Royal Rangers Camp – Andachten, Abenteuer, Lagerleben

Diese Woche hätte ich einen ganzen Royal Rangers Camp Sammelband veröffentlichen können. Es war eine wirklich schöne Zeit und eine unglaublich dichte Woche. Wie immer verlinke ich diesen Samstagsplausch mit Karminrot und ihrem karminroten Lesezimmer, auch wenn ich diese Woche ein wenig spät dran bin. 

Wer mehr über die Royal Rangers wissen will, schaut hier

Eine Woche auf der Wiese

Freitagabend, 17 Uhr. Hinter mir lag ein ziemlicher Packmarathon, vor mir eine Woche Ranger-Camp. Als ich auf dem Platz ankam, stand die Jurte, unser großes Versammlungszelt, schon, und irgendwie war das der Moment, in dem aus all den Vorbereitungen plötzlich Wirklichkeit wurde.

Der erste Abend wurde gleich intensiv. Wir Leiter, noch ohne Kinder, aßen gemeinsam, redeten miteinander, klärten Dinge, die noch zwischen uns standen, und beteten zusammen. Vielleicht war genau das der richtige Anfang für diese Woche.

Meine selbstaufblasende Isomatte breitete ich nachts noch aus. Die dicke, riesige Luftmatratze dagegen blieb erstmal liegen. Die bekam erst zwei Tage später mit der Tretpumpe Luft. Erstaunlicherweise schlief ich trotzdem gut – und kam morgens sogar wieder vom Boden hoch. Das ist inzwischen durchaus eine Erwähnung wert. 😂

Eine kleine Welt für sich

Am nächsten Morgen begann der Tag um sieben mit Leiterrunde und Gebet. Um halb zehn sollten die Kinder kommen. Einige waren natürlich früher da.

Und dann hieß es erstmal: bauen.

Es gab einen Mädchen- und einen Jungenclaim. Ein Claim ist das von den Leitern abgesteckte Gebiet einer Gruppe. Dort mussten die Kinder ihre Schlafzelte selbst aufbauen, jeweils eine Kohte und ein Agadir.

Der Kreuzfahnenmast und ein großes Sonnensegel standen schon. Jeden Morgen wurden beim Appell die Ranger- und die Deutschlandfahne gehisst. Die vier Teams meldeten, ob sie vollzählig waren, während einer der Leiter die Zelte kontrollierte und anschließend Punkte für Ordnung verteilte.

Überhaupt entstand auf dieser Wiese im Laufe der Tage eine richtige kleine Welt.

Die Jungs bauten ein Eingangstor mit einem Turm, auf den man sogar klettern konnte. Die Mädchen entschieden sich für die einfachere Variante aus zwei Dreibeinen und einem Querbalken und schmückten ihr Tor später mit Farn und Efeu. Ganz fertig wurden übrigens beide erst am Donnerstag.

Es gab täglich neu verteilte Dienste mit entsprechenden Buttons: Bademeister putzten das Bad, Pfleger der Kochgefäße spülten, Mannasammler kümmerten sich ums Essen und ein Kind bekam den Posten des äußerst beliebten Lagerwächters und weckte morgens die Mannschaft und trötete mit dem Horn zu den Programmpunkten.

Und Internet? Oder Handyempfang? 

Nö.

Meine Nachrichten gingen nicht raus, E-Mails kamen nicht rein. Nur eine unserer Leiterinnen hatte tatsächlich Empfang, sodass alles, was unbedingt nach draußen musste, über ihr Handy lief.

Es war erstaunlich, wie schnell die Welt außerhalb dieser Wiese ziemlich weit weg war.

Flucht, Bergwerk und Brombeeren

Unser Thema war Mose und der Auszug aus Ägypten, und einiges davon wurde nicht nur erzählt.

Am Montag flohen die Pfadfinder als Moses „Helfershelfer“ für zwei Tage aus dem Camp und gingen auf Hajk, eine ausgedehnte Wanderung, inklusive Übernachtung. Die Kundschafter durften sie verfolgen. Offiziell bekamen sie sie innerhalb der vorgegebenen Grenze nicht zu fassen. Süßigkeiten mussten die Flüchtigen trotzdem abgeben.

Die Jüngeren machten in der Zeit, in der die Großen unterwegs waren, einen Ausflug nach Todtmoos: Spielplatz, im Bach planschen und eine Clown- und Jonglageshow. Am Dienstag ging es für sie in den Hoffnungsstollen.

Ich blieb an diesem Vormittag als Lagerwächter zurück.

Und plötzlich war es still.

Ich konnte Pause machen, Lobpreismusik hören und einfach ein bisschen da sein, bevor später die Pfadfinder von ihrer Wanderung zurückkamen. Mitten in einer vollen Campwoche war das ein unerwartet ruhiger Moment.

Ansonsten wurde gespielt, Körbe wurden geflochten und natürlich durfte auch eine Wasserrutsche nicht fehlen.

Und gegessen wurde ebenfalls sehr ordentlich. Couscous-Salat, Glasnudeln mit Currysauce, Reis mit Hähnchen und morgens oft unsere Ranger-Version von Bircher Müsli. Am letzten Morgen sogar mit selbstgepflückten Brombeeren.

Nur beim Brot hatten wir uns gründlich verschätzt.

Davon wurde erheblich mehr gegessen als geplant.

Vierzehn Andachten

Meine Hauptaufgabe in dieser Woche waren die Andachten, morgens und abends.

Vierzehn Stück.

Und etwas, worüber ich mich wirklich gefreut habe: Die Kinder hörten richtig gut zu.

Morgens saßen wir in Kluft und Halstuch zusammen, abends trafen wir uns in israelitischer Gewandung. Dazwischen gab es Gespräche mit Kindern und Leitern, viel Lachen und immer wieder Gebet.

Vor dem Abendprogramm hatten die Kinder Zeit, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Dann gab es Witze, Lieder, Tänze oder Spiele.

Und jeden Morgen um sieben saßen wir Leiter wieder zusammen.

Keiner kam in dieser Woche auch nur einmal zu spät zur Leiterrunde.

Ich selbst war meistens schon eine Stunde vorher wach und unter der Dusche. Sechs Uhr morgens. Auf einem Camp. Manchmal überrasche ich mich selbst.

Ein besonderer Abend

Am Donnerstag feierten wir Passah.

Und dafür wurde nicht einfach nur irgendwann am Abend eine besondere Andacht eingeschoben.

Das ganze Camp bereitete sich darauf vor.

Es wurde aufgeräumt. Die Tore wurden geschmückt. Wir wuschen uns und zogen frische Sachen an. Zum Essen gab es unter anderem Knäckebrot als Ersatz für ungesäuertes Brot.

Nach dem Abendessen trafen wir uns in israelitischer Kleidung und gingen gemeinsam zu einem der Tore.

Dort bestrichen wir die Pfosten symbolisch mit Blut – in unserem Fall mit Ketchup.

Danach gingen wir von Tor zu Tor.

Wir aßen Petersilie mit Salzwasser: die Petersilie als Zeichen der Hoffnung, das Salzwasser als Erinnerung an die Tränen und Gebete des Volkes Israel. Dazu Knäckebrot und die Geschichte vom Passah.

Dann gingen die Kinder mit einem Teil der Leiter schweigend eine große Runde durch den Wald und um das Gelände.

Am Kreuz auf der Wiese unten stand eines unserer Tore. Dort hörten die Kinder die Worte Jesu:

„Ich bin das Tor. Wer durch mich eingeht, wird gerettet.“

Wer wollte, konnte durch dieses Tor gehen.

Am Ratslagerfeuer ging die Geschichte weiter. Schuldzettel wurden verbrannt, und am Ende gab es ein Übergabegebet.

Alle Kinder haben mitgebetet.

Das war für mich einer der besonderen Momente dieser Woche.

Findewunder und andere wichtige Dinge

Natürlich bestand ein Ranger-Camp nicht nur aus tiefen Momenten.

Es gab beispielsweise verlorene Dinge.

Einen Stift suchten wir ungefähr einen Tag lang. Für die Besitzerin war der Verlust ihres Lieblingsstifts sehr dramatisch. Schließlich tauchte er am nächsten Morgen unerwartet in der Button-Box wieder auf. Die Erleichterung war groß. 

Noch besser war allerdings der verlorene Halstuchknoten eines Jungen.

Irgendwo auf einer ziemlich großen Wiese musste er liegen. Der Junge konnte den ungefähren Bereich zeigen, und eine Leiterin wollte die Stelle zunächst mit einem Stock markieren, damit man später gründlich suchen konnte.

Sie steckte den Stock in die Wiese.

Genau dort lag der Halstuchknoten.

Findewunder.

Und dann wäre da natürlich noch die Schneeseekleerehfee.

Die besaß 66 Zehen, 65 zum Laufen und einen zum Drehen: den Schneeseekleerehfeedrehzeh.

Natürlich stößt sie sich genau diesen Zeh an einem Stein und hat anschließend Schneeseekleerehfeedrehzehweh.

Und selbstverständlich braucht man dagegen Schneeseekleerehfeedrehzehwehtee.

Mehr erzähle ich an dieser Stelle besser nicht. Sonst wird aus dem Samstagsplausch doch noch der angekündigte Ranger-Sonderband.

Eine Woche Wiese liegt hinter mir. Mit Zelten und Fahnen, Gebet und Gelächter, Gesprächen, Spielen, viel gutem Essen, überraschend viel Brot und sehr wenig Handyempfang.

Und mit Momenten, die ich wohl noch eine ganze Weile mit mir herumtragen werde.

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