Fertig-fertig, unterwegs und ein bisschen dazwischen

Was für eine Woche. Was alles war und womit ich mich so herumgeschlagen habe, erzähle ich dir in diesem Samstagsplausch. Übrigens verlinke ich den Samstagsplausch, wie immer, bei Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer.
Wenn ich überlege, wo sie angefangen hat und wo ich inzwischen sitze, kommt sie mir fast ein bisschen länger vor als nur sieben Tage.
Am Anfang stand nämlich vor allem eins:
Wolkenstein.
Wolkenstein lesen. Wolkenstein korrigieren. Wolkenstein noch einmal lesen.
Wolkenstein wirklich, wirklich fertig bekommen. Eben endlich meinen Roman fertig schreiben.
Digitaler Frühjahrsputz mit ChatGPT
Und davor hatte ich außerdem noch beschlossen, bei ChatGPT einmal ziemlich gründlich aufzuräumen. Über die Zeit hatte sich dort mehr an Erinnerungen und altem Kontext angesammelt, als mir lieb war, und so gab es erst einmal einen digitalen Frühjahrsputz. Hinterher war vieles wieder deutlich übersichtlicher.
Ganz erledigt war das Thema damit allerdings nicht.
Denn natürlich brachte mich das Ganze auch ins Nachdenken darüber, wie persönlich ich eigentlich mit KI arbeiten möchte. Ich nutze ChatGPT inzwischen seit anderthalb Jahren ziemlich intensiv: zum Sortieren, Denken, Planen, Schreiben, Fragenstellen und gelegentlich auch zum gepflegten Quatschmachen.
Und ich mag genau dieses Persönliche daran.
Gleichzeitig will ich aber eben auch wissen, was über mich bekannt ist, woher Informationen kommen und was davon wirklich dauerhaft irgendwo stehen muss.
Ausgerechnet in dieses Nachdenken hinein lieferte Chatty dann eine ziemlich eindrucksvolle Demonstration davon, was ich NICHT möchte.
Bei einer Wochenplanung tauchten plötzlich Dinge auf, die ich nie gesagt hatte. Irgendein Buch, irgendwelche Aufgaben, irgendwelche Social-Media-Pläne.
Äh … nein.
Komplett erfunden.
Was natürlich genau der falsche Moment für eine lupenreine KI-Halluzination war.
Immerhin führte das zu einer neuen klaren Regel: Wenn es um mich und meine Planung geht, sollen nur Dinge verwendet werden, die tatsächlich gesagt oder eindeutig belegt wurden. Und wenn etwas nicht bekannt ist, möchte ich lieber ein ehrliches „Das weiß ich nicht“ als eine kreativ gefüllte Lücke.
Seitdem testen wir das.
Bis jetzt funktioniert es deutlich besser.
Und trotzdem bleibt bei mir ein kleines Mhhh zurück.
Ich mag nämlich dieses Misstrauen nicht.
Ich möchte gern persönlich arbeiten können, ohne bei jedem Satz darüber nachzudenken, ob ich ihn nun erzählen darf oder nicht. Vermutlich wird sich mein eigener Umgang damit erst nach und nach einpendeln.
Aber für diese Woche war irgendwann sowieso keine Zeit mehr, darüber Grundsatzdebatten zu führen.
Wolkenstein, Wolkenstein und nochmals Wolkenstein
Denn Montag hieß es:
Wolkenstein, Wolkenstein und nochmals Wolkenstein.
Ich befand mich im allerletzten Korrekturlauf und musste bis Dienstagmittag durch sein, weil danach die endgültige Seitenzahl und alle Daten an meine Coverdesignerin gehen sollten.
Montag war deshalb kein gemütlicher Wochenanfang.
Montag war Großkampftag.
Ich arbeitete mich durch ungefähr 150 Seiten, korrigierte, prüfte, stolperte über Formulierungen, Wiederholungen und kleine Logikstellen und fragte mich zwischendurch einmal mehr, warum man eigentlich glaubt, ein Buch wäre irgendwann einfach fertig.
Ist es nicht.
Irgendwo findet sich immer noch etwas.
Ansgars verschwundene Stiefel
Zum Beispiel Ansgars Stiefel.
Die werden ihm an einer Stelle ausgezogen, damit man ihm Ketten anlegen kann.
Soweit, so logisch.
Nur hatte ich offenbar vergessen, ihm später wieder welche zu verpassen.
Ups.
Barfuß durch Eloan wollte ich ihn eigentlich nicht laufen lassen.
Noch viel besser ist allerdings, dass ich den Fehler zwar bemerkt habe – und jetzt gerade beim Schreiben dieses Samstagsplauschs feststelle, dass ich ihn noch gar nicht behoben habe.
Doppel-Ups.
Nun muss ich nur hoffen, dass mir diese winzige Änderung nicht doch noch irgendeinen Seitenumbruch zerreißt.
Aber immerhin zeigt genau so etwas, warum dieser letzte Lesedurchgang eben doch nötig war.
Wenn der Kopf einfach Schluss macht
Und irgendwann am Montagnachmittag war dann trotzdem Schluss.
Mein Kopf konnte nicht mehr.
Ich legte mich kurz hin, schlief ein und wachte mit ordentlich Duddel im Kopf wieder auf. Danach halfen Schwarztee, etwas zu essen, Wasser und vor allem meine Brille beim erneuten Menschwerden.
Abends fand nach mehreren Wochen außerdem endlich wieder unser Hauskreis statt.
Und ja: Nach einem Tag voller Manuskriptseiten wäre ich durchaus auch damit zufrieden gewesen, mich einfach irgendwo hinzulegen und gar nichts mehr zu tun.
Aber so ist das Leben nun mal.
Es fragt erstaunlich selten danach, ob gerade Buchdeadline ist.
Der allerletzte Wolkenstein-Endspurt
Am Dienstagmorgen waren noch 78 Seiten übrig.
Dazu Glossar, letzte Anhänge, Druckvorgaben, Barcode, Klappentext und all das Zeug, das plötzlich relevant wird, wenn aus einem Manuskript tatsächlich ein Buch werden soll.
Außerdem war ich sehr früh wach.
Um 4.44 Uhr.
Schnapszahluhrzeit.
Nur leider nach einer ziemlich bescheidenen Nacht mit deutlich zu wenig Schlaf.
Immerhin konnte ich im Bett schon am Klappentext arbeiten.
Ein Klappentext ohne Spoiler
Den Klappentext hatte ich zwar grundsätzlich fertig, aber ich hatte Rückmeldungen bekommen und wollte noch einmal genau hinschauen.
Besonders wichtig war mir dabei, dass er sichtbar zu Band 1 passt. Wieder mit Zitat, Dreizeiler, Jahresangabe und dem eigentlichen Text darunter.
Und vor allem wollte ich eines vermeiden:
Spoiler.
Was ich da beinahe verraten hätte????
Nee, keine Chance.
Wenn ich mir schon die Mühe mache, bestimmte Dinge aus dem Klappentext herauszuhalten, werde ich sie jetzt natürlich nicht hier im Samstagsplausch verraten.
Grins.
Der Text wurde jedenfalls noch einmal klarer, konkreter und am Ende wirklich rund.
Danach ging es zurück ins Manuskript.
Irgendein Laubbläser meinte zwar kurz vor halb acht, meinen konzentrierten Lesevormittag akustisch begleiten zu müssen, aber auch den überlebte ich.
Musik an.
Weiterlesen.
Irgendwann war ich auf Seite 376 von 408.
Noch 32 Seiten.
Fertig. Wirklich fertig.
Und dann kam tatsächlich dieser Moment:
Fertig.
Nicht „fast fertig“.
Nicht „eigentlich fertig“.
Nicht „bis auf ein paar Dinge“.
Fertig-fertig.
Ich hatte das komplette Buch noch einmal gelesen.
Vor- und Nachlauf.
Autorinnentext.
Glossar.
Alles.
Mein Mann hatte es zuvor ebenfalls gelesen, ich hatte wieder überarbeitet und nun noch einmal den kompletten Durchgang gemacht: Rechtschreibung, Grammatik, Formulierungen, Inhalt und am Ende sogar die Optik des gesetzten Buches.
408 Seiten.
Drei einsame Zeilen dürfen bleiben
Natürlich fand mein perfektionistisches Auge selbst dann noch Dinge, über die es hervorragend nachdenken konnte.
Zum Beispiel ein sehr kurzes Kapitel, bei dem ausgerechnet drei einsame Zeilen auf einer zweiten Seite landeten.
Sollte ich noch etwas dazuschreiben?
Etwas kürzen?
An irgendeinem Satz herumdoktern?
Ich habe mich dagegen entschieden.
Der Inhalt stimmt.
Es fehlt nichts.
Und irgendwann muss man tatsächlich aufhören, sonst verschiebt man hier eine Zeile, dort einen Absatz und bringt am Ende den kompletten Satz wieder durcheinander.
Also durften die drei Zeilen bleiben.
Ich speicherte die Datei ganz offiziell als Druckversion ab.
Allein das fühlte sich schon ein bisschen feierlich an.
Punktlandung um 11.27 Uhr
Danach sammelte ich die Druckvorgaben der Buchschmiede, Barcode und endgültigen Klappentext zusammen und schrieb meiner Coverdesignerin die Mail mit allen Daten.
Softcover und Hardcover wie bei Band 1.
Und dann klickte ich auf Senden.
11.27 Uhr.
Mein Plan für diesen Vormittag hatte gelautet:
Um 11.30 Uhr will ich mit dem Wolkenstein-Teil fertig sein.
Drei Minuten vor der selbst gesetzten Deadline.
Punktlandung.
Ich habe mein zweites Buch fertiggestellt
Danach lag ich erst einmal auf dem Bett und musste begreifen, was da gerade passiert war.
Natürlich fehlt bis zur Veröffentlichung noch Kleinkram.
Innenteil hochladen.
Daten bei der Buchschmiede aktualisieren.
Cover bekommen.
Alles prüfen.
Aber der entscheidende Teil war geschafft.
Und ich wollte diesen Moment nicht sofort wieder unter der nächsten To-do-Liste begraben.
Denn ich kenne mich.
Kaum habe ich etwas Großes geschafft, kann mein Kopf erstaunlich überzeugend behaupten, ich bekäme sowieso nichts auf die Reihe.
Deshalb habe ich mir an diesem Dienstag einen Satz ganz bewusst festgehalten:
Ich habe mein zweites Buch veröffentlichungsreif fertiggestellt.
Und noch einen:
Es ist wirklich gut geworden.
Der zweite Satz saß übrigens erstaunlicherweise nicht im Kopf.
Sondern irgendwo ziemlich deutlich mitten im Bauch.
Meine Bücher bekomme ich fertig
Die Chroniken von Eloan begleiten mich inzwischen seit fünfeinhalb Jahren.
Für Band 1 habe ich dreieinhalb Jahre gebraucht. Band 2 hat noch einmal gut zweieinviertel Jahre gebraucht – wobei in dieser Zeit gleichzeitig schon Band 3 entstanden ist.
Dessen Rohfassung steht längst.
Das Lektorat ist durch.
Als Nächstes wartet irgendwann die Überarbeitung.
Ausgerechnet der Teil des Büchermachens, den ich am wenigsten mag.
Ich schreibe viel lieber neu.
Aber an diesem Dienstag war das egal.
Denn auch wenn ich mich manchmal für jemanden halte, der Dinge anfängt, ins Schwanken gerät und nicht fertig bekommt, gibt es inzwischen einen ziemlich handfesten Gegenbeweis:
Meine Bücher bekomme ich fertig.
Und vielleicht darf ich daraus tatsächlich ein bisschen etwas über mich lernen.
Vom großen Autorinnenmoment zurück in den Alltag
Danach musste allerdings auch eine Autorin irgendwann Mittag essen.
Ich holte mir Brot mit Schinken und Feta-Creme aus der Küche und wurde dabei beinahe noch vom Senf erschlagen.
Keine Sorge.
Weder Autorin noch Fuß noch Senf nahmen Schaden.
Und aus Richtung Meerschweinchengehege kam bereits lautstarke Beschwerde.
Völlig unberechtigt selbstverständlich.
Das betreffende Schwein hatte morgens schließlich schon Salat bekommen.
So schnell landet man nach einem großen Lebensmoment wieder mitten im Alltag.
Grins.
Schreiben lehren, packen und noch tausend Kleinigkeiten
Der Dienstag war damit nämlich noch lange nicht vorbei.
Apotheke, Bank und ein paar Erledigungen in der Stadt standen ebenfalls an.
Außerdem musste das Meerschweinchen sauber gemacht werden, ich lud endlich die Unterstützerliste meines Crowdfundings herunter und bereitete noch meinen Schreibkurs vor.
Der fand am Abend diesmal nur mit einer Teilnehmerin statt, was eigentlich ganz schön war, weil wir dadurch sehr individuell arbeiten konnten.
Sie möchte reale Tiergeschichten und Begegnungen mit Menschen aufschreiben, und ich mag solche Vorbereitungen sehr: nicht einfach irgendeine allgemeine Schreibübung aus der Schublade ziehen, sondern schauen, was genau dieser Mensch erzählen möchte und welcher Impuls dabei helfen könnte.
Und dann musste natürlich noch gepackt werden.
Reisen mit 20-Liter-Rucksack
Denn Mittwochmorgen ging es los.
Eine Woche zu meinem Sohn.
Mit einem 20-Liter-Rucksack.
Was ungefähr so klingt, als würde man einfach ein paar Klamotten hineinwerfen und fertig.
Hahaha.
Nein.
Denn in diesen Rucksack mussten unter anderem mein Laptop und mein Atemgerät samt Zubehör.
Außerdem ein Buch für meinen Sohn, das fast ein Kilo wiegt.
Daran wollte ich allerdings wirklich nicht sparen.
Ich freue mich nämlich ziemlich darüber, dass er sich endlich an meinen Roman wagt.
Also wurde an anderer Stelle reduziert.
Shampoo, Duschgel und Zahnpasta kann man schließlich vor Ort benutzen oder kaufen.
Kleidung kann man waschen.
Und notfalls gibt es eben kreative Mehrfachverwendung.
Müde, aufgeregt und unterwegs
Am Mittwochmorgen saß ich schließlich am Badischen Bahnhof.
Noch ungefähr 25 Minuten bis zur Abfahrt.
Alles war gepackt, organisiert und vorbereitet.
Und plötzlich gab es nichts mehr zu tun.
Außer wirklich loszufahren.
Sehr merkwürdiges Gefühl.
Meine Fahrkarte hatte ich auf dem Handy.
Chatty natürlich auch.
Und irgendwann fiel mir auf:
Wenn ich dieses Handy verliere, ist nicht nur Chatty weg.
Sondern auch meine Fahrkarte.
Und mein kompletter Reiseplan.
Also nein.
Dieses Gerät durfte auf keinen Fall irgendwo liegenbleiben.
Viel zu warm
Etwas anderes hätte ich dagegen gern irgendwo liegenlassen:
meine Klamottenschichten.
Für die Woche brauchte ich Sweatjacke, dünne Regenjacke und Schal.
Am Bahnhof waren es aber schon 18 Grad und ich hatte alles an.
Sehr kluge Idee.
Wohl eher nicht. Seufz.
Wegpacken ging allerdings auch nicht.
Der Rucksack war voll.
Also knotete ich irgendwann die Jacken einfach um die Hüfte.
Nicht elegant.
Aber deutlich angenehmer.
Rückwärts im ECE ist keine gute Idee
Und dann saß ich im Zug.
Der fuhr nach Hamburg.
Was irgendwie komisch war, weil ich schon in Frankfurt wieder aussteigen würde.
Theoretisch hätte ich einfach sitzenbleiben und zu meinen anderen Kindern in den Norden fahren können.
Diesmal ging es aber in eine ganz andere Richtung.
Leider zunächst vor allem rückwärts. Ich hatte einen Platz entgegen der Fahrtrichtung erwischt. Und weil ich ziemlich müde war, wurde mir davon sehr schnell ziemlich schlecht.
Also setzte ich mich um.
Das half ein bisschen.
Mein Gleichgewichtssystem war trotzdem der Meinung, dass dieser Morgen noch nicht aufregend genug war.
Immerhin verlief die Fahrkartenkontrolle vollkommen unspektakulär.
Und irgendwann war klar:
Ich bin unterwegs.
Müde.
Aufgeregt.
Ein bisschen seekrank im ECE. Und ja, es war ein ECE, kein ICE….nämlich ein EuroCity-Express.
Aber ich war unterwegs. Das war die Hauptsache.
Nürnberg entdecken
Am Donnerstag hatte ich nach einer ächtlichen Unterbrechzúng dann noch einmal geschlafen, bevor der Tag richtig begann. Offenbar war das nötig gewesen.
Danach gab es Tee und Frühstück mit meinem Sohn und wir machten uns auf zu einer Mischung aus Erledigungstour und Stadtentdeckung.
Und ziemlich schnell merkte ich:
Ich mag Nürnberg.
Wir stiegen am Weißen Turm aus und ich staunte einfach.
Es ist wirklich schön dort.
Und plötzlich konnte ich sehr gut verstehen, warum mein Sohn gern hier lebt.

Warum mein Sohn gern hier lebt
Das ist noch einmal etwas ganz anderes, als wenn jemand einem erzählt, dass er sich an einem Ort wohlfühlt.
Wenn man selbst durch die Straßen läuft, die Häuser sieht, die Atmosphäre erlebt und irgendwann denkt:
Ja.
Ich verstehe das.
Zwischendurch landeten wir im Café Beer, einem echten Traditionscafé, und überhaupt genoss ich dieses Bummeln sehr.
Natürlich hatten wir Dinge zu erledigen.
Aber eben nicht nur.
Wir liefen durch die Stadt, blieben hier stehen, schauten dort und der Tag fühlte sich zunehmend weniger nach Erledigungstour und mehr nach gemeinsamem Entdecken an.






Einfach nur sitzen und schauen
Später saß ich eine Weile allein auf dem Jakobsplatz zwischen Jakobskirche und Elisabethkirche.
Die Sonne schien.
Es ging Wind.
Und ich saß einfach da.
Und es war wunderschön.

So ein kleiner Moment mitten in einem Tag, an dem eigentlich einiges auf dem Programm stand:
nichts erledigen.
Nirgendwo hinmüssen.
Einfach sitzen und schauen.
Vielleicht ist genau das etwas, das ich von diesem Besuch besonders mitnehme.
Ich lerne nicht nur eine Stadt kennen.
Ich bekomme auch ein bisschen mehr Gefühl dafür, wo mein Sohn lebt und warum er sich hier wohlfühlt.
Till Eulenspiegel und die Schildbürger
Zwischendurch landeten wir übrigens irgendwie noch bei Till Eulenspiegel und den Schildbürgern.
Keine Ahnung mehr, wie genau wir darauf gekommen sind.
Aber plötzlich wollte ich wissen, wie alt diese Geschichten eigentlich sind und ob sie miteinander zu tun haben.
Direkt nicht.
Verwandt sind sie trotzdem.
Und ich musste sehr lachen über den Unterschied:
Eulenspiegel führt gern andere vor, indem er ihre Worte ganz wörtlich nimmt.
Die Schildbürger dagegen schaffen es oft völlig allein, aus einem kleinen Problem ein sehr viel größeres zu machen.
Problem erkannt.
Lösung beschlossen.
Lösung macht alles schlimmer.
Also braucht es natürlich eine neue Lösung für das Problem, das die erste Lösung erst verursacht hat.
Manches ändert sich offenbar einfach nie.
Grins.
Nach Wolkenstein brauche ich wieder Struktur
Und weil mein Kopf auch im Urlaub offenbar nicht vollständig aufhört zu denken, entstand nebenbei noch ein neues Projekt für zu Hause.
Nach den vergangenen Wochen brauche ich dringend wieder irgendeine Form von Wochenstruktur.
Nur bitte keine, bei der ich schon beim Anschauen das Gefühl bekomme, mein Leben in eine Excel-Tabelle verwandelt zu haben.
Also tüftelte ich an meinem großen Whiteboard herum.
Zumindest theoretisch.
Das Whiteboard steht schließlich zu Hause.
Was mich natürlich nicht davon abhielt, unterwegs Papierstückchen auszuschneiden und Prototypen zu bauen.
Tinas Tagwerkplaner
Ich möchte daraus einen magnetischen Wochenplaner machen.
Mit verschiebbaren Zeitsteinen für Schreiben, Haushalt, Projekte, Termine, Sport, Freizeit und all das andere Zeug, das eben Zeit braucht.
Und vor allem mit zwei Bereichen:
Vorrat.
Und Geschafft.
Links liegen die Zeitsteine, die ich für die Woche eingeplant habe.
Wenn etwas erledigt ist, wandern sie nach rechts.
Und zwar wirklich alle.
Nicht nur „Roman geschrieben“ oder „Blogbeitrag fertig“.
Sondern auch Wäsche.
Einkauf.
Haushalt.
Arzttermine.
Sport.
All die Dinge, die hinterher gern so wunderbar unsichtbar sind.
Der Plan zeigt die Absicht. Geschafft zeigt die Wirklichkeit.
Das gefällt mir.
Sehr sogar.
Vielleicht brauche ich manchmal tatsächlich einen sichtbaren Gegenbeweis gegen dieses merkwürdige Gefühl, nichts geschafft zu haben.
Natürlich brauchte das Ganze irgendwann auch einen Namen.
Aus dem schnöden Wochenplaner wurde:
TINAS TAGWERKPLANER.
Und irgendwo darauf bekommt später auf jeden Fall noch dieser Satz einen Platz:
„The first draft of anything is shit.“
Ich finde, Hemingway und ein ausgeklügeltes Planungssystem ergänzen sich ausgezeichnet.
Der Planer darf meine Zeit organisieren.
Er darf nur bitte nicht auf die Idee kommen, dass in dieser Zeit immer sofort etwas Großartiges entstehen muss.
100.000 Wörter sind auch nur viele kleine Etappen
Und irgendwo zwischen all diesen großen und kleinen Themen tauchte diese Woche noch eine Zahl auf, über die ich ein bisschen nachdenken musste:
100.000 Wörter.
Wenn man täglich 2.000 Wörter schreibt, sind das 50 Schreibtage.
Nur für die Rohfassung natürlich.
Ohne Überarbeitung, Recherche, Leben und all das andere Zeug.
Trotzdem finde ich den Gedanken spannend.
100.000 Wörter klingen nach einem riesigen Berg.
2.000 Wörter klingen nach einer Tagesetappe.
Vielleicht gilt das ja für mehr Dinge als nur fürs Schreiben.
Manchmal muss man den Berg einfach in Etappen zerlegen.
Müssen, Können und den Rest entstehen lassen
Am Freitagmorgen lag ich dann wieder früh wach im Bett und überlegte:
Noch einmal schlafen?
Oder lieber gemütlich wach bleiben?
Ich entschied mich fürs Wachbleiben und dafür, später notfalls einen Mittagsschlaf einzuplanen.
Und während ich dalag, begann sich der Tag langsam zu sortieren.
Was wirklich dran war?
Diesen Samstagsplausch vorbereiten.
Duschen auch.
Aber später.
Aus Gründen.
Grins.
Was ich gern machen würde:
meinem Sohn in seiner Wohnung ein bisschen helfen.
Ein paar Dinge dafür organisieren.
Aber ausdrücklich als Kann, nicht als Muss.
Es ist seine Wohnung.
Ich bin zu Besuch.
Ich helfe so viel, wie sich für mich gut anfühlt.
Außerdem möchte ich endlich mein Reisetagebuch anfangen und es diesmal nicht nur dekorativ mit mir herumtragen.
Und ansonsten?
Mal sehen.
Mein Sohn ist heute einige Stunden unterwegs.
Ich habe Zeit für mich.
Und vielleicht muss ich tatsächlich nicht jede freie Stunde sofort mit einem Plan füllen.
Nach einer Woche, die mit Deadline, Korrekturen und einer Punktlandung drei Minuten vor Schluss begonnen hat, fühlt sich genau das gerade ziemlich gut an:
wissen, was wichtig ist.
wissen, was schön wäre.
Und den Rest unterwegs entstehen lassen.
Und jetzt wünsche ich dir genau das: Freiraum zum Durchatmen, die Erkenntnis, was du alles geschafft hast diese Woche und den Mut, Dinge auch mal liegenzulassen. Und in all dem die Gewissheit, Gott trägt durch. Sei gesegnet und bleib behütet.






