Über diese Geschichte:
„Eamonn und das Schwert seines Vaters“ ist eine von den Geschichten, die so im Rahmen meiner Ansgar-Romane stattfinden könnte, aber ich nehme für die eigentliche Erzählung nicht an, dass es so gewesen ist – daher ist es ein What-if. Wenn du wissen willst, was ein What-if ist, lies hier nach!
In dieser Geschichte begegnen wir Eamonn von Mayenburg, Herr der Myenburg und Lehnsmann von Wolfhard von Eloan. Beide, Eamonn und Wolfhard, spielen in meinen Ansgar-Romanen eine Rolle. Was, wenn sich alles ein wenig anders gefügt hätte? Taucht ein in dieses alternative Szene und entdeckt eine neue Perspektive auf bekannte Charaktere. Viel Spaß beim Lesen!
Tauch ein in die Welt von Eloan
Eamonn saß auf seinem Lieblingsplatz in der großen Halle, der Mayenburg, etwas abseits der hohen Tafel, nah am Feuer, das den Raum zu wärmen suchte. Doch schon nach wenigen Schritten war nichts mehr von der Hitze der Glut zu spüren. Dem Feuer galt seine Aufmerksamkeit jedoch nicht. Sein Blick hing an der Klinge, die er in der Hand hielt. Der Schmied hatte sie aufpoliert und der Waffenmeister hatte sie Eamon zur Begutachtung gebracht. Der Feuerschein ließ die Gerung aufblitzen, die als schmale Rinne in der Mitte der Klinge verlief und das Schwert leichter und zugleich stabiler machte.
Eamonn betrachtete die Waffe ehrfürchtig – das Schwert seines Vaters. An der Parierstange rechts und links war seit altersher je ein Rubin eingelassen. Wie frische Blutstropfen glänzten sie im Licht der Flammen. »Nur nach dem Sieg zurück in die Scheide.«, murmelte Eamonn. DIe Worte waren in die Klinge graviert, in der alten Sprache Wulfstans. Der Burgherr schluckte. Wieviel Schlachten hatte sein Vater damit geschlagen und gewonnen?
Eamonn strich mt seinem Blick liebkosend darüber und gab das wertvolle Erbstück seinem Waffenmeister. »Verwahrt es gut.« Das Schwert war ihm zu wertvoll, um es jeden Tag zu tragen, es war seine Erinnerung an den viel zu früh verstorbenen Vater.
Aber immer wenn er in die Waffenkammer kam, fiel sein Blick auf dieses Schwert. Der Waffenmeister hatte einen eigenen Ständer dafür bauen lassen.
Wolfhard von Eloan ließ sich ankündigen und die Mayenburg begann zu summen. Alles wurde vorbereitet, für die Ankunft des Königs. Als er schließlich eintraf, bewirtete Eamonn ihn fürstlich, wie es sich gehörte.
»Haltet die Augen offen, Eamonn. Man sagt, Ansgar von Briant treibe sich wieder in Eloan herum. Ich will ihn. Hört ihr?« Wolfhards Stimme war nicht laut, aber so eindringlich, dass sich Eamonns Nackenhaare aufstellten.
Er nickte. »Natürlich, wenn ich ihn erwische, mein König, liefere ich ihn Euch aus.«
Wolfhard von Eloan lächelte und reiste ab.
Wochen vergingen. Eines Morgens betrat Eamonn die Waffenkammer. Wie immer fiel sein Blick auf den Ständer. Die Waffe fehlte. Ein Schrei entwich seiner Kehle. »Wo ist das Schwert? Waffenmeister?« Wer mochte es entwendet haben? Wie war der Dieb hereingekommen?
»Herr, ich habe es nicht genommen. Als ich die Kammer gestern Abend verließ, war es noch an Ort und Stelle.« Der Waffenmeister raufte sich die Haare und sah betroffen vom leeren Ständer zu seinem wütenden Herrn.
Ein Einbruch also. Tatsächlich fand man das Schloss der Kammer aufgebrochen, warum das nicht eher bemerkt worden war, konnte niemand sagen, doch offensichtlich war ein grobes Werkzeug verwendet worden und nicht der übliche Schlüssel. Kratzspuren zeugten davon. Sonst jedoch fand sich kein Hinweis auf den Täter. Eamonn zog sich in seine Kammer zurück. Er trauerte, als sei sein Vater ein zweites Mal gestorben. Zugleich sandte er Männer aus, das Schwert zu suchen. Doch wohin, wenn es keine Hinweise
Wieder vergingen Wochen. Das Schwert blieb verschwunden. Ein Wanderer betrat die Burg. Den braunen Mantel um sich geschlungen, um sich vor dem Schnee zu schützen, der seit Tagen ununterbrochen fiel. Ein Keonischer Schild hing auf seinem Rücken. Die Wachen waren alarmiert. Zwar wagte es niemand, ihn direkt anzurühren, so abweisend und zielstrebig betrat er die Mayenburg. Aber sie flankierten ihn. Niemand wollte sich Nachlässigkeit vorwerfen lassen. Eine der Wachen schloss umsichtigerweise das Tor. Der Mann ließ sich nicht beirren. Er schritt auf den Haupteingang zu, durch Gänge, als sei er hier zu Hause und betrat die Große Halle mit einer Selbstverständlichkeit, als sei er ein geladener Gast.
»Was hat das zu bedeuten?«, raunzte Eamonn. »Wer bist du und was willst du?«
„Ich glaube, ihr habt einen wertvollen Gegenstand verloren, den ihr vermisst!«
Eamonn zuckte zusammen. Das Schwert. War es möglich, dass er vom Schwert sprach? »Was weißt du? Rede oder ich lasse dich windelweich prügeln.«
»Das wird nicht nötig sein. Ich bin gekommen, Euch etwas zurück zu bringen. Ich habe es gefunden. Und ich bin sicher, es ist Euer Besitz.«
»Dann zeigt, was du gefunden hast …« Eamonn rutschte auf seinem Sitz nach vorne und streckte seine Hand aus.
Der Fremde nestelte unter seinem Mantel und richtete schließlich ein Schwert auf Eamonn. Rubine glitzerten rot im Fackelschein. Auf der Klinge blitzten Worte auf und es war, als flüstere es im Raum. »Nur nach dem Sieg zurück in die Scheide.« Die Wachen sprangen herbei und packten den merkwürdigen Eindringling.
»Woher hast du das?« Eamonns Stimme klang heiser. Seine Augen leuchteten auf. Es war sein Schwert. Ohne jeden Zweifel.
»Ich habe es gefunden, sagte ich doch schon.« Eine feste Stimme, um Ruhe bemüht.
»Wo? Bei wem?«
»Bei einem Keoner. Dem gehörte auch dieser Schild.« Der Mann deutete auf den großen Schild auf seinem Rücken.
»Was ist mit dem Mann?«, fragte Eamonn lauernd.
»Er ist tot.«
Eamonn sackte zurück in seinen Stuhl. »Gib es mir«
Der Mann trat vor und überreichte das Schwert feierlich.
»Und nun zeig dich mir, damit ich dir danken kann.« Es war keine Bitte.
»Das möchte ich lieber nicht. Lasst mich gehen. Ihr habt, was Ihr vermisst. Ihr solltet dankbar sein und meine Wünsche respektieren.«
Eamonn knurrte unwirsch. Er war es nicht gewohnt, dass man seine Befehle missachtete. Ein Wink. Eine der Wachen fuhr nach vorne und riss dem Fremden die Gugel vom Kopf.
»Ansgar?!«
Wie hat es dir gefallen?
Diese Geschichte war die erste, die ich 2022 im Rahmen meines Adventskalenders auf meinem anderen Blog veröffentlicht habe. Es war eine besondere Erfahrung, sie zu teilen, und ich hoffe, sie hat dir gefallen. Lass mir doch einen Kommentar da und teile deine Gedanken!
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