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Wie mein Roman „Ansgar von Briant“ entstand

In diesem Artikel nehme ich dich mit ins Making of meines Romans „Ansgar von Briant – Der Freund des Königs„. Von der ersten Idee, über die Namensfindung bis zum fertigen Buch. Begleite mich auf meinem Weg zum Roman.

Wenn du wissen möchtest, wer ich eigentlich bin und warum ich Geschichten sammle, findest du das in meinem Artikel „Wer hinter der Kreativen Schreiberei steckt“.

Der Anfang – eine Figur taucht auf

Der erste Gedanke an ein Buch kam 2019 auf. Bis zum ersten Buchstaben auf einer vorher leeren Manuskriptseite, sollte es da noch zwei Jahre dauern.

Zu Beginn hatte ich eine grobe Idee, den Aufhänger für die Geschichte, wann Ansgar zum ersten Mal wirklich da war, kann ich gar nicht genau sagen.

Vielleicht war es ein Waldspaziergang oben am Wittlinger Berg. Ich ging zwischen den Bäumen – und plötzlich begann ich, mich mit einer Figur zu unterhalten, die es eigentlich noch gar nicht gab. Ich hatte ein grobes Bild im Kopf: Blitzend blaue Augen und wuscheliges kastanienbraunes, leicht rötliches Haar. Ein junger Ritter, talentiert und ehrgeizig, mutig und ein wenig verloren in dem, was ihm widerfuhr.

Vielleicht begann alles aber auch schon ein paar Tage zuvor. An dem Wochenende, an dem ich wie wild Namen ausprobiert habe. Auf einem Schmierzettel, der heute nicht mehr existent ist. In meinem Planungstool Plottr stehen inzwischen für die Ansgargeschichte ungefähr 100 Namen für Ritter, Könige, Weggefährten, Gaukler und Gegner. Die meisten entstanden tatsächlich an diesem einen Wochenende.

Einer davon stach heraus:

Ansgar.
Ansgar von Briant

Und ich wusste, das wird mein Protagonist.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was es war. Der Klang. Das Bild, das sofort entstand. Aber dieser Name ging mir nicht aus dem Kopf, er begleitete mich, machte sich selbstständig und wurde zu einer Figur, einem Charakter, der mir auch zuweilen widersprach. „Wenn du glaubst, dass ich das tue, kennst du mich aber nicht gut!“

Für manche meiner Figuren, auch für Ansgar selbst, habe ich mir Bilder aus dem Netz gesucht, Bilder aus mittelalterlichen Filmen, aus dem Medicus, einem Arthurfilm, aus The Last Kingdom , aus dem Geheimnis der Hebamme. Meine Figuren entsprechen den Bildern nicht zu hundert Prozent, aber sie dienten mir als Inspiration und Vorlage. Manchmal brauche ich solche visuellen Anker, um meiner Vorstellungskraft auf die Sprünge zu helfen.

Und dann habe ich mich unterhalten, diskutiert und eine ganze Welt gebaut.


Die eigentliche Ursprungsidee

Meine Ursprungsidee stammt aus einem Robin-Hood-Rollenspiel. Der Held aus dem Sherwood Forest fasziniert mich schon seit Kindertagen. Die Mischung aus Mut, Widerstand gegen ungerechte Staatsgewalt, Rebellion und gleichzeitig tiefer Loyalität hat mich seitdem nie ganz losgelassen.

Mit Mitte dreißig begann ich deshalb, an einem textbasierten Rollenspiel rund um meinen Kindheitshelden mitzuschreiben. Später wurde daraus ein privates LARP (Live-Rollenspiel), das auch eigene Figuren und neue Geschichten entwickelte.

In einer Szene dieses Spiels entstand schließlich der eigentliche Funke für meine Geschichte.

Ich spielte damals einen jungen Lehnsmann, der seinem König treu ergeben war. In einer Szene saßen beide Figuren zusammen am Tisch und sprachen über die Zukunft des Reiches. Und plötzlich entfuhr meiner Figur ein Satz, der eigentlich gar nicht geplant gewesen war:

„Seht endlich zu, mein König, dass Ihr Kinder bekommt.“

Die Reaktion kam sofort.

Der König wurde zornig und verwies mich – beziehungsweise meinen Charakter – vom Hof.

Der ursprüngliche Plan der Szene war ein ganz anderer gewesen. Doch plötzlich saß ich da mit meinem Lehnsmann, der alles verloren hatte: die Nähe zum König, seine Stellung am Hof und vielleicht sogar seine Zukunft.

Ich erinnere mich noch gut an diesen Moment. Ich fühlte mich mit meiner Figur regelrecht vor den Kopf gestoßen und versuchte noch, den König umzustimmen – ohne Erfolg.

Und gleichzeitig dachte ich:

Was passiert mit dem besten Freund eines Königs, wenn dieser König ihn plötzlich in Ungnade fallen lässt?

Diese Frage ließ mich nicht mehr los.

Weil ich Figuren und Welt dieses Rollenspiels natürlich nicht einfach übernehmen konnte, begann ich, meine eigene Geschichte zu entwickeln. Aus dem treuen Lehnsmann wurde später Ansgar von Briant, aus diesem speziellen König entwickelte sich Wolfhard von Eloan – und aus einem kurzen Moment entstand nach und nach eine ganze Welt.


Das Wochenende der fünfzig Namen und einer Landkarte

An einem Wochenende packte mich dann der schiere Wahnsinn und ich begann wie wild Namen zu erfinden. Anfangs gab es verschiedene Varianten, die eher englisch, französisch oder holländisch klangen. Und ich überlegte, ob jedes Volk seine eigene sprachlich abgegrenzte Variante kriegen sollte…. Namen mit dem adligen „de“ oder einem „van“ oder „of“ im Namen. Letztlich habe ich mich entschieden, sie zu vereinheitlichen und allen Völkern Namen zu geben, die Deutsch klingen und bei Adligen ein „von“ tragen. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, warum ich das so entschieden habe, zum einen wohl, weil ich kein Durcheinander und Kuddelmuddel mit Namen produzieren wollte, weil für mich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht klar war, wer genau zu welchem Volk gehören würde und also welchen ländertypischen Zusatz bräuchte…. Ich wollte es schlicht, einfach, leicht auszusprechen und bin so eben bei meiner eigenen Muttersprache gelandet.

Die Notizen entstanden damals tatsächlich auf einem Schmierzettel, der heute nicht mehr existent ist. Mein Bullet-Journal habe ich erst danach begonnen. Für die Namen habe ich Namensgeneratoren. Vornamenlisten im Stammbuch und im Internet genutzt und erstmal wirklich querfeldein gegoogelt und erfunden, Namen für Adlige, für Gaukler, Wegelagerer, Gegner, Leibeigene und Lehnsleute.

Und natürlich brauchte ich auch Namen für Länder und Orte. Und daraus entstand dann das Projekt Fantasykarte malen, dass ich am gleichen Wochenende gestartet habe. Wie ich dabei vorgegangen bin, kannst du in meiner Anleitung zum Erstellen einer Fantasykarte nachlesen. Am Sonntag Abend hatte ich dann tatsächlich eine einigermaßen brauchbare Namensliste und eine grobe Karte meiner neuen Welt.

Und ein Name hatte mich angesprungen: Ansgar von Briant.
Er gab dem ganzen Projekt schließlich seinen Titel.


Der Moment im Wald

Bis ich tatsächlich mit dem Schreiben begann verging noch einmal mehr als ein halbes Jahr. Eine Zeit in der im Außen so viel passierte, dass ich keine Zeit fand, mich hinzusetzen und zu schreiben. Das aber bedeutete nicht, dass mir die Geschichte verloren ging.
Im Gegenteil. Ich trug sie mit mir:

Besondere Momente waren es dann, wenn man im Wald spazieren ging oder auch ganz profan Wäsche zusammenlegte. Das waren die Zeiten, in denen meine Figur mich besuchte, Gestalt gewann, Leben eingehaucht bekam, kurz und gut in denen sie zu einem lebendigen Charakter reifte. Ich hab sie interviewt meine Helden: Was magst du gern? Was kannst du nicht? Wohin willst du? Was ist dein wichtigstes Ziel? Wovor hast du Angst?

Und sie haben geantwortet. Manchmal während wir durch den Wald wanderten. Berge hinauf und hinab, manchmal beim Autofahren oder eben bei all den öden Haushaltstätigkeiten für die man die Hände, aber nicht den Kopf braucht.

Als ich mich dann endlich im Januar 2021 auf den Hintern setzte, dachte ich, ich kenne meine Figuren, meine Geschichte schon sehr gut und ach, Schreiben kann ich doch, tat ich ja schon seit 10 Jahren in meinem textbasierten Rollenspiel. Aber ich hatte mich verkalkuliert. Alleine ein Buch schreiben ist anders, als mit anderen gemeinsam eine Endlosgeschichte zu spinnen. Die Figuren zu kennen alleine reicht nicht. Da braucht es noch mehr. Was genau erzähle ich dir jetzt:


Vom Gedanken zum Roman

Da saß ich nun mit meiner Idee, meinen Figuren und meiner Karte und tat mich schwerer als gedacht.

Eine der Herausforderungen: Wo fang ich eigentlich an.

Und als da meine erste Szene stand, kam ich auf die glorreiche Idee mal über Romananfänge zu googeln. Darüber, wie es richtig geht und darüber, wie man es besser nicht machen sollte. Und es stellte sich heraus, dass mein Anfang gleich mindestens 3 der fünf Kriterien für den schlechtesten Romananfang ever erfüllte. (Mein Held erwacht am Anfang der Szene, schaut aus dem Fenster und ich versuchte kramphaft eine Beschreibung seiner Person einzubauen.)

Also?
Gleich wieder in die Tonne klopfen und neu beginnen.

Diesmal mitten ins Geschehen springen. Eine wilde Kampfszene entstand, die mir wirklich gut gefiel, aber irgendwann gings um Dialoge und ich merkte, ich hab keine Ahnung, wie ich einen Dialog wirklich spannend machen kann.

Und dann kam mein erster Kurs. Ich holte mir genau da Hilfe. Ein Abendkurs über das Thema, wie man spritzige Dialoge schreibt, und tatsächlich, es half.

Meine Dialoge wurden besser, dafür tauchten andere Probleme auf, ich suchte mir den nächsten Kurs: Diesmal darüber, wie man historische Stoffe erzählt. Ein Kulturkurs der Uni Mainz. Überaus aufschlussreich und hilfreich….

Langsam wuchs das Buch, aber leichter war es immer noch nicht. Bis zu einem Kurs für „Leichtes Schreiben“ und plötzlich erlebte ich genau das wieder, was ich vermisst hatte, mein verbissenes „Dieses Buch muss fertig werden“ wurde zu einem spielerischen „guck mal, was da alles drin steckt.“ Und letztendlich habe ich mir für zwei Jahre eine Begleitung durch eine Schreibwerkstatt gesucht und mit anderen an meinem Buch gearbeitet. Heute biete ich solche Begleitung in meinen Schreibkursen selber an.

Was ich gelernt habe?

Buch schreiben braucht mehr als eine gute Idee. Mehr als lebendige Charaktere und eine tolle Landkarte.

Buch schreiben braucht vor allem eins:
Ausdauer!

Und eine regelmäßige Zeit zum Schreiben
außerdem Mut,
Korrektur von außen
und Ermutigung durch andere
und nochmal Ausdauer
und den Mut auch mal 100 Seiten in die Tonne zu klopfen, wenn man sich verrannt hat und eine bessere Idee es nötig macht.

Und dann kam etwas, das mich wirklich überrascht und kalt erwischt hat:

Nach mehr als hundert geschriebenen Seiten machte meine Geschichte Plöpp.

Ich merkte: Das wird kein einzelnes Buch.

Die Figuren hatten noch viel mehr zu erzählen. Neue Konflikte tauchten auf, neue Wege, neue Entscheidungen.

Aus der einen Geschichte wurde plötzlich eine größere Welt – und aus einem geplanten Roman wurde eine Geschichte für drei Bücher.

Aus der einen Perspektive durch Ansgars Augen wurde eine ganze Welt und mehr Arbeit, als ich mir je erträumt hätte.

Bereue ich es, begonnen zu haben?
Nein.

Ich liebe dieses Abenteuer Buch schreiben, gerade weil es ein echtes Abenteuer ist und nie ganz vorhersehbar.


Heute ist aus dieser Idee mein Roman Ansgar von Briant – Der Freund des Königs geworden – und du bist eingeladen, an dieser Geschichte teilzuhaben.

Wenn du neugierig geworden bist, führt dich der Titel direkt zu meiner Buchseite.

Und manchmal denke ich noch an diesen Moment zurück: an einen Zettel voller Namen und an einen Spaziergang im Wald, bei dem plötzlich eine Figur begann, mit mir zu sprechen.

Damals ahnte ich noch nicht, dass aus dieser einen Idee einmal eine ganze Welt entstehen würde.

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