Husum 2.0: Umzug, Familienzeit und Micro-Abenteuer

Diese Woche schreibe ich meinen Samstagsplausch aus Husum und ber den Umzug nach Husum.
Meine Tochter ist umgezogen. Nicht mehr Kartons packen, Möbel planen und darüber reden, wie es wohl sein wird. Wir haben den Transporter beladen, sind mit den Katzen durch die Nacht gefahren und haben ihre Sachen 1000 Kilometer weiter nördlich wieder ausgeladen.
Jetzt steht ihr Gamingstuhl in Husum. Ihre Kleidung zieht langsam in neue Regale ein. Zwei Kratzbäume stehen bereit. Und aus einer Wohnung voller Kartons wird Stück für Stück ihr Zuhause.
Ich bin noch ein paar Tage geblieben und sitze beim Schreiben deshalb nicht wie sonst zu Hause in Lörrach, sondern ziemlich weit im Norden – zwischen Umzugskisten, Familienzeit und der Vorbereitung auf meine Rückreise.
Meinen Samstagsplausch verlinke ich wie immer bei Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer.
Und diesmal gibt es wirklich einiges zu erzählen.
Angekommen ist noch nicht fertig
Der große Umzugstag begann überraschend effizient.
Das Einpacken der Möbel in den Transporter ging nämlich ziemlich schnell: ungefähr anderthalb Stunden reine Packzeit. Mit Auto holen und Pause waren wir nach etwa zweieinhalb Stunden durch.
Und dann kam für mich der schwierige Teil:
Schlafen auf Kommando.
Ich habe es versucht. Mehrfach.
Hinlegen. Augen schließen. Mich langweilen.
Alles vorhanden.
Nur Schlaf leider nicht.
Am Ende kamen immerhin zweieinhalb Stunden zusammen. Danach wurde geredet, gepackt, gegessen und irgendwann Reiseproviant vorbereitet.
Während unser Sohn tankte und den Reifendruck kontrollierte, schloss unsere Tochter noch den Sportplatz ab und ich wartete darauf, dass die Brötchen abkühlten.
Das sind vermutlich genau diese Momente, die man später mit „Wir sind dann abends losgefahren“ zusammenfasst.
Dabei besteht ein Umzug kurz vor der Abfahrt hauptsächlich aus erstaunlich vielen Dingen, die noch irgendwo herumliegen, gekühlt, kontrolliert, verschlossen oder eingepackt werden müssen.
Wir fuhren mit den Katzen schon am Abend los. Die Männer sollten mit dem Transporter erst am nächsten Morgen starten.
Unsere Fahrt führte also durch die Nacht.
Von kurz vor zehn abends bis kurz vor neun morgens.
Und erstaunlicherweise lief sie richtig gut.
Die Katzen waren dank CBD-Tropfen sehr ruhig. Ich wechselte zwischendurch den Fahrerplatz mi meinem Sohn, mehr als einmal in dieser Nacht, machte Pause, ging aufs Klo und irgendwann tauchte tatsächlich Husum vor uns auf.
Wir waren da.
Heil.
Die Autos heil.
Die Katzen heil.
Und ich komplett erledigt.
Mein erster Schlafplatz war ein winziges Zweisitzersofa, auf dem ich mich genaus so elegant ausbreitete, wie man sich auf einem Möbelstück ausbreiten kann, das ungefähr einen halben Menschen zu kurz ist.
Später durfte ich ins Bett unseres Sohnes wechseln.
Vorher gab es noch etwas zu essen, Paracetamol gegen das Kopfweh, Cola gegen die Müdigkeit und Chips fürs Wohlbefinden.
Man muss Prioritäten setzen.
Dazu bekam ich ein Katzenwärmekissen.
Eine der Katzen suchte nämlich ziemlich eindeutig Zuflucht bei mir.
Und das Spannende war: Ausgerechnet die Katze, die sonst eher ängstlicher ist, steckte den Umzug erstaunlich gut weg. Die sonst deutlich souveränere Moppeli war dagegen völlig durch und verkroch sich lange unter der Bettdecke.
Die Rollen waren also vorübergehend neu verteilt.
Irgendwann erkundete die eine schon wieder die Wohnung.
Die andere blieb bei mir.
Ich glaube, wir waren beide ganz froh über die Vereinbarung.
Während andere Möbel schleppen
Der Transporter kam erst am Nachmittag.
Die Männer waren morgens gegen halb fünf losgefahren und kamen ungefähr um fünf Uhr an.
Auch keine ganz kleine Schicht.
Während draußen Möbel ausgeladen, Kisten getragen und Schränke durch Türen manövriert wurden, hatte ich eine andere Aufgabe:
Ich lag mit den Katzen unter beziehungsweise auf der Bettdecke und bot Zuflucht.
Man könnte behaupten, das sei der entspanntere Teil des Umzugs gewesen.
Mein Körper hätte dieser Behauptung vermutlich widersprochen.
Ich war immer noch vollkommen platt.
Und die Katzen brauchten gerade jemanden, bei dem die Welt ein bisschen weniger fremd war.
Und ich brauchte ehrlich gesagt auch nicht besonders viel Überredung, um liegenzubleiben.
Später gab es Pizza.
Sehr leckere Pizza.
Damit waren immerhin mehrere Grundbedürfnisse gleichzeitig erledigt.
Fast. Aber eben nur fast.
Kaum stehen Möbel halbwegs in einer Wohnung, taucht natürlich die nächste Frage auf:
Kleiderschrank.
Wir hatten tatsächlich bei JYSK ein Schranksystem gefunden, das meiner Tochter gefiel. Das allein fühlte sich schon fast wie ein kleiner Sieg an.
Wir hatten sogar einen Transporter dabei und hätten das System gleich dreimal gekauft.
Perfekt vorbereitet also.
Dachten wir.
Denn in Husum stand das gute Stück zwar wunderschön als Ausstellungsstück im Laden – vorrätig war es aber nicht.
Das einzige Lager, das es noch hatte, war Westerland auf Sylt.
Nun ja.
So sehr wir neue Kleiderschränke brauchen: Mit dem Transporter nach Sylt fahren, nur um Regale zu kaufen, erschien uns dann doch ein kleines bisschen gewagt.
Bestellen half leider ebenfalls nicht, denn JYSK liefert das System nur in die Filiale. Und weder mein Sohn noch meine Tochter in Husum haben einen Führerschein.
Also Plan B.
Mein anderer Sohn und meine Tochter fuhren nach Kiel zu IKEA.
Unterwegs wurde schon fleißig mit dem PAX-Planer gearbeitet. Der gewünschte Kleiderschrank war praktisch fertig: Holzoptik für Front und Korpus, alles hübsch ausgesucht.
Und dann kam die nächste Überraschung:
PAX gibt es dort nur noch in Grau.
So einem dunklen Basaltstein-Grau.
Für die gewünschte Eichenoptik hätten sie nach Lübeck fahren müssen.
An diesem Punkt möchte ich einfach einmal offiziell knurren und schnaufen.
Lübeck war dann verständlicherweise raus.
Also wurden es am Ende IVAR-Regale.
Was grundsätzlich auch völlig in Ordnung gewesen wäre, wenn nicht natürlich noch ein Kreuz fehlen würde und außerdem zu wenig Bretter mitgekommen wären. Nich, weil wir sie nich wollen, sondern weil schlicht keine mehr vorhanden waren im Laden.
Manchmal hat ein Tag einfach ein Thema.
Das heutige lautete offenbar:
Fast. Aber eben nur fast.
Auch beim Lampenanbringen ging es so weiter.
Trotzdem: Ganz erfolglos waren wir nicht.
Der Gamingstuhl steht.
Die Standgarderobe für die Jacken steht.
Eine Steh-Lampe steht
Und die anderen Lampen sind zumindest schon halb an ihrem Bestimmungsort.
Das klingt beim Schreiben plötzlich nach deutlich mehr, als es sich zwischendurch angefühlt hat.
Familienzeit, Ärger und Vermissen
Neben Möbeln und Kartons war Kommunikation diese Woche gelegentlich eine kleine Herausforderung.
Es gab Absprachen rund um Autos, Fahrten, Rückgabe des Transporters, Einkäufe und Fotoausflüge, bei denen ich irgendwann nicht mehr wusste, wer eigentlich wann was machen wollte.
Einmal stellten meine Tochter und ich eine aus unserer Sicht sehr einfache Frage:
Wollt ihr das Auto lieber heute Nachmittag oder morgen?
Die Antwort enthielt anschließend Transporter, Flensburg, Busverbindungen und diverse andere Überlegungen – nur die Information, wann das alles stattfinden sollte, fand ich darin nicht.
Offenbar war sie irgendwo enthalten.
Sehr gut versteckt.
Meine Tochter hatte sie gefunden.
Ich nicht.
Und irgendwann kann man dann nur noch beschließen, dass Pläne offenbar mehr so eine unverbindliche Idee sind.
Dazu kam ein anderer Moment, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte.
Ein Freund meines Mannes äußerte ziemlich unverblümt seine Überzeugung darüber, was Frauen angeblich können – beziehungsweise nicht können.
Und meine Tochter und ich standen erst einmal ziemlich fassungslos da.
Vielleicht hat mich selbst am meisten überrascht, wie sehr mich das getroffen hat.
Wir leben als Ehepaar durchaus in einer eher klassischen Rollenverteilung. Mein Mann ist Hauptverdiener, ich habe andere Bereiche übernommen.
Aber Fähigkeiten waren bei uns nie eine Frage des Geschlechts.
Und vor allem: Denken, Zusammenhänge erkennen, analysieren, logische Schlüsse ziehen – das gehört ziemlich wesentlich zu mir.
Mir ausgerechnet das aufgrund meines Geschlechts abzusprechen, traf deshalb einen Punkt, an dem ich erstaunlich wenig gelassen bin.
Später gab es noch eine zweite Situation.
Da fanden meine Tochter und ich unsere Stimmen wieder.
Und irgendwie war ich hinterher fast froh darüber.
Nicht über den Anlass.
Aber darüber, dass wir beide sehr klar sagen konnten:
Bis hierhin und nicht weiter.
Trotzdem merkte ich irgendwann: Unter meinem Ärger lag noch etwas anderes.
Ich vermisste meinen Mann.
Die vergangenen Tage bestanden gefühlt aus Missverständnissen, schlechten Absprachen und immer nur kurzen Begegnungen zwischen Tür und Angel.
Und irgendwann blieb eigentlich nur noch dieser Satz übrig:
Ich hab dich lieb. Aber du und dein Freund, ihr seid gerade mega-anstrengend.
Man kann jemanden eben sehr lieb haben und sich gleichzeitig fürchterlich über ihn ärgern.
Vielleicht gehört auch das zu Familie.
Bleiben statt mitfahren
Eigentlich hatte ich fest vorgehabt, Mitte der Woche wieder nach Hause zu fahren.
So stand es im Plan, so hatte ich meine Woche sortiert.
Trotzdem entschied ich mich schließlich, noch ein paar Tage in Husum zu bleiben und erst am Samstag mit dem Zug zurückzufahren.
Der unmittelbare Anlass dafür war eher unerfreulich. Nämlich eben jener Freund, der mich mit seinem Satz so geärgert hat, saß mit im Auto und zehn Stunden Rückfahrt hätten da gut in einem Desaster enden können.
Aber während ich meine Gründe sortierte, merkte ich: Ich wollte meine Entscheidung nicht nur als Flucht vor etwas verstehen.
Denn es gab auch ziemlich viele Gründe, für etwas zu bleiben.
Vor allem wollte ich noch Zeit mit meiner Tochter und meinem Sohn haben, bevor ich wieder viele hundert Kilometer entfernt bin.
Und plötzlich wurde aus der unfreiwilligen Planänderung noch etwas anderes:
die Gelegenheit, wieder ein Stück selbstständiger unterwegs zu sein.
BahnCard gegen Technikmonster
Ich bin sehr lange Strecken mit der Bahn schon ewig nicht mehr gefahren. Schon gar nicht allein. Und zehn Stunden Fahrt mit mehreren Umstiegen sind nun wirklich keine gemütliche kleine Regionalbahnrunde.
Trotzdem begann mir der Gedanke zunehmend zu gefallen.
Vielleicht ist diese Fahrt genau eines dieser Mikroabenteuer, die ich mir nach dem Royal Ranger Leitertag vorgenommen habe. Ich muss mich mit Verbindungen beschäftigen, Umstiege hinkriegen, Tickets auf dem Handy verwalten und irgendwie samt Gepäck am richtigen Ort aus dem Zug steigen. Und vor allem den nächsten richtigen Zug rechtzeitig finden.
Bevor dieses neue unabhängige Bahnleben beginnen konnte, musste ich allerdings erst einmal die Deutsche-Bahn-App bezwingen.
Das war weniger romantisches Mikroabenteuer und mehr Technikmonster.
Account herausfinden, Passwort zurücksetzen, Probe-BahnCard kaufen, BahnCard im Profil finden – und dann feststellen, dass der Navigator trotzdem weiterhin den normalen Ticketpreis anzeigt.
Irgendwann entdeckte ich schließlich den entscheidenden Haken: Obwohl meine BahnCard längst digital in meinem Profil lag, musste ich beim Buchen unter „Reisende“ noch einmal ausdrücklich angeben, dass ich eine BahnCard 25 besitze.
Darauf muss man auch erstmal kommen.
Immerhin war die Mühe nicht umsonst. Schon mit der ersten Buchung sparte ich mehr als die Probe-BahnCard gekostet hatte. Damit hat sich das Ding direkt selbst bezahlt gemacht.
Und ich weiß jetzt wenigstens, wo dieser verdammte Haken sitzt.
Aus Kartons wird langsam Zuhause
Zum Grübeln blieb allerdings nicht allzu viel Zeit.
Wir packten weiter aus.
Vier Kartons waren relativ schnell geschafft, der riesige Karton vom Gamingstuhl wurde zerlegt, die übrigen Umzugskartons platzsparend verstaut und zwischendrin natürlich mindestens ebenso viel geredet wie gearbeitet.
Außerdem steht inzwischen auch der zweite Kratzbaum.
Schließlich müssen hier nicht nur Menschen einziehen, sondern auch die wirklich wichtigen Bewohner angemessen ausgestattet werden.
Unser Ziel war ehrgeizig, aber übersichtlich:
alle Umzugskartons leer bekommen.
Dabei ging es gar nicht darum, schon jedes einzelne Ding an seinen endgültigen Platz zu sortieren.
Erst einmal sollte die Wohnung aufhören, wie ein Zwischenlager auszusehen.
Und mit jedem verschwundenen Karton wurde ein bisschen deutlicher:
Hier wird nicht mehr umgezogen.
Hier wird langsam gewohnt.
Das Ziel alle Karons auszuräumen, ist aber noch nicht ganz geglückt.
Von Klappmatratzen, Kissenkrisen und viel zu wenig Schlaf
Meine Nächte in Husum waren allerdings nicht unbedingt das, was man unter erholsam versteht.
Ich schlief seit Mittwoch Abend auf einer Klappmatratze, die grundsätzlich gar nicht so schlecht war – nur eben ziemlich hart.
Irgendwann meldeten sich Rücken und Rippen, und zusätzlich entwickelte sich mitten in der Nacht eine ausgewachsene Kissenkrise.
Das vorhandene Seitenschläferkissen war viel zu prall und damit zu hoch.
Außerdem rutschte es ständig weg.
Also improvisierte ich mit einer Decke.
Geknüllt war die wiederum viel zu weich und instabil, gefaltet wurde es etwas besser.
Irgendwann fand ich tatsächlich eine halbwegs brauchbare Lösung und der zweite Teil der Nacht war zumindest besser als der erste.
„Gut“ wäre allerdings deutlich übertrieben.
Am frühen Morgen lag ich dann noch einmal im Bett meines Sohnes und schlief dort tatsächlich bis kurz nach acht weiter.
Leider ohne mein CPAP-Gerät, das natürlich brav an der Klappmatratze stand.
Entsprechend wachte ich mit Kopfschmerzen auf.
So richtig frisch und munter ging also anders.
DIe folgenden Nächte mit der Klappmatratze wurden aber besser: Zusäzlich zur Kopfkissendecke kriegte ich noch eine Schlafschildkröte, ein grünes Kuscheltier, dass genau die richtige Höhe und flache Aufliegefläche hatte, die ich brauchte.
Wenn der Traum die Wirklichkeit erklärt
Dazu kam noch einer dieser Träume, bei denen man hinterher erstmal sortieren muss, was eigentlich Traum war und was schon Wirklichkeit. Den hate ich allerdings noch in der Ferienwohnung, zwei Tage zuvor.
Ich träumte, ich hätte Baumfruchtkuchen gegessen.
Erst hinterher fiel mir im Traum ein, dass die Baumfrüchte wohl Hasel und Wallnüsse waren – und dass es für mich eigentlich eine Alternative gegeben hätte.
Großartig.
Nun würde ich natürlich Atemnot bekommen.
Und genau die bekam ich dann auch.
Beim Aufwachen begriff ich allerdings ziemlich schnell, dass die Haselnüsse unschuldig waren.
Die hatte es schließlich nur im Traum gegeben.
Ich war schlicht ohne meine Atemmaske eingeschlafen, und mein Körper hatte offenbar irgendwann Alarm geschlagen.
Mein Gehirn hatte für die Atemnot währenddessen einfach eine passende Geschichte erfunden.
Schon faszinierend, was so ein schlafendes Gehirn veranstaltet.
Irgendwo kommt das Signal „Wir kriegen hier gerade nicht richtig Luft“ an – und statt mich einfach aufzuwecken, baut es erstmal einen kompletten Baumfruchtkuchen samt allergischer Reaktion drumherum.
Die Moral der Geschichte lautet vermutlich:
Der Baumfruchtkuchen war nicht das Problem.
Ohne Maske einschlafen schon eher.
Prophetic Words – und erstmal kein Kopf dafür
Am Donnerstag stand wieder mein Schreibkurs „Prophetic Words“ an.
Und ich hatte ehrlich gesagt überhaupt keinen Kopf für die Vorbereitung.
Ich wusste nur ziemlich schnell, was ich nicht wollte: keinen eher theoretischen Zugang zum Thema Prophetie, keinen Lehrtext über prophetisches Reden und auch keinen Kurs, der sich vor allem darum dreht, wie man möglichst spektakulär etwas „empfängt“.
Ich wollte nah an einem Bibeltext bleiben.
Nah an Beziehung.
Nah an Gottes Liebe.
Als Einstieg hatte ich das Lied „Ich singe dir ein Liebeslied“ im Kopf.
Und von da aus wurde plötzlich ziemlich klar, wohin der Abend gehen sollte.
Als Bibeltext nahm ich Johannes 15,1–17.
Also nicht nur die paar bekannten Verse über Liebe, sondern den ganzen Zusammenhang mit dem Weinstock, dem Bleiben in Jesus, Frucht, Freundschaft und schließlich diesem wunderbaren Satz:
„Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe.“
Wir lasen den Text mit der SHAPE-Bibellesemethode und blieben dann auch tatsächlich bei diesem einen Abschnitt.
Nicht einfach analysieren, sondern schauen, welcher Satz hängen bleibt, was Gott vielleicht ganz persönlich damit sagt und wie ich darauf antworten möchte.
Am Ende wurde es dann trotzdem ganz praktisch und sehr persönlich.
Die Schreibaufgabe war, einen Liebesbrief von Gott an einen Menschen zu schreiben, der uns wichtig ist.
Nicht als große prophetische Ansage und auch nicht mit dem Anspruch, jedes Wort müsse direkt von Gott diktiert sein.
Sondern aus dem heraus, was wir zuvor in Johannes 15 über Gottes Liebe, Nähe und Freundschaft gelesen hatten.
Und irgendwann während des Kurses dachte ich:
Doch.
Das läuft eigentlich ganz gut.
Dafür, dass ich ein paar Stunden vorher noch ziemlich kopflos vor meiner Vorbereitung saß, hatte der Abend plötzlich einen roten Faden bekommen.
Vielleicht ist das manchmal überhaupt nicht die schlechteste Ausgangslage:
nicht schon alles fertig zu haben, sondern erst einmal zu wissen, wonach man eigentlich sucht.
Diesmal war es Liebe.
Ein bisschen Husum muss auch sein
Gestern Abend haben wir tatsächlich einmal etwas gemacht, das nichts mit Umzugskartons, Möbeln oder irgendwelchen organisatorischen Katastrophen zu tun hatte.
Wir waren beim Schloss vor Husum spazieren.
Und das war richtig schön.
Übrigens klingt Schloss vor Husum so, als müsse man dafür erst aus der Stadt rausfahren, aber es liegt keine 5 Minuten Gehweg von der Wohnung meiner Kinder entfernt und damit mitten in Husum.
Das Wetter war zwar eher norddeutsch-grau als spätsommerlich-postkartenblau, aber gerade dadurch hatte der Schlosspark irgendwie Atmosphäre.
Mein Lieblingsfoto ist das Beitragsbild, auf dem der Schlossturm zwischen den Bäumen hervorschaut und sich Teile des Gebäudes unten im Wasser spiegeln.
Ein bisschen verwunschen sieht es aus, finde ich.
Ich mag solche Bilder ja viel lieber als die klassischen „Gebäude von vorne und bitte alle drauf“-Fotos.
Anschließend sind wir noch durchs Theo gelaufen und wollten Eis essen.
Die Eisdiele dort, die angeblich ziemlich gut sein soll, hatte allerdings schon geschlossen.
Also landeten wir bei JANNYS.
Ich hatte einen Joghurteisbecher mit Erdbeeren, Sahne und Joghurette und dazu Joghurt-, Vanille- und Himbeereis.
Klingt großartig, oder?
War es aber nur so halb.
Irgendwie war mir das Ganze zu süß und vor allem zu viel Joghurt, zu wenig Eis.
Schlecht war es nicht, aber ich hatte definitiv schon bessere Eisbecher.
Damit ist immerhin geklärt, dass wir beim nächsten Husumbesuch noch die andere Eisdiele testen müssen.
Rein wissenschaftlich natürlich.
Danach war ich allerdings wieder so müde, dass mit mir nicht mehr besonders viel anzufangen war.
Gerade scheint mein Körper jede Gelegenheit zu nutzen, mir sehr nachdrücklich mitzuteilen, dass die letzten Tage vielleicht doch ein kleines bisschen anstrengend waren.
Aber der Spaziergang war schön.
Und manchmal reicht das ja schon:
ein Schloss, sehr viel Grün, ein bisschen Wasser, ein mittelmäßiger Eisbecher und ein Abend, an dem gerade einmal nichts erledigt werden musste.
Eine kleine offene Frage
Ein anderes Thema hat mich diese Woche eher am Rand beschäftigt: meine Kunst und die Art Community unserer Gemeinde.
Da gibt es gerade etwas, das ich noch klären möchte, bevor ich mir selbst eine Meinung dazu bilde.
Vielleicht geht es am Ende nur um eine ganz praktische Frage.
Vielleicht steckt für mich aber auch die größere Überlegung dahinter, wo meine kreativen „großen Steine“ liegen und welche Räume dafür gerade die richtigen sind.
Noch weiß ich es nicht.
Also: erst reden, dann denken, dann vielleicht irgendwann erzählen.
Zwischen Laptopwunsch, alten Geldgeschichten und Abschied
Was diese Woche offenbar auch noch brauchte, war eine ausgewachsene Laptop-Odyssee. Mein bisheriges Arbeitsgerät macht inzwischen so viele Mucken, dass ich schon länger über Ersatz nachdenke. Weil ich unterwegs arbeiten möchte und mir ein robustes Gehäuse, eine gute Tastatur und genug Leistung wichtig sind, landete ich ziemlich schnell bei Lenovo und dort bei den ThinkPads.
Und dann begann das fröhliche Vergleichen.
T14, T14s, L14, Gen 5, Gen 6, Gen 7, Intel, AMD, 16 GB, 32 GB, 256 GB, 1 TB, OLED, IPS, refurbished, neu, Businesspreise, Mietmodelle, Ratenzahlung.
Irgendwann klang wirklich alles gleich.
Immerhin bekam ich über Lenovo Pro einen eigenen Ansprechpartner zugeteilt, der mir zwei konkrete Angebote zusammenstellte. Und ich muss zugeben: Das hat mich mehr gebauchpinselt, als ich erwartet hatte. Nicht nur, weil das Telefonat angenehm war, sondern weil ich mich plötzlich als Geschäftskundin ernst genommen fühlte. Das war ein seltsamer, aber schöner Moment.
So nach dem Motto: Ja, meine Arbeit ist tatsächlich Arbeit. Und vielleicht darf ich dafür auch gutes Werkzeug haben.
Nur leider kostet gutes Werkzeug Geld. Und da wurde es dann schwierig.
Das eine Angebot hatte 32 GB Arbeitsspeicher, aber eine viel zu kleine Festplatte. Das andere hatte 1 TB Speicher, dafür nur 16 GB RAM und ein schickes OLED-Display, das ich gar nicht unbedingt brauche. Also schrieb ich meinem Ansprechpartner zurück und fragte, ob er mir nicht eine vernünftigere Kombination zusammenstellen könne: 32 GB RAM, 1 TB SSD, gutes mattes Display, keine unnötigen Extras.
Außerdem wollte ich wissen, ob Lenovo Pro auch eine echte Finanzierung anbietet. Denn mieten möchte ich keinen Laptop. Ich will kein Gerät drei Jahre nutzen, zurückgeben und das nächste nehmen. Ich möchte ein gutes Arbeitsgerät kaufen, es lange benutzen und irgendwann sagen können: Das gehört mir.
Dann wurde mir allerdings ziemlich deutlich bewusst, dass das eigentliche Problem längst nicht mehr der Laptop war.
Ich wollte ihn.
Sehr.
Und zwar so sehr, dass ich merkte, wie mein Kopf anfing, sich festzubeißen. Noch ein Angebot anschauen, noch eine Rate ausrechnen, noch eine Variante vergleichen. Gleichzeitig bekam ich ein immer schlechteres Gewissen, weil natürlich nicht nur ein Laptop auf unserer Anschaffungsliste steht. Eine neue Matratze wäre sinnvoll. Ein Schreibtisch auch. Und überhaupt gibt es genug Stellen, an denen Geld gebraucht wird.
Da war sie plötzlich wieder, diese alte Geschichte.
Geld war in meinem Leben sehr oft knapp.
Ich erinnere mich noch daran, wie meine Eltern überlegen mussten, ob es eine neue Jeans für mich geben konnte oder ob das Geld für andere notwendige Dinge gebraucht wurde. An meinen alten Schulranzen, während andere den neuen teuren Scout hatten. An dieses ständige Rechnen, Priorisieren und Improvisieren.
Und ja, manchmal bin ich sogar stolz darauf, was ich mit wenig Geld alles hinbekommen habe. Wenn man eine sechsköpfige Familie eine Woche lang mit beinahe nichts durchgebracht hat, entwickelt man schließlich gewisse Fähigkeiten.
Nur möchte ich diese Fähigkeiten nicht immer brauchen müssen.
Manchmal möchte ich einfach sagen können: Der Laptop ist nötig, die Matratze auch, der Schreibtisch wäre gut – also kaufen wir diese Dinge.
Ohne Rechnen.
Ohne Verschieben.
Und ohne schlechtes Gewissen.
Vielleicht hat mich deshalb dieser Laptop so viel heftiger erwischt, als ein Computer mich eigentlich erwischen sollte. Es ging plötzlich nicht mehr nur um Technik, sondern auch um diesen alten Wunsch, nicht immer wieder diejenige zu sein, die wegen Geld zurückstecken muss.
Der Strand mit der roten Tür
Um aus diesem Gedankenkarussell wenigstens für eine Weile herauszukommen, machte ich einen kleinen Ausflug im Kopf.
Da war ein Strand. Eine rote Tür mitten im Sand. Und auf einem Schild stand, ich dürfe etwas zurücklassen.
Ich ließ meine Wut dort.
Hinter der Tür führte ein Steg über stilles Wasser. Auf ihm fand ich eine kleine messingfarbene Schachtel, in die ich Kreativität und Liebe legte. Später kam ein kleiner Stein dazu.
Darauf stand:Mut.
Und ich schrieb auf ein Blatt:
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern das Weitergehen trotz Angst. Ich will mutig sein, auch wenn es etwas kostet. Und ich will nicht wütend sein, auch wenn mich jemand verletzt.
Manchmal braucht man offenbar einen imaginären Steg über stilles Wasser, um den eigenen Kopf wieder ein bisschen leiser zu bekommen.Ganz leise blieb er allerdings nicht.
Hat hier wer von Krise gesprochen?
Zwischendurch stolperte ich noch über das Thema Krisenvorsorge und die Frage, was es eigentlich bedeutet, sich angesichts der aktuellen politischen Lage klug vorzubereiten. Zum Glück muss auch daraus kein neues Großprojekt werden. Ein paar Vorräte, Medikamente im Blick behalten, wichtige Unterlagen sortieren, Taschenlampe, Wasser – solche Dinge lassen sich Stück für Stück erledigen, ohne gleich zum Prepper zu mutieren.
Und dann kam der Freitag-Abend.
Wir haben noch zusammen „Gegen das Spießertum“ gespielt. Mein Sohn gewann, ich wurde mit ziemlich knappem Abstand Zweite, und für eine Weile war einfach nur Familienabend.Danach kamen dann doch ein paar Tränen.Weil ich meine Kinder jetzt schon vermisse, obwohl ich noch hier bin. Meinen Mann übrigens auch, wobei ich den immerhin morgen Abend wiedersehe. Bis ich die Kinder wiedersehe, dauert es dagegen wahrscheinlich bis Weihnachten.Das ist wohl die andere Seite davon, wenn Kinder erwachsen werden und ihr eigenes Leben weit weg aufbauen. Man freut sich darüber, dass sie ihren Weg gehen. Man genießt die gemeinsame Zeit. Und dann tut der Abschied trotzdem weh.Morgen wartet nun meine lange Zugfahrt nach Hause.Mein kleines Mikroabenteuer.Mit einem ziemlich vollen Rucksack.Und damit meine ich ausnahmsweise nicht nur das Gepäck.
Und während ihr das lest …
Während ihr meinen Samstagsplausch lest, mache ich mich auf den Heimweg.
Vor mir liegen ungefähr zehn Stunden Zugfahrt, mehrere Umstiege, ein Rucksack voller Reiseproviant und mein erstes kleines Mikroabenteuer dieser Art.
Ich bin sehr lange Strecken mit der Bahn schon ewig nicht mehr allein gefahren.
Und irgendwie gefällt mir der Gedanke inzwischen.
Vielleicht bin ich am Ende einfach nur müde.
Vielleicht aber auch ein kleines bisschen stolz, dass ich es gemacht habe.
Und ganz sicher weiß ich jetzt, wo bei der Deutschen Bahn dieser verdammte BahnCard-Haken sitzt.
Habt ein schönes Wochenende.






