Leinwandmanko, Tabchaos und Funkenflug

Eine äußerlich beinah ruhige Woche mit inneren Turbulenzen geht zu Ende. Ich nehm dich mit hinein in das kreative Chaos in meinem Hirn, das akute Leinwandmanko und den Funkenflug in meinem Bujo und in meinen Gedanken. Die Woche war wild, kreativ, überfordernd und an manchen Stellen überraschend schön. So vieles gleicheitig war wichtig. Blumen und Bänke unterwegs. Und dann wieder mehr Klarheit, mehr Richtung.
Manches davon findest du in meinem letzten 12 von 12 in Bildern.

Wie immer verlinke ich diesen Samstagsplausch mit dem Blog von Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer.

Mein Gehirn hatte diese Woche eindeutig zu viele Tabs offen

Diese Woche fühlte sich ein bisschen an, als hätte jemand gleichzeitig zwanzig Browser-Tabs, drei Notizbücher und mein Nervensystem geöffnet.

Da war Facharbeit-Endspurt mit meiner Tochter. Drei Tage lang Quellen, Formulierungen, Paraphrasen, Literaturverzeichnis und dieses berühmte:
„Kannst du da nochmal drüberschauen?“

Ich habe dabei gemerkt, wie anstrengend nicht nur die eigentliche Arbeit ist, sondern auch die Stimmung drumherum. Wenn jemand neben einem sitzt und unter Druck steht, spannt man innerlich schnell mit an. Obwohl meine Tochter, im Gegensatz zu vielen Klassenkameraden, sehr gechillt war, rechtzeitig angefangen hatte und gar nicht so sehr in Endspurtpanik geraten ist.
Und dennoch:
Irgendwann waren unsere Köpfe so wattig, dass selbst einfache Formulierungen plötzlich wirkten, als müsste man sie mit bloßen Händen aus Treibsand ziehen.

Zwischendurch stand dann noch mein Sohn in der Küche und hat Speck so enthusiastisch angebraten, dass die ganze Küche verraucht war und der Rauchmelder im Flur losging. Ich selbst hatte noch nichts gegessen, war halb angezogen und rettete mich schließlich mit einem gebunkerten Notvorrat aus der Sitzbank im Wohnzimmer: Couscous mit Thunfischsalat.

Nicht glamourös.
Aber ehrlich gesagt ziemlich großartig.

Die Facharbeit ist inzwischen abgegeben. Mittwoch mittag wurde sie gedruckt und gebunden und Freitag morgen abgegeben beim Lehrer, der extra dafür Wache in der Schule halten musste. Denn natürlich war am Brückentag das Sekretariat zu.

Meine Tochter und ich waren danach Kuchen essen – improvisiert irgendwo auf einem Supermarkt-Sitzplatz – und genau das war irgendwie schön. Nicht perfekt. Aber echt.

Große Papierbögen und noch größere Fragezeichen

An Christi Himmelfahrt haben mein Mann und ich große Papierbögen hervorgeholt und angefangen, Dinge zu sortieren.

Schreiben.
Arbeit.
Kunst.
Glaube.
Familie.
Menschen begleiten.
Sichtbarkeit.
Kurse.
Crowdfunding.
Zukunft.

Nicht geschniegelt, nicht glänzend, eher wild, ehrlich und voller Pfeile, Kreise und Fragezeichen.

Und mitten darin kam plötzlich ein Gedanke hoch, der mich seitdem nicht mehr loslässt:
Vielleicht gehören diese ganzen Bereiche meines Lebens viel stärker zusammen, als ich lange dachte.

Schreiben, Kunst, geistliche Themen und kreative Begleitung sind gar nicht diese sauber getrennten Schubladen, für die ich sie oft halte. Da geht längst ein gemeinsamer Faden hindurch.

Gleichzeitig standen plötzlich sehr konkrete Fragen im Raum:
Wie macht man eigentlich ein Crowdfunding? (Hey, ich hab schon mal eins gemacht und trotzdem steh ich wieder da und denke: kann ich das überhaupt?)
Warum sollten Menschen mein Buchprojekt unterstützen?
Wie spricht man über die eigene Arbeit, ohne sich peinlich oder arrogant zu fühlen?

Ehrlich gesagt:
Ich habe darauf noch keine fertigen Antworten.

Vielleicht brauche ich wirklich Leinwände

In den letzten Tagen ist etwas Seltsames passiert:
Ich habe wieder angefangen zu kritzeln.

Nicht geplant. Nicht mit dem Ziel, Kunst zu machen. Eher aus einem inneren Bewegungsimpuls heraus. Einfach Linien übers Papier laufen lassen.

Und irgendwann sah ich plötzlich Wasser darin.
Seegras.
Korallen.
Funken.
Feuer.

Das Faszinierende daran:
Die Bedeutung kam erst hinterher.

Aus dem Impuls heraus habe ich mir nochmal das Thema für die nächste Ausstellung (bei der Heaven-Come-Konferenz im November) in unserer Gemeinde angeschaut. Es lautet:
„Bereit sein.“

Seitdem arbeitet es in meinem Kopf.

Im Moment spukt dort die Idee eines dreiteiligen Bildes herum:

„Noch nicht bereit.“
„Er macht mich bereit.“
„Ich bin bereit, weil er es für mich war.“

Kurz vorher habe ich eine alte, rissige Mauer fotografiert. Bröckelnd. Rostig. Unfertig. Und jetzt denke ich, wie sehr das passt…

Und genau das berührt mich gerade:
Nicht Frömmigkeit, nicht perfekt sein aus mir heraus, sondern ein Gott, der Menschen vorbereitet.

Ich weiß noch nicht, was daraus wird.
Aber ich glaube ehrlich gesagt, ich brauche bald Leinwände.

Der Moment, in dem Eloan größer wurde

Auch beim Schreiben hat sich diese Woche etwas bewegt.

Ich habe alte und neue Klappentexte verglichen und plötzlich gemerkt, wie sehr sich mein Schreiben verändert hat. Früher wollte ich Handlung erklären. Heute interessiert mich viel stärker Atmosphäre.

Spannung.
Bedrohung.
Das, was zwischen den Zeilen liegt.

Und mir wurde neu klar:
Diese Reihe ist größer geworden, als ich ursprünglich dachte.

Aus einem einzigen geplanten Band wurden inzwischen mehrere Bücher mit eigener Bewegung, eigener Stimmung und eigenem Gewicht.

Band zwei ist fast fertig, soll in diesem Herbst erscheinen und Band drei steht auch schon, in der Rohfassung mit Lektoratskommentaren. Er wird dann hoffentlich in der ersten Hälfte des nächsten Jahres folgen.

Für den zweiten Band stand ja schon ein Titel fest – Wolkenstein – aber jetzt brauche ich zwei.

Im Moment deutet vieles darauf hin, dass Band 3 wohl „Schatten über Eloan“ heißen wird – und erstaunlicherweise fühlt sich dieser Titel inzwischen ziemlich richtig an. Wenn du eine Meinung dazu hast, schreib sie gerne in die Kommentare.

Danach wird mindestens noch Band 4 folgen, eventuell 4 und 5. Für den letzten Band steht der Titel auch schon fest. Schwierigkeit ist jetzt, abzuschätzen, ob es eben ingesamt 4 oder doch 5 Bücher werden, denn davon hängt einiges ab. Ich will nicht mehr quetschen müssen, aber gleichzeitig will ich es auch nicht künstlich in die Länge ziehen.

Mitten in all dieser kreativen Begeisterung steckt natürlich die ganz praktische Selfpublisherrealität:
Versandkosten.
Coverplanung.
Kapitelzierden.
Hardcoverpreise.
Crowdfundingzahlen.

Manchmal fühlt sich Schreiben plötzlich weniger nach Kunst und mehr nach Kalkulation, Tabellen und leichtem Nervenzusammenbruch an. Und nach Drama im Logistikzentrum.

Und trotzdem:
Irgendwo zwischen Zahlen, Kostenrechnungen und Coverfragen taucht immer wieder dieser kleine Gedanke auf:
Das ist eine echte Saga. Auch wenn sie noch nicht ein Millionenpublikum erreicht.

Über meine letzte Lesung habe ich übrigens hier geschrieben: Tee, Türme und tausend Gedanken.

Diese Mail bleibt

Eigentlich wollte ich nur besser verstehen, was Menschen an meinen Büchern bewegt. Damit ich neue Menschen besser ansprechen kann mit meiner Werbung.

Also habe ich einigen Testleserinnen und Fans ehrliche Fragen gestellt.
Nicht wegen Lob.
Sondern weil ich gerade mitten in Crowdfundingdenken, Marketingüberlegen und Manuskriptzweifeln stecke.

Dann kam eine lange Nachricht.

Eine Testleserin schrieb mir, dass sie die Bücher kaum aus der Hand legen konnte. Dass sie sich wie ein Gast in der Geschichte fühlt. Dass sie mit den Figuren mitfiebert und nachts weiterlesen musste.

Ich saß morgens um fünf im Halbdunkel da.
Mit Tränen in den Augen.
Und diesem seltsamen Gefühl aus Dankbarkeit, Unglauben und völliger Überforderung.

Nicht nur wegen der schönen Worte.
Sondern weil mich diese Nachricht an etwas erinnert hat, das man zwischen Lektoratskommentaren, Überarbeitungsschleifen und Selbstzweifeln leicht vergisst:

Dass Geschichten tatsächlich Menschen erreichen können.

Genau das war diese Woche wichtig:
Nicht nur weiterzuschreiben.
Sondern neu zu verstehen, warum ich überhaupt schreibe. Und dass ich etwas bewirke.

Fünf Aufrufe und eine mittelschwere Existenzkrise

Diese Woche war außerdem voller kleiner Gespräche, Nachrichten und organisatorischer Dinge.

Ich habe Termine abgestimmt, über mögliche Schreibbegleitung nachgedacht, Reels gebastelt, Blogartikel vorbereitet und zwischendurch mehrfach gedacht:
Wie soll man eigentlich gleichzeitig kreativ sein und sichtbar werden?

Besonders frustrierend war ein Reel, in das ich viel Mühe gesteckt hatte – nur damit es zunächst gefühlt komplett unterging.

Fünf Aufrufe in der ersten Stunde reichen offenbar völlig aus, damit mein innerer Drama-Ministeriumsdienst sofort eine Krisensitzung einberuft.

Und trotzdem merke ich:
Ganz nutzlos ist das alles nicht.
Menschen finden tatsächlich über Blog, Webseite, Social Media oder Empfehlungen zu mir.

Nicht explosionsartig.
Aber real.

Es gab diese Woche zum Beispiel eine überraschende Anfrage rund um Schreibbegleitung und Buchprojekte. Das Gespräch selbst steht noch aus, aber allein die Anfrage hat einiges in mir angestoßen. Und ich bin sehr gespannt, ob die Vorstellungen meines potentiellen Kunden und das, was ich anbieten kann, kompatibel sind. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn eine Zusammenarbeit zustande käme.

Zweiter Kuchen des Tages

Du erinnerst dich: Die Facharbeit ist inzwischen abgegeben.

Und es gab Kuchen. Das war gestern.

Am  Mittag dieses Freitags saß ich dann im Coworking Space der alten Feuerwache und bereitete diesen Samstagsplausch vor. Danach zog ich weiter ins Café Kirche (ein Sockwerk unter dem Coworking) und gönnte mir den zweiten Kuchen des gestrigen Tages.

Das Verrückte daran:
Eigentlich bin ich dort ins Coworking eher so hineingerutscht. Und plötzlich hatte ich ein erstes Online-Meeting wegen Host-Aufgaben, Schlüssel und Organisation. Und werde nicht nur Nutzer, sondern Mitträger dieser Sache.

Irgendwie passiert gerade vieles gleichzeitig.

Dazu kommt:
Ich hatte einen Termin im Atemzentrum und habe eine neue CPAP-Maske ausprobiert, weil mich meine alte schon seit Jahren nervt. Und als ich gelesen hab, dass es da andere Lösungen geben könnte, musste ich mich einfach kümmern. Die neue funktioniert überraschend gut. Ich schlafe ruhiger, werde weniger wach und das allein fühlt sich gerade schon wie ein kleines Wunder an.

Vielleicht ist das überhaupt gerade mein Leben:

Zu viele Tabs offen.
Zu wenig Leinwand.
Und viel zu viele Ideen gleichzeitig.

Facharbeit.
Crowdfunding.
Mohnblumen.
Coworking.
Manuskriptseiten.
Verkehrschaos.
Funken im Bullet Journal.

Da braucht es einfach genügend Luft. Und mittendrin immer wieder diese kleinen Momente, in denen ich plötzlich denke:
Vielleicht bewegt sich da wirklich etwas.

Nicht geschniegelt.
Nicht fertig.
Aber lebendig.

Ich wünsche dir ein wunderbares Wochenende, sei gesegnet. Und immer genug freie Leinwand, die Möglichkeit, offene Tabs zu haben oder sie zu schließen, genau so, wie du es brauchst und natürlich jede Menge Funkenflug.
Übrigens plane ich, meinen Newsletter auszubauen. Wenn du noch tiefer ins Chaos, die Geschichten und den Funkenflug eintauchen möchtest, freue ich mich, wenn du dabei bist. Meld dich an unter: Post aus Eloan.

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