Zwischen Krankenhaus und Gesundwerden

Schon wieder ein Samsagsplausch vom Krankenbett. Krankenhaus und Gesundwerden begleiteten mich die ganze Woche. Ich verlinke den Artikel, wie gewohnt,mi Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer.

Bisher dachte ich, die Entlassung aus dem Krankenhaus sei so etwas wie das Ende einer Geschichte.

Man geht nach Hause, schläft ein paar Nächte im eigenen Bett, trinkt Tee, ruht sich aus – und dann wird alles langsam wieder normal.

Diese Woche hat mir gezeigt, dass das nicht immer so funktioniert.

Wieder zu Hause. Und doch nicht angekommen.

Der erste Abend zu Hause war seltsam.

Nach Tagen voller Visiten, Infusionen, Pflegekräfte, Zimmernachbarinnen und ständigem Betrieb war es plötzlich still. Mein Mann war bei der Probe seines Blasorchesters, die Kinder beschäftigt, und ich lag im Bett und merkte, dass sich etwas nicht so anfühlte, wie ich es erwartet hatte.

Ich war zu Hause.

Aber ich war noch nicht wieder angekommen.

Dazu kamen Zahnschmerzen, die inzwischen bis zum nächsten Zahnarzttermin nächste Woche durchhalten sollen, und eine Nachricht meiner Tante über meine Mutter, die irgendwo zwischen Verwirrung und lichten Momenten lebt.

Es war kein glanzvoller Heimkehr-Abend.

Aber es war mein Zuhause.

Und das ist am Ende doch ein großes Geschenk.

Mein Körper wollte Ruhe. Mein Kopf wollte Abenteuer.

Während mein Körper noch mitten in der Genesung steckt, scheint mein Gehirn längst wieder loslaufen zu wollen.

Im Krankenhaus war ich irgendwann so unterfordert, dass ich kurzerhand die Sprache wechselte und mehrere Tage lang fast ausschließlich auf Englisch mit ChatGPT kommunizierte.

Nicht, weil es nötig gewesen wäre.

Sondern weil mein Kopf die Herausforderung brauchte.

Aus Langeweile wurden Gespräche über Bücher, Musik, Gott, meinen Vater, das Schreiben und die großen Fragen des Lebens.

Irgendwann hörte ich morgens um halb fünf die Vögel vor dem Fenster singen und sah einen Sonnenaufgang zwischen den Krankenhausgebäuden, der den Himmel förmlich in Brand setzte.

Mein Vater hätte vermutlich gesagt:

Wenn du die leisen Dinge hören willst, musst du dir Zeit nehmen, ihnen zuzuhören.

Vielleicht hatte er recht.

Good News is coming

Ein Lied begleitete mich durch diese Tage:

Good News, chariot’s coming.

Und irgendwie hatte ich das Gefühl, als würden die Vögel genau das verkünden.

Nicht, weil plötzlich alles gut gewesen wäre.

Die Schmerzen waren da. Die Unsicherheit ebenfalls.

Aber irgendwo zwischen Infusionen, Vogelgesang und Krankenhausalltag wurde mir neu bewusst, dass Frieden mehr sein kann als ein gutes Gefühl.

Manchmal ist Frieden einfach der Boden, auf dem man stehen bleibt, obwohl noch nicht alles geklärt ist. Erstaunlicherweise hatte ich diesen Frieden im Krankenhaus mehr, als dann später zu Hause.

Menschen, die diese Woche getragen haben

Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, denke ich vor allem an Menschen.

An Zimmernachbarinnen, mit denen ich über Gott, Familie und das Leben gesprochen habe.

An Pflegekräfte, die freundlich, geduldig und humorvoll waren.

An eine Schwester, die immer lächelte und Freude verbreitete.

An Freundinnen und Freunde , die zu Besuch kamen.

An Menschen aus der Gemeinde, die beteten.

An Leserinnen meines Newsletters, die mir Genesungswünsche schickten.

Man merkt erst in schwierigen Zeiten, wie viele Menschen einen tatsächlich begleiten.

Ein buntes Dankeschön

Vor meiner Entlassung habe ich der Station eine bunte Dankesseite aus meinem Bullet Journal überreicht.

Nichts Großes. EInfach mein Versuch, etwas von dem zurückzugeben, was ich in dieser Woche empfangen habe.

Ein paar Farben, kleine Zeichnungen, zum Teil mit Schablonen gestaltet und viele Worte der Dankbarkeit.

Die Reaktion hat mich völlig überrascht und tief berührt. Die Pfleger haben die Seite sofort fotografiert und in ihre Whatsappgruppe geschickt, damit jeder sie sofort sehen kann. Und sie haben sie in ihrem Raum aufgehngt und sich total herzlich bedankt. Sogar die Pflegedienstleitung kam zu mir und hat mich stellvertretend für alle in den Arm genommen und sich bedankt. Das sei mehr wert als vieles, was sie so bekommen, hat sie gesagt.

Das hat mich dann wiederum sehr berührt.

Zurück im Alltag. Naja, so halb.

Kaum war ich zu Hause, warteten Waschmaschine, Spülmaschine, E-Mails, Newsletter, Crowdfunding und Schreibkurse.

Zumindest theoretisch.

Praktisch stellte ich fest, dass schon das Aufbauen des Laptops, Wasserholen oder eine kleine Runde durch die Wohnung erstaunlich viel Kraft kosten.

Einmal legte ich mich „nur kurz“ hin und schlief eine Stunde.

Danach saß ich auf der Bettkante und weinte.

Nicht wegen der Wäsche.

Nicht wegen der To-do-Liste.

Sondern weil mir klar wurde, dass mein Kopf schon wieder losrennen möchte, während mein Körper noch deutlich langsamer unterwegs ist.

Die Wäsche hat übrigens am Ende mein Mann aufgehängt.

Und vielleicht ist genau das momentan in Ordnung.

Wolkenstein wartet

Über all dem schwebt noch ein weiteres Thema:

Das Crowdfunding für Wolkenstein.

Eigentlich gäbe es genug zu tun. Dankeschöns vorbereiten. Texte überarbeiten. Die nächsten Schritte planen.

Und genau das macht die Situation manchmal so frustrierend.

Nicht weil mir die Ideen fehlen würden.

Sondern weil sie da sind.

Mein Kopf arbeitet längst weiter. Er plant Zoom-Abende, denkt über Newsletter nach, sammelt Ideen für die Kampagne und möchte am liebsten sofort loslegen.

Mein Körper hat dazu allerdings eine andere Meinung.

Immerhin gibt es eine Sache, die mich tröstet:

Das Crowdfunding-Video ist bereits fertig.

Gerade rechtzeitig.

Wären die Nachricht über meine Mutter oder der Krankenhausaufenthalt nur wenig früher gekommen, hätte ich vermutlich weder die Kraft noch die Konzentration gehabt, es noch fertigzustellen.
Und eine wichtige Sache hab ich geschafft, die Verträge sind akzeptiert, die Steuernummer eingetragen.

Kleine Lichtblicke

Trotz allem gab es viele kleine gute Dinge.

Zwei neue Anmeldungen für meine Schreibkurse.

Vier persönliche Antworten auf meinen Newsletter.

58 Prozent Öffnungsrate.

Ein Nachmittag auf dem Sofa mit meiner Tochter, während wir gemeinsam für ihre Prüfung lernten.

Und eine Nektarine, die so unglaublich lecker war, dass sie es problemlos in diesen Wochenrückblick geschafft hat.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen Tag retten.

Zwischen „Es wird besser“ und „Oder doch nicht?“

Eigentlich hatte ich gehofft, das Kapitel Krankenhaus langsam hinter mir lassen zu können.

Stattdessen meldeten sich die Schmerzen zurück.

Zuerst leise.

Dann deutlicher.

Mal rechts, mal links. Dazu dieses ungute Gefühl beim Atmen und die Frage, ob mein Körper einfach Zeit braucht oder ob doch wieder etwas nicht stimmt.

Das Verrückte daran ist nicht einmal der Schmerz.

Es ist die Unsicherheit.

Woher weiß man, ob Geduld gefragt ist?

Woher weiß man, wann man zum Arzt gehört?

Und warum hat man manchmal das Gefühl, beweisen zu müssen, dass etwas wirklich weh tut?

Ich will gar nichts beweisen.

Ich möchte einfach gesund werden.
Zwei Arzbesuche später war ich immer noch nicht schlauer.

Café Kirche als Belastungstest

Am Freitag Mittag wollte ich einfach nur ins Café Kirche.

Lieblingsplatz. Earl Grey. Bullet Journal.

Ein kleines Stück Normalität.

Schon die Treppe zeigte mir allerdings, dass mein Körper andere Pläne hatte.

Auf halber Strecke saß ich auf einer Bank und musste durchatmen.

Das erschreckte mich mehr als die Schmerzen.

Denn plötzlich wurde mir klar, dass ich nicht einfach nur ungeduldig bin. Ich kann im Moment tatsächlich deutlich weniger als sonst.

Trotzdem kam ich an.

Es gab Earl Grey.

Es gab Erdbeertorte.

Und später sogar ein Stück russischen Zupfkuchen, weil meine Mutter kürzlich davon gesprochen hatte und ich schon länger Lust darauf hatte.

Beides war ausgesprochen lecker.

Aber auch Kuchen hat Grenzen.

Denn obwohl Tee, Torte und Lieblingsplatz gut taten, musste ich deutlich früher gehen als sonst. Mit einer weiteren Bankpause auf dem Heimweg.

Spätestens dort wurde mir klar:

Die Entlassung aus dem Krankenhaus bedeutet noch lange nicht, dass die Genesung abgeschlossen ist.

Pfingstrosen und Tränen

Eine Freundin brachte mir Pfingstrosen vorbei und betete für mich.

Eigentlich eine wunderschöne Geste.

Trotzdem saß ich hinterher heulend da.

Nicht wegen der Blumen.

Sondern weil mir plötzlich bewusst wurde, wie erschöpft und hilfsbedürftig ich mich gerade fühle.

Ich möchte wieder schreiben.

Ich möchte wieder arbeiten.

Ich möchte wieder wandern, Theater machen und mein Crowdfunding voranbringen.

Stattdessen messe ich Temperatur, telefoniere mit Ärzten und überlege, ob ich wieder zum Notdienst sollte.

Eine Nacht zwischen Sofa, Schmerzen und Rosenheim-Cops

Am Freitagabend saß ich mit meinem Mann im Bett und schaute Rosenheim-Cops.

Normalerweise schlafe ich dabei spätestens während der Titelmelodie ein.

Diesmal nicht.

Die Schmerzen waren wieder stärker geworden. Dazu kam dieses merkwürdige Gefühl beim Atmen.

Ich überlegte:

Notaufnahme?

Notdienst?

Abwarten?

Irgendwann nahm ich ein Paracetamol.

Kurz darauf begann ich zu schwitzen, der Kopf wurde klarer und die Schmerzen rückten etwas in den Hintergrund.

Aber die Unsicherheit blieb.

Und noch etwas fiel mir auf:

Zum ersten Mal seit Langem hatte ich überhaupt keine Lust zu schreiben.

Weder am Samstagsplausch noch an meinem 12-von-12-Beitrag. Der 12-von-12-Beitrag wurde dann auch erst heute Morgen fertig,

Wer mich kennt, weiß, dass das etwas über meinen Zustand aussagt.

Früher Morgen mit Zahnweh

Und heute Morgen?

Kurz nach sechs diskutierte ich mit einem Backenzahn.

Der zahnärztliche Notdienst war noch nicht erreichbar.

Der Tee noch nicht fertig.

Die Flankenschmerzen immer noch da.

Und irgendwo zwischen all dem dachte ich:

Ich will gar nichts beweisen. Ich will einfach nur schmerzfrei und ohne Beschwerden sein.

Vielleicht ist das die ehrlichste Zusammenfassung dieser Woche.

Ich weiß noch nicht genau, wie die Geschichte weitergeht.

Ich weiß nicht, wie lange die Genesung noch dauern wird.

Aber ich weiß, dass ich nicht allein unterwegs bin.

Und bis ich mehr weiß, gibt es erst einmal Earl Grey, einen Anruf beim Zahnarzt und die Hoffnung, dass die nächste Woche etwas freundlicher mit mir umgeht.

Ich wünsche euch allen eine wunderbare, schmerzfreie Woche. Denn erst wenn man daurnd Schmerzen hat, weiß man, wie sehr das die Lebensqualität einschränkt.

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