WMDEDGT Mai 2026

Was machst du eigentlich den ganzen Tag? (WMDEDGT) ist eine Blogaktion von Frau Brüllen. An jedem 5. eines Monats halten Blogger*innen ihren Alltag fest – ehrlich, ungefiltert und ganz nah dran. Weitere Beiträge findest du wie immer bei ihr auf dem Blog.
In der Nacht
Der Tag beginnt früh, zu früh. Oder um ehrlich zu sein: schon mitten in der Nacht. Ich liege wach zwischen kurz nach Mitternacht und 1 Uhr und grübele über den Tag, der vor mir liegt. Alles ganz anders als geplant diese Woche.
Es liegen Entscheidungen vor mir, die ich nicht beeinflussen kann. Meine Mama ist im Krankenhaus und heute entscheidet sich, ob ihr Beckenbruch operiert werden muss oder ob man ihn so heilen lässt. Ob sie verlegt wird in ein Krankenhaus weiter weg oder ob sie in Rotenburg bleibt.
Um sie zu sehen, bin ich am Sonntag mit meinem Mann 500 km gefahren. Heute wäre die letzte Möglichkeit, sie nochmal zu sehen, morgen müssen wir zurückfahren. Wenn sie nach Fulda verlegt wird, wird es schwieriger mit dem Sehen – wieder eine weitere Fahrt… und andererseits: Was ist wirklich besser? OP oder nicht? Ich weiß es nicht. Und ich entscheide es auch nicht.
Zu guter Letzt schlafe ich wieder ein. Nochmal sechs Stunden gnädige Erholung bis heute Morgen um 7 Uhr.
Der Tag beginnt mit Schreiben
Dann beginne ich diesen Tagesbericht mit den ersten Zeilen, um kurz darauf in den Manuskriptmodus zu wechseln. Ich nehme mir Zeit, gehe durch die nächsten Kapitel meines zweiten Bandes: Ansgar verfolgt Walter und seine Geiseln.
Ich repariere Sätze, die der Lektor mit „zu kurz“ oder „abgehackt“ markiert hat. Dann erreiche ich eine Stelle, wo es komplizierter wird: Wolfhard im Kerker. Walter, der Druck ausübt. Zu kurz, zu unklar, wie der Lektor meint – aber ich bleibe hängen und denke: Nein, es passt.
Ja, Walter kostet solche Momente gerne aus, aber er ist auch zielstrebig und hat einen Plan. Ich habe mir dann die nächsten Szenen angeschaut und gedacht: Eigentlich passt es so, wie ich es gebaut habe. Vielleicht fehlt ein Halbsatz, mehr nicht.
Aber manchmal finde ich es richtig schwer zu erkennen, ob der Lektor da Recht hat oder ob mein Gefühl stimmt. Zumal ich ihm vertraue und auch sehe, was er meint… aber eben nicht immer.
Fertig für den Tag
Es ist neun Uhr. Mein Mann hat mir derweil einen Tee gekocht. Ich habe zwischendrin vor lauter Hunger schon Linsenwaffeln geknabbert.
Jetzt geht erst mein Mann duschen, danach ich, damit wir fit sind für den zweiten Teil des Tages. Bis mein Mann fertig ist, tauche ich nochmal ins Manuskript ein – diesmal an einer anderen Stelle, wo ich leichter vorankomme.
Gegen viertel vor elf hüpfe ich unter die Dusche, nachdem ich tatsächlich noch einiges im Manuskript geschafft habe, inklusive der schwierigen Stelle von vorher.
Anschließend erster Anruf im Krankenhaus, aber man kann uns noch keine endgültige Antwort geben. Wir sollen uns später nochmal melden.
Pizzeria surreal mit Tante und Onkel
Gemeinsam sind mein Mann und ich dann um 11:20 Uhr aufgebrochen nach Melsungen, kamen gut an, mussten dann erstmal einen Parkplatz suchen und waren gerade noch rechtzeitig um 12 Uhr da.
Meine Tante hat gesehen, wie wir vorbeigelaufen sind, und kam uns draußen abholen. Nach der Begrüßung – drinnen wartete auch noch mein Onkel – haben wir Getränke und Essen ausgesucht und uns dann unterhalten.
Die Getränke kamen auch schnell, aber irgendwie hat niemand unsere Essensbestellung aufgenommen. Die Gruppe neben uns kam, aß und ging, ehe wir auch nur bestellt hatten. Das war irgendwie sehr surreal.
Als das Essen dann kam, war es aber sehr reichlich, sehr lecker und einfach rundum gut. Ich hatte – etwas ungewöhnlich für eine Pizzeria – Jägerschnitzel mit Pommes und Salat, und mein Mann Seelachs.
Das waren Gerichte von der Mittagskarte, und mein Mann und ich haben uns angeguckt: Für den Preis kriegt man bei uns in Lörrach nicht mal ein Käsetoast.
Und wie gesagt: Es war üppig, sättigend und sehr lecker. Als Nachtisch hatten meine Tante und ich noch ein Tiramisu, und die anderen Espresso oder Cappuccino.
Nach zwei Stunden Quatschen, Essen, Erzählen und Fragen beantworten haben wir uns wieder verabschiedet. Es war schön miteinander, wie immer unkompliziert und einfach nett. Ich freue mich immer, diese beiden zu treffen.
Zum Krankenhaus
Per Telefon haben wir angefragt, ob Mama noch in Rotenburg im Krankenhaus ist. Das war sie tatsächlich, und wir sind direkt zu ihr gefahren und kamen genau pünktlich zur Besuchszeit an.
Mama hat sich riesig gefreut, und wir hatten eine gute Zeit miteinander.
Es gab noch ein bisschen Kuddelmuddel um die Entscheidung, ob operiert wird oder nicht. Letztendlich fiel die Entscheidung erstmal gegen die OP, was ich auch richtig finde, da eine Narkose in dem Alter nicht ohne ist.
Ich hoffe nur, dass die Ärzte nicht zu knauserig mit Schmerzmitteln sind und sie auch im Altenheim, wenn sie Ende der Woche wieder dorthin verlegt wird, gut versorgt wird.
Aber ich bin sehr froh, dass ich jetzt nichts neu organisieren muss. Sie hat einen guten Platz, sie wird versorgt werden, und ich konnte sie jetzt an drei Tagen hintereinander besuchen. Das ist die Hauptsache.
Verpflegt
Nach dem Besuch haben mein Mann und ich noch einen Abstecher zum Supermarkt gemacht und unsere Vorräte aufgestockt: Brötchen für morgen früh und Milch für Tee und Kaffee.
Anschließend ging es zurück in unsere kleine Ferienwohnung am Marktplatz in Spangenberg. Dort angekommen, habe ich mich darum gekümmert, die Nudeln aufzuwärmen, die noch übrig waren.
Gemeinsam schmeckte das einfache Abendessen mit Nudeln, Tomaten und Pesto gleich doppelt so gut.
Schreibkurs und mehr
Danach habe ich meine Tante und meinen Onkel noch auf den neuesten Stand der Dinge bezüglich meiner Mama gebracht und mich auf mein abendliches Zoom-Meeting vorbereitet.
Dienstagabend ist nämlich immer Schreibkurs-Abend. Auf Wunsch einer Teilnehmerin habe ich mich auf das Thema Dialoge vorbereitet.
Wir hatten einen netten gemeinsamen Abend mit Schreibimpulsen, Übungen dazu, wie man Figuren unterschiedliche Stimmen im Dialog geben kann und wie man zum Beispiel Machtgefälle im Dialog zeigen kann.
Zum Abschluss haben wir den entstandenen reinen Dialog noch mit Setting ergänzt. Und dann haben wir einfach ein wenig überzogen und noch miteinander gequatscht.
Und dann der Schluss
Ich war gerade ins Bett gekrabbelt, als eine Freundin mir per WhatsApp schrieb: Am nächsten Samstag ist meine nächste Lesung, und dafür waren noch einige Dinge zu klären.
Außerdem fragte eine andere Freundin nach, wie es mir geht und was mit meiner Mama ist. Ganz liebe Nachfrage, und ich habe beiden noch geantwortet.
Danach kam der letzte Akt des Tages: diesen Tagesbericht beenden.
Nun bist du voll im Bilde.
WMDEDGT – Was machst du eigentlich den ganzen Tag?
Na schreiben, Menschen treffen, reden und quatschen, essen und trinken – was sonst?
Ich wünsche dir noch eine gesegnete Woche.





