Anreise und Parken

Am letzten Samstag, dem 27. August 2022, bin ich besonders früh aufgestanden, nämlich schon um 5 Uhr. Um sechs habe ich meine Begleitung abgeholt und dann ging die Reise los Richtung Eifel. Zum Burgenfest in Manderscheid. Über vier Stunden Anreise bedeutete, dass wir, mit den nötigen Pausen, gegen halb zwölf in Pantenburg ankamen. Dort gab es direkt eine Straßensperrung, aber auch den Großparkplatz für das Burgenfest in Manderscheid. Freundliche Einweiser winkten uns auf einen Wiesenplatz, auf dem wir kostenfrei parken dürfen. Beim Aussteigen stelle ich fest, dass ich mein langärmeliges Hemd zu Hause hab liegen lassen. Bei anderen Märkten in diesem Jahr wäre das kein Problem gewesen, doch hier ist es nur kühle 20 Grad und es nieselt leicht. Brrr…. Ich muss mir wohl überlegen, ein Hemd zu kaufen. Erstmal ziehe ich den Mantel an, den ich wohlweislich diesmal dabei habe.

Dann geht es auf zum Shuttlebus. Der fährt von Pantenburg zur Niederburg in Manderscheid und ist ebenfalls kostenlos. Er fährt knapp zweihundert Meter vom Parkplatz entfernt ab und bringt uns sicher zum Eingang. Der Pendelverkehr findet Samstags von 10 bis 1 Uhr nachts alle Viertelstunde statt.

Einlass und Beginn beim Burgenfest in Manderscheid

An der Tageskasse zahlen wir als gewandete Besucher 10 Euro für das Tagesticket. Für das ganze Wochenende wären es 15 Euro gewesen. Ungewandete Erwachsene zahlen 20 Euro für das Wochenende. Es gibt Ermäßigungen für Kinder und auch ein Familienticket.

Weitere Informationen findest du unter: https://burgen-manderscheid.de/

Am Eingang kann man einen Stempel erhalten, wenn man das Gelände nochmal verlassen will. Da wir das aber nicht vorhaben, gehen wir direkt durch, nachdem unsere Eintrittskarten kontrolliert wurden. Wir wenden uns zuerst bergab, Richtung Turnierwiese. Von dort schallt schon Musik herauf und wir erkennen einen Umzug der Aktiven, sogar mit Pferden und natürlich Jongleuren und Spielleuten. Während der Umzug vor der Bühne endet, besorgen wir uns am Essensstand (noch ohne Warteschlange) unser Mittagsmahl: Spießbraten im Brötchen. Sehr lecker und genau das Richtige. Es gab aber auch noch andere kulinarische Genüsse zu moderaten Preisen. Zum Beispiel Hähnchen mit Bratkartoffeln und Salat oder einfach nur Maiskolben (okay nicht sehr mittelalterlich, aber trotzdem lecker) und natürlich fehlte auch der Stand mit den Crêpe nicht. Um es vorwegzunehmen.: Ich habe mir zweimal Crêpe gegönnt, einmal süß mit Apfel und Zimt und Zucker und einmal herzhaft mit Camembert und Preiselbeeren. Ich kann nur sagen: Vorzüglich. Und der Crêpeverkäufer war noch dazu in Plauderlaune und sowas von gut drauf, dass es eine Wonne war.

Während wir unser Brötchen mit Spießbraten mümmelten, konnten wir dem Eröffnungszinnober lauschen, das recht kurzweilig war. Auch der Bürgermeister des Ortes fand mittelalterlich wohlklingende Worte und präsentierte sich in Gewandung. Anschließend spielte die Gruppe Ranunculus mittelalterliche Weisen und versetzte uns in die passende Stimmung.

Der Blick von der Niedernburg auf Turnierwiese und Marktstände

Von Händlern und Ständen

Von den Verkaufsständen ist der Markt recht übersichtlich. Nur wenige Händler haben ihre Buden aufgebaut, darunter zwei Töpfer, ein Korbmacher, mehrere Gewandungsstände und zwei mit ledernen Einbänden für Bücher und ähnliches, bzw. individuell ledergebundenen Kladden und Notizbüchern. Ginge es nur darum, mittelalterliches Zubehör zu erstehen, wären wir hier verkehrt gewesen. Doch das Besondere in Manderscheid ist das Flair der Niederburg. So stapfen wir später ziemlich aus der Puste und bei jeder Bank anhaltend die großen Stufen bis hinauf auf die Zinnen der Burg.zum Denkmal. Leider gibt es in der Kellergrotte diesmal keine Taverne, was wir sehr bedauert haben, denn das hat jedesmal ein wirklich schönes, mittelalterliches Gefühl erzeugt. Nur eine Märchenerzählerin hat sich in einer der steinernen Kammern eingerichtet und lockt dort ihr kleines und großes Publikum an.

Das Lied in der Kurve

Auf einer der Bänke sitzend, mitten in der Kurve der Treppe sind wir Zeugen eines ganz besonderen Schauspiels. Der Barde Janko vom See (http://www.janko-vom-see.de/)eilt an uns vorbei, als er von einem aufwärts gehenden, älteren Herren angerufen wird, ob er nicht ein Lied zum Besten geben wolle. Janko hält inne, fragt nach: „Hier in der Kurve?“ Auf die bejahende Antwort beginnt er zu singen und zu spielen und gibt das „Lied in der Kurve“ zum Besten, in das er alle und jeden, der gerade vorbei kommt, einbaut. So auch uns als „die Damen in Blau“. Es macht wirklich Freude, ihm zu lauschen und zaubert ein Lächeln auf unser Gesicht. Nach diesem Privatkonzert klettern wir weiter.

Weitere musikalische Highlights

Ebenso ergreifend und doch ganz anders war der Vortrag der Harfenspielerin. Ihre Töne perlten zart in die angenehme Eifelluft. Leider saß sie an einem viel zu lauten Platz, als wir ihr lauschten. Dort war großer Durchgangsverkehr und man musste die Ohren spitzen, um ihr zu lauschen. Nett anzusehen war auch, wie sie nach ihrem Vortrag einem Kind ermöglichte, das Instrument einmal auszuprobieren und ihm ganz behutsam eine Einführung gab.

Neben Ranunculus (https://www.spielleut-ranunculus.de/) spielten auch die Heidweilers (http://www.von-heidweiler-musik.de/) alte Weisen auf dem Plan. Immer mal wieder erscholl ihr Gesang, gepaart mit Laute zu uns herüber.

Beim Burgenfest in Manderscheid sorgt die musikalische Untermalung für ein ganz besonderes Ambiente. Man fühlt sich mitten hienin versetzt in alte Zeiten. Deshalb gefällt es mir hier so gut.

Was macht das Burgenfest in Manderscheid noch aus?

Der Bergfried der Niederburg von der Turnierwiese aus

Die Kulisse mit Berg und Burg und Wald und Bach ist schon an sich ein wunderbares, ganz besonderes Erlebnis. Von der Turnierwiese kann man hinauf schauen zum Burgfried der Niederburg und der Ruine der Oberburg. Wir haben auch noch einen netten Sitzplatz am flachen Bach gefunden. Die Niederburg selbst ist imposant mit ihren zum Teil aus Fels bestehenden, hohen „Riesenstufen“ und den doch zum Teil noch gut erhaltenen Mauern.

Bach und Oberburg von der Turnierwiese aus

Neben Musik gab es auch allerlei Gaukelei, einen Feuerfresser, Kraftjongleure und eine Blumenfee auf Stelzen.

Auf der Turnierwiese findet mehrfach am Tag ein Turnier statt. Diesmal haben wir es uns nicht angesehen, da wir schon viele Turniere gesehen haben und diese sich meist sehr ähneln.

Das Hemd habe ich letztlich doch nicht erstanden, obwohl es zum Teil ziemlich fröstelig war. Die Sonne kam den ganzen Tag nicht raus und immer wieder nieselte es ganz fein, ausfallender Nebel sozusagen. Doch den Mantel fest um die Schultern zu ziehen, war schließlich doch ausreichend.

Der Rückweg vom Burgengfest in Manderscheid

Da wir ja noch eine lange Rückreise hatten, haben wir um 19 Uhr den Shuttlebus genommen und sind zurück zum Auto gefahren. Auch der Rückweg hat wieder problemlos geklappt. Nur herauszufinden, in welche Richtung wir müssen, war eine kleine Herausforderung. Wir haben jedoch den richtigen Bus gefunden und kamen gut an.

Die Rückfahrt war abenteuerlich, denn wir sind kilometerweise über die Autobahn gebraust ohne vor oder hinter uns ein Autoa zu haben. Wälder, Wälder und nichts als Wälder und keine Tankstelle in Sicht. Zum Glück hhaben wir die einzige Tankmöglichkeit trotz schlechter Ausschilderung nicht verpasst und sind also nicht liegengeblieben.

Die insgesamt fast neun Stunden Fahrt haben sich auf jeden Fall gelohnt. Nicht um irgendetwas zu erwerben, sondern einfach um in ein mittelalterliches Gefühl einzutauchen und zu genießen. Zum Burgenfest in Manderscheid,würde ich jederzeit wieder fahren. Es lohnt sich bei Sonnenschein und 30 Grad genauso wie bei kühlen 20 Grad und Niesel. Schade nur, dass wir diesmal nicht die volle Gewandung mit Fell und allem dabei hatten. Das Wetter hätte eine üppige Kleidung ermöglicht.

Hier endet mein Bericht und du bist eingeladen, mir einen Kommentar zu hinterlassen.