Roman-Tagebuch

Roman-Tagebuch Teil 16

Geht es mit dem Roman voran?

Wochenlang musste ich berichten, dass sich nichts, aber auch gar nichts an meinem Roman-Projekt getan hat! Einen ganzen Monat lang habe ich kein (oder fast kein) Wort zu meiner Geschichte hinzugefügt. Es lag brach. Wie ödes Land verwaist. Wie ein Schiff auf Sand gelaufen. Kein Fortschritt. Ebbe. Nada. Niente. Rien. 

Seit etwa anderthalb Wochen jedoch ist etwas im Gange. Ödes Land wird bewässert. Blumen sprießen. 

Die Flut kehrt zurück. Das Schiff wird flott gemacht.

Zuerst noch langsam, dann immer schneller und mächtiger kommt etwas ins Rollen und meine Gedanken sprießen wie die Blumen. Ein neuer Wind weht und bläht meine Segel…. Aufbruchsstimmung. Neue Hoffnung, wo ich schon dachte, ich könnte die ganze Sache beerdigen.

Was genau passiert da? Womit beschäftige ich mich?

Rein äußerlich sieht man (noch) nicht viel. Es sind keine neuen Kapitel entstanden, keine neue Line, kein neuer Handlungsstrang. Nichts Bahnbrechendes. Vor drei Tagen hätte ich gar noch sagen müssen, nicht ein Wort, eine Szene ist hinzugefügt oder verändert worden. Es sah immer noch nach Stillstand aus. Und dennoch bewegte sich schon da ein laues Lüftchen durch mein Denken.

Angeregt durch meinen Schreibkurs habe ich mich daran gemacht, Dinge zu erfinden, die meine Welt lebendiger machen sollen. Zu meiner Welt gehören nicht nur Länder, Berge und Ebenen, Flüsse und Seen, Städte und Burgen. In diesen Ländern gibt es Pflanzen und Tiere, Völker unterschiedlicher Art.  Und damit es anschaulich und spannend wird, braucht es neue Pflanzen, ungewöhnliche Tiere, Eigenheiten von Volksgruppen. Und deshalb erfinde ich welche. Ich erfinde Pflanzennamen. Heilpflanzen, Nutzpflanzen, Bäume, Gräser…Tiere sollen folgen. Kultur und Merkmale von Völkern.

Wie mache ich das?

Ich habe eine Seite, auf der man sich Pflanzennamen generieren lassen kann. Leider klingen die alle englisch. Erstaunlicherweise aber hört man, dass es Pflanzennamen und nicht Berg- oder Seenamen, Tier- oder Drachennamen sind. 

Was macht es aus, dass man diese Namen als Pflanzennamen erkennt? 

Das habe ich mich gefragt und festgestellt, dass es gewisse Endungen oder Zusätze sind, die diese Worte als Pflanzennamen kennzeichnen. Daraufhin habe ich ein deutsches Heilkräuterlexikon durchgeblättert und mir gängige Endungen und besondere Zusätze notiert. Diese habe ich dann wild und mit viel Phantasie kombiniert. Und voila es kamen sehr passable Pflanzennamen dabei heraus. Diesmal deutsche! Und ich bin gleichzeitig darüber gestolpert, wie vielfältig und wunderbar unsere Pflanzenwelt ist und welche merkwürdigen Kombinationen es tatsächlich gibt, obwohl ich dachte, ich hätte sie mir gerade ausgedacht…

Ich verrate hier nicht mehr… Wer wissen will, wie meine Pflanzen heißen, aussehen, riechen oder wirken, muss warten bis mein Buch fertig und veröffentlicht ist!

Über die Pflanzen kam ich ins Fabulieren. Zugleich wurde mir bewusst, dass meine Hauptperson in den ersten Kapiteln viel zu nett war. Seine Charakterbeschreibung, in der er einen gewissen Standesdünkel und eine Arroganz aufweist, passte nicht überein, mit dem, was ich geschrieben hatte. Er war zu freundlich zu anderen, die gesellschaftlich unter ihm standen. Zu umgänglich. Da war keine Entwicklungsspanne gegeben, nichts, was sich noch hätte zum Besseren wenden können. 

Und so entstand der Gedanke, dass ich das, was da steht, noch einmal überarbeiten müsse, ehe ich weiter voran schreibe. Außerdem musste sich etwas in den Dialogen ändern. Nicht nur die Arroganz des Helden, auch der niedere Stand anderer musste sich irgendwie wiederspiegeln. In ihrer Sprache. In ihren Worten, ihrem Dialekt. Also begann ich vor drei Tagen, meine Kapitel genau daraufhin zu überarbeiten. Arroganz und Überheblichkeit einzubauen in Worten und Gedanken, in Handlungen… und Dialekte zu verwenden, um die Herkunft meiner Personen deutlicher zu machen.

Gestern und heute ist aus dem Überarbeiten eine ganz neue Szene entstanden. Es geht voran. Wenn auch noch innerhalb dessen, was da schon stand, aber dennoch. Ich merke, wie Gedanken wieder fließen, wie neue Ideen sprudeln. Wie aus dem, was ich tue etwas Neues erwächst. Das Schiff nimmt wieder Fahrt auf. Und der Wind pustet kräftig.

Seit gestern nutze ich eine weitere Inspirations- und Motivationsquelle. Ich treffe mich mit anderen Autorinnen in einem Videochat, man bespricht kurz, was man plant und schreibt dann eine Zeit, um sich im Anschluss auszutauschen, wie es funktioniert hat. 

Das hilft ungemein, um fokussiert zu arbeiten.

Neues, altes Schreibprogramm!

Und noch etwas ist passiert. Ich habe – mal wieder – mein Schreibprogramm gewechselt. Dazu muss man wissen, ich habe sicher schon zwei Jahre Scrivener 3 für Mac genutzt und habe in diesem Jahr, kurz nachdem das Programm für Windows erschienen ist auch Scrivener 3 für Windows heruntergeladen. Ich mag Scrivener. Ich kann mich gut organisieren mit diesem Programm. Dennoch fehlt mir etwas. Und dieses Etwas glaubte ich in dem Konkurrenzprogramm Papyrus Author gefunden zu haben. Papyrus Author hat viele verlockende Funktionen. So hat es einen Dudenkorrektor. Und ist damit in Sachen Rechtschreibkorrektur sicher ungeschlagen. Außerdem bietet es eine Stil- und Lesbarkeitsanalyse und man kann Charakterkarten anlegen, die man direkt aus demText verlinken kann. Es gibt viele gute Gründe für Papyrus Author. Und ich habe sie alle ausprobiert und genossen… aber ein Problem habe ich mit dem Programm… ich bin dort nicht so organisiert wie in Scrivener. Die Struktur erschließt sich mir nicht so, es ist ein langer Fließtext, den ich zwar irgendwie mit Kapiteln und Szenenüberschriften zerlegen kann, aber irgendwie ist mir Scrivener da sympathischer. Und manches, was ich in Scrivener liebgewonnen hab, finde ich in Papyrus nicht wieder… entweder weil ich zu blöd bin, es zu finden oder weil es schlicht nicht vorhanden ist.

Die ersten Hundert Seiten habe ich begeistert in Papyrus geschrieben, aber als ich jetzt hängen geblieben bin und mir klar wurde, dass ich Dinge grundlegend überarbeiten muss, bin ich zu Scrivener zurück gekehrt. Habe alles von Hand übertragen und arbeite nun mit Scrivener 3 für Windows. In Scrivener habe ich jede Szene quasi in einem eigenen Dokument. Ich kann diese Dokumente leicht untereinander verschieben. Ich kann Schnappschüsse von einzelnen Dokumenten machen, diese dann bearbeiten, wieder einen Schnappschuss machen, wieder bearbeiten so oft ich will und diese Schnappschüsse dann miteinander vergleichen und mich für die Variante des Textes entscheiden, die mir am besten gefällt, ohne Angst haben zu müssen, dass mir die Idee aus dem ersten Schnappschuss abhanden kommt.

Das ist überarbeiten mit doppeltem Boden … ich kann jederzeit zu Variante 1, 2 oder 3 zurückspringen. Und zwar  für jede winzige Szene einzeln und unabhängig von den andere Sequenzen. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich meinen Text auch nochmal ganz verwerfen und neu Schreiben kann, dass ich nicht nur einzelne Worte, sondern ganze Stimmungen ändern kann. Und wenn es mir nicht gefällt, drücke ich sozusagen den Resetknopf. Ohne das für das gesamte Dokument zu tun!

Wenn ich dann dahin komme, dass ich den Text mit Dudenkorrektor überarbeiten will, werde ich wohl zu Papyrus zurück kehren, aber bis dahin bin ich bei Scrivener gut aufgehoben.

Wer mehr über scrivener erfahren will, findet hier gute Informationen: https://www.knowhowlounge.de

Auf Youtube findet man auch ein verständliches Video von Gian dazu, wie man in Scrivener schreibt und in Papyrus korrigiert. 

Zusammenfassung: Was ich geschafft habe! 

  • Neue Pflanzennamen und ein funktionierendes System um beliebig viele weitere  Pflanzen zu erfinden.
  • Überarbeitung entscheidender Dialoge bezüglich Stimmung und Charaktereigenschaften
  • Einbau von Dialekt in meine Dialoge 
  • Meinen Protagonisten zu Beginn etwas unsympathischer zu machen
  • Eine neue Szene erfinden
  • Schwung gewinnen 
  • Motivation zum Weitermachen finden
  • Neue Ideen für neue Szenen entwickeln

Ich finde, das ist eine ganze Menge und mit Sicherheit ein Grund zu feiern. Jubel! Ich glaube jetzt daran, dass es weiter gehen kann und wird. Dass ich nicht heillos feststecke, sondern dass ich kreativ genug bin, neue Wege zu finden. Mein Roman wächst weiter. Lass dich überraschen, was ich beim nächsten Mal berichten kann!

Bis dahin, hinterlass mir doch deinen Kommentar. Ich bin neugierig auf deine Meinung.

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2 Kommentare

  1. Uschi says:

    Boah! Offensichtlich überarbeitest Du jede einzelne Szene x-mal. Hast Du da nicht irgendwie Angst die ursprüngliche Idee zu „zerschreiben“… also irgendwie zu glatt zu bügeln?

    1. Hallo Uschi,

      Danke für die Nachfrage! Ich nehme mir mal Zeit, ein bisschen ausführlicher zu antworten: ja, ich überarbeite jede Szene zigmal, aber nicht um sie zu zerreden, sondern um sie zu schärfen. Es geht darum, die eigentliche Grundidee besser heraus zu arbeiten. Wenn ich im Schreiben bin, gehen manchmal die Pferde mit mir durch, es macht sich selbstständig, manchmal ist das gut und bringt voran und manchmal werden die Dinge dadurch schief. Dann muss man es wieder gerade rücken.
      Hemingway hat mal gesagt: „Der erste Entwurf von allem ist Scheiße!“ Und ich denke, er hat nicht Unrecht. Es ist dann ungehobelt. Wie ein Möbelstück aus Holz, dass zwar schon als solches zu erkennen ist, aber noch gehobelt, geschmirgelt, poliert, geölt werden muss, um am Ende ein Prachtstück zu werden. Auch da sind ja viele Arbeitsgänge bis zum endgültigen Meisterstück nötig. Und ich glaube, jeder Autor kennt das, Schreiben: überarbeiten, Schreiben, überarbeiten, schreiben, fertig. Überarbeiten, überarbeiten, überarbeiten und erst dann veröffentlichen. Das, was sich so leicht liest, ist meist harte Arbeit gewesen.
      Ich bin ja gerade in einem Autorenchat unterwegs. Da waren die letzten Male alle dabei, ihre Werke zu überarbeiten. Ist also eher nicht ungewöhnlich.
      Überarbeiten heißt auch nicht unbedingt alle Kanten ausbügeln, Kanten können durchs überarbeiten erst richtig spitz werden. Aber du hast Recht, um manche Dialoge tut es mir leid. Die waren nett und spritzig und frech, aber leider unpassend…. Ich hoffe, dass das Endergebnis dann dennoch lesenswert ist!
      In meinem Blog hier, ist das anders: den schreibe ich frei von der Leber weg, lasse es kurz sacken, lese noch einmal über, korrigiere Kleinigkeiten und Rechtschreibung und setze es online. Eben eher wie ein echtes Tagebuch.

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