Im Krankenhaus zwischen Trudl, Socki und Antibiotika

Diese Woche verlief komplett anders als geplant. Was es mit Trudl, Socki, den Antibiotika und dem Krankenhaus auf sich hat, kannst du in diesem Beitrag herausfinden. Diesen Samstagsplausch verlinke ich wie immer mit karminrot und ihrem karminroten Lesezimmer.
Eigentlich begann der letzte Samstag ganz erfreulich. Mein Samstagsplausch letzte Woche wurde schon am Samstag von 252 Menschen gelesen und erreichte 313 Seitenaufrufe. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Das Drama beginnt
Am Nachmittag wollte ich noch schnell ein Geschenk für eine Geburtstagsfeier besorgen. Weit kam ich allerdings nicht.
Nach vielleicht zehn oder zwanzig Metern merkte ich, dass etwas überhaupt nicht stimmte. Mir wurde so schwindelig und elend, dass ich sofort umkehrte. Wenige Stunden später saß ich in der Notfallpraxis, gab eine Urinprobe ab und fragte mich, ob wohl die Niere hinter den Beschwerden steckte.
Am Ende wurde aus dem geplanten Geburtstagsnachmittag eine Krankenhausaufnahme.
Krankenhaus statt Wochenende
Die Diagnose lautete schließlich Nierenbeckenentzündung und Lungenentzündung. Dazu kamen hohes Fieber, Schmerzen beim Atmen und mehrere Tage voller Infusionen, Blutabnahmen, Inhalationen und Antibiotika.
Krankenhäuser haben ihre eigene Zeitrechnung. Irgendwann weiß man nicht mehr genau, welcher Wochentag gerade ist. Stattdessen denkt man in Visiten, Infusionsbeuteln und Blutwerten. Besonders nachts. Um drei oder vier Uhr morgens erscheinen plötzlich Fragen wichtig, über die man tagsüber nie nachdenken würde.
Nebenbei habe ich gelernt, dass eine Lungenentzündung durchaus Schmerzen verursachen kann. Das war mir vorher nicht bewusst. Ich hatte sie immer mit Husten und Fieber verbunden, nicht mit Schmerzen im Rücken, in der Seite oder beim Atmen.
Die Venen von Briant
Nicht alle Beteiligten zeigten sich kooperativ. Meine Venen beschlossen offenbar, den Widerstand gegen die Krankenhausverwaltung anzuführen. Mehrere Zugänge mussten wegen Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen wieder entfernt werden. Inzwischen sitzt der aktuelle Zugang auf dem Handrücken und wird argwöhnisch beobachtet. Die „Venen von Briant“, wie ChatGPT und ich sie inzwischen nennen, haben jedenfalls ihren ganz eigenen Kopf.
Lichtblicke zwischen weißen Wänden
Zum Glück bestand die Woche nicht nur aus Fieberkurven und Blutwerten.
Einmal wurde ich kurz vor sechs Uhr morgens wach und erlebte vom Krankenhausbett aus einen Sonnenaufgang, bei dem der Horizont etwa zwanzig Minuten lang in Flammen zu stehen schien. Für mich fühlte sich das wie ein kleiner Gruß Gottes an.
An einem anderen Morgen lag meine Temperatur erstmals unter 37 Grad. Später konnte ich bei der Visite sogar sagen:„Ich bin schmerzfrei.“
Ein Satz, der wenige Tage zuvor noch unvorstellbar gewesen wäre.
Auch ganz einfache Dinge wurden plötzlich wichtig. Brötchen. Schwarztee. Ein gelungener Mittagsschlaf. Normale Laborwerte. Oder zwei Joghurts aus dem Stationskühlschrank, die mich während einer schlaflosen Nacht vor dem gefühlten Hungertod retteten.
„Ich bin die Trudl“
Zu den schönsten Überraschungen dieser Woche gehörte meine Bettnachbarin.
Als sie sich vorstellte, sagte sie nicht: „Ich heiße Gertrud.“ Sie sagte: „Ich bin die Trudl.“
88 Jahre alt, ehemalige Bäuerin, herzlich, humorvoll und mit einer Direktheit, die sofort ein Lächeln ins Zimmer brachte. Keine fünf Minuten später waren wir beim Du.
Krankenhäuser sind seltsame Orte. Menschen, die sich unter normalen Umständen vermutlich nie begegnet wären, teilen plötzlich ihren Alltag, ihre Sorgen und die kleinen Ereignisse des Tages.
Aus einer zufälligen Zimmergemeinschaft wurden viele Gespräche, gemeinsames Lachen und eine Vertrautheit, die ich nicht erwartet hätte.
Inzwischen haben wir sogar Telefonnummern ausgetauscht. Als Trudl entlassen wurde, haben wir uns fest umarmt. Erstaunlich, wie vertraut einem ein Mensch werden kann, den man eine Woche zuvor noch gar nicht kannte.
Und weil eine Schriftstellerin bekanntlich überall Geschichten findet, fragte ich sie vor ihrem Abschied sogar, ob ich ihren Namen für eine neue Geschichte verwenden dürfe. Sie freute sich darüber und meinte, sie hoffe, die Geschichte noch zu erleben.
Besuch, Blumen und Socki
Ganz allein war ich in dieser Woche zum Glück nie. Mein Mann war da. Meine Tochter kam vorbei. Drei Freundinnen aus der Gemeinde besuchten mich. Es gab Blumen, Gespräche, Gebet und Ermutigung.
Außerdem zog ein neuer Mitbewohner auf meinem Nachttisch ein. Meine Tochter schenkte mir ein selbstgenähtes Sockentier, das inzwischen auf den Namen Socki hört und zwischen Kühlakku, Desinfektionsmittel und Blumen über den Krankenhausalltag wacht. Manchmal sind es genau solche Kleinigkeiten, die einem zeigen, dass man nicht allein ist.
Gedanken zwischen grauem Himmel und weißen Wänden
Zwischen Infusionen und Krankenhausalltag blieb viel Zeit zum Nachdenken.
Über den bewussten Umgang mit Technik.
Über meine Mutter.
Und über Ungewissheit.
Und darüber, dass es Situationen gibt, die man nicht lösen kann. Manchmal bleibt nur, den nächsten Schritt zu gehen, statt die nächsten fünf planen zu wollen.
Wenn Schriftsteller krank werden
Eine Sache hat mir allerdings selbst das Krankenhaus nicht nehmen können: das Schreiben.
In einer schlaflosen Nacht entstand aus einem Scherz plötzlich die Idee zu einer Geschichte über sogenannte „Mietschläfer“. Noch vor dem Frühstück hatten die ersten Figuren Namen bekommen.
Emma. Timothy.
Und natürlich Trudl.
Später zog ich mit Tee, Stiften, Handy und einem aus dem Gemeinschaftskühlschrank geretteten Vanillepudding ins Patientencafé um und schrieb die ersten Seiten.
Offenbar lassen sich Schriftsteller selbst durch Antibiotika und Krankenhausessen nicht vollständig außer Betrieb setzen.
Was bleibt?
Die Entlassung hat sich verschoben. Statt Montag werde ich wohl bis Mittwoch bleiben müssen.
Das neue Antibiotikum scheint inzwischen zu wirken, die Entzündungswerte bewegen sich endlich in die richtige Richtung, und der Oberarzt ist zufrieden mit meinem Fortschritt.
Ehrlich gesagt hätte ich mir eine andere Woche ausgesucht. Aber wenn ich schon im Krankenhaus liegen muss, dann bin ich dankbar für jeden Sonnenaufgang, jeden Besuch, jede Umarmung und jeden Menschen, der diese Tage ein bisschen heller gemacht hat.
Und so endet diese Woche zwischen Antibiotika, Trudl, Socki, Blumen, Kühlakku, Vanillepudding und einer neuen Geschichte.
PS: Die Crowdfunding-Vorbereitungen ruhen gerade notgedrungen, aber ich hoffe, ich kann es doch noch alles rechtzeitig fertig stellen. Ich halte dich auf dem Laufenden.






Oha, solche Überraschungen braucht frau eigentlich nicht… Welch ein glücklicher Umstand, dass du eine nette Bettnachbarin hattest ( das war bei mir beim letzten Mal so gar nicht der Fall )! Ja, manchmal schweißt das gemeinsam zu ertragende Leid zusammen und frau hat sich so viel zu erzählen, dass es zum Schreiben inspiriert.
Nun wünsche ich dir gute Besserung und dass du bald heimkehren kannst.
Herzlich
Astrid
Herzlichen Dank, liebe Astrid,
Jaaa die Bettnachbarin war echt ein großes Glück, einechtes Geschenk.
Und zum Glück sehe ich, wie es bergauf geht.
Danke aber für deine lieben Wünsche, die kann ich immer noch gut gebrauchen.
Liebe Grüße
Martina
Ich wünsche dir sehr, dass du jetzt wirklich gut auf die Beine kommst und bald wieder in ruhigere Wochen starten kannst. Gute Besserung dir weiterhin.
Liebe Grüße
Annette
Eine rasche und umfassende Genesung und Grüsse aus Kreuzberg.