hat mich sehr beunruhigt und meine erste Tat am Montag morgen war deshalb diese: Ich habe bei der Buchschmiede angerufen und die Hörbuchrechte geklärt. Ich hatte schon ziemlichen Bammel vor diesem Anruf, so etwas fällt mir nicht so leicht. Umso größer war hinterher meine Erleichterung. Die Rechte liegen tatsächlich bei mir. Das heißt: Das Hörbuch kann mit meinem Wunschsprecher entstehen und ich kann es so vermarkten, wie wir es uns gemeinsam überlegen. Als ich aufgelegt hatte, hätte ich am liebsten einmal laut gejubelt.

Außerdem habe ich mich mit einer Freundin getroffen. Sie hat zur Zeit Gürtelrose und war krank geschrieben. Aber auf ihrem Balkon zu sitzen und zu quatschen, schadete weder ihr noch mir. Der Balkon ist klasse, er lag komplett im Schatten, es ging ein leises Lüftchen und so wurden die mehr als 30 Grad gleich viel erträglicher. Außerdem gab es noch ein großes Erdbeerjoghurt-Eis, das erhöhte meine Laune schlagartig.

Wir wollten uns gegenseitig erzählen, wie anstrengend die letzte Zeit war, denn manchmal hilft ausheulen, und ich hatte im Hinterkopf mit ihr ein Interview über mein Crowdfunding zu führen. Sie besitzt nämlich einen Blog mit einer größeren Reichweite als mein eigener und so hoffte ich, dass ein Bericht von ihr über meine Aktion vielleicht tatsächlich Leute motivieren könnte, mich zu unterstützen. Mindestens eine Unterstützung hat es wohl auch gebracht, aber vielleicht folgen ja noch mehr.
Wenn du das Interview lesen magst, kommst du hier zu Teil 1.

Natürlich haben wir über Bücher, Geschichten und das Schreiben im Allgemeinen gesprochen. Solche Begegnungen sind kleine Inseln im Alltag.

Das Crowdfunding wächst weiter

Auch beim Crowdfunding war einiges los.

Es gab zwischendurch technische Probleme, meine Seite wurde zeitweise nicht richtig angezeigt, so dass gar keine Unterstützung möglich war. Am nächsten Tag wollte eine Freundin endlich ihre zugesagte Unterstützung tätigen. Sie selbst schrieb mir dann freudig, erledigt, aber die Unterstützung wurde mir zunächst gar nicht angezeigt. Nach einem Gespräch mit meinem Mann war klar, da muss etwas so schief gelaufen sein, dass die Unterstützungszusage gar nicht registriert wurde, denn es gab auch keine Bestätigung der Transaktion. So musste ich die Freundin bitten, den Vorgang zu wiederholen. Diesmal klappte es und ich konnte mich riesig über ihre Großzügigkeit freuen. Gleichzeitig kamen weitere Unterstützer dazu, so dass die Summe deutlich um 459 Euro stieg.

Ich merke aber auch, wie schnell mein Kopf wieder anfängt zu rechnen. Kaum freue ich mich über eine neue Unterstützung, denke ich schon wieder: Es fehlt immer noch so viel. Was ist, wenn es nicht reicht? Kann ich die Zielsumme noch senken? Und wie viele Bücher könnte ich dann überhaupt drucken lassen?

All diese Fragen sind ja nicht unbegründet. Noch fehlt ein gutes Stück bis zum Finanzierungsziel, um genau zu sein, deutlich über 1000 Euro, und natürlich beschäftigt mich das. Trotzdem möchte ich nicht vergessen, mich über jeden einzelnen Menschen zu freuen, der dieses Projekt mitträgt. Jeder Unterstützer ist ein Geschenk – und jeder Euro bringt Wolkenstein ein Stück näher ans Ziel. Und dass sich überhaupt Menschen für mein Projekt engagieren und das Buch vorbestellen bedeutet mir unglaublich viel.

Trotzdem möchte ich auch an dieser Stelle noch einmal bitten: Wenn du Ansgar von Briant noch nicht kennst, aber Freude an epischer Fantasy hast, eine gute Abenteuergeschichte liebst oder einfach Charaktere magst mit Tiefgang, dann überlege dir jetzt, ob du mein Buch nicht unterstützen magst. Man kann sowohl Band 1 als auch Band 2 im Crowdfunding vorbestellen. Es gibt auch noch andere Dankeschöns, die man sich sichern kann. Schau gerne unter Startnext.com/wolkenstein vorbei.

Kleine Inseln zwischen all dem

Ein bisschen Fußball musste natürlich auch sein.

Ich habe mich wieder über die Übertragungsrechte geärgert, weil so viele Spiele nur bei Magenta liefen und damit nicht frei zu schauen sind. Und ein neues Abo nur wegen ein paar WM-Spielen kann und will ich mir nicht leisten. Aber ehrlich gesagt macht mir das die Weltmeisterschaft ziemlich kaputt.

Natürlich habe ich trotzdem mitgefiebert – besonders mit Norwegen und später mit der Schweiz. Leider sind deren Viertelfinalspiele auch wieder hinter der Bezahlschranke verschwunden, was mich wirklich ärgert. Da blieb zwischendurch nur noch ein kurzer Besuch auf meiner kleinen Schmollbank.

Trotzdem habe ich die WM mehr verfolgt, als ich vorher eigentlich vorgehabt hatte und die Spiele, die ich sehen konnte waren eine gute Ablenkung zwischen all den anderen Gedanken.

Von der Bettkante wieder ins Leben

Der Donnerstag war einer dieser Tage, an denen ich schon am Ende des Vormittags so fertig war, dass nur Hinlegen half. Nachdem ich also am Morgen aktiv für das Camp an den Andachten und Fragen gearbeitet habe, lag ich mittags wie ausgeknockt auf dem Bett.

Leider konnte ich da nicht einfach liegen bleiben, denn am späten Nachmittag gab es noch einen wichtigen Zahnarzttermin. Immerhin war der Zahn in letzter Zeit ziemlich ruhig und das wollte ich ja nicht gefährden. Also war klar, ich muss dahin, wenn nur nicht schon das Aufstehen so schwergefallen wäre.

Zuerst lag ich da mit dem Gefühl, es nicht einmal bis zur Bettkante zu schaffen und hatte das Gefühl, überhaupt keine Kraft zu haben. Der Kopf war müde, der Körper ebenso. Die Augen fielen immer wieder zu und das Weckerklingeln nervte nur.

Also blieb nur eins: Schritt für Schritt. Nicht alles auf einmal. Einfach die nächste kleine Bewegung. Schließlich saß ich an der Bettkante, hab es ins Bad geschafft, geduscht und bin rechtzeitig losgegangen. Mehr noch, ich war trotz allem noch zu früh und hab noch 10 Minuten im Schatten den Wind genossen, der die 35 Grad erträglich gemacht hat. Und der Termin lief sogar gut: Der Zahn hat ein neues Medikament und noch zwei Wochen Zeit zum Heilen gekriegt.

Manchmal sieht ein erfolgreicher Tag eben ganz anders aus, als man ihn sich vorgestellt hat.

Ein Abschied auf Raten

Am Donnerstagabend traf sich dann auch noch unsere Bibelschul-Tischgruppe zum letzten Mal. Das eigentliche Ende der Bibelschule steht zwar noch bevor, es gibt noch ein Wochenende mit Thema und noch eine Abschlussfeier, aber trotzdem fühlte sich dieser Abend schon ein wenig nach Abschied an.

Jeder durfte nochmal erzählen, von seinen Highlights und auch von dem, was man sich vielleicht anders gewünscht hätte. Außerdem beschäftigten wir uns unter anderem mit Psalm 23,5: Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Jede durfte sich ein eigenes Salböl mischen und mitnehmen.

Da ich aber so müde war und mich überfordert fühlte aus den mehr als zehn Ölen das richtige für mich auszusuchen, bat ich eine Leiterin darum mir mein Öl zu mischen. Nun habe ich ein nach Orange duftendes Freuden-Öl erhalten und freue mich darüber sehr.

Besonders hängen geblieben ist mir aber ein Gedanke dieses Tages, der schon vor dem Bibelschultreffen aufgetaucht war:

Selbst wenn ich gar nichts täte, würde Gott mich trotzdem lieben.

Ein Satz, den ich vermutlich noch eine ganze Weile mit mir herumtragen werde.

Dreimal stechen und der Countdown läuft

Am Freitag stand eine Kontrolle meines Medikamentenspiegels an. Eigentlich eine Routineuntersuchung – wäre da nicht das Blutabnehmen gewesen.

Dreimal musste gestochen werden, bevor schließlich an der Hand eine Vene gefunden wurde. Das tat ordentlich weh und war kein besonders schöner Start in den Tag.

Danach hätte ich eigentlich noch einkaufen müssen. Ein halber Wocheneinkauf, aber ich habe es wegen Hitze und Müdigkeit geschoben.

Später habe ich wieder einmal das Café Kirche besucht und es abends sogar zu den Rangern geschafft. Und ich habe wieder festgestellt, wie sehr ich diese Truppe mag. Kinder und Leiter. Ich hab sie einfach gern.

Das Camp ist jetzt tatsächlich nicht mehr nur eine Idee. Es rückt wirklich näher. Zusammen mit der anhaltenden Waldbrandgefahr beschäftigt mich das gerade mehr, als mir lieb ist.

Was bleibt?

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, staune ich ein wenig.

Aus einem abgesagten Camp wurde plötzlich eine neue Aufgabe. Aus einer großen finanziellen Sorge wurde eine unerwartete Erleichterung. Und aus einem Telefonat, vor dem ich Angst hatte, wurde ein kleiner Jubelmoment.

Die Bibelschule geht langsam zu Ende, das Crowdfunding läuft weiter und in wenigen Tagen sitze ich wahrscheinlich tatsächlich wieder zwischen Jurten, Lagerfeuer – oder eben auch nicht – und vielen Rangern.

Ich bin gespannt, was Gott aus all dem macht. Auf jeden Fall weiß ich: Er salbt mein Haupt mit Öl und schenkt mir voll ein. Und ich bin geliebt, selbst wenn ich nichts auf die Reihe bringe.

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