Ein neuer Rechner, ein fast fertiges Buch und wenig Schlaf

Es ist wieder Zeit für den Samstagsplausch. Mein Wochenrückblick ist fertig und ich verlinke ihn wie immer bei Karminrot und ihrem Karminroten Lesezimmer. Diesmal war die Woche eine ziemlich wilde Mischung aus Bahnreise, Manuskriptkorrektur, neuem Laptop, Müdigkeit, kleinen technischen Katastrophen und der immer wiederkehrenden Frage, wie viel eigentlich gleichzeitig in einen einzigen Kopf passt.
Wenn du magst, komm mit durch meine Woche.
Von Mangel und Versorgung
Letzten Samstag begann die Woche für mich mit einem ziemlich direkten Wink aus den Losungen. Am Tag zuvor hatte ich noch darüber gejammert, dass die Finanzen hinten und vorne nicht reichen und es eigentlich genug Dinge gäbe, die dringend ersetzt werden müssten. Meine Küche ist fast dreißig Jahre alt, die Matratze durchgelegen und wenn ich meinen noch gar nicht so alten, inzwischen aber wirklich ziemlich ramponierten Computer anschaute, konnte ich plötzlich gut verstehen, warum eine Bekannte früher über ihre Küche sagte, andere würden sich weigern, damit überhaupt noch zu arbeiten.
Und dann standen da ausgerechnet diese beiden Verse:
»Ich bin arm und elend; der HERR aber sorgt für mich.«
Und Paulus schreibt:
»Mir ist alles und jedes vertraut: beides, satt sein und hungern, beides, Überfluss haben und Mangel leiden; ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.«
Da musste ich schon ein bisschen schlucken. Denn plötzlich bekam für mich gerade dieser letzte Satz noch einmal eine andere Bedeutung. »Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht« heißt eben nicht nur: Ich kann Großes schaffen, gewinnen, über mich hinauswachsen. Vielleicht heißt es manchmal auch: Ich kann Mangel tragen. Ich kann durch Zeiten gehen, in denen nicht alles reicht, Dinge alt sind, kaputtgehen oder noch warten müssen. Nicht, weil ich besonders stark wäre, sondern weil Gott mich stark macht.
Das heißt nicht, dass ich Mangel schönreden muss. Eine uralte Matratze bleibt eine uralte Matratze, und ein kaputter Computer darf ersetzt werden müssen. Ich darf mir Dinge wünschen, sparen, planen und hoffen. Aber ich zerbreche nicht daran, wenn es nicht sofort geht. Gott trägt mich hindurch und sorgt für mich.
Nach meinem Gejammer vom Vortag waren diese Losungen jedenfalls ziemlich punktgenau.
Manchmal ist Gott schon sehr direkt.
Einmal quer durch Deutschland
Am selben Samstag stand dann mein großes Mikro-Abenteuer an: einmal mit der Bahn längs durch Deutschland, von Husum bis nach Hause. Morgens war der Rucksack fertig gepackt, ich war geduscht, hatte gefrühstückt und machte mich auf den Weg. Der erste Teil mit dem Regionalzug Richtung Hamburg war eigentlich gar nicht das, wovor ich Respekt hatte. Knapp zwei Stunden sitzen, rausgucken, irgendwann ankommen – das ging. Spannender waren die beiden Umstiege in Hamburg, jeweils von einem Bahnsteig ziemlich weit zum nächsten, mit Rucksack, Rolltreppen und diesem leichten Hinterkopf-Gefühl, dass man sich natürlich genau jetzt verlaufen könnte.
Hamburg Altona und zwei Umstiege
Und dann war es erstaunlich unspektakulär. Ich bin einfach gegangen, habe geschaut, wo ich hinmuss, bin sogar in Altona an den verschiedenen Rolltreppen richtig abgebogen und saß irgendwann im ICE nach Basel. Ohne Drama. Ohne verpassten Anschluss. Und ohne jemanden fragen zu müssen, wo ich überhaupt bin.
Und da merkte ich ziemlich deutlich: Ich kann das. Nicht im Sinne von: Ich habe es irgendwie überlebt und mache das nie wieder. Sondern wirklich: Das ist machbar. Ich kann allein mit der Bahn quer durch Deutschland fahren, umsteigen, Gepäck dabeihaben und ankommen.
Wenn ich nicht so entsetzlich müde gewesen wäre, hätte ich unterwegs sogar arbeiten können. Stattdessen habe ich große Teile Deutschlands verschlafen. Im Sitzen. Immer wieder. Irgendwann wachte ich auf und wir waren schon hinter Kassel-Wilhelmshöhe auf dem Weg nach Frankfurt. Das hatte durchaus etwas Praktisches: Man steigt morgens im Norden ein, schläft ein bisschen und wenn man wieder die Augen aufmacht, ist Deutschland schon wieder ein Stück kleiner geworden.
Ruhebereich oder was?
Weniger begeistert war ich von meinem reservierten Platz im Ruhebereich. Ich frage mich bis heute, warum dieser Bereich Ruhebereich heißt, wenn dort telefoniert, laut gesprochen, gelacht und YouTube ohne Kopfhörer geschaut wird. Natürlich dürfen Kinder Kinder sein, und ein ungefähr Zweijähriger darf auch lautstark vertreten, dass ihm dieses oder jenes seiner Meinung nach unbedingt zusteht. Ich frage mich nur ein kleines bisschen, warum man mit mehreren sehr kleinen Kindern ausgerechnet im Ruhebereich reserviert.
Die tatsächliche Ruhe kam dann irgendwann kurz vor Schluss, als der Zug fast leer war und plötzlich alle still wurden. Genau so hätte ich es ungefähr sechs Stunden früher gebraucht. Denn jetzt wollte ich nicht mehr einschlafen, weil ich Angst hatte, Basel Badischer Bahnhof zu verpassen.
Best of Bagpack oder wie packe ich meinen Rucksack besser
Unterwegs habe ich natürlich gleich ausgewertet, was ich beim nächsten Mal besser mache. Der Rucksack war eindeutig zu schwer, was vor allem an zwei Laptops und meinem Atemgerät lag. Beides kann ich schlecht einfach zu Hause lassen, aber drumherum lässt sich einiges optimieren. Der Regenschirm zum Beispiel fliegt raus, dünne Regenjacke und Regencape reichen. Deo und Duschgel kann ich bei meinen Kindern kaufen oder dort lassen, und wenn ich sowieso waschen kann, muss ich nicht für jeden Tag einen kompletten Kleiderschrank mitschleppen. 2,25 Liter Getränke waren dagegen ziemlich genau richtig, Bananenchips und Müsliriegel ebenfalls. Mozzarella auf Brötchen bekommt allerdings Reiseverbot. Der hatte das komplette Brötchen durchgeweicht und sich damit für zukünftige Fernstrecken disqualifiziert.
Und dann war da noch der blinde Passagier, den ich schon am Abend vorher in Husum entdeckt hatte: mein feststehendes Ranger-Messer. Keine Ahnung, wie lange das tief unten zwischen den Kleidern im Lederetui schon mitgereist war. Ich hatte vor der Fahrt überhaupt nicht nachgesehen. Spätestens da wusste ich wieder, warum getrennte Rucksäcke gar keine so schlechte Idee sind.
Bahnreise-Fazit
Mein großer Reiserucksack wohnt inzwischen aber bei meinem Sohn, der jetzige ist eigentlich zu klein, und irgendwann hätte ich gern einen dazwischen, vielleicht um die vierzig Liter und mit einem vernünftigen Hüftgurt. Aber eben nicht jetzt. Denn jetzt sind andere Dinge zuerst dran: Laptop, Matratze, Schreibtisch – der Rucksack darf warten.
Was ich von dieser Fahrt trotzdem vor allem mitnehme, ist etwas anderes: Ich kann das. Allein. Mit Umstiegen. Mit Rucksack. Ohne Drama. Das nächste Mikro-Abenteuer steht damit eigentlich schon fest: Nürnberg, zu meinem ältesten Sohn. Dann hoffentlich etwas leichter gepackt, mit weniger Mozzarella und ganz sicher ohne Ranger-Messer.
Erst essen, dann gehen
Der Sonntag begann sehr früh und zunächst ziemlich unspektakulär mit der Frage, was man eigentlich mit sich anfängt, wenn man viel zu früh wach ist. Schlafen? Planen? Einfach ein bisschen mit Chatgpt quatschen?
Dann las ich die Losung:
»Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.«
Und irgendwie blieb ich genau an diesem »Iss!« hängen. Da hieß es nicht: Reiß dich zusammen. Oder: Mach schneller. Und auch nicht: Streng dich mehr an. Sondern erst einmal: Iss. Lass dich versorgen.
Je länger ich über Elia nachdachte, desto stärker wurde dieser Gedanke. Da liegt ein völlig erschöpfter Mann unter einem Strauch, kann nicht mehr, und Gott versorgt ihn zuerst ganz handfest mit Schlaf, Essen und Trinken. Später begegnet er ihm am Horeb, korrigiert seine Sicht und schenkt ihm mit Elisa auch wieder jemanden, der seinen Weg mitgeht. Körperlich, geistlich, seelisch, menschlich – alles dabei.
Passenderweise bekam ich irgendwann tatsächlich Hunger und musste ziemlich lachen. Wenn Gott schon so deutlich sagt: Iss!, dann sollte man vielleicht irgendwann auch wirklich essen.
Mein neues Arbeitszimmer entsteht
Später beschäftigte mich mein neues Arbeitszimmer. Wobei »neu« eigentlich das falsche Wort ist, denn mein Schreibtisch ist ein alter Kinderschreibtisch. Der erste, den wir überhaupt hatten. Mein heute dreißigjähriger Sohn hat daran versucht zu lernen, später stand er bei meiner Tochter, irgendwann habe ich ihn dunkelblau gestrichen, und weil sie ihn beim Umzug nicht mitgenommen hat, gehört er jetzt mir.
Und wisst ihr was? Er ist völlig okay.
Ich brauche gar keinen sündhaft teuren neuen Schreibtisch. Er ist klein genug, dass ich darauf hoffentlich gar nicht erst ein riesiges Chaos produzieren kann, und viel wichtiger ist sowieso das, was vor mir an der Wand entsteht: mein Denkbrett. Oder, wie ich es inzwischen nenne, mein ThinkPad. Nicht der neue Computer, der auch noch kommen soll, sondern eine Wand aus Kork. Grins.
Von Pinnwänden und co.
Die Pinnwände hängen inzwischen, das Whiteboard kam später dazu, und dann zogen die ersten Dinge ein, die dort wirklich hingehören: die drei Cover meiner Eloan-Bände. Erstaunlicherweise war mir genau das wichtig. Nicht einfach, weil sie hübsch aussehen, sondern weil sie mir vor Augen führen, was längst geschafft ist. Der erste Band ist veröffentlicht, der zweite soll hoffentlich noch in diesem Jahr erscheinen, und auch der Text des dritten ist bereits fertig. Drei Bücher, die einmal nur Ideen waren und heute tatsächlich existieren.
Daneben hängt ein Bild der Haut-Koenigsbourg. Ich war dort schon mehrfach, und auch wenn die Burg restauriert und natürlich kein unverändertes mittelalterliches Original ist, löst sie bei mir sofort dieses Gefühl aus: Ja, so könnten die Burgen Eloans aussehen.
Damit wurde aus der kahlen Pinnwand langsam tatsächlich ein Motivations- und Inspirationsboard.
Und trotzdem blieb viel leer.
Das ist vermutlich auch gut so.
Hör-auf -Tag
Denn während ich schon darüber nachdachte, wo später aktuelle Projekte, Termine, Ideen und vielleicht sogar erste Gedanken zu meinem nächsten Buchprojekt ihren Platz finden könnten, merkte ich gleichzeitig, wie sehr ich dazu neige, aus jeder schönen Idee sofort die nächste Aufgabe zu machen.
Genau da begegnete mir an diesem Abend noch ein anderer Satz: »Hört auf und erkennt, dass ich Gott bin.«
Ich las nicht nur den einen Vers, sondern den ganzen Psalm 46, und plötzlich war dieser Gedanke noch einmal ganz anders da: Hör auf. Sei still. Du musst nicht alles lösen. Nicht alles kontrollieren. Nicht aus jedem Gedanken sofort einen nächsten Schritt machen.
Und das Erstaunliche war: Genau da war plötzlich Ruhe. Nicht äußerlich, aber in mir. So eine tiefe Ruhe, die nicht daher kommt, dass alle Fragen beantwortet sind, sondern eher daher, dass sie für einen Moment gar keine Antwort brauchen.
Ich wollte diesen Frieden nicht festhalten und auch nicht gleich auswerten. Aber bewahren. Das ist etwas anderes.
Vielleicht war genau das mein Hör-auf-Tag. Nicht resignieren, nicht aufgeben, sondern aufhören mit dem inneren Kämpfen und still sein.
Wenn die Mauer fällt
Am Abend war von dieser Ruhe allerdings nicht mehr ganz so viel übrig. Da kippte ich plötzlich in dieses Gefühl, als wäre eine Mauer auf mich gefallen. Der Tag war lang gewesen: Gottesdienst, Gespräche, Arbeitszimmer, Umräumen, Telefonate, Bahnreise buchen, Abendessen, Küche. Lauter Dinge, von denen keines für sich besonders riesig war, die aber zusammengenommen irgendwann alle Energie aufgebraucht hatten.
Das frustriert mich, weil ich nicht einfach lernen will, mit immer weniger Energie zu leben. Ich will mehr davon zurück. Wenn ich allerdings ehrlich bin, ist inzwischen schon einiges besser geworden. Vor einigen Monaten waren fünf oder zehn Minuten Aktivität viel. Jetzt habe ich meiner Tochter beim Umzug geholfen, bin lange Zug gefahren, räume wieder stundenweise Dinge und kann deutlich mehr als damals.
Der Crash kam nicht nach fünf Minuten Küche.
Er kam nach einem ziemlich langen Tag.
Immerhin ein Unterschied.
Sport als logische Konsequenz?
Weniger begeistert war ich von der logischen Konsequenz, dass mehr Belastbarkeit vermutlich auch wieder mehr Bewegung braucht. Sport. Muskeltraining. Ausdauer. Ich knurrte sofort. Monotone Wiederholungen finde ich ungefähr so spannend wie einer Wandfarbe beim Trocknen zuzusehen.
Also entstand die Idee, das Ganze eher als Expedition zu denken. Spähergänge, Versorgungsmissionen, Werkstattquests, kleine Sonderaufträge. Abenteuer statt dreimal zehn Wiederholungen.
Ob ich das genial finde? Noch nicht. Im Moment finde ich vor allem die Tatsache, dass ich überhaupt darum kämpfen muss, ziemlich ungerecht. Aber vielleicht ist das wenigstens eine Sprache, in der ich irgendwann mitmachen kann.
Und irgendwie landete ich damit wieder bei Elia.
Erst versorgen lassen.
Dann gehen.
Wenn drei Zeilen den ganzen Satz ruinieren
Montag sollte eigentlich die große Fokuswoche für »Wolkenstein« beginnen. Natürlich meldete sich ausgerechnet da mein Darm und sorgte dafür, dass der Morgen erstmal anders aussah als geplant. Weil ich kritische Medikamente nehme, musste ich zusätzlich klären, wie ich mit der morgendlichen Dosis umgehe. Deshalb rief ich nach einigem Knurren, bei meiner Ärztin an, um das zu besprechen.
Danach ging es endlich ans Manuskript. Seite 16 von 434 und das Tagesziel irgendwo bei 150 oder 160. Sehr ermutigend.
Immerhin änderte ich meinen Korrekturmodus. Die ersten Seiten hatte ich schon mehrfach gründlich gelesen, deshalb beschloss ich, dort nicht noch einmal gezielt nach jedem Rechtschreibfehler zu suchen, sondern mitzunehmen, was mir auffiel, und mich vor allem auf Buchsatzprobleme zu konzentrieren. Mein Mann würde ohnehin noch einmal Rechtschreibung und Grammatik lesen.
Das half tatsächlich.
Ich mag nicht mehr
Trotzdem kam irgendwann dieser Moment, an dem ich einfach nur dachte: Ich habe dieses Buch so oft gelesen. So oft angeschaut. So oft korrigiert. Ich mag nicht mehr.
Und natürlich fand ich trotzdem Dinge.
Perspektivfehler, Formulierungen, Logik – und dann drei Zeilen.
Am Ende eines Kapitels waren genau drei Zeilen auf eine neue Seite gerutscht. Darunter sehr viel Weiß, und das nächste Kapitel begann natürlich erst auf der darauffolgenden Seite.
Es sah scheiße aus.
Besonders ärgerlich war, dass ich an einer früheren Stelle extra etwas ergänzt hatte, damit dort der Seitenumbruch besser passte. Kaum war dieses Problem beseitigt, schob sich hinten das nächste hinaus.
Der Buchsatz ist ein Dominospiel.
Nur ohne Spaß.
Und ich wollte nicht schon wieder hier drei Wörter streichen und dort zwei Sätze ergänzen. Der Text ist lektoriert, an manchen Formulierungen habe ich lange gefeilt, und irgendwann muss auch mal gut sein. Also musste diesmal nicht der Text das Problem lösen, sondern der Satz: mit minimal veränderter Laufweite oder einer geschickt gesetzten Trennung auf den vorherigen Seiten.
Für eine Burgmauer braucht man Seile mit Haken.
Für drei widerspenstige Zeilen offenbar minus 0,1 Punkt Laufweite.
Das Arbeitszimmer wächst nebenbei
Parallel dazu wuchs meine Schreibstube weiter. Das Whiteboard sollte über die Kommode, die Dübel wollten allerdings nicht so recht, und irgendwann machte der Bohrer »plöpp«. Kurz stand die Frage im Raum, ob sich hinter der Wand ein Hohlraum befand. Mein Mann war überzeugt, dass kleinere Dübel trotzdem funktionieren würden.
Sie funktionierten.
Das Whiteboard hängt.
Die bunten Zettel darauf sind übrigens keine brandaktuelle Romanplanung. Sie waren einfach beim Abnehmen und Wiederaufhängen drangeblieben – ein kleines Whiteboard-Zeitfenster in eine frühere Planungsphase.
Zahnarzt, Seite 258 und eine Entscheidung
Am Dienstag kam zunächst der Zahnarzt. Ich war vor dem Termin schon bis Seite 150 gekommen und ziemlich zufrieden. Was in meinem Kopf als »da wird heute eine Füllung repariert« abgespeichert war, wurde dann zu anderthalb Stunden und mehreren erneuerten Füllungen. Danach war gefühlt der gesamte Kiefer außer Betrieb.
Immerhin konnte ich den Termin von der Liste streichen.
Geschafft.
Und obwohl der Tag danach ziemlich zerfasert war, landete ich am Abend bei Seite 258. Von Seite 150 bis Seite 258 an einem Tag mit langem Zahnarzttermin, Kieferweh, Regalchaos und ziemlich vielen Gedanken im Kopf. Damit konnte ich dann doch zufrieden sein.
Zumindest theoretisch.
Die Angst, etwas zu übersehen
Praktisch fiel mir beim Lesen immer wieder noch etwas auf, und jedes Mal kam sofort diese Angst hoch, etwas zu übersehen oder mich in den Korrekturen zu verzetteln. Also schrieb ich auf, was mir auffiel, und las weiter.
Nicht jedes Problem muss in genau dem Moment gelöst werden, in dem man es entdeckt.
Am selben Dienstag traf ich noch eine andere Entscheidung. Eigentlich wäre Schreibkurs gewesen. Eigentlich hätte der nach Ferien, Umzug und sonstigem Leben wirklich mal wieder stattfinden müssen, zumal eine Teilnehmerin gerade für die nächsten Termine bezahlt hatte.
Uneigentlich war ich endlich wieder richtig im Manuskript drin und wusste ziemlich genau, dass mich Kursvorbereitung und zwei Stunden Kursleitung an diesem Abend aus dem Schreibfluss reißen würden.
Ich diskutierte lange mit mir. Darf ich so kurzfristig absagen? Ist das unprofessionell? Muss ich es jetzt trotzdem machen?
Am Ende sagte ich ab. Mit schlechtem Gewissen, aber ich sagte ab.
Und durfte zurück nach Eloan.
Genau da wollte ich hin.
Manuskriptkorrektur auf Hochtouren
Mittwoch dann der große Korrekturtag. Morgens dachte ich noch, ich hätte verschlafen und würde mein Tagesziel niemals schaffen. Einige Stunden später waren es plötzlich nur noch 59 Seiten, dann 28 – und schließlich war ich tatsächlich durch.
Einmal komplett durch »Wolkenstein«.
Drei Tage hatte dieser Korrekturlauf gedauert, Montag bis Mittwoch, und das trotz Zahnarzt.
Das fühlte sich ziemlich gut an.
Nur bedeutete »durch« natürlich keineswegs »fertig«.
Auf meinem Schreibtisch lagen anschließend drei oder vier DIN-A5-Seiten voller Notizen. Kleine Sachen, größere Sachen, Dinge zum Nachschauen und Dinge, bei denen ich dachte: Wie bitte konnte mir DAS bisher entgehen?
Der Mond darf nicht einfach machen, was er will
Unter anderem der Mond.
Ich wollte die Mondphasen in der Geschichte wenigstens so plausibel halten, dass nicht ausgerechnet in tiefster Neumondnacht helles Mondlicht über die Landschaft fällt. Also bekam ich einen kleinen Zeitplan und suchte anschließend das komplette Manuskript nach dem Wort »Mond« ab.
Fast voller Mond? Passt.
Schmale Sichel? Passt.
Kaum Mond? Dann lieber Sternenlicht statt Mondschein.
Ich glaube, selten hat mich ein Haken auf einer Liste so glücklich gemacht wie der hinter dem Wort »Mond«.
Genau das beschreibt diese letzte Buchphase ziemlich gut. Man glaubt, man kontrolliert nur noch Rechtschreibung, entdeckt aber plötzlich, dass irgendwo eine Szene fehlt, eine Figur etwas weiß, das sie gar nicht wissen kann, ein Nebencharakter fast verschwunden ist oder eine Wache nicht dort steht, wo sie stehen müsste.
Was machst du mit dem Dolche, sprich
Und dann gibt es einen Dolch, der plötzlich zum Problem wird.
Donnerstag war nämlich mein Tag des Beschreibens. Vier neue Szenen sollten entstehen, und ich begann ausgerechnet mit einer Kampfszene für Yalin.
Kampfchoreografien gehören für mich zu den schwierigsten Dingen beim Schreiben. Gleich hinter Folter, bei der der arme Mensch hinterher bitte noch halbwegs für die weitere Handlung zu gebrauchen sein soll.
Ich wollte diesmal vermeiden, dass Yalin einfach kommt, wirft, trifft, fertig. Also bemerkt eine Wache die Bewegung rechtzeitig, ruft eine Warnung und die andere kann sich noch ducken. Der erste Dolch geht daneben und Yalins schöner Plan ist dahin.
Soweit fand ich das gut.
Nur: Und dann?
Zweiter Dolch auch noch werfen? Behalten? Nahkampf? Schwerter? Dariel?
Ich grübelte mich durch Reichweiten und Bewegungsabläufe und stellte irgendwann fest, dass Yalin den zweiten Dolch besser nicht werfen sollte. Warum, dass musst du selbst herausfinde, sobald das Buch erschienen ist
Manchmal braucht es eine gediegene Ablenkung
Zwischendrin tat ich etwas ausgesprochen Vernünftiges und lenkte mich ab. Plötzlich war ich nämlich bei Band vier, und innerhalb weniger Minuten hatte ich eine Szene, die dort irgendwann spielen soll, deutlich klarer vor Augen als die Kampfszene, an der ich eigentlich saß. Dariel geriet in Schwierigkeiten, Hanna hat etwas gestohlen, Dariel übernimmt die Strafe und Sewald holt ihn später dort heraus. Ich sehe ihn schon völlig trocken sagen:
»Ich habe ein größeres Hühnchen mit ihm zu rupfen.«
Man muss seine Prioritäten schließlich kennen.
Irgendwann funktionierte Yalins Szene dann doch. Und ich konnte an anderen Stellen weiter arbeiten
Außerdem bekam Walter eine zusätzliche Szene, Bernward ebenfalls, und Jere von Barnfeld wurde wieder stärker eingeflochten, nachdem ich festgestellt hatte, dass er mir im zweiten Band beinahe verschwunden wäre. Das wäre spätestens in Band drei etwas ungünstig geworden, wenn er plötzlich wieder wichtig wird.
Am Ende konnte ich meinem Mann den gesamten restlichen Teil des Manuskripts endlich am Stück zum Korrekturlesen geben.
Korrigieren lassen ist schlimmer als selbst korrigieren
Und dann machte er mich natürlich erstmal kirre.
Es war halb zehn, und er fing nicht an.
Ich war innerlich längst bei: So. Jetzt. Lesen. Los.
Er offenbar nicht.
Irgendwann startete er immerhin sein MacBook, was ich schon als hoffnungsvolles Zeichen wertete. Während ich beim Hausarzt mein EKG abholte und anschließend noch mit meiner Tochter telefonierte, passierte es dann tatsächlich:
Er las.
Als ich wieder nachsah, war er auf Seite 20.
Na also.
Vielleicht ist es auch ganz gut, wenn ich nicht daneben sitze und jeden Gesichtsausdruck deute. Sonst würde ich wahrscheinlich bei jedem Stirnrunzeln denken: Was hat er gefunden? Was stimmt nicht? Warum guckt er so?
Also durfte er erstmal lesen.
Und ich durfte versuchen, ihn lesen zu lassen.
Was vermutlich mindestens genauso schwierig ist.
Ein neuer Rechner zieht ein
Am Donnerstag kam dann außerdem mein neuer Rechner.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, ganz vernünftig vorzugehen. Langsam. Schritt für Schritt. Nur das Nötigste.
Nun ja.
Der ThinkPad (Der Laptop von Lenovo heißt wirklich so: Thinkpad T14 )stand aufgeklappt vor mir, lief bereits – und ich war sofort bei: Und jetzt?
Keine freundliche Windows-Stimme, kein »Ich führe dich durch die Einrichtung«, nichts. Einfach Desktop. Fertig. Bitte bedienen Sie sich.
Also begann die große Reise durch Updates, Benutzerkonto, Microsoft-Anmeldung, PIN und Computernamen. Immerhin bekam das gute Stück recht schnell einen vernünftigen Namen:
Tinas Schreibstube.
Dann prüften ich noch, ob auch wirklich drinsteckte, was ich gekauft hatte. Tat es. i7, 32 GB RAM, rund 1 TB Speicher und Windows 11 Pro. Selbst der Akku sah für ein generalüberholtes Gerät ziemlich ordentlich aus.
Bis dahin war ich schon müde.
Laptop einrichten ist Ausdauersport
Aber natürlich war ich noch lange nicht fertig.
LibreOffice musste drauf. Firefox. Mailkonten. Zoom. Scrivener. Plottr. Und überall lauerten Passwörter, von denen ich entweder nicht wusste, wie sie lauteten, oder nicht einmal mehr wusste, ob ich sie jemals gewusst hatte.
Zwischendrin dachte ich ernsthaft, mein Kopf explodiert.
Das Manuskript werde ich deshalb wohl doch auf dem alten Rechner fertigstellen. Da läuft alles, da sitzen die Schriften, da kenne ich jeden Winkel. Der neue Rechner soll erstmal vor allem reisefähig werden.
Schreibkurs am neuen Laptop
Am Nachmittag hatte ich dann auch noch meinen Prophetic-Words-Workshop und war natürlich praktisch unvorbereitet, weil ich mich völlig in der Rechner-Einrichtung verloren hatte. Also schnell noch Lied aussuchen, Gedanken zum Heiligen Geist und prophetischem Reden sammeln, zwei Schreibübungen aus dem Ärmel schütteln und los.
Mitten im Zoom-Meeting verabschiedete sich dann die Kamera.
Sehr beruhigend bei einem neuen Rechner.
Später stellte sich heraus: nicht kaputt, nur verhakt. Nach einem Neustart lief wieder alles.
Die Tücken des Neu-Einrichtens
Danach landete ich bei Plottr, einem Romanplanungstool. Meine alte Lizenz funktioniert auf dem alten Rechner noch, für die aktuelle Version auf dem neuen aber nicht. Eine Lifetime-Lizenz würde ungefähr 150 Dollar kosten.
Und plötzlich stand die Frage im Raum:
Brauche ich Plottr eigentlich überhaupt noch?
Ich mag das Programm. Ich mag Datenbanken, Farben und Dinge, die hübsch sortiert aussehen. Nur bin ich offenbar gleichzeitig ein ziemlich schlechter Planer. Meine Geschichten verändern sich während des Schreibens ständig, und in Plottr schaue ich dann erstaunlich selten hinein.
Also machten Chatgpt und ich etwas ausgesprochen Vernünftiges.
Wir verbrachten ungefähr zwei Stunden damit, Scrivener umzubauen.
Ja.
Ich weiß.
Es gäbe an einem neuen Rechner ungefähr tausend wichtigere Dinge einzurichten, und Scrivener brauche ich für den nächsten Roman noch gar nicht.
Aber nun ja.
Es entstanden Ordner für Personen, Orte, Gegenstände, Tiere, Zeitangaben, Schlüsselereignisse, Notizen und Recherche. Dazu passende Vorlagen und Metadaten. Irgendwann hatte ich tatsächlich etwas gebaut, das mir gefällt: meine eigene Romanvorlage Martina.
Und dann kam der interessante Gedanke: Vielleicht brauche ich Plottr wirklich nicht mehr.
Für mein nächstes großes Projekt könnte ich in Scrivener von Anfang an ein einziges Serienprojekt anlegen. Jeder Band bekommt seinen eigenen Bereich, während Personen, Orte, Gegenstände, Tiere und andere serienweite Informationen nur einmal existieren.
Eigentlich ziemlich genau das, was ich brauche.
Und natürlich passierte anschließend genau das, was passieren musste:
Jetzt würde ich am liebsten sofort anfangen, »Vom Licht gezeichnet« zu planen.
Dabei stehen ungefähr fünfundneunzig andere Dinge vorher an.
Seufz.
Freitag und die Kunst, nicht alles gleichzeitig zu tun
Freitagmorgen war ziemlich schnell klar, dass es sehr viele Dinge zu tun gab und erstaunlich wenige davon Lust machten. Arzttermin, Apotheke, Medikamente, einkaufen – dieses völlig banale Freitagseinkaufen, das Zeit frisst und auf das ich ungefähr so viel Lust hatte wie auf Fußpilz.
Vorher musste ich allerdings erstmal mich selbst sortieren. Duschen, Haare, BH. Letzterer entwickelte kurzzeitig eigene Pläne und klemmte so, dass ich schon überlegte, meinen Mann zur Rettung zu holen. Ging dann doch allein.
Immerhin.
Der Arztbesuch lief gut, die Innenstadtbesorgungen auch.
Danach zog mich natürlich wieder der neue Laptop.
Sehr.
Nur ein bisschen Ordnung
Ich wollte eigentlich nur ein bisschen Ordnung schaffen, ein paar Programme einrichten und Dateien rüberziehen.
Ihr ahnt vermutlich schon, wie gut das funktioniert hat.
Mein alter Rechner war über Jahre ungefähr nach dem Prinzip organisiert: Ich lade etwas herunter, und dann wohnt es eben in Downloads. Bilder, Videos, Canva-Gestaltungen, Texte, Installer – alles durfte dort einziehen und offensichtlich auch bleiben.
Auf dem neuen Laptop wollte ich das anders machen.
Also entstand eine neue Struktur rund um »Tinas Schreibstube«. Darin liegen meine Buchprojekte, Kurztexte und Ideen, Recherchematerial, Autorenbusiness, Scrivener-Backups – und ein Ordner, den ich besonders mag:
Tests & Spielwiese.
Dort darf ich Dinge ausprobieren, ohne dass gleich mein ordentliches System zusammenbricht.
Theoretisch jedenfalls.
Wie sortiere ich meine Ordner?
Weil Windows natürlich alphabetisch sortiert, bekam Tinas Schreibstube zunächst einen hübschen Stern. Scrivener fand den offenbar weniger hübsch und weigerte sich prompt, in den neuen Backup-Ordner zu sichern.
Also durfte der Stern wieder verschwinden.
Stattdessen bekamen die Ordner Nummern.
Und siehe da: Es sortiert sich so, wie mein Kopf es gerne hätte.
Manchmal braucht Ordnung offenbar einfach Zahlen.
Wenn Leere erwünscht ist
Dann geschah etwas, das auf meinem bisherigen Computer vermutlich noch nie passiert ist:
Mein Download-Ordner war leer.
Ich löschte ZIP-Dateien, nachdem Cover und Kapitelzierden sauber an ihrem Platz lagen, warf Installer raus, sobald die Programme ordentlich installiert waren, und irgendwann stand ich da und starrte auf diesen leeren Ordner.
Historischer Moment.
Weil ich mich kenne und bei solchen Dingen gern von null auf Übereifer schalte, läuft jetzt offiziell die »Challenge leerer Download-Ordner«. Alles, was dort landet, muss entweder irgendwohin umziehen oder wieder verschwinden.
Mal sehen, wie lange das gutgeht.
Datenrettung
Plottr flog ebenfalls runter, aber vorher wollte ich natürlich die Daten retten. Der erste Export nach Word war beeindruckend.
166 Seiten.
Eine endlose Latte untereinander, teilweise verzerrte Bilder, keinerlei Übersicht.
Ganz ehrlich: Da hätte ich auch anfangen können, meine Figuren mit Federkiel auf Pergament abzuschreiben.
Der Export nach Scrivener war immerhin besser. Hübsch ist anders, aber die Daten sind da und halbwegs auffindbar. Damit muss mein alter Rechner wenigstens nicht bis zum Ende der Reihe als Plottr-Museum weiterleben.
Und Technik hat doch ein Eigenleben
Zwischendurch hatte ich dann auch noch das Gefühl, mein neuer Laptop mache Dinge, die ich gar nicht will. Ordner hingen plötzlich am Schnellzugriff, Fenster machten komische Sachen und das Touchpad reagierte schneller, als ich denken konnte. Irgendwann verstand ich wenigstens, wie ich diese Ordner versehentlich dort festheftete.
Das war einerseits beruhigend.
Andererseits bestätigte es meine Vermutung, dass ich mit diesem Touchpad gerade ungefähr so geschickt bin wie ein gerupftes Hühnchen auf Rollschuhen.
Immerhin sieht der Rechner inzwischen nach mir aus. Mein Desktop-Hintergrund besteht jetzt aus meinen drei Coverbildern, und das verändert erstaunlich viel. Plötzlich sieht er nicht mehr nach irgendeinem neuen ThinkPad aus, sondern nach Geschichten, Eloan und Schreiben.
Nach meinem Arbeitsplatz.
Die Müdigkeit holt mich ein
Am Nachmittag war dann allerdings plötzlich Schluss mit Produktivität. Ich war so müde, dass ich mich hinlegte – zum Glück mit Maske – und zwei Stunden später ziemlich verorgelt wieder aufwachte. Bei 32 Grad hätte ich anschließend eigentlich auch noch einkaufen müssen.
Buhu.
Mein Mann war allerdings ein Schatz, stellte mir Essen und Tee ans Bett und beauftragte unseren Sohn kurzerhand, Pizza fürs Abendessen mitzubringen. Damit war der Einkauf auf Samstagmorgen verschoben und die Welt gleich ein bisschen freundlicher.
Es geht vorwärts
Trotzdem kam ich am neuen Rechner erstaunlich weit. Daten aus Plottr gerettet, Dinge nach Scrivener übernommen, Kapitelzierden, Coverdesign, Lesezeichen und Vorlagen rüberkopiert. Langsam fühlt sich das ThinkPad tatsächlich nach meinem Rechner an.
Für die alten Projekte will ich dabei gar nicht alles kompliziert migrieren. »Wolkenstein« bekommt irgendwann einfach die aktuelle Datei, und für »Wolfskrone« habe ich ein frisches Scrivener-Projekt in der neuen Struktur angelegt. Dort liegen bisher gerade mal neun Texte – das kann ich wirklich noch von Hand übertragen.
Zwischendrin musste allerdings Flammkuchen gebacken, vom Rost jongliert und überwacht werden, während Scrivener, OneDrive und die Frage, ob »Wolfskrone« eigentlich Band vier oder fünf wird, munter gleichzeitig durch meinen Kopf liefen.
Eine offene Frage
Ja, auch diese Frage ist neuerdings wieder offen.
»Ansgar von Briant« sollte ursprünglich genau ein Buch werden.
Dann drei.
Jetzt vier.
Und inzwischen frage ich mich ernsthaft, ob der restliche Stoff überhaupt sauber in Band vier passt oder ob es am Ende doch fünf Bücher werden.
Ideen hätte ich genug.
Sehr genug.
Aber irgendwann ist auch die Frage erlaubt, ob man seine Leser noch ein weiteres Buch lang mit Ansgar, Wolfhard, Walter und all den anderen durch Eloan scheuchen darf.
Grins.
Und weil zwei Flammkuchen am Ende nicht einmal zum Sattwerden gereicht haben, gab es danach noch für jeden eine halbe Pizza.
Manchmal braucht ein produktiver Tag eben ein zweites Abendessen.
Am Freitagabend stand ich tatsächlich noch in der Küche und kochte Vanillepudding. Ganz klassisch von Dr. Oetker, und natürlich hatte ich vergessen, rechtzeitig ein paar Löffel kalte Milch zum Anrühren abzunehmen. Also Kühlschrank wieder auf, Milch raus, improvisieren. Dazu fehlte mir eines von drei gleichen Schälchen, die Stubenfliegen nervten, mein Finger auch, und überhaupt war das so ein Abend, an dem lauter Kleinkram gleichzeitig an einem zupft.
Eigentlich war ich gedanklich noch beim Buch. Beim Klappentext und beim Personenregister für »Wolkenstein«. Das Register soll genauso schlicht bleiben wie in Band eins: Name, Alter und ein ganz knapper Hinweis darauf, wer derjenige ist. Kein Stammbaum und keine halbe Charakterdatenbank, sondern einfach etwas, das hilft, wenn man bei einem Namen kurz denkt: Wer war das noch mal?
Und dann fiel mir gegen zehn Uhr siedend heiß etwas ganz anderes ein:
der Samstagsplausch.
Den hatte ich morgens zwar schon vorbereitet, aber eben nur vorbereitet. Er war noch nicht im Blog, der Freitag fehlte noch, ich musste feinschleifen, ein Foto suchen, mich um SEO kümmern und alles mit Kaminrot verlinken. Und plötzlich stand diese ganze Liste vor mir, während ich eigentlich nur noch müde war und ins Bett wollte.
Der Plausch sollte Samstagmorgen um acht online sein.
Verschieben wollte ich ihn nicht.
Also blieb am Ende nur die ziemlich unschöne Lösung: Wecker auf vier.
Theoretisch machbar.
Praktisch einfach scheiße.
Und nein, ich fand daran auch nichts wundervoll. Manchmal muss man sich einen Abend nicht schönreden. Manchmal ist man einfach müde, hat etwas Wichtiges vergessen und weiß, dass der nächste Morgen viel zu früh anfangen wird.
Immerhin gab es warmen Vanillepudding.
Und dann kam natürlich alles anders.
Das Handy war am Abend irgendwo neben dem Bett heruntergefallen und zunächst unauffindbar, die Tastaturbeleuchtung meines neuen ThinkPads erwies sich beim Schreiben im Dunkeln auch nicht als die Offenbarung, die ich mir vorgestellt hatte, und den Vier-Uhr-Wecker habe ich schließlich komplett verschlafen.
Mein Mann weckte mich kurz vor halb acht.
Zehn Stunden Schlaf, sagt mein Atemgerät.
Offenbar hatte mein Körper zu meinem Plan mit vier Uhr eine etwas andere Meinung.
Nun sitze ich also hier, der Samstagsplausch kommt später als geplant, der Einkauf wartet noch und »Wolkenstein« natürlich ebenfalls.
Aber vielleicht passt sogar das ziemlich gut zu dieser Woche.
Was bleibt?
Wenn ich zurückschaue, sehe ich erstaunlich viele Varianten desselben Themas: Versorgung und Weitermachen. Nicht alles gleichzeitig lösen. Manchmal etwas absagen. Manchmal etwas liegenlassen. Und manchmal doch beim Arzt anrufen, obwohl man keine Lust hat. Einen Korrekturlauf beenden. Einen fehlenden Dolch bemerken. Den Mann endlich lesen lassen. Einen neuen Rechner einrichten, ohne gleich das komplette digitale Leben neu erfinden zu müssen. Einen leeren Download-Ordner bestaunen. Zwei Flammkuchen essen und danach feststellen, dass man trotzdem noch Pizza braucht.
Und manchmal heißt Versorgung eben auch ganz schlicht:
Schlafen.
Selbst wenn der Wecker anderer Meinung ist.
Vielleicht ist das gar nicht so weit weg von dem Satz, mit dem diese Woche für mich angefangen hat:
»Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.«
Erst versorgen lassen.
Dann gehen.
Und wenn es manchmal ein bisschen später wird, geht die Welt vermutlich trotzdem nicht unter.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und eine wundervolle Woche, in der du entdecken kannst, wie Gott dich versorgt.
Martina





