Fortschritt sieht nicht immer nach Fortschritt aus

Kennst du diese Wochen, in denen an unglaublich vielen Stellen etwas vorwärtsgeht – und man selbst trotzdem das Gefühl hat, kaum vom Fleck gekommen zu sein?

So eine Woche liegt hinter mir.

Vielleicht lag es daran, dass die Fortschritte dieses Mal nicht immer besonders spektakulär aussahen. Es waren gepackte Kartons, fertiggestellte Andachten, ein gelöster Knoten im Manuskript, neue Entwürfe auf dem Bildschirm und schließlich der Entschluss, den Laptop rechtzeitig zuzuklappen.

Aber der Reihe nach.

Kartons, Möbel und ein Sohn auf Heimaturlaub

Am Wochenende kam einer meiner Söhne nach Hause. Eigentlich wollte ich mich einfach darüber freuen. Gleichzeitig war mein Kopf allerdings so voll mit Campvorbereitungen, Manuskript, Umzug und allerlei anderen Dingen, dass selbst die Freude erst einmal Mühe hatte, sich ihren Platz zu erkämpfen.

Kennt ihr das? Man freut sich von Herzen auf etwas – und trotzdem fühlt es sich nicht so an, wie man es sich gewünscht hat.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Freude nicht da ist. Manchmal liegt nur so viel anderes darauf, dass man sie kaum spüren kann.

Immerhin wurde der Besuch meines Sohnes gleich sehr praktisch genutzt. Er und seine Schwester waren fleißig, haben für ihren bevorstehenden Umzug gepackt, Möbel abgebaut und Dinge sortiert. Während ich auf meine eigenen Aufgabenberge schaute, wurde also an anderer Stelle sichtbar Raum geschaffen.

Karton für Karton. Möbelstück für Möbelstück.

Auch das ist Fortschritt.

Vierzehn!

Der größte Haken auf meiner Liste gehörte in dieser Woche allerdings den Campandachten.

In wenigen Tagen beginnt unser Royal-Rangers-Sommercamp. In diesem Jahr begleiten wir Mose von seiner Geburt bis zum Durchzug durch das Schilfmeer. Morgens und abends gibt es eine Geschichte, eine Andacht und teilweise eine anschließende Teamzeit.

Aus den ursprünglich geplanten Beiträgen wurden für mich schließlich vierzehn Andachten.

Vierzehn!

Zwischendurch saß ich vor diesem Berg und wusste nicht, wie ich ihn rechtzeitig bewältigen sollte. Dann begann ich mit der ersten Andacht. Und mit der nächsten. An einem Tag entstanden sogar sechs Stück.

Nun sind tatsächlich alle fertig.

Mir war dabei wichtig, nicht nur irgendwelche frommen Gedanken zusammenzustellen. Die Kinder sollen entdecken können, was die Geschichte von Mose mit ihrem eigenen Leben zu tun hat: dass Gott einen Plan hat, auch wenn wir ihn noch nicht erkennen. Dass unsere Entscheidungen Folgen haben. Dass Gott redet, befreit und begleitet. Und dass er größer ist als das, was uns Angst macht.

Das Campmotto lautet in diesem Jahr:

Gott ist größer.

Ich hoffe sehr, dass dieser Satz nicht nur auf unserem Campheft steht, sondern für die Kinder und Jugendlichen lebendig wird.

Als die letzte Andacht fertig war, fiel die Anspannung von mir ab. Leider nicht in Form eines begeisterten Freudentanzes. Mein Körper entschied sich eher für vollständige Kopfmüdigkeit.

Aber fertig ist fertig.

Wenn Licht plötzlich laut wird

Mein Körper hat in dieser Woche ohnehin mehrfach sehr deutlich mitgeredet.

Nach einem anstrengenden und heißen Vormittag war ich völlig erschöpft. Ich hatte an diesem Tag ungefähr doppelt so viele Schritte gemacht wie im Durchschnitt der letzten Zeit. Zu Hause musste ich mich erst einmal anderthalb Stunden hinlegen. Meine Füße fühlten sich an, als würden sie glühen, und mein Kreislauf fand das Ganze ebenfalls wenig lustig.

Später kamen Übelkeit, Schwindel und ein dumpfer Druck im Kopf dazu. Licht war plötzlich „laut“. Geräusche auch. Alles wurde zu viel.

Das erinnerte mich an frühere Migräneattacken – nur ohne die ganz heftigen Kopfschmerzen.

Nach viel Schlaf wurde es glücklicherweise besser. Kaum hatte ich mich davon erholt, wachte ich allerdings in einer anderen Nacht frierend mit Halsweh und verstopfter Nase auf. Eine Woche vor dem Camp ist das ungefähr so willkommen wie ein Regenschauer über dem frisch entfachten Lagerfeuer.

Am Morgen sah die Welt zum Glück schon wieder freundlicher aus. Die Nase war frei, das Halsweh deutlich besser. Ich hoffe nun sehr, dass mein Körper die Kurve bekommt.

Vielleicht war seine Botschaft trotzdem deutlich genug: Fortschritt bedeutet nicht immer, noch ein bisschen weiterzumachen. Manchmal bedeutet er auch, rechtzeitig aufzuhören.

Die Tür nach Eloan wieder öffnen

Nachdem die Andachten fertig waren, wollte ich endlich wieder ins Manuskript von Wolkenstein einsteigen.

Nach mehreren Wochen Pause fühlte es sich beinahe an, als würde ich ein fremdes Buch aufschlagen. Wo war ich stehen geblieben? Was musste noch überarbeitet werden? Und wie sollte ich wieder in diesen Arbeitsfluss hineinfinden?

Vor mir lagen ungefähr vierzig bis fünfzig Seiten mit Anmerkungen aus dem Lektorat. Insgesamt rund 300 Kommentare noch.

Der erste Schritt fühlte sich riesig an.

Dabei weiß ich eigentlich längst: Motivation erscheint selten vor dem Anfang, schon gar nicht mit Fanfaren und wehenden Fahnen. Oft kommt sie erst, wenn man schon angefangen hat.

Also öffnete ich das Manuskript.

Und tatsächlich: Der Einstieg gelang. Mehr noch – ein wichtiger Knoten löste sich, und ich freute mich plötzlich auf den großen Handlungsblock, der vor mir lag.

Natürlich stellte sich dieser Abschnitt anschließend als deutlich umfangreicher heraus als gedacht.

Eigentlich wollte ich „nur“ eine wichtige Szene überarbeiten. Doch sobald ich an einem Faden zog, bewegte sich der halbe Handlungsstrang mit. Eine kleine Änderung brauchte plötzlich Vorbereitungen an früherer Stelle. Figuren mussten zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, Informationen durften nicht aus dem Nichts auftauchen und Verletzungen sich nicht einige Seiten später auf wundersame Weise verflüchtigen.

Es kamen hier ein Einschub und dort eine Anpassung hinzu. Die Vorbereitungen einer Figur mussten ebenso stimmen wie die Gegenmaßnahmen einer anderen.

Das kostete Zeit.

Am Ende des Vormittags hatte ich weniger neue Seiten, als ich gehofft hatte. Dafür greifen die einzelnen Teile nun wesentlich logischer ineinander. Außerdem habe ich erstmals eine zusammengeführte Arbeitsfassung, in der die bisher beschlossenen Änderungen gesammelt sind. Ich muss also nicht mehr alles gleichzeitig im Kopf behalten.

Als die Buchstaben vor meinen Augen zu verschwimmen begannen, habe ich aufgehört.

Früher hätte ich vermutlich versucht, mich noch irgendwie durch eine weitere Seite zu kämpfen. Dieses Mal war klar: Für heute reicht es.

Weniger Seiten. Mehr Fundament.

Auch das ist Fortschritt.

Wenn ein Buch langsam sein Gesicht bekommt

Nicht nur im Manuskript ging es weiter. Auch die Gestaltung meiner Buchreihe wächst.

Neue Entwürfe und Kapitelzierden sind angekommen, und ich habe eine ganze Weile über Falken, Bären, Schwerter und andere Motive nachgedacht. Welche Zeichnung passt wirklich zu einer Figur? Wo wirkt ein Tier zu gemütlich? Wann sieht ein Schwert eher elegant als bedrohlich aus?

Auch ein erster Coverentwurf für den nächsten Band ist inzwischen da. Viel möchte ich darüber noch nicht verraten. Nur so viel: Es wird dunkler – und das passt ausgesprochen gut zur Geschichte.

Nun gehen meine gesammelten Rückmeldungen an die Coverdesignerin. Ihre erste Mail hatte sich übrigens in meinen Spamordner verirrt. Dort kann natürlich selbst das schönste Cover keine große Wirkung entfalten.

Und noch etwas steht endlich fest: der Spruch für das neue Lesezeichen.

Ich habe viele Sätze gesucht, gelesen und wieder verworfen. Manche waren schön, aber keiner blieb wirklich .
hängen. Schließlich war er da.

Welcher Satz es geworden ist, verrate ich allerdings noch nicht. Ein kleines Geheimnis muss schließlich bleiben.

Aber ich glaube, dieser Satz darf die Leser von Wolkenstein künftig ein Stück begleiten. U.nd mich auch.

2.002-mal Danke

Auch das Crowdfunding für Wolkenstein ist inzwischen beendet.

Am Ende standen dort genau 2.002 Euro.

Damit war das Crowdfunding erfolgreich.

Ich bin unglaublich dankbar für jeden Menschen, der dieses Projekt unterstützt, geteilt, weitergesagt oder im Gebet begleitet hat. Einige haben sogar mehr als einmal unterstützt. Zwei Frauen aus einem meiner Kurse möchten sich zusätzlich unabhängig von der Plattform beteiligen.

Solche Gesten berühren mich sehr.

Manchmal meldet sich trotzdem mein schlechtes Gewissen. Darf ich mich wirklich darüber freuen, wenn jemand ein zweites Mal gibt? Habe ich den Menschen nicht schon genug zugemutet?

Dann muss ich mich daran erinnern: Niemand wurde gedrängt. Jeder durfte selbst entscheiden. Vielleicht darf ich diese Unterstützung einfach als das annehmen, was sie ist – ein Zeichen von Vertrauen und Wertschätzung.

Darum an dieser Stelle noch einmal:

Danke.

Ihr helft mit, dass Wolkenstein tatsächlich seinen Weg zu den Lesern finden kann.

Und dann wären da noch 24 Türen …

Als wären Camp, Manuskript und Buchgestaltung nicht genug, lässt mich noch eine andere Idee nicht los: ein Adventsbuch aus Eloan.

Die meisten Geschichten dafür sind bereits geschrieben. Und auch die Bilder könnten längst vorhanden sein. Mein Mann und ich fotografieren auf unseren Ausflügen offenbar mit erstaunlicher Begeisterung alte Türen, Tore und Eingänge. Inzwischen haben wir 27 oder 28 passende Aufnahmen gefunden.

Mehr, als ich überhaupt brauche.
Das Titelbild zeigt, wie die Türen dann im Buch aussehen werden. Wie Schwarzweiß-Radierungen.

Ob das Buch schon in diesem Jahr erscheinen kann, weiß ich noch nicht. Deshalb verspreche ich vorsichtshalber nichts. Aber die Idee wird immer greifbarer: 24 Türen, 24 Geschichten und jeden Tag eine kleine Reise nach Eloan.

Vielleicht brauchen manche Projekte einfach Zeit, bis sie ihre richtige Form finden.

Viele kleine Schritte

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, sehe ich inzwischen mehr Fortschritt, als ich mittendrin wahrnehmen konnte. Nicht alles ging so schnell, wie ich es mir gewünscht hätte. Manches brauchte Umwege, anderes mehr Kraft als erwartet, und mehrfach hat mein Körper mich ausgebremst.

Aber vielleicht muss Fortschritt gar nicht immer nach großen Sprüngen aussehen. Manchmal reicht es, eine Tür zu öffnen, den nächsten Schritt zu gehen – und rechtzeitig aufzuhören, bevor die Buchstaben vor den Augen verschwimmen.

Ich wünsche dir ein wunderschönes Wochenende.

Pass gut auf dich auf – und unterschätz die kleinen Schritte nicht.

Deine Martina

PS: Diesen Samstagsplausch habe ich wie immer mit Karminrot und ihrem karminroten Lesezimmer verlinkt.

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