Das Heim lüften – zwischen Enge und Weite

Hallo und Willkommen zum neuen Samstagsplausch. Wie immer verknüpfe ich meinen Wochenrückblick mit der Blogparade von Karminrot und dem Karminroten Lesezimmer.

Eine Woche ohne Knall, aber mit Gewicht

Diese Woche war anstrengend.
Nicht laut, nicht spektakulär – aber dicht.
Viele Gespräche, zu viel Schlaf oder zu wenig Schlaf, viel inneres Sortieren.

Es war keine Woche der großen Entscheidungen.
Eher eine, in der ich gemerkt habe, wo es eng wird –
und was mir dann hilft.


Konzentration statt Komfort

Am letzten Samstag hatte ich einen intensiven Starter-Kurs mit nur einer Teilnehmerin, die ihre Lebensgeschichte erzählen möchte. Deutsch ist nicht ihre Muttersprache, das machte die Arbeit anspruchsvoll – für uns beide.
Viel Nachfragen, viel Klären, wenig Automatismus. Obwohl es mich an manchen Stellen sehr herausgefordert hat, haben mir diese 2 Stunden richtig Freude gemacht und auch mein Gegenüber hat am Ende gestrahlt und sich entschieden: Sie möchte direkt im Dienstagabendkurs weitermachen.

Der Nachmittag war der Regeneration gewidmet, denn es hatte sich Kopfweh eingestellt.

Meine Erkenntnis an diesem Tag: Gute Arbeit darf fordern.
Sie muss nicht bequem sein – nur ehrlich. Und sie darf Freude machen.


Der Tag, der einfach weg war

Der Sonntag war eher ein Total-Ausfall.
Verschlafen, im Bett sitzend haben wir den Gottesdienst nur halb im Livestream geschaut und das Kopfweh wurde allmählich mehr als lästig. Außer einer knappen Stunde, in der ich Termine in mein Bullet Journal übertragen und mir Gemeindezeiten geblockt habe, bestand der Tag nur aus rumliegen, dösen und essen. So einen lazy sunday hatte ich schon lange nicht mehr. Aber naja, wie sagt man:

Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.
Mehr war an dem Tag offenbar nicht drin.


Pflichtprogramm und schwere Gedanken

Am Montag war ich sehr früh wach, selbst für meine Verhältnisse ist 3 Uhr nachts nicht normal, aber trotz ernsthaftem Versuch kam der Schlafmodus einfach nicht zurück. Um sechs habe ich das Frühgebet der Gebetswoche geleitet, danach noch Fahrdienste übernommen, für meinen Mann und meine Tochter – und damit war mein Energielevel eigentlich schon aufgebraucht und das schon deutlich vor Mittag. Auch das Kopfweh hielt sich hartnäckig und knockte mich ziemlich aus.

Abends habe ich Hauskreis und Gebet sausen lassen. Nicht aus Lustlosigkeit, sondern weil wirklich nichts mehr ging.

Dazu kam noch ein Anruf von der Ärztin meiner Mutter. Sie hat mir auf die Mailbox des Handys gesprochen und das hat mich so unter Druck gesetzt, dass ich mich außer STande sah, direkt zurückzurufen. Ich habs auf Dienstagmorgen geschoben, damit ich einigermaßen klar im Kopf der Ärztin und dem schwierigen Thema begegnen konnte. Das Gespräch war wichtig, manches ließ sich klären – aber meiner Mama geht es weiterhin nicht gut und das hat mich emotional ziemlich mitgenommen. Zumal ich sie ja nicht so einfach besuchen kann. Manchmal bedauere ich ihre Entscheidung schon, nicht hier bei uns ins Altersheim gegangen zu sein, auch wenn ich das vor sechs Jahren gut verstehen konnte.

Abends fand mein Dienstags-Kurs statt, wie jetzt meist, aber mit neuer Besetzung. Wieder konzentrierte Arbeit, wieder grundlegenden Fragen: Was gehört wirklich in eine Lebensgeschichte? Was ist nicht fürs Publikum gedacht? Und wie beschreibe ich Gefühle ohne sie explizit zu nennen?

Eine alte und neue Erkenntnis stellte sich ein: Klarheit entsteht oft nicht durch Antworten, sondern durch gute Fragen.


Gespräche, Gebet und ein Notausgang aus Papier

Der Mittwoch war gemischt.
Ein Abschlussgespräch mit dem Chef von schoolkidz – persönlicher und wärmer als gedacht. Und ein Gedanke, der hängen blieb: DU bist besonders gu, wenn du dir mit anderen die Bällezuspielen kannst. Vernetz dich wieder mehr. Mit anderen Autoren. Mit Leuten, die dich inspirieren und die du inspirieren kannst. Nicht als Pflicht, sondern als Möglichkeit.

Gleichzeitig viel Schwere.
Wir haben eine Gebetskette für einen schwerkranken Jungen aus der Gemeinde, weilsein Zustand kritisch war: Entzündung im Bauchraum, Not-OP, später wurde noch eine zweite notwendig.
Ich kennedie Familie und war ziemlich durch.

Abends habe ich nichts mehr „geschafft“.
Aber ich habe etwas gestaltet: zwei Seiten im Bullet Journal.
Erst Raum und Weite, dann Enge. Offenbar musste es genau so herum sein. Und danach wurde das Atmen wieder leichter.

Auch hier habe ich etwas gelernt: Die logische Reihenfolge ist nicht immer die Beste. Manchmal kommt erst die Weite, dann die Enge und das tiefe Durchatmen erst, nachdem man die Enge zugelassen hat.


Das Heim lüften

Am Donnerstag war ich zum ersten Mal seit Tagen kopfschmerzfrei.
Ich habe gearbeitet – am Manuskript (endlich wieder! Mit Kopfweh war das unmöglich!) und im Haushalt – und hatte schon wieder neue Erkenntnisse. So sehr der Raum schreit und mein Chaos überhand nimmt. Wenn ich mich zwinge hier aufzuräumen und möglichst viel zu schaffen, dann überfordert mich das nur.

Was funktioniert, ist etwas anderes:
das Heim lüften.
Ich hab mir einen neuen Namen ausgedacht, damit mein System nicht gleich in Alarmmodus geht und ich hab mir neue Regeln überlegt:

Ein Teil darf gehen. Das heißt, ich versuche mich jeden Tag von etwas zu trennen. Keine große 1000 Teile-raus-Challenge, kein, gleich alles auf einmal oder Dokumentier mal mit Foto, was du wegschmeißt. Ein ganz einfacher Akt, such dir etwas, dass eh schon lange imWeg ist, hässlich oder unbrauchbar oder einfach überlebt. Und schmeiß es weg. Und das habe ich getan.

Außerdem habe ich beschlossen, dass es sinnvoll ist aufzuhören, bevor ich leer bin. Undmeine AUfräumetappen in wirklich kleine Häppchen zu eilen mit Pausen dazwischen.
Das erstaunliche daran: Dann bleibt genug Kraft für den nächsten Schritt.

Erkenntnis: Ich kann den Alltag halten, wenn ich mich nicht zwinge und mir Pasuen nicht nur abringe, sondern ausdrücklich einbaue.


Tragfähig statt perfekt

Der Freitag hat dieses Gefühl getragen.
Ich bin früh ins Manuskript gegangen, habe konzentriert gearbeitet und bin richtig vorangekommen. Danach Hausarbeit – nach denselben Regeln wie am Tag zuvor: ein Teil durfte gehen. Und siehe da, es wurden sogar vier Teile, einfach so, weil sie mir in die Quere kamen und ich mir die Erlaubnis gegeben hatte.

Am Nachmittag saß ich im Café Kirche, habe mein Bujo weiter gestaltet, Gedanken sortiert und mir diese Woche noch einmal angeschaut. Und ich habe mich ums Vernetzen gekümmert, aber dazu erzähle ich nächse WOche mehr.

Abends war dann Bibelschule – Input, Gemeinschaft, Spaß und Gebet. Das Thema Heilung beschäftigt mich ja schon eine Weile. Es wurde auch nochmal für beziehungsweise gegen mein Kopfweh gebetet, dass sich gegen Abend wieder eingeschlichen hatte und natürlich für mein Knie. Der Kopf wurde sofort deulich besser, beim Knie warte ich mal ab, im ersten Moment waren auch da die Schmerzen weniger, aber das schwankt halt immer mal.

Es war ein runder Abschluss des Tages und dieser Woche.


Was bleibt

Ich habe diese Woche nicht alles gelöst.
Aber ich habe gemerkt:

Wenn ich mich nicht zwinge, trägt mich mein Alltag besser.

Diese Woche fühlt sich nicht leicht an.
Aber sie hat mir neue, wertvolle Erkenntnisse beschert.
Und mir wieder einmal gezeigt: Gott geht mit – auch da, wo es schwer ist. Und:

Ich darf mein Leben lüften –
nicht vollends leerräumen.

Und wie immer macht es die Dosis.

In diesem Sinne wünsche ich dir ein wohldosiertes, gut sortiertes Wochenende
und einen gesegneten, wunderbaren Start in die neue Woche.

PS: Falls du Lust bekommen hast, selbst zu schreiben:
Ich empfehle dir zum einen meine Schreibschnuppenchallenge (100 Worte schreiben und teilen – jeden Mittwoch, ganz unkompliziert).
Und zum anderen findest du hier die Möglichkeiten, wie man mit mir zusammenarbeiten kann.

Ähnliche Beiträge

Ein Kommentar

  1. Man muss eben auch nicht alles. Ich lerne es ja gerade auch wieder. Ich hatte es vergessen.
    Schön, dass die Kursteilnehmerin so viel Freude hatte und gleich noch intensiver mitmachen möchte.
    Liebe Grüße und erhole dich
    Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert