Auf dem Weg zum Roman

Schlagwort: Speichern

Roman-Tagebuch Teil 7

In diesem Teil berichte ich von viel Arbeit und neuen Erkenntnissen:

Eigene Dummheit?

Gestern musste ich hier leider bekannt geben, dass mir 3000 Worte über Nacht abhanden gekommen sind. Und sicher haben einige gedacht, wie doof kann man sein… Man muss doch ordentlich speichern und regelmäßig Backups machen. Klar, weiß ich ja alles, aber naiv wie ich bin, war ich davon ausgegangen, dass mein cooles, noch recht neues und ziemlich teures Autorenschreibsoftwareprogramm dass schon automatisch machen würde… so wie das andere Schreibprogramm, dass ich schon länger nutze und mit dem ich diesen Blog manage. Denn das speichert, sobald ich zwei Sekunden lang nicht tippe!!

 Seit gestern weiß ich, dass es so einfach nicht ist.

Richtig, man sollte natürlich drauf achten, dass die Backups und Sicherungen ordnungsgemäß passieren. Und ich hab mich darauf verlassen, dass das einfach so klappt. Das war grob fahrlässig. Aber wie ich im Laufe des Tages mit Hilfe meines Mannes heraus fand, war ich gar nicht so doof. Wir haben in den Einstellungen gesucht und wurden fündig und siehe da: Das Programm war so eingestellt, dass es automatisch alle 10 Minuten den Text hätte speichern müssen. Ich war also gar nicht so dumm… nur, warum hat es nicht funktioniert?

Denn Fakt ist: mir fehlen zwei Tage! Zwei Tage in denen es keine einzige Sicherungskopie meines Textes gibt, obwohl sie alle zehn Minuten hätte passieren sollen. Zwei Tage, in denen ich 3000 Worte geschrieben habe, die nun weg sind. Schnauf!

Die Vermutung ist, dass sich das Programm oder der Computer oder was auch immer, zwischenzeitlich irgendwie ausgeklinkt hat, hängen geblieben ist… unbemerkt… klammheimlich sozusagen. Komisch halt, dass alles funktioniert hat… Schreiben, Charadatenbank und alles, nur das Speichern nicht… ich weiß immer noch nicht warum, trotz eingehender Ursachenforschung.

Alles klamüsern half nicht… der Text ist und bleibt verschwunden. Ich hab mir vorgenommen jetzt öfters manuell zu speichern. Und ich hab mir vorgenommen, nochmal genauer nachzulesen… und herauszufinden, ob ich noch etwas tun kann, um das zu vermeiden…

Denn, wie meine Freundin sagte: Vertraue nie einem digitalen (technischen) Gerät!

Tja, und was ist mit dem verloren gegangenen Text?

Ich habe gestern echt lange und mit hoher Intensität gearbeitet. Ca. 1500 Worte habe ich schon neu geschrieben, was ziemlich genau der Hälfte des verlorenen Textes entspricht. Damit bin ich ganz gut im Rennen. Und wie zufrieden bin ich mit dem, was da steht? Der rekonstruierte Teil gefällt mir ganz gut. An manchen Stellen habe ich bereits Sätze ergänzt und den Text erweitert.

Und wie genau bin ich vorgegangen?

Erstaunlich fand ich die Art, wie das geklappt hat. Ich habe nicht chronologisch gearbeitet. Der Logik des Textes folgend, hätte ich ja dort beginnen müssen, wo die ersten Sätze fehlten. Aber das war der schwierigste Teil und lag außerdem noch länger zurück. Also habe ich beschlossen, mit dem anzufangen, was mir noch gut im Gedächtnis geblieben ist. Sprich das Neueste, von dem, was verloren gegangen ist, war auch das erste, das wieder hergestellt wurde. 

Ich habe also beim letzten Kapitel angefangen. Und dann habe ich mein Gehirn einfach arbeiten lassen. Was mir in den Sinn kam, wurde aufgeschrieben. Manchmal einzelne Stichworte, manchmal ganze Sätze. Manchmal habe ich etwas ein zweites Mal recherchiert und manchmal Bilder betrachtet. Mit dem Anschauen  kam die Erinnerung zurück. 

So habe ich Stück für Stück rekonstruiert, was da stand. Angefangen habe ich mit einer Beschreibung einer wichtigen Figur, die von meinem Hauptchara gerade betrachtet wird. Dafür hatte ich etwas recherchiert. Also noch einmal nachlesen. Die Bilder, die ich beim Schreiben hatte, kamen zurück und ich konnte die Beschreibung beinahe wörtlich neu zu Papier bringen. Von da ausgehend floss die Szene relativ leicht.

Schwieriger wurde es bei einer weiter zurückliegenden Szene. Ich hatte einen wichtigen DIaolog in einer kniffligen und für den Protagonisten problematischen Situation geschrieben. Diese Stelle hatte ich in Etappen vwefasst und schon mal überarbeitet. Beim Abrauschen meines Textes ist nun die neueste Version abhanden gekommen und eine alte Version des Dialogs steht da noch. Jetzt sollte man denken: Prima, du hast noch eine Grundlage, auf der du aufbauen kannst. Ja, das schon, aber…

Aber mir ist es schwer gefallen, heraus zu finden, was von dem Alten habe ich stehen lassen und was habe ich geändert. Irgendwie hat sich das überlagert. Ich weiß zwar, in welche Richtung es gehen muss, aber das Überarbeiten war mühsam. Ich habe es jetzt so gemacht, als würde ich einen neuen Text schreiben. Es ging quälend langsam und hat tatsächlich wenig Spaß gemacht. Beim ersten Teil (s.o.) war ich immer wieder erstaunt war, wie genial so ein Gehirn das mit dem Erinnern hinkriegt. In diesem Teil war ich eher frustriert, dass es nicht so geht, wie ich will. Da hätte ich gern mit den Fingern geschnippst und es hätte einfach da gestanden. Das wäre schon praktisch gewesen… seufz. Da wurde deutlich, dass es manchmal schwer ist, das Richtige zu erinnern, wenn sich Erinnerungen sehr ähneln.

Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Das war ein erfolgreicher Wiederherstellungsprozess. Über die Hälfte der Worte steht schon wieder da. Und den Rest schaffe ich hoffentlich heute.

Das Gedächtnis, ein erstaunliches Ding:

Erstaunt, war ich tatsächlich, wie mein Gedächtnis arbeitet und habe mir die Mühe gemacht, nochmal nachzulesen. Dabei bin ich zum Beispiel auf folgende Seite gestoßen: (https://www.fragile.ch/gedaechtnis/wie-funktioniert-das-gedaechtnis/) Natürlich gibt es noch viele andere Textstellen zum Gehirn und der Erinnerungsfunktion des Gedächtnisses. 

Da wurde nochmal deutlich, dass ich alles richtig gemacht habe: Für eine Erinnerung braucht es manchmal einen Auslösereiz: das waren bei mir die Bilder und der schon vorhandene Text. Und klar ist auch, der Roman und sein Inhalt sind so wichtig, dass die Informationen ins Langzeitgedächtnis gewandert sind, sonst hätte ich am nächsten Tag nichts mehr erinnern können. Spannende Sache.

Nun gut, also heute geht es weiter. Mal sehen, ob ich auch den Rest noch auf die Reihe kriege!

Wie es weiter geht, könnt Ihr im nächsten Tagebuch-Eintrag lesen.

Roman-Tagebuch Teil 6

In diesem Teil berichte ich von Katastrophen und Frust:

3000 Worte sind über Nacht verschwunden!

Klammheimlich und so mir nichts dir nichts und alle Versuche sie wieder herzustellen, sind fehl geschlagen.

Ich bin schockiert, entsetzt, am Boden zerstört.

3000 Worte sind drei Tage Arbeit. Und diese 3000 Worte waren Schlüsselszenen. Dialoge, an denen ich lange gefeilt habe, Beschreibungen, die wichtig waren, Details und Kleinigkeiten und jede Menge Herzblut. 3000 Worte! Selbst wenn ich noch Teile davon überarbeitet, gestrichen oder geändert hätte, waren sie die Grundlage. 3000 Worte fehlen und ich weiß nicht, wie ich sie wieder zurück bringen soll.

Abgesehen von meiner Verzweiflung, die echt hinderlich ist, ist es sehr schwer, einen Text ein zweites Mal so gut zu Papier zu bringen…. Ich kenne das schon von früher, wo mir ab und an Texte fürs Rollenspiel abhanden gekommen sind. Jeder neue Versuch ist eine Quälerei, weil man möglichst nah ans Original heran will und sich doch nicht mehr genau genug erinnert.

Aber wie kam es dazu?

Als ich heute morgen, den letzten Abschnitt meiner Geschichte meinem Mann zum Lesen geben wollte, traf mich der Schlag. Ich öffnete mein Schreib-Programm und hatte mich schon beim Öffnen gewundert, dass als letztes Datum Dienstag angegeben worden war, dabei hatte ich doch gestern und vorgestern auch daran gearbeitet. Und oh Schreck: Es fehlte der letzte Abschnitt, fast ein ganzes Kapitel.

Auch das Nachsuchen, ob nicht irgendwo noch ein Backup gespeichert ist, das man wiederherstellen könne, ergab: letztes Backup vor zwei Tagen!

Wie kann das sein? 

Ich arbeite ja seit Neuestem mit Papyrus. Ich war davon ausgegangen, dass das Ding automatisch speichert. Aber so scheint das nicht zu sein. Und ich habe wohl nicht darauf geachtet und viel zu selten selber aktiv auf Speichern gedrückt.

In Scrivener ist das anders, da wird alle zwei Sekunden automatisch gespeichert. Text verlieren ist nahezu ausgeschlossen, es sei denn, ich lösche etwas absichtlich. Und merke hinterher: Das war falsch.

Jetzt habe ich aber aus verschiedenen anderen Gründen zu Papyrus gewechselt und bin an vielen Punkten für den Roman damit auch sehr zufrieden, aber das ist ein echtes Manko. Wie kann das geschehen, dass drei Tage Arbeit einfach so weg sind? 

Und nun? 

Nun muss ich mich wohl gleich ans Werk machen und zusehen, dass ich möglichst viel aus meinem Gedächtnis wieder zu Papier bzw. in den Computer bringe. 

Und ich werde recherchieren, ob man auch bei Papyrus eine automatische Speicherung alle paar Minuten einrichten kann. Ich hoffe, mein Mann kann mir bei diesem technischen Problem helfen.

Was bleibt ist eine Menge Frust und eine Menge Arbeit!

Um möglichst schnell die verlorenen Szenen wieder herzustellen, ende ich für heute hier und setze mich an meinen Romantext.

Ich werde demnächst berichten, wie es weiter geht und ob ich es schaffe, die Texte einigermaßen zufriedenstellend wieder herzustellen.