Autor: Martina (Seite 1 von 4)

Roman-Tagebuch Teil 23

Berg im Wolkendunst mit meinem neuen Logo: Burg mit Schriftzug Martina Bollhöfer und dem Zusatz Autorin
Mein neues Logo

Ein  Neuanfang! Eine niegelnagelneue Webseite!

Uff, jetzt ist es schon Mai. Dieses Jahr rast dahin. Und schon lange kein Lebenszeichen mehr von mir auf dieser Seite. Also gilt es nun anzuknüpfen.

Der letzte Blogpost handelte vom Dranbleiben

Und? Habe ich es geschafft? Das Dranbleiben?

Ja und Nein.

Ja, was den Roman betrifft. In den letzten sechs Monaten, also von Oktober 2021 bis jetzt, habe ich mehr geschrieben als vorher in zehn Monaten, also von Januar bis Oktober 2021. Im November habe ich so viel Text produziert wie noch nie und im Dezember habe ich mich dem Überarbeiten einiger Textstellen gewidmet. Und auch weiter neue Worte verfasst. So viel Text, dass ich von Ende Oktober bis Ende Dezember von einem Drittel des Gesamttextes bis zur Hälfte des Gesamttextes voran gekommen bin. Im Januar habe ich die magische 100 000-Worte-Marke überschritten. Und seitdem ist das Manuskript weiter gewachsen. Insgesamt sind es nun über 140 000 Worte (das entspricht etwa 400 Seiten), womit ich meinem Ziel von 180 000 schon ziemlich nahe bin. Allerdings schält sich immer klarer heraus, dass die Geschichte nicht zu Ende erzählt sein wird, wenn ich die 180 000 Worte erreicht habe. Wie mir schon verschiedene Leute bestätigten, muss es wohl eine ganze Buchreihe werden, damit ich meine Geschichte entsprechend ausbreiten kann. Also Ja, Dranbleiben hat funktioniert. Und ist immer noch gefragt!

Wieso dann aber zugleich auch Nein?

Nein, was Dranbleiben und diese Blogseite betrifft. Im Eifer, meinen Roman voran zu treiben bin ich mit dieser Blogseite wieder ins Hintertreffen geraten. Seit dem 25 Oktober kein Post mehr im Blog. Schande über mich. Und ja, ich war hochmotiviert. Für diesen Blog hat es dennoch nicht geklappt, für meinen Roman aber sehr wohl. Irgendwie lag es daran, dass ich meine kostbare Zeit lieber in die Geschichte gesteckt habe, als in diesen Blog. Aber das will ich wieder ändern. Wie genau, wird sich zeigen. Und ich mache jetzt auch keine Versprechungen, die ich eh nicht halten kann. Aber ich werde mich bemühen, diese Webseite wieder zum Leben zu erwecken.

Webseite wird neu renoviert:

Auf jeden Fall steht diesen Monat auf dem Programm meine Webseite auf Vordermann zu bringen. Dafür habe ich zum einen an einem Logo gebastelt und mich fortgebildet. Zum einen beim Bookerfly Umsetzungskongress ( https://go.bookerfly.de/kongress-2022/ ) und zum anderen bei der Schreibwerkstatt von Yvonne Kraus. ( Die Schreibwerkstatt findest du auf der Seite von mynextself: https://kurse.mynextself.com )

Zum Umsetzungskongress kann ich nur sagen, es hat sich gelohnt. Es waren anstrengende, aber gefüllte zehn Tage mit einer Unmenge an Input, an Motivantionsschüben und Inspiration, an Informationen und wunderbaren Erlebnissen. Die Tage waren so voll gepackt mit spannenden Themen, das man gar nicht alles mitnehmen konnte. Das Event ist eigentlich ein absolutes Muss für Autorinnen und Autoren. Da kann jeder etwas finden, was ihn inspiriert und weiter bringt. Und wenn mir dabei eins nochmal wichtig geworden ist, dann ist es dranbleiben. Dranbleiben war der ultimative Tipp fast aller Experten. Nicht aufgeben. An sich glauben. Weiter machen. Dranbleiben eben.

Und die Schreibwerkstatt begleitet mich schon seit Oktober und hilft mir, meinen Roman voran zu bringen. Diesen Monat nun also das Thema Autorenwebseite. Und klar. Das ist die Gelegenheit, da muss ich ran und meine Seite überarbeiten.

Soweit so gut. Nun geht es los.

Was erwartet euch also demnächst?

Auf jedenfall neue Rubriken. Zum Beispiel eine Ecke, in der ich über Mittelaltermärkte berichte, die ich besuche. Und andere spannende Themen. Lasst Euch überraschen.

Außerdem arbeite ich daran, einen Newsletter einzurichten. Das ist noch ein bisschen Bastelarbeit, wird aber kommen. Bis es soweit ist, grüße ich alle ganz herzlich, die meine Seite besuchen und wünsche euch wunderbar sonnige Tage.

Ah und wer Vorschläge hat, was er hier gern lesen möchte von mir, ist herzlich eingeladen in den Kommentaren seine Ideen mit mir zu teilen. Ich schau dann, was ich umsetzen kann.

Roman-Tagebuch Teil 22

Dranbleiben.
Dranbleiben ist schwer.
Dranbleiben erfordert Arbeit.
Dranbleiben erfordert Durchhaltevermögen, Kreativität, Mut und eine Menge andere Dinge.

Dranbleiben am Roman ist wie Marathonlaufen. Oder das Training zum Marathon. Harte Arbeit.

Ich bin gerade dabei, dran zu bleiben. Es ist zäh. Es ist hart. Aber es ist möglich. Dran zu bleiben ist eine echte, ziemlich schwere Aufgabe. Dann, wenn der Elan des Neubeginns verflogen ist. Dann wenn die Euphorie, es gewagt zu haben, versiegt, wenn es “Routine” wird. Alltag. Dann wird Schreiben, genau wie jede andere regelmäßige Tätigkeit, zum harten Brot. Man kann das sogar messen. Vielen, wenn nicht den meisten Autoren geht es so, dass es schwer wird, wenn etwa ein Drittel des Romantextes da steht. Ein Drittel. Erstaunlich. Genau dort stehe ich jetzt, in etwa. Ein Drittel der Wortanzahl, die ich mir für mein erstes Buch vorgenommen habe. Tja, ich bin also auch in dieser Hinsicht, eher gewöhnlich. Entspreche dem, was zu erwarten ist.

Dranbleiben wird schwer, wenn man den ersten Schwung verloren hat und die Strecke bis zum Ziel noch so weit erscheint. Dranbleiben gleicht dann manchmal einer Selbstquälerei. Man findet Ausreden, warum man heute leider nicht schreiben kann, man lässt es schleifen und es droht leicht, in Vergessenheit zu geraten. Warum tue ich das eigentlich? Wofür? Wofür nehme ich mir soviel Zeit? Knapse sie ab. Vom Schlaf, von Zeit mit Freunden und anderen sozialen Aktivitäten, von dem, was ich sonst noch gern tue und all zu oft sogar von Tätigkeiten, die ich eigentlich tun sollte und die ich schleifen lasse, nur um zu schreiben.

Warum? Wozu tue ich das?

Die Antwort lautet: Weil Schreiben zu mir gehört, wie das Wasser zum Fisch, der Honig zur Biene und die Nuss zum Eichhörnchen. Ich kann nicht ohne. Kreativität durch Worte auszudrücken ist ein Teil von mir. Und dennoch fällt es schwer an diesem einen großen, riesigen Projekt, meinem Roman, dran zu bleiben. Anders als bei den Rollenspielen, die ich zuvor geschrieben habe, bin ich hier allein. Allein mit mir und meinen Ideen. Da ist niemand, der mich motiviert und so direkt sagt, hey ich will das lesen. Im Gegenteil, es gibt sogar Leute, die sagen: Das ist verrückt. Lass es sein. Wozu quälst du dich? Ist es das wert? Lass andere Romane schreiben und du mach wieder vernünftige Sachen.

Vernünftig. Uff. Vernünftig war ich glaube ich noch nie so richtig. Trotzdem ist es manchmal verlockend, aufzugeben. Denn das wäre einfacher. Fang was Neues an. Oder schreib wieder Rollenspiele, da kommt das feedback schneller usw. Nicht mal Zeit und Kraft für diesen Blog hatte ich in letzter Zeit. Soviel anderes schien drängender. Und die Motivation zu schreiben muss aus mir selbst kommen. Da steht weder mein Ehemann und sagt: Schreib jetzt gefällig. Noch meine beste Freundin sagt: Hey, nimm dir Zeit für deinen Roman und deinen Blog. Nein. Ich muss das aus mir selbst schaffen. Beziehungsweise, ich muss mir Leute suchen, die mich motivieren und mir helfen, dran zu bleiben. Und das sind nicht meine nächsten, lieben Familienangehörigen und Freunde. Das ist weder meine Mutter, noch mein Mann noch meine Kinder. Das sind Gleichgesinnte. Genauso Verrückte. Leute, die auch schreiben und die wissen, wovon ich rede, wenn ich sage, dass es so schwer ist, dran zu bleiben. Nicht aufzugeben. Weiter zu machen.

Unterstützung beim Dranbleiben

Und genau das habe ich getan. Ich habe mir andere Schreiber gesucht. Andere Autoren, Schriftsteller, Menschen, die wissen, wovon ich spreche.

Ich hatte berichtet, dass ich im Juli einen Onlinekurs belegt habe. Aus dem ist eine kleine Gruppe von Schreibern entstanden, die sich nun regelmäßig per Zoom treffen und gemeinsam schreiben. Und regelmäßig heißt einmal pro Woche. Für etwa 1 bis 3 Stunden.

Was sind das für Leute? Hausfrauen, IT-Leute, Selbstständige, aber alles Schreiber. Und was schreiben die? Schreiben wir alle im selben Genre? Nein. Die Bandbreite reicht von Thriller/Horror über Detektivgeschichten ala Philippe Marlowe und Alltagsgeschichten mit inneliegender Weisheit bis zu meinen mittelalterlichen Abenteuergeschichten.

Was tun wir da? Wir tauschen uns aus. Über den Fortschritt der Woche, über die Hürden, die im Alltag herumstehen und uns hindern wollen, über Ideen und Methoden, über Hilfreiches aus Schreibratgebern oder Sachen, die wir selbst ausprobiert haben. Und am Wichtigsten: Wir nehmen uns eine Zeitbox zwischen 15 und 30 Minuten, in der wir alle gemeinsam, gleichzeitig schreiben, um es uns hinterher gegenseitig vorzustellen. Und ob du es glaubst oder nicht: In dieser kurzen Zeit habe ich oft mehr zu Stande gebracht, als in der ganzen Woche zwischen den Treffen. In dieser kurzen Zeit bin ich hochkonzentriert, fokussiert und voll bei der Sache. Der Kick, das, was ich da fabriziere, gleich 3, 4 oder 5 anderen vorzustellen, bringt mich zu Höchstleistungen. Diese 3, 4, 5 Leute haben ja zugleich noch selbst Ahnung vom Schreiben und können zum Teil sehr kritisch sein, wobei ich gestehe, dass meine Texte, genau wie die der anderen schon mit Wohlwollen betrachtet werden. Man geht mit Kritik behutsam um, weil man weiß, wie empfindlich die Autorenseele ist. Trotzdem bringt mich das voran. Es hilft beim Dranbleiben. Es gab Wochen, in denen habe ich nur diese 15 bis 30 Minuten geschrieben. Aber immerhin. Ich bin dran geblieben. Besser als nichts.

Aber reicht das?

Nein! Immer noch zu wenig, um wirklich vorwärts zu kommen. Auf diese Art würde ich vermutlich noch 10 Jahre brauchen, bis der Roman fertig ist. Also habe ich in der vergangenen Woche eine neue Initiative gestartet. Ich habe, schon wieder, einen Kurs belegt. Gewisse Leute um mich herum stöhnen schon. Schon wieder ein Kurs. Hast du nicht inzwischen genug Input? Du kannst doch schreiben. Ja, schreiben kann ich. Und ich tue es ja auch. Ja, ich bin über die Anfänge hinweg, hab es vom: “Ich will schreiben” zum “Ich schreibe” und “Ich kann schreiben” bis zu der Stufe geschafft, an der ich sage: “Ich schreibe einen Roman.” Allein das, ist schon eine grandiose Entwicklung. Aber es fehlen eben immer noch zwei Drittel Text bis zur Aussage: “Ich habe einen Roman geschrieben.” Und nochmal mehr bis zur Aussage “Ich habe meinen ersten Roman veröffentlicht.” Oder gar: “Ich habe es geschafft, mein erster Roman verkauft sich ganz gut.” (Meine Schreiblevels nach Yvonne Kraus)

Und der Schlüssel, damit ich da hinkomme: Dran bleiben.
Und weil Dranbleiben so schwer ist, brauche ich eben Unterstützung. Der Kurs Perfekter Plot von Yvonne Kraus (https://mynextself.com/) diente mir nicht in erster Linie dazu, neue Dinge zu lernen, auch wenn es auch dazu gut war, sondern vor allem dazu, meine Motivation zu erneuern und aufrecht zu halten. Und das hat funktioniert. Ich bin neu motiviert. Nicht nur für den Roman. Auch für den Blog. Ich weiß, ich schreibe hier viel zu selten. Vielleicht muss ich mir auch für den Blog wöchentlich eine halbe Stunde Zeitbox nehmen. Grübel. EIgentlich eine gute Idee.

Und noch etwas hat sich getan in Sachen dran bleiben. Ich habe mich zu einer Art Club angemeldet, einer Schreibwerkstatt (ebenfalls von Yvonne Kraus, https://mynextself.com/schreibwerkstatt/#tve-jump-17be910239c ) Etwas, dass mich nun regelmäßig durch meinen Schreiballtag begleiten wird und mich hoffentlich motiviert, dran zu bleiben. Immerhin kostet es Geld und auch das sollte mich motivieren, voran zu machen, dran zu bleiben und wirklich etwas zu erreichen. Denn sonst würde ich ja sauer verdientes Geld zum Fenster hinaus werfen.

Und wie weit bin ich nun?

Mein Gesamtdokument umfasst nun etwa 60 000 Worte. Allerdings werden nicht alle diese Worte Eingang in den Roman finden. Ein Teil ist schon jetzt quasi Makulatur. Ausschuss. Wird dem Rotstift zum Opfer fallen. Aber immerhin. Ca. ein Drittel der Gesamtwortzahl ist schon mal geschrieben. Ich weiß also, ich kann es. Und meine Schreibergruppe bestätigt mir wöchentlich, dass das, was ich fabriziere nicht so schlecht ist. Im Gegenteil, sie bescheinigen mir, dass ich passende Worte finde, schöne Bilder male, Kopfkino entstehen lasse und, sehr wichtig, eine ganze eigene Stimme habe, wenn ich meinen Roman schreibe. Ich treffe meinen Ton, auch wenn ich nur 15 Minuten Zeit habe. Mehr kann ich eigentlich fast nicht erreichen.

Doch. Den Roman fertig stellen. Veröffentlichen. Und gelesen werden.

Und dazu braucht es langen Atem. Und Dranbleiben. Dranbleiben. Dranbleiben.

AH und mit diesem Blogpost habe ich wieder einen Schritt getan. Ich bleibe dran. Und ich erzähle dir, euch, der ganzen Welt, dass ich einen Roman schreibe. Nun muss er wohl fertig werden, damit ich mich nicht lächerlich mache.

Über Feedback, Rückmeldungen (fast) aller Art und Eure Meinung in einem Kommentar würde ich mich freuen.

Roman-Tagebuch Teil 21

Unterwegs in Melsungen

Ich sitze gerade, während ich diese Zeilen schreibe, im Rathauscafe auf dem Marktplatz von Melsungen. Nebendran plätschert ein Brunnen, Tauben gehen auf seinem Rand spazieren. Das Fachwerk-Rathaus strahlt eine altehrwürdige Atmosphäre aus, ebenso wie all die anderen Fachwerkhäuser, die den Platz umstehen. Dennoch ist die Stimmung nicht durchwegs ungetrübt. Am Tisch neben mir unterhalten sich zwei Personen über die Folgen der Corona-Pandemie: finanzielle, gesundheitliche, persönliche. Das Thema begleitet uns nun schon seit mehr als 1 1/2 Jahren im Alltag und wird es wohl noch eine ganze Weile länger tun. Noch ist Normalität in vielen Bereichen ein Fremdwort, manche geraten an den Rand ihrer Existenz, weil sie immer noch nicht wieder so arbeiten können, wie vor Ausbruch der Pandemie: Schausteller, Künstler, Freischaffende, Leute, die große Eventsorganisieren, Hotels und Bars und und und, die auf Hilfen angewiesen sind oder waren. Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, was natürlich ihre eigene Entscheidung ist, oder aber eben Menschen, die sich nicht impfen lassen können, weil Vorerkrankungen, Transplantationen oder akute Krebserkrankungen es verhindern. Mir selber geht es da erstaunlich gut, ich bin geimpft (und das ohne große Nebenwirkungen), aber ich finde es wichtig, diejenigen nicht zu vergessen, die mit den Folgen der Pandemie weitaus mehr zu kämpfen haben, als ich selber,  und eben verantwortlich für sich und andere zu sorgen.

Was mache ich in Melsungen?

In Melsungen bin ich, um meine Mama zu besuchen, deren Geburts- und Heimatort Melsungen ist und die hier inzwischen schon wieder seit mehr als 20 Jahre lebt. Nicht nur sie verbindet viele Erinnerungen mit dem Ort. Auch ich bin hier als Kind zwischen Fachwerkhäusern und an der Fulda spazieren gegangen, habe in den Gassen gespielt und bin von vielen begrüßt worden, die meine Oma und meinen Opa kannten. Meine Großeltern waren im ganzen kleinen Städtchen bekannt, denn sie hatten eine Bäckerei. Und manchmal war das ganz schön nervig, an jeder Ecke angesprochen zu werden. Aber gleichzeitig hat der Ort auch etwas von Heimat und Geborgenheit. Ich kenne mich hier aus. Nicht ganz überall, aber doch in der Altstadt. Es gibt Orte mit mehr und weniger Erinnerungen. Ecken, die sich verändert haben, aber auch welche, die seit Jahrzehnten gleich aussehen. Es ist vertraut und neu zugleich. Beste Vorraussetzung für Inspirationen. Und so hatte ich mir vorgenommen, nicht nur meine Mama zu besuchen, zu reden, zu schnuddeln, wie man in Melsungen sagt, in Restaurants zu sitzen und zu essen…nein, ich wollte durch den Ort flanieren, die Atmosphäre atmen und natürlich  – schreiben. 

Atmosphäre tanken, habe ich gemacht… ich bin sowohl bei Tag, als auch bei Nacht durch Gassen mit Kopfsteinpflaster und alten Häusern gewandert. Und ich habe Fotos gemacht. Etwas, dass sonst eher das Hobby meines Mannes ist. Ich hatte auch keine gute Kamera dabei, hab selten lange gefackelt und studiert, wie man was am besten aufnehmen kann… ich habe etwas gesehen, was mir gefiel, hab mein Handy gezückt und ein Bild gemacht. Hinterher habe ich etliche der Bilder am Handy noch bearbeitet. Herausgekommen sind eine Reihe erstaunlicher Schwarz-weiß-Fotografien. Manche können sich echt sehen lassen. Ich war selber sehr erstaunt, über das Ergebnis. Kreativ war es allemal. Und eine Atmosphäre besonderer Art hat es ebenso kreiert. Dennoch haperte es mit dem Schreiben. Abgesehen vom normalen Problem, dass man immer zu wenig Zeit hat, war meine Stimmung eine ganz andere, als die, die ich für meinen Roman gebraucht hätte.

Ich bin durch die Straßen geschlendert und fühlte mich eher weniger wie ein Ritter, obwohl dass sehr wohl möglich gewesen wäre. Aber die Schwarzweißfotos, besonders die nächtlichen, kreierten eine ganz andere Stimmung.

Und so ist, abgesehen von diesem Blogartikel, in den letzten zwei Tagen ein ganz anderer Text als gedacht entstanden. Erstaunlich und unerwartet. Ich hebe ihn auf, aber vorerst bleibt er unter Verschluss. Und ich werde dazu auch nicht mehr sagen, außer: Es war eine ungewöhnliche Erfahrung und ich bin erstaunt, was außer meiner Romangeschichte noch in mir steckt.

Ab morgen, kümmere ich mich aber wieder um meine Figuren. Meine Ritter, Könige und Edeldamen,…

Und wie waren die letzten Wochen?

Tja, wie das immer so ist, verfliegt Begeisterung im Alltag ziemlich schnell. Der Megabooster Schreibkurs hat etwa einen Monat gehalten. Es ist nicht so, dass ich nicht mehr schreiben will, sondern eher so, dass es schwerer wird, sich die Zeit und die Kraft dafür zu nehmen. Aber immerhin, es geht weiter, nicht so schnell, wie ich es mir wünschen würde, aber doch! Schritt für Schritt. Einzelne Szenen sind neu entstanden, ich warte gerade auf das Feedback meines neuen, ersten Testlesers. Und darüber bin ich immer noch begeistert. Der Kurs hat neue Beziehungen geschaffen. Mir quasi Kollegen an die Hand gegeben, denen ich entweder einzelne Passagen zeigen kann oder gar meinen ganzen Text, von denen ich qualifiziertes Feedback bekomme und die wissen, wie schwer es ist Zeit und Ruhe und Muße zum Schreiben zu finden. Und gleichzeitig, wie wichtig das ist. Insofern war der Schreibkurs eine der besten Entscheidungen der letzten Zeit.

Leider sind die Bedingungen gerade nicht so gut, irgendwie wache ich im Moment nicht mehr ganz so früh auf, bin oft sehr müde morgens und später ist es zu trubelig. Mein neues eigenes Schreibzimmer ist noch nicht hergerichtet und auch oft noch besetzt von meiner Tochter… außerdem einer Baustelle wegen einer der lautesten Räume in der Wohnung, also sitze ich immer noch im Wohnzimmer.

Insgesamt wünsche ich mir, schneller voran zu kommen, mit meinem Roman, aber immerhin stagniert es nicht vollkommen.

Soweit für heute.

Über Kommentare freue ich mich immer. 

Roman-Tagebuch Teil 20

Unfassbar. Jetzt schreibe ich meinen 20. Romantagebucheintrag seit März. 

Und ich habe einen großen Erfolg gefeiert. Mein Krimi-Dinner kam bei meinen Kollegen megagut an. Es hat allen Spaß gemacht, das Ambiente stimmte und es haben sich schauspielerische Talente offenbart, die niemand geahnt hat. Mehr dazu weiter unten im Text. 

Und was habe ich sonst zu berichten? 

Es geht vorwärts. Diesmal wirklich. Ich hatte in den letzten drei Wochen den Motivationsbooster schlechthin. So produktiv war ich lange nicht mehr. Leider (noch) nicht für den Blog. Dafür umso mehr für den Roman.

Ich hatte Ende Juli einen Kurs von Yvonne Kraus belegt (mynextself.com bzw. Kurse.mynextself.com) zum Thema LeichtSchreiben. Der Kurs lief eine Woche lang. Jeden Abend von Montag bis Freitag gab es eine Stunde Zoom-Workshop, dazu am Sonntag Abend ein Kennenlerntreffen und am Ende des Kurses, am Samstag, eine Abschiedsfeier. Und siehe da, sie hat tatsächlich geschafft, was sie versprochen hat. Es geht wieder leicht. Es läuft. Es fließt. Flow nennt man das, wenn man so eintaucht in die Geschichte, dass alles um einen herum verschwimmt. Dass man ganz und gar bei der Sache ist. Konzentriert, präsent. Kreativ und produktiv. 

Die Kursgruppe war einfach klasse. Inspirierend, ermutigend, freundlich und respektvoll. Das hat gut getan. Man konnte Dinge miteinander teilen ohne verissen zu werden. Dennoch gab es konstruktive Kritik, Rückmeldungen, die halfen, besser zu werden. Faszinierend war, wie unterschiedlich unsere Themen, unsere Schreibstile waren und wieviel genial Gutes in extrem kurzer Zeit entstanden ist. Einige werden sich auch über den Kurs hinaus treffen und Kontakt halten. Und ich habe es gewagt, meine Geschichte jemandem anzuvertrauen, die ganzen Hundertundzehn DinA4-Seiten, die bisher fertig sind. ERgebnis: Ich habe ein überwältigendes Feedback bekommen. So ermutigend, dass ich weiter machen muss, weiter schreiben, weiter fabulieren, Worte zu Sätzen formen. Sätze zu Absätzen, zu Seiten und am Ende zu einer ganzen Geschichte, die dann auch (vielleicht/hoffentlich) veröffentlicht wird. Aufhören ist nun undenkbar. 

Und wie sieht mein Fortschritt aus?

Experimente mit Perspektiven:

In der letzten Woche habe ich unter anderem ein kleines Stück Text aus der Sicht meines Bösewichtes geschrieben. Wie sieht er die Sache? Welche Motivation bewegt ihn? Wie ist er überhaupt so?

Auch das lief super rund und wie am Schnürchen. Der erste Text aus dieser Perspektive. Und heute morgen habe ich mir Zeit genommen, ein ganzes Kapitel zu überarbeiten, so dass die Geschichte noch näher dran ist an der erzählenden Figur. In diesem Fall eine Frau. Komischerweise tue ich mich mit Frauen oft schwerer, aber diesmal bin ich ganz zufrieden mit dem Fortschritt und werde in den nächsten Tagen sicher gut  im Text vorankommen. Dank des Workshops und neu erwachter Motivation. Außerdem habe ich eine Passage aus der Sicht einer weiteren Hauptfigur geschrieben. Eine entscheidende Passage. Und habe dabei versucht in ihren Kopf zu schlüpfen, ihre Gedanken zu denken, ihre Gefühle zu fühlen. Laut Feedback meines neuen Schreibberaters ist das noch nicht ganz gelungen…. Emotional ist er an dieser Stelle zu wütend geraten, dabei müsste zu allererst die Trauer und die Ansgt und Sorge überwiegen… okay,… wieder etwas für das berühmte Überarbeiten. Daran sieht man: Romanschreiben ist eben doch Arbeit. Ja, es ist auch Flow und Leichtigkeit und Freude und Spaß… aber eben auch harte Arbeit, nämlich Überarbeiten, Überarbeiten und Überarbeiten. 

Und wie war das mit dem Krimi-Dinner?

In den letzten Wochen habe ich noch eifrig am Krimi-Dinner gearbeitet, den Texten den letzten Schliff gegeben und musste die Briefumschläge beschriften. Über Hundert Umschläge  wurden zum Teil mit Schablone und Verzierungen beschriftet. Die Einladungen samt Rollenbeschreibung und einer kurzen Einführung, wie der Abend ablaufen wird, habe ich knapp zwei Wochen vor dem Dinner-Abend an die Kollegen verteilt. So hatten sie Zeit, sich ihre Rollen rechtzeitig anzugucken und sich vertraut zu machen, mit ihrem Stand und ihren Beziehungen zu den anderen Teilnehmern des Abends. Außerdem hat es in vielen schon die Vorfreude auf das gemeinsame Event geweckt.

Am Tag vor dem Krimi-Dinner habe ich gefühlt meinen halben Haushalt gepackt und in den Kindergarten gefahren: Von Pokalen aus Ton über Holzbrettchen und Laternen bis zu Bannern und Holzschild und meinem Schwert und Nasalhelm und nicht zu vergessen meinem Fundus an Gewandung. Uff, das Auto war rappelte voll. Ich konnte die Dinge zum Teil im Büro meiner Chefin abstellen, zum Teil in einem Werkraum.

Am Tag des Dinners habe ich vormittags die letzten Dinge ausgedruckt und fertig gestellt, die Kiste mit den Briefen gepackt und andere wesentliche Utensilien, wie die Tatwaffe verstaut, Honigwaffeln gebacken und Krumme Krapfen und bin dann auf etwa halb vier in den Kindergarten gefahren. 

Unter den staunenden Blicken der Kinder habe ich meine Banner an der großen Markise im Garten aufgehängt und in einem Gruppenraum meine Gewandung ausgelegt. Einen Tisch für die Damengewandungen, einen für die Herren mit Tuniken und Wappenröcken und eine große Fensterbank für Utensilien wie Rosenkranz und Kreuz für den Erzbischof, Gürteltaschen und Kopfbedeckungen. Der Spielmann bekam ein Schellenband, und einen ganzen Sack voller Utensilien unter anderem eine Laute. 

Erst als alle Kinder von ihren Eltern abgeholt warenund nur noch Kolleginnen und Kollegen anwesend waren, gingen die restlichen Vorbereitungen vonstatten.

Der Tisch wurde mit weißen Tüchern gedeckt und mit Laternen und Kerzenständern bestückt. Außerdem bekam jeder Platz ein Brettchen und einen Keramikpokal. Und natürlich gab es für jeden einen ganzen Packen Briefe: Brief 1 Vorstellungsrunde, dann Brief 2-6 Hinweise und Brief 7 die Anklageschrift, dazu ein Who is Who, also wer spielt wen?, und eine Übersicht über die Zeiten des Glockengeläuts, also zu welcher Zeit findet die Laudes, das Angelusläutern oder die Komplet statt, damit man prüfen kann, ob jemand zu einer bestimmten Zeit ein Alibi hat.

Die Kollegen und ich hatten nicht nur einige gar köstliche Getränke mitgebracht, sondern auch gebacken und gekocht. Es gab ein reichliches Buffet, mit Suppen, Fladen, Gemüsekuchen, Birnenpudding usw. Für das leibliche Wohl war also gesorgt. 

Ich habe den Abend mit einer Rede begonnen, der eben besagte Vorstellungsrunde aller Beteiligten folgte. Zu Beginn der zweiten Runde herrschte erstmal ziemlich langes Schweigen am Tisch, jeder war in seinen Text versunken, aber anschließend gab es lebhafte Diskussionen, regelrechte Schlagabtausche, gleich zu Beginn dachte ich schon, sie entlarven den Mörder schon in der zweiten Runde, doch der schaffte es irgendwie von sich abzulenken und siehe da, am Ende, als es um die Anklageerhebung ging, waren sie sich nicht einig. Auf den eigentlichen Mörder entfielen nur zwei Stimmen, zwei Stimmen beschuldigten mich als Spielleiter, der ja auch potentiell Täter hätte sein können und der Rest verteilte sich kleckermäßig je eine Stimme für den und jenen. Nur einer hatte mehr Stimmen (nämlich drei), ein kleiner, unschuldiger Ritter mit Schafszucht. Leider der falsche. Also hab ich ihn verhaftet und dem Henker übergeben. Der Mörder hat das Spiel gewonnen, weil wir nicht in der Lage waren, ihn zu entlarven.

Aber am Ende waren sich alle in einem einig: Spaß hats gemacht. Eine Neuauflage bräuchte es eigentlich und ich wurde sogar von Kolleginnen gefragt, ob ich das nochmal machen würde für einen privaten Anlass. 

Und in mir kam der Gedanke auf, es würde sich lohnen, noch einmal ein Krimi-Dinner zu entwerfen, dass ganz auf meinem eigenen Mist ewachsen ist.

Und zu guter Letzt?

Ich bin ja gefragt worden, ob ich einen Kurs leiten würde bei den Kulturkursen des Campus Mainz. Und ich habe mal Leute um mich herum gefragt, ob sie mir das zutrauen. Und was soll ich sagen, ich habe durchweg positives Feedback bekommen. Nur eine Person fand die Idee nicht so toll, allerdings nicht, weil sie mir das nicht zutraut, sondern aus anderen Gründen. Ich habe jetzt einen ersten Schritt gemacht und die Leitung meines Kulturkurses gefragt, was sie davon hält, wenn ich das machen würde. Auch hier kam eine positive Rückmeldung. Jetzt muss ich mich nur noch trauen, den Verein anzuschreiben, der die Kulturkurse anbietet, und zu fragen, ob sie Interesse haben. Ich jedenfalls hätte Lust einen Schreibkurs zu leiten.

Über Meinungen, Kommentare und Anmerkungen zu meinem Blog würde ich mich sehr freuen.  

Roman-Tagebuch Teil 19

Erfolge muss man feiern!

Premiere!

Mein kleines Theaterstück hatte am Freitag Abend Premiere. Mein Kindergarten, also der, in dem ich mal gearbeitet habe und für den ich jetzt ab und an Vertretung mache, hatte Schulanfängergottesdienst und hat mein Stück als Stabpuppenspiel aufgeführt. Und ich habe von denen, die wussten, dass die Textvorlage von mir ist, durchweg großes Lob geerntet! Ich hab mich gefreut wie Bolle.

Eine ehemalige Kollegin war ganz erstaunt: „Und der Text ist von dir?“

„Ja“

„Mensch, du hast ja Talent, du solltest unbedingt einen Roman schreiben!“

„Naja ich bin bei der Arbeit…. Auch wenn es gerade stockt, ich will das fertig kriegen!“

„Und das Thema?“

„Mittelalterlich, fiktional in einer erfundenen Welt, eben eine Abenteuergeschichte!“

Eine neue Kollegin bot daraufhin an: „Wenn du Bilder brauchst… Gnome oder Zwerge oder… !“

Ich musste grinsen und hab ihr gesagt: „Wenn ich das Cover brauche, melde ich mich bei dir!“

Zwei von den Auszubildenden spekulieren schon auf mein erstes Buch im Laden. Aber das kann noch dauern und wird vielleicht auch nie geschehen. Denn es ist das eine, einen Roman zu schreiben und das andere, ihn an den Mann zu bringen, einen Verlag zu finden, genommen zu werden und zu veröffentlichen. Seufz. Der Teil macht mir immer noch am meisten Bauchschmerzen. Doch soweit ist es noch lange nicht.

Am meisten gefreut hat mich an diesem Abend der Kommentar einer anderen Kollegin. Die hat einen Teil des Textes während der Aufführung laut vorgelesen und hat mir eine präzise Textkritik zurück gemeldet, nämlich, dass der Text gut vorzulesen ist, das man nicht holpert oder hängen bleibt. Und das ist längst nicht bei allen Texten so. 

Die Chefin will in einem allgemeinen Dankschreiben auch nochmal erwähnen, dass der Text des Stückes von mir stammt und du kannst dir also sicher vorstellen, dass ich wirklich glücklich und voller Stolz nach Hause gefahren bin am Freitag Abend. Das hat einfach gut getan. Es motiviert, weiter zu machen. 

Abschlusstreffen des Online-Kurses von Campus Mainz:

Auch am Freitag fand der letzte Teil des Online-Schreibkurses statt, den ich belegt habe. Thema: Veröffentlichung!

Die Informationen waren wertvoll, aber ich merke, dass ich eben noch sehr weit davon entfernt bin. Und im Grunde ist das der Teil, der mich überfordert. Ich kann mich nicht gut verkaufen. Aber man kann alles lernen. Und außerdem hat alles seine Zeit. Und jetzt ist nicht die, sich um ungelegte Eier den Kopf zu zerbrechen. Erstmal muss ich den Text für das Romanwerk fertig zu Papier bzw. in die Tasten und den Speicher des Computers bringen. Und darauf will ich mich konzentrieren.

Schreibspiele:

Im zweiten Teil des Treffens haben wir noch ein paar Schreibspiele miteinander ausprobiert.

Im ersten Spiel haben wir einen vorgegebenen Romantext, von dem wir eine Seite gelesen haben, fortgesetzt und hinterher geraten, wer von uns welche Fortsetzung geschrieben hat. Sehr witzig. Und ich fand es erstaunlich, dass wir tatsächlich meist richtig lagen damit, wer was verfasst hat. Wir haben also unseren Schreibstil in den letzten Wochen gegenseitig gut einschätzen gelernt.

Im zweiten Spiel haben wir einen Text, der vorgegeben wurde, in eine andere Textgattung umgewandelt. Das Spiel nennt sich „Fliegende Zeilen“

Z.B. wird ein kleines Prosastückchen oder eine berühmte Textzeile in eine Schlagzeile, eine Gebrauchsanweisung oder eine SMS umgeschrieben.

So wurde aus:

Sein oder Nicht Sein, das ist hier die Frage

eine Gebrauchsanweisung:

Anleitung für den Philosophiekurs

1. Man benötigt ein Zitat. Wenn möglich ein gehaltvolles.

2. Wenn man nicht weiß, welches: Shakespeare eignet sich immer gut. Ebenso Schiller oder Goethe.

3. Man lasse die Worte pathetisch erschallen.

4. Eine angemessene Zeit der Stille und des Staunens sollte folgen.

5. So vorhanden könnte man auch eine Klangschale anschlagen.

6. Anschließend stellt man die erste Frage: „Was kommt euch bei diesem Wort in den Sinn?“

7. Es folgt eine Diskussion über Fragen und das Sein im Allgemeinen.

8. Nicht verzweifeln: Philosophieren heißt nicht, die Antwort auf alle Fragen zu kennen, sonst müsste man ja nicht philosophieren.

9. Zu guterletzt gehe man mit einem erhebenden Gefühl aus der Stunde. Wieder einmal hat man es geschafft, das Mysterium des Seins in all seinen Facetten ein klein wenig zu erleuchten.

Versuch 2:

Mache aus einem kurzen Text über Weihnachten, Weihnachtsmusik, einen Vater und seine Kinder, eine Autofahrt und einen Kindersitz eine SMS. Mein Ergebnis:

„Schon wieder Weihnachtsmusik. Papa nervt. Bis Morgen gehe ich ein. Das dauert ewig. Dabei ist Weihnachten schon vorbei. Chille jetzt im Kindersitz.“

Musenquickie

Als letztes Spiel hatte ich einen „Musenquickie“ vorgeschlagen. Dabei werden drei Worte vorgegeben und man muss daraus einen kurzen Text mit möglichst genau hundert Worten kreieren, in dem die drei Worte auch wörtlich vorkommen.

Wind, Zeit, Schwert

„Wind strich durch die Weiden. Er lag und starrte in den Himmel, der sich in hellem Blau über ihm spannte. Darin eine gleißende Sonne, die ihre Strahlen schmerzhaft in sein Hirn bohrte. In der Ferne rief ein Käuzchen, das wohl aus dem Schlaf aufgeschreckt war. Die Zeit schien still zu stehen. Sein Atem kam pfeifend, während sein Horizont sich nach und nach eintrübte, immer enger wurde. Dunkelheit kroch heran, knabberte an Himmel, Baum und Sonne. Ein Zittern durchlief ihn, bis die Schwärze ihn ganz und gar verschluckte. Blut. Da war so viel Blut. Und ein schartiges Schwert in seiner Brust.“

Wir hatten viel Spaß dabei und es kamen nicht nur pathetische, sondern auch märchenhafte oder sehr lustige oder surreale Texte dabei heraus. In vielen Fällen machte der kleine Text Lust auf mehr. Wie geht es weiter? Was steckt dahinter? In manchen Fällen fühlte es sich wirklich so an, als müsse dies der Auftakt zu einem Roman werden. Es war einfach wunderbar, zu sehen, was in kurzer Zeit Kreatives entstehen kann und das jeder der Teilnehmer des Kurses eine ganze eigene Schreibstimme hat und völlig unterschiedliche Ideen, obwohl Gemeinsamkeiten vorgegeben waren. 

Abschlussfeier und mehr

Im Zusammenhang mit dem Kurs gab es schon am Mittwoch eine allgemeine Abschlussfeier aller Kulturkurse vom Verein Campus Mainz. Erstaunlich, was alles online stattgefunden hat. Sogar Tanzkurse über Zoom waren nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich. Ich habe ein beeindruckendes Video gesehen. Wir waren bedauerlicherweise nur wenige, die an Der Abschlussfeier teilgenommen haben, hauptsächlich Leute, die auch einen Kurs geleitet habe. Ich habe mich zwischenzeitlich gefragt, ob ich überhaupt richtig am Platz bin. Aber es wurde eine lustige Runde und wir hatten viel Spaß bei einigen Runden Online-Codenames, einem Spiel, bei dem es um das Raten von Begriffen geht, die ein anderer Spieler mit einem Codewort umschreibt. (https://codenames.game)

Aber am meisten hat mich eine Frage elektrisiert, die einer der Leiter des Treffens an mich stellte: „Könntest du dir vorstellen, auch einen Kurs zu leiten?“ Erst war ich entsetzt, doch dann:

Du glaubst nicht, wie meine Gedanken ins Fliegen und Rotieren gekommen sind. Wie ein Hubschrauber, der ins Trudeln geraten ist. Schon am Abend habe ich gedacht, da habe ich Lust zu. Und es war natürlich gleich klar, dass es, wenn, dann ein Kurs zum Thema schreiben sein muss.

Am nächsten Morgen bin ich mit hundert Gedanken zu Schreibspielen aufgewacht, die man in einem „Schreibcafe“ machen könnte. Ich hab sie mir mal notiert für den Fall, dass ich tatsächlich dahin komme, ein solches Schreibcafe in welcher Art auch immer anzubieten.

Ah und dann habe ich überlegt, wie kann man eine PowerPoint-Präsentation erstellen, um eine erste Stunde zu beginnen. Gedacht, getan, ich habe mich an den Computer gesetzt und das ganze mal ausprobiert. Könnte ich sozusagen mit dem Handwerkszeug umgehen? Ja, es ist möglich… ich kann das…

Und dann habe ich gemerkt, ich brauche natürlich noch ein bisschen Input und habe gegoogelt. Und wo lande ich? Auf einer Seite die Ihrerseits wieder Kurse anbietet. Kurse für angehende Autoren: „Schreibhandwerk“, aber auch Kurse für „Schreibpädagogik“, eben genau das, was ich ja für diesen Kurs brauche: Wie lehrt man „Kreatives Schreiben“? (Die Kursinfo findest du hier: https://kreativ-schreiben-lernen.de/ausbildung-schreibpaedagogik/)

Ich bin total kribbelig geworden. Den Kurs muss ich belegen. Ich will das! Das ist genau meins. Immerhin bin ich ja eh schon Erzieherin und Kurse für Kreatives Schreiben geben, das wäre echt cool. Leider kostet das Ganze eine erhebliche Stange Geld und so muss ich erst sehen, ob ich mir das leisten kann. Seufzels. Aber so ist das Leben. Es ist nicht immer einfach, seinen Hobbies und Träumen nachzugehen. Zu verwirklichen, was man sich wünscht. Und leider viel zu oft scheitert es an den Finanzen. 

Na, noch ist ein bisschen Zeit, um zu sparen und zu überlegen. 

Bis dahin freue ich mich über Eure Kommentare.

Roman-Tagebuch Teil 18

Die Zeit vergeht im Fluge. Schon wieder ist es (viel zu) lange her, dass ich einen Blogpost geschrieben habe. Mit Schrecken habe ich eben festgestellt, dass ein ganzer Monat seit meinem letzten Artikel vergangen ist. Schande über mich! ich gelobe Besserung. Aber irgendwie ist oft so wenig Tag und so viel zu tun… 

Was habe ich in dieser Zeit alles gemacht?

Abgesehen von Alltagsdingen, wie aufräumen,  fegen, Wäsche waschen und spülen habe ich mir sehr viel Zeit für meine Freundin genommen. Das war einfach wichtig.

Außerdem ist bei mir ein Medikamentenspiegel aus dem Ruder gelaufen, was zur Folge hatte, dass ich mich sehr schlapp und müde und unausgeglichen gefühlt habe. Zum Glück wurde die Ursache bei einem Routinecheck entdeckt und konnte behoben werden. Nun nehme ich eine höhere Dosierung und fühle mich schon wieder viel fitter. Sicherlich war das ein Grund, warum ich auch meine Schreibprojekte nicht mehr so gut im Griff hatte.

Und ich war anderweitig kreativ. Siehe das Bild oben, das innerhalb von zehn Tagen entstanden ist aus einer Kritzelei. Eigentlich wollte ich nur einige Kugelschreiber ausprobieren, ob sie funktionieren. Das Ergebnis könnt ihr oben sehen. Kreativität hat eben viele Seiten und bei mir ist es nicht immer nur schreiben!

Habe ich am Roman gearbeitet?

Mmh…. eigentlich wollte ich hier über den Namenstausch schreiben, habe aber gesehen, dass ich das schon im letzten Teil des Romantagebuches getan habe. Außer einigen Kleinigkeiten habe ich also in den letzten vier Wochen nicht ernsthaft an der Geschichte gebastelt. Das Leben und andere Dinge sind mir dazwischen gekommen. Das heißt aber nicht, dass ich mich gar nicht mit dem Schreiben beschäftigt habe. Es ging nur an der Romanidee nicht weiter.

Filterwörter zum Zweiten

Noch ein Satz zum Thema aus dem letzten Blogpost (siehe hier): nämlich zu den Filterwörtern. 

Ich habe darüber noch einmal eine ausführlichere Diskussion mit anderen Schreibern gehabt und bin letztendlich zu folgendem Schluss gekommen: Filterwörter ganz zu streichen ist auch nicht sinnvoll, manchmal gehören sie einfach in einen Text, aber eben nicht in jeden zweiten Satz. In der Diskussion wurde sehr deutlich, dass das ganze Ansichtssache ist und eine Stilfrage. Es mag modern sein auf Filterwörter ganz zu verzichten. Ob es immer sinnvoll ist, ist eine andere Sache. Ich habe nun für mich beschlossen, dass ich Filterwörter dezent, aber doch einsetzen werde, immer da, wo es anders nur schwer möglich ist. Unbenommen bleibt natürlich, dass man Dinge immer besser zeigt als nur erzählt. Und dass die Reaktion einer Person natürlich anschaulicher ist, als eine lange Beschreibung dessen, was sie sieht, hört, fühlt, riecht und denkt. Aber auch die Beschreibung hat ihre Berechtigung. Alles zu seiner Zeit und mit Augenmaß.

Ansonsten habe ich in den letzten Wochen an anderen Baustellen gearbeitet. 

Baustelle 1

Schon an Silvester 20/21 habe ich mit meiner Familie ein Krimi-Dinner-Spiel gespielt. Ich hatte mir mehrere mittelalterliches Krimi-Dinner-Spiele für zu Hause zum Selbermachen bestellt. Es kamen  zwei gut ausgearbeitete Boxen mit Tischkarten und Rollenbeschreibungen und und und…und ein Büchlein mit einer Geschichte und einem Vorschlag für eine Art Krimirallye ala Schnitzeljagd. Das letzte war so gar nicht für meine Zwecke geeignet. Die andere beiden waren keine schlechten Vorlagen, aber das eine zu anzüglich und das andere zu albern. Es passte nicht so Recht für mich und meine Gelegenheit. Ich habe mich jedenfalls entschieden, keines davon, so wie es war, zu benutzen. Ich hab mir den Fall und alle Rollenbeschreibungen und Hinweise etc. angeguckt und dann hab ich angefangen zu basteln: Ich habe eigene Charaktere erfunden bzw. zum Teil aus meinem Rollenspiel übernommen, habe eigene Vorgeschichten erfunden und Motive zum Teil ganz neu verfasst oder aus der Vorlage umgemodelt. Den Fall aber habe ich vom zeitlichen Ablauf und der Tatwaffe aus der Vorlage übernommen und nur teilweise angepasst, mit eigenen Einschüben und eigenen Varianten. Für jeden Charakter gibt es eine Einladung, eine Rollenbeschreibung und Hinweise. Es gab auch Charaktere, die nicht aktiv gespielt wurden…. An Silvester haben wir das Ganze dann als Familie ausprobiert und gespielt. 

Das hat schon viel Spaß gemacht, allerdings war der Aufwand für ein einmaliges Vergnügen recht hoch.

Nun habe ich meinen Kollegen angeboten, das Ganze noch einmal mit ihnen zu spielen und sie haben zugesagt. Im August werden wir also ein mittelalterliches Krimi-Dinner haben. Da es aber mehr Kollegen als Familienmitglieder sind, muss ich manche Rollen so umschreiben, dass sie ein aktiver Spieler spielen kann. Außerdem hatte meine Familie kleine Verbesserungsvorschläge, die ich noch eingebaut habe.

Auch wenn das nach wenig klingt, war der Aufwand, das Krimi-DInner für meine Kollegen anzupassen doch erheblich.  Ich habe sicher eine Woche lang jeden Tag mehrer Stunden daran gesessen. Und noch ist es nicht ganz fertig.

Tja und dann Baustelle 2 

Meine Chefin aus dem Kindergarten hatte eine  Auftragsarbeit für mich. Ich sollte ein Theaterstück/Anspiel für den Schulanfängergottesdienst schreiben. Natürlich möglichst schon gestern fertig, aber spätestens in zehn Tagen. Denn die Kollegen brauchen ja noch Zeit zum Üben. Und die Aufführung ist am schon bald. 

Die Aufgabe war ganz schön anspruchsvoll. Es muss für Kinder und Erwachsene ansprechend sein. Leicht verständlich, aber dennoch mit einer Botschaft. Es gab schon eine Ideensammlung und ziemlich konkrete Vorstellungen.

Die ersten Tage war ich vernagelt und hatte auch nur wenig Zeit. Ab und an ein grober Gedanke, mehr war nicht drin. Am Montag nach Auftragsannahme bin ich sehr früh aufgestanden und hab mich konzentriert an das Stück gesetzt. Ergebnis: Innerhalb von zwei Stunden stand der Text. Ich habe ihn noch jemanden zum Probelesen geschickt und dann meiner Chefin. Die war absolut begeistert, was mir sehr gut getan hat. Und damit habe ich es geschafft, rechtzeitig und zufriedenstellend zu liefern. Und meine Kollegen haben genügend Zeit zum Proben. Im Hinterkopf schwebte mir die Idee, ob man das nicht als Kinderbuch bei einem Verlag einreichen könnte. Dazu bräuchte ich dann noch die passenden Bilder.

Ich bin sehr gespannt auf die Aufführung. Die Kollegen haben schon passende Stabfiguren gebastelt. Sie müssen nur noch angemalt werden.

Heute habe ich eine Vertretung übernommen und dann meine Chefin angesprochen, ob man aus dem Text nicht vielleicht ein Bilderbuch machen könnte. Sie war Feuer und Flamme und hatte gleich Ideen für die Umsetzung. Vielleicht… kann ich dann bald von meinem ersten Buch berichten. Mal sehen, was daraus wird.

Und wie geht es mit dem Roman weiter?

Dafür finde ich hoffentlich demnächst wieder mehr Zeit und Muße. Mit der Überarbeitung bin ich fast fertig, nun muss es vorwärts gehen. Gerade bin ich allerdings nicht inspiriert… seufz. Ich muss den Dreh wieder finden. 

Ich nehme mir mal vor, morgen wieder früh aufzustehen und mich gedanklich wieder mit dem Roman zu beschäftigen.

Und diesmal nehme ich mir vor bis zum nächsten Artikel auf dieser Seite nicht so viel Zeit verstreichen zu lassen.

Über Kommentare und Anregungen würde ich mich sehr freuen.

Roman-Tagebuch Teil 17

Neue Szenen und Beschreibungen

Es geht vorwärts. Endlich wieder. Das habe ich ja schon berichtet!

In der letzten Woche sind zwei Szenen entstanden, wo vorher nur ein knapper Satz darauf hindeutete, dass dort noch etwas fehlte, mehr als 2500 Worte wurden neu geschrieben und noch mehr Text verbessert. Ich habe mir die Zeit genommen, mich mit Beschreibungen auseinanderzusetzen und Worte zu finden, die den Leser mit hinein nehmen in die Hauptstadt meines Landes. Außerdem habe ich meine Hauptfigur in einen Badezuber steigen lassen… auch hier war es entscheidend, Atmosphäre zu kreieren, zu beschreiben…warum das wichtig ist, liest du vielleicht irgendwann in meinem Roman. 

Erstaunlicherweise waren es zwei eher „langweilige“ Szenen, die mich wieder hineingezogen haben in die Geschichte. Da passiert keine Action, es ist nichts, was die Geschichte voran treibt, keine tiefschürfenden Erkenntnisse oder Gefühle werden gewälzt, niemand kämpft oder stirbt, leidet oder siegt…. Es geht keinen Schritt voran… niemand trifft weitreichende Entscheidungen oder verliert sich in Trauer, Wut oder maßloser Eifersucht. Was macht diese Szenen dennoch so besonders, dass sie einen solchen Sog auf mich ausgeübt haben, dass ich mir jetzt gut vorstellen kann, voran zu schreiben? Wieso faszienieren sie mich so, begeistern mich geradezu?

Weil sie Atmosphäre schaffen. Weil sie meine Welt lebendig gemacht haben. Weil ich plötzlich ganz nah bei meiner Figur war. Weil ich gesehen, gehört und gerochen habe, wie es dort aussieht, wo ich meinen Helden hingeschickt habe. Ich habe dort mit ihm gestanden. Auf die Stadt geblickt. Gefühlt und erlebt wie es in den Straßen dieser Hauptstadt zugeht …seine Perspektive eingenommen. Und damit bin ich ihm nah gekommen, konnte ihn verstehen, seine Beweggründe, seine Gedanken  … 

Und ich habe gemerkt, wie lieb ich diesen Charakter gewonnen habe, wie wichtig er mir ist … und wie sehr ich mit ihm mitleide …

Zum Thema Beschreibungen habe ich noch einen Extra-Artikel verlasst, den du hier lesen kannst: https://kreative-schreiberei.de/wie-schreibt-man-gute-beschreibungen/

Ansonsten kann ich noch berichten, dass ich schon wieder auf Namenssuche war. Namen sind wichtig, das habe ich schon an anderer Stelle gesagt (den Artikel findest du hier). Sie müssen passen: Zur Figur, zu ihrer Rolle, zur Geschichte, aber auch zueinander. Jetzt hat jemand festgestellt, dass eine Figur so ähnlich heißt, wie die in meiner Herrscherfamilie gängigen Namen. Und dass das erstens verwirrend und zweitens unpassend ist. Man kann ihn dann schlecht vom König unterscheiden, es könnte sogar zu Verwechslungen kommen und es setzt die „Einmaligkeit“ der Herrschernamen herab, bzw. stört die Zusammengehörigkeit innerhalb der Dynastie, wenn ein Außenstehender den gleichen Wortstamm im Namen hat.

Also musste ein neuer Name her! Eine Schwierigkeit, wenn man schon hundert Seiten verfasst und sich an den Namen gewöhnt hat. Für mich prägen Namen das Bild der Person, deshalb sind sie so wichtig, und es ist schwer, sie zu ersetzen.

Ich hab also wieder Namensgeneratoren und Vornamenlisten gewälzt.  Diesmal wurde ich hier fündig: https://www.familienbande24.de/vornamen/laender/altdeutsche,vornamen/jungs_index.html

Von etwa 8 Namen, die überhaupt in Frage kamen, habe ich das ganze auf 3 Namen zusammengedampft. Und dann habe ich es im Text ausprobiert. Wie sieht das Schriftbild aus? Wie klingt es? Ist der Name hart genug für einen Mittelklassebösewicht? Kann man ihn gut rufen? Passt er zu meiner Vorstellung der Figur? Ist die Bedeutung angemessen?

Ein Name hat sich herauskristallisiert. Und nun muss ich den im ganzen Text suchen und ersetzen. Seufz. Eine elende Arbeit. Trotz der „Suchen-und-ersetzen-Funktion“ des Programms eine lästige Sache.

Ihr wüsstet nun gern, welchen ich ausgesucht habe? 

Staatsgeheimnis! Das verrate ich nicht… Beinahe hätte ich eine Abstimmung gemacht, um eure Meinung zu hören. Aber ganz ehrlich: Bei Namen bin ich zu eigen, der muss für mich passen, da kann ich keine Wahl veranstalten! 

Und außerdem soll es ein Geheimnis bleiben, bis das Buch hoffentlich erscheint. Irgendwie habe ich da Angst, mir könnte jemand den Namen klauen… das ist sicher albern, aber irgendeinen Tick muss ich als Autor ja haben!! *Zwinker*

Für heute habe ich nicht mehr zu berichten. Ich wünsche allen eine gute Woche und freue mich über Eure Kommentare.

Wie schreibt man gute Beschreibungen?

Wozu überhaupt Beschreibungen?

Beschreibungen schaffen Atmosphäre. Sie sorgen dafür, dass man hineinschlüpfen kann in Situationen, dass man sich Szenen bildlich vorstellen kann, dass man der Hauptfigur nahe kommen, sie sehen kann.  Um den berühmten Film im Kopf anzustoßen, braucht es Beschreibungen. Ein Autor malt Bilder mit Worten, lässt fremde Welten entstehen, entführt uns in seine Fantasie. Ohne Beschreibungen bliebe ein Roman kalt und nackt. Hohl. Tot. Unansehnlich. 

Beschreibungen sind das Salz in der Suppe. Damit man schmecken und riechen kann, wie es ist, dort zu sein, wo der Roman spielt. Sinnesempfindungen können unseren Vorstellungen auf die Beine helfen. Was sieht die Hauptfigur? Was hört sie? Was riecht sie? Was schmeckt sie? Was für Empfindungen streifen ihre Haut? Und zu guterletzt kann man auch Gefühle beschreiben: Trauer, Wut, Freude!

Ich sehe was, was du nicht siehst! Was kann man alles sehen?

Die Sache mit dem Sehen fällt mir meistens noch leicht. Ich bin ein Augenmensch! Visuelles ist mir nah. Also beschreibe ich, was vor Augen ist. Wie sieht es dort aus, welche Gegenstände sind im Raum, welche Personen? Welche Kleidung, Frisuren tragen sie? Welche Farben herrschen vor? Gibt es etwas, woran das Auge hängen bleibt? Was dominiert die Szene? Auch Details sind wichtig. Ist das Holz des Tisches blank gescheuert?  Oder ist es frisch lackiert? Oder gelaugt und geölt? Stehen Blumen auf dem Tisch oder steht dreckiges Geschirr herum? 

Ohren auf! Was kannst du hören?

Tja das ist schon schwieriger, Welche Geräusche bilden den Soundtrack zu meiner Szene? Da muss ich mich immer erinnern, dass auch dass dazu gehört, um einen Film im Kopf zu produzieren. Lautlos ist es selten. Da zwitschern Vögel, man hört vielleicht Autos oder das Knirschen von Sand und Kies unter Stiefeltritten, jemand ruft, Kindern spielen und Streiten lauthals, Pferdehufe stampfen und das Tier schnaubt oder, oder, oder… Manchmal sind es nur leise Töne. Sie  in der Beschreibung zu vergessen oder zu vernachlässigen, beraubt uns aber einer ganz wesentlichen Erfahrung. Immerhin ist es ja so, dass wir selbst im Schlaf das Hören nicht abstellen können und manche wachen vom kleinsten Geräusch auf.

Nase zu! Wonach riecht es hier?

Oh weia, da bin ich richtig schlecht. Zum Glück habe ich eine Freundin, der das sehr wichtig ist und die mich daran erinnert, dass Szenen einen eigenen Geruch haben können. Dass Gerüche auch Erinnerungen wecken können an Vergangenes, an Kindheit, Vertrautheit, Liebe. Duftet es nach Rosen oder Lavendel, stinkt der Müllhaufen zum Himmel? Oder liegt ein feiner Weihnachtduft nach Zimt und gebratenen Äpfeln in der Luft? Gerüche zu beschreiben fordert Feingefühl, es gibt soviele Nuancen, Abstufungen und manchmal ist es richtig schwer, herauszufinden, wie etwas duftet. So habe ich erst gestern ein Gespräch mit einer Autorin gehabt, die sich gefragt hat, wonach Tomaten riechen. Bei der Recherche kam heraus, eigentlich duftet hauptsächlich der grüne Stielansatz oder natürlich duftet es, wenn man sie zermanscht, aber die heile Tomate ohne Grünzeug dran hat fast keinen Eigengeruch… wozu solche Überlegungen gut sind? Damit Beschreibungen stimmig werden und wir nicht die Nase rümpfen und sagen, das kann man doch gar nicht riechen.

Kannst du schmecken, wie wunderbar lecker es ist?

Ähnlich wie riechen kommt dieser Sinn bei Beschreibungen manchmal zu kurz. Ich finde es dennoch enorm wichtig und zwar nicht nur, wenn die erzählende Person gerade ein Brötchen isst. Manchmal beißt man sich auf die Zunge und schmeckt Blut, wenn man aufwacht, hat man oftmal einen unangenehmen Geschmack im Mund, wie kann man den bloß beschreiben? Oder die Zahnpasta gibt uns mit ihrem Minzgeschmack einen Frischekick, manchmal kann sogar der Staub in einer alten Bibliothek einen schalen Geschmack im Mund erzeugen… 

Was fühlst du, wenn ich dich berühre?

Die Haut ist ein empfindliches Sinnesorgan und auch sie gibt uns wesentliche Hinweise, wie der Ort beschaffen ist, an dem wir uns befinden. Der Tisch von vorhin, ist er glatt poliert oder rissig, spröde, kann man sich Holzspriesen in den Finger ziehen, wenn man darüber streicht? Lässt Kälte eine Gänsehaut entstehen? Oder schwitze ich, dass es mir den Schweiß aus allen Poren drückt? Ist mein Sitzplatz weich gepolstert oder harter Stein? Kann ich mich stechen, wenn ich die Hecke schneide oder sind die Blätter samtig weich? Eine sanfte Berührung kann ich ebenso fühlen, wie den Wind auf meinem Gesicht oder die angenehme Wärme einer Frühlingssonne! Das spüren über die Haut gibt weitere wesentliche Anhaltspunkte, wie es meinem Protagonisten geht, wie er sich fühlt. 

Und was ist mit Gefühlen?

Auch Gefühle kann man beschreiben. Für meine Geschichten ist das immer sehr wichtig. Ich mag erzählen, wie ein Charakter durch innere Kämpfe und Gefühle wächst, wie er sich verändert, ein „neuer“ Mensch wird. Dazu braucht es natürlich Gefühle und Gedanken, die man auch beschreiben kann. Ist es Trauer, Wut, Freude, die er empfindet, wie fühlt sich das in seinem Inneren an? Welche Farben hat das Gefühl? Welchen Geschmack hinterlässt es? Und schon wieder bin ich bei den anderen Sinnesempfindungen, die mir Anhaltspunkte für innere Beschreibungen bieten.

Wieviel Beschreibung verträgt eine Geschichte? Oder was macht Beschreibungen so schwierig?

Nun, das Wieviel hängt von der Geschichte ab, von dem, was ich erzählen will. Zuviel ist genauso schädlich wie zu wenig.

Wenn es um die Entwicklung meiner Protagonisten geht, wenn  die Geschichte ihre Entwicklung nachzeichnet, brauche ich mehr Beschreibungen. Ich muss erklären, zeigen wie und warum sie sich entwickeln, was sie prägt und beeinflusst. 

Wenn eine Geschichte mehr handlungsorientiert ist, braucht es in geringerem Maße innere Monologe und Beschreibungen von Gefühlswelten, aber Beschreibungen von Schauplätzen haben dennoch ihren Platz. Ohne kommt fast keine Erzählung aus.

Beschreibungen brauchen Vorstellungskraft und Fantasie. Und Liebe zum Detail. Und den Mut sich zu fokussieren. Herauszufiltern, was ist wesentlich, was nicht. Beschreibe ich einen bekannten Ort, brauche ich weniger Worte, als wenn ich eine ganz neue Welt erschaffe und die Leser dorthinein entführen will. Egal ob Sciencefiction oder historischer Roman oder Fantasy-Abenteuer, Welten, die dem Leser unbekannt sind, brauchen ausführlichere Beschreibungen. 

Spielt die Geschichte dagegen in Berlin, Köln oder Hamburg zu unserer heutigen Zeit, kann ich mir Autos, Straßen und Häuser relativ leicht vorstellen und brauche nur die ganz spezifischen Details, selbst wenn ich noch nie in diesen Städten gewesen bin. Dagegen können die Flugobjekte in einem Scifi- Abenteuer sehr speziell sein. Ich muss sie beschreiben, damit der Leser sie vor sich sieht. Das heißt ein Autor muss wissen, was seine Leser wissen können, er muss sich hineinfühlen in seine Leserschaft, muss ein Gespür haben, was notwendige Informationen sind und was man auch weglassen kann, weil es eine Szene überfrachten würde.

Ich tendiere oft eher dazu, zu wenig zu beschreiben, weil in meinem Kopf sind die Bilder ja vorhanden, dabei vergesse ich, dass der Leser nicht automatisch in meinem Kopf ist, dass ich also mehr sagen muss, als ich für nötig halte.

Andererseits sind zu langatmige Beschreibungen langweilig und ermüdend und ich kenne sogar Leute, die dann einfach weiterblättern, weil es sie nicht interessiert. Da ich auf keinen Fall möchte, dass meine Leser meine Worte nicht lesen, muss ich mich also so kurz fassen wie möglich, aber auch so lang wie nötig. Und das ist die Kunst.

Und wie beschreibe ich jetzt?

In dem ich ein Bild male, zeige, was zu sehen, zu fühlen ist. Möglichst direkt und ohne sogenannte Filterwörter. Show, don’t tell. 

Filterwörter, was ist das nun wieder?

Bis vor Kurzem wusste ich auch noch nichts von der Existenz von Filterwörtern. Beziehungsweise, ich hatte den Begriff so noch nie gehört. Doch dann stieß ich auf zwei Artikel, die sich sehr gut damit befassen und umfassend erklären, worum es geht. (Die Links findest du am Ende meines Artikels)

Was genau sind Filterwörter und was machen sie? 

Filterwörter sind solche, die eine Distanz zu deiner Figur schaffen. Sehen, Schmecken, fühlen  und noch etliche andere fallen darunter. 

Aber du hast doch gerade oben gesagt, man soll beschreiben, was man sieht und hört und über Sinneseindrücke wahrnimmt? Ja. Aber nicht, in dem man diese Worte zu häufig im Text verwendet. Ab und zu kann man sie einstreuen, aber sehr dezent und an die jeweilige Situation angepasst. Besser ist es, die Dinge direkt zu sagen oder eben Handlungen und Reaktionen zu umschreiben. Welche Worte man eher meiden sollte und wie das aussehen kann, kannst du in den Artikeln nachlesen, die ich am Ende meines Blogposts verlinke.

Hier ein paar Beispiele. Ich markiere die Filterwörter kursiv.

Also statt: Er fühlte sich unwohl. Es schmeckte unangenehm nach Galle und er spürte Übelkeit aufsteigen. Hoffentlich musste er sich nicht übergeben.

Besser: Tom schnaufte. Gallebittere Spucke lief ihm im Mund zusammen. Er krümmte sich, eine Hand auf den Bauch gepresst. Schweiß brach ihm aus. Jetzt nur nicht übergeben!

Oder: Karina stand und sah die Straße entlang. Sie wartete auf den Schulbus. Jetzt konnte sie ihn schon hören, wie er laut rumpelnd und keuchend um die letzte Ecke bog. Sie freute sich auf die Schule, weil sie dann Tom begegnete. Sie fühlte sich zu ihm hingezogen. Sie stieg in den Bus. „Darf ich mich neben dich setzen?“, fragte sie. Sie sah Tom nicken und rutschte neben ihn.

Stattdessen könnte es auch so aussehen: Karina trippelte unruhig auf und ab. Die Straße lag leer und verlassen. Immer noch nichts. Wann kam er endlich? Sie schnaufte. Wenig später bog der Schulbus rumpelnd und keuchend um die Ecke. Ihr Herz machte einen Satz. Dort saß Tom. Hitze stieg ihr in die Wangen und sie senkte schnell den Kopf. Für Augenblicke verengte sich ihre Kehle, dann fing sie sich und stieg in den Bus. „Darf ich mich neben dich setzen?“ Tom nickte und sie rutschte neben ihn.

Es geht also darum, die Erfahrungen unmittelbarer zu beschreiben. Mach es so nah wie möglich, es sei denn, du willst die Distanz zu deiner Figur. Die Art und Weise, wie du Filterworte verwendest, ändert die Perspektive. Guckst du deiner Hauptfigur als außenstehender Beobachter zu, wie sie etwas tut oder fühlt oder bist du so nah bei ihr, dass Ihre Empfindungen deine werden, Ihr Blick das ist, was du siehst?

Statt: Sie stand auf dem Hügel und sah den Adler am Himmel über sich.

Eher: Sie stand auf dem Hügel. Der Himmel spannte sich weit. Ein Adler zog dort seine Kreise.

Statt: Das Meer roch unangenehm modrig nach Algen und Fisch.

Lieber: Sie rümpfte die Nase. Vom Meer her stank es modrig nach Algen und Fisch. 

Statt: Sie mochte ihr Brötchen. Es schmeckte nach Käse und Tomaten

Besser: Mhh. Lecker. Käse und Tomaten auf Brötchen. Sie liebte es.

Statt: Kurt fühlte sich unsicher, als er auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch war.

Könnte man es so sagen: Kurt biss sich auf die Lippen. Die Aktentasche wurde immer schwerer und seine Knie weicher. Wenn er es doch nur schon hinter sich hätte, dieses vermaledeite Vorstellungsgespräch.

Statt: Lina hörte die Glocken der großen Kathedrale. Es war schon spät.

Heißt es dann: Die Glocke der Kathedrale dröhnte über den Marktplatz. Lina zuckte zusammen. Es war schon spät.

Ausführliche Artikel findest du hier: https://mynextself.com/filterwoerter/

und hier

Roman-Tagebuch Teil 16

Geht es mit dem Roman voran?

Wochenlang musste ich berichten, dass sich nichts, aber auch gar nichts an meinem Roman-Projekt getan hat! Einen ganzen Monat lang habe ich kein (oder fast kein) Wort zu meiner Geschichte hinzugefügt. Es lag brach. Wie ödes Land verwaist. Wie ein Schiff auf Sand gelaufen. Kein Fortschritt. Ebbe. Nada. Niente. Rien. 

Seit etwa anderthalb Wochen jedoch ist etwas im Gange. Ödes Land wird bewässert. Blumen sprießen. 

Die Flut kehrt zurück. Das Schiff wird flott gemacht.

Zuerst noch langsam, dann immer schneller und mächtiger kommt etwas ins Rollen und meine Gedanken sprießen wie die Blumen. Ein neuer Wind weht und bläht meine Segel…. Aufbruchsstimmung. Neue Hoffnung, wo ich schon dachte, ich könnte die ganze Sache beerdigen.

Was genau passiert da? Womit beschäftige ich mich?

Rein äußerlich sieht man (noch) nicht viel. Es sind keine neuen Kapitel entstanden, keine neue Line, kein neuer Handlungsstrang. Nichts Bahnbrechendes. Vor drei Tagen hätte ich gar noch sagen müssen, nicht ein Wort, eine Szene ist hinzugefügt oder verändert worden. Es sah immer noch nach Stillstand aus. Und dennoch bewegte sich schon da ein laues Lüftchen durch mein Denken.

Angeregt durch meinen Schreibkurs habe ich mich daran gemacht, Dinge zu erfinden, die meine Welt lebendiger machen sollen. Zu meiner Welt gehören nicht nur Länder, Berge und Ebenen, Flüsse und Seen, Städte und Burgen. In diesen Ländern gibt es Pflanzen und Tiere, Völker unterschiedlicher Art.  Und damit es anschaulich und spannend wird, braucht es neue Pflanzen, ungewöhnliche Tiere, Eigenheiten von Volksgruppen. Und deshalb erfinde ich welche. Ich erfinde Pflanzennamen. Heilpflanzen, Nutzpflanzen, Bäume, Gräser…Tiere sollen folgen. Kultur und Merkmale von Völkern.

Wie mache ich das?

Ich habe eine Seite, auf der man sich Pflanzennamen generieren lassen kann. Leider klingen die alle englisch. Erstaunlicherweise aber hört man, dass es Pflanzennamen und nicht Berg- oder Seenamen, Tier- oder Drachennamen sind. 

Was macht es aus, dass man diese Namen als Pflanzennamen erkennt? 

Das habe ich mich gefragt und festgestellt, dass es gewisse Endungen oder Zusätze sind, die diese Worte als Pflanzennamen kennzeichnen. Daraufhin habe ich ein deutsches Heilkräuterlexikon durchgeblättert und mir gängige Endungen und besondere Zusätze notiert. Diese habe ich dann wild und mit viel Phantasie kombiniert. Und voila es kamen sehr passable Pflanzennamen dabei heraus. Diesmal deutsche! Und ich bin gleichzeitig darüber gestolpert, wie vielfältig und wunderbar unsere Pflanzenwelt ist und welche merkwürdigen Kombinationen es tatsächlich gibt, obwohl ich dachte, ich hätte sie mir gerade ausgedacht…

Ich verrate hier nicht mehr… Wer wissen will, wie meine Pflanzen heißen, aussehen, riechen oder wirken, muss warten bis mein Buch fertig und veröffentlicht ist!

Über die Pflanzen kam ich ins Fabulieren. Zugleich wurde mir bewusst, dass meine Hauptperson in den ersten Kapiteln viel zu nett war. Seine Charakterbeschreibung, in der er einen gewissen Standesdünkel und eine Arroganz aufweist, passte nicht überein, mit dem, was ich geschrieben hatte. Er war zu freundlich zu anderen, die gesellschaftlich unter ihm standen. Zu umgänglich. Da war keine Entwicklungsspanne gegeben, nichts, was sich noch hätte zum Besseren wenden können. 

Und so entstand der Gedanke, dass ich das, was da steht, noch einmal überarbeiten müsse, ehe ich weiter voran schreibe. Außerdem musste sich etwas in den Dialogen ändern. Nicht nur die Arroganz des Helden, auch der niedere Stand anderer musste sich irgendwie wiederspiegeln. In ihrer Sprache. In ihren Worten, ihrem Dialekt. Also begann ich vor drei Tagen, meine Kapitel genau daraufhin zu überarbeiten. Arroganz und Überheblichkeit einzubauen in Worten und Gedanken, in Handlungen… und Dialekte zu verwenden, um die Herkunft meiner Personen deutlicher zu machen.

Gestern und heute ist aus dem Überarbeiten eine ganz neue Szene entstanden. Es geht voran. Wenn auch noch innerhalb dessen, was da schon stand, aber dennoch. Ich merke, wie Gedanken wieder fließen, wie neue Ideen sprudeln. Wie aus dem, was ich tue etwas Neues erwächst. Das Schiff nimmt wieder Fahrt auf. Und der Wind pustet kräftig.

Seit gestern nutze ich eine weitere Inspirations- und Motivationsquelle. Ich treffe mich mit anderen Autorinnen in einem Videochat, man bespricht kurz, was man plant und schreibt dann eine Zeit, um sich im Anschluss auszutauschen, wie es funktioniert hat. 

Das hilft ungemein, um fokussiert zu arbeiten.

Neues, altes Schreibprogramm!

Und noch etwas ist passiert. Ich habe – mal wieder – mein Schreibprogramm gewechselt. Dazu muss man wissen, ich habe sicher schon zwei Jahre Scrivener 3 für Mac genutzt und habe in diesem Jahr, kurz nachdem das Programm für Windows erschienen ist auch Scrivener 3 für Windows heruntergeladen. Ich mag Scrivener. Ich kann mich gut organisieren mit diesem Programm. Dennoch fehlt mir etwas. Und dieses Etwas glaubte ich in dem Konkurrenzprogramm Papyrus Author gefunden zu haben. Papyrus Author hat viele verlockende Funktionen. So hat es einen Dudenkorrektor. Und ist damit in Sachen Rechtschreibkorrektur sicher ungeschlagen. Außerdem bietet es eine Stil- und Lesbarkeitsanalyse und man kann Charakterkarten anlegen, die man direkt aus demText verlinken kann. Es gibt viele gute Gründe für Papyrus Author. Und ich habe sie alle ausprobiert und genossen… aber ein Problem habe ich mit dem Programm… ich bin dort nicht so organisiert wie in Scrivener. Die Struktur erschließt sich mir nicht so, es ist ein langer Fließtext, den ich zwar irgendwie mit Kapiteln und Szenenüberschriften zerlegen kann, aber irgendwie ist mir Scrivener da sympathischer. Und manches, was ich in Scrivener liebgewonnen hab, finde ich in Papyrus nicht wieder… entweder weil ich zu blöd bin, es zu finden oder weil es schlicht nicht vorhanden ist.

Die ersten Hundert Seiten habe ich begeistert in Papyrus geschrieben, aber als ich jetzt hängen geblieben bin und mir klar wurde, dass ich Dinge grundlegend überarbeiten muss, bin ich zu Scrivener zurück gekehrt. Habe alles von Hand übertragen und arbeite nun mit Scrivener 3 für Windows. In Scrivener habe ich jede Szene quasi in einem eigenen Dokument. Ich kann diese Dokumente leicht untereinander verschieben. Ich kann Schnappschüsse von einzelnen Dokumenten machen, diese dann bearbeiten, wieder einen Schnappschuss machen, wieder bearbeiten so oft ich will und diese Schnappschüsse dann miteinander vergleichen und mich für die Variante des Textes entscheiden, die mir am besten gefällt, ohne Angst haben zu müssen, dass mir die Idee aus dem ersten Schnappschuss abhanden kommt.

Das ist überarbeiten mit doppeltem Boden … ich kann jederzeit zu Variante 1, 2 oder 3 zurückspringen. Und zwar  für jede winzige Szene einzeln und unabhängig von den andere Sequenzen. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich meinen Text auch nochmal ganz verwerfen und neu Schreiben kann, dass ich nicht nur einzelne Worte, sondern ganze Stimmungen ändern kann. Und wenn es mir nicht gefällt, drücke ich sozusagen den Resetknopf. Ohne das für das gesamte Dokument zu tun!

Wenn ich dann dahin komme, dass ich den Text mit Dudenkorrektor überarbeiten will, werde ich wohl zu Papyrus zurück kehren, aber bis dahin bin ich bei Scrivener gut aufgehoben.

Wer mehr über scrivener erfahren will, findet hier gute Informationen: https://www.knowhowlounge.de

Auf Youtube findet man auch ein verständliches Video von Gian dazu, wie man in Scrivener schreibt und in Papyrus korrigiert. 

Zusammenfassung: Was ich geschafft habe! 

  • Neue Pflanzennamen und ein funktionierendes System um beliebig viele weitere  Pflanzen zu erfinden.
  • Überarbeitung entscheidender Dialoge bezüglich Stimmung und Charaktereigenschaften
  • Einbau von Dialekt in meine Dialoge 
  • Meinen Protagonisten zu Beginn etwas unsympathischer zu machen
  • Eine neue Szene erfinden
  • Schwung gewinnen 
  • Motivation zum Weitermachen finden
  • Neue Ideen für neue Szenen entwickeln

Ich finde, das ist eine ganze Menge und mit Sicherheit ein Grund zu feiern. Jubel! Ich glaube jetzt daran, dass es weiter gehen kann und wird. Dass ich nicht heillos feststecke, sondern dass ich kreativ genug bin, neue Wege zu finden. Mein Roman wächst weiter. Lass dich überraschen, was ich beim nächsten Mal berichten kann!

Bis dahin, hinterlass mir doch deinen Kommentar. Ich bin neugierig auf deine Meinung.

Roman-Tagebuch Teil 15

„Nun komm doch mal auf den Punkt!“

Kennst du das auch? 

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schafft man es nicht, seinem Gegenüber zu vermitteln, worum es eigentlich geht.  Was ist der springende Punkt, das hüpfende Komma?* (Zitat: Heinz Erhard) Worauf kommt es wirklich an? Was ist die Quintessenz? Der Kern des Ganzen… oder anders ausgedrückt: Was will ich eigentlich damit sagen? 

Ich habe festgestellt, dass ich damit erhebliche Probleme habe. In letzter Zeit gab es zwei Stellen, an denen das wichtig gewesen wäre: Zum einen wollte ich (und sollte es in meinem Schreibkurs auch) eine Prämisse für meinen Roman finden, also eine übergeordnete Aussage, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Zum zweiten habe ich an meinen Charakteren gearbeitet und auch dabei gemerkt, wie schwer es mir oft fällt, prägnant zu sein und nicht zu viel auf einmal zu wollen. Ich kann drumrumlabern was das Zeug hält, ellenlange Passagen erzählen, beschreiben, ausmalen, fabulieren und dichten, bis sich die Balken biegen, aber präzise auf den Punkt kommen, fällt mir ungeheuer schwer. 

Warum eigentlich?

  • Punkt eins: Vielleicht habe ich gar nichts zu sagen?
  • Punkt zwei: Alles, was ich zu sagen habe, ist gleich wichtig. Deshalb kann ich mich nicht entschieden, was das Wichtigste ist?
  • Punkt drei: Es gibt zu viel zu sagen und ich bin einfach eine Labertasche?
  • Punkt vier: Ich habe Angst, dass das, was ich zu sagen habe, niemanden interessieren könnte und verschleiere es darum mit vielen unnützen Worten.
  • Punkt fünf: Meine Gedanken sind ein einziges Chaos. Deshalb finde ich selbst keine Klarheit und der springende Punkt hüpft mir davon.
  • Punkt sechs: Ruhe und Muße fehlen. In der Hektik des Alltags komme ich nicht zu der Ruhe, die man benötigt, um klare Gedanken zu formulieren.
  • Punkt sieben: Alltagssorgen und Nöte lenken mich ab.
  • Punkt acht: Müdigkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit.
  • Punkt neun: Andere Aufgaben warten und drängeln, scheinen wichtiger.
  • Punkt zehn: Meine Arbeitsumgebung ist unaufgeräumt oder bietet zu viele Ablenkungen. 

Was trifft nun auf mich zu?

Punkt eins: Ich habe gar nichts zu sagen! Ich glaube, das trifft auf mich nicht oder nur selten zu. Ich habe zu vielen Dingen eine Meinung und manchen Leuten haue ich sie auch um die Ohren. Manchmal scheint es aber so, als hätte ich nichts zu sagen. Warum? Dann fehlt mir der Mut, zu dem zu stehen, was ich denke und meine. Ich erachte meine eigenen Gedanken nicht als wertvoll genug, um gehört zu werden. Hier muss ich selbstbewusster werden. Ich habe etwas zu sagen. Und ich kann und darf dazu stehen.

Punkt zwei: Zu viel zu sagen, alles wichtig, wie soll ich entscheiden? Da finde ich mich wieder. Für mich sind viele Dinge auf der gleichen Ebene, stehen nebeneinander, sind gleich wichtig. Und Entscheidungen, egal welcher Art, fallen mir ungeheuer schwer. Selbst wenn ich nur aussuchen soll, was ich in einem Restaurant für mich zum Essen bestellen soll, gerate ich ins Schwitzen. Ich frage dann die anderen, folge Entscheidungen, die andere treffen, habe Angst falsch zu entscheiden….Da spielt eine große Unsicherheit mit hinein und das Gefühl, wenn ich mich „falsch“ entscheide, geht die Welt unter… dabei kann man viele Entschiedungen und Meinungen ja revidieren. (Natürlich nicht alle und manchmal hat eine Fehlentscheidung fatale Folgen) Entscheidungen zu fällen und damit eine Auswahl zu treffen und dazu zu stehen, hat wieder etwas mit Selbstbewusstsein zu tun. 

Punkt drei: Ja, es gibt zu viel zu sagen. Es gibt so viele Dinge, die ich gerne erzählen, zu denen ich meine Meinung sagen will. Und Ja, ich kann labern. Und will es auch manchmal. Und oftmals mache ich mehr Worte als nötig. Aber es gab auch Zeiten in meinem Leben, da habe ich kein Wort heraus gebracht. Schwierig ist, genau das richtige Maß zu finden. Und eine Quintessenz ist eben sehr komprimiert, sprich alles ist auf ein Minimum eingedampft. Daran muss ich meistens hart arbeiten. Und wieder geht es um Selbsbewusstsein und darum, die Angst zu bezwingen, das Wesentliche nicht zu treffen.

Punkt vier: Oh ja, das kenne ich gut. Die Angst, dass meine Meinung dumm ist, nicht wichtig oder einfach nur lächerlich. Das ohnehin keiner hören will, was ich zu sagen habe. Das ich ausgelacht werde. Und dann rede ich drumrum, mache viele Worte, um doch irgendwie zu überzeugen. Und erreiche genau das Gegenteil. Es wird schwammig, uninteressant, langatmig. Schon wieder sind wir bei Angst und Selbstbewusstsein. Ich muss meine Angst überwinden, nicht gemocht zu werden für das, was ich sage oder schreibe. Ich muss lernen, selbstbewusst zu dem zu stehen, was ich meine.

Punkt fünf: Chaos im Kopf, keine Klarheit im Denken! Ja das bin ich. Das Chaos im Kopf zeigt sich zum Beispiel in der Unordnung, die mein Haushalt oft hat. Ich finde es schwer, aus dem Wust an Gedanken, den einen zu fischen, der relevant ist. Genauso wie es mir schwer fällt, festzulegen, welcher Gegenstand an welchen Ort gehört. Hier ist der Punkt eher, dass ich lernen muss, meine Gedanken zu ordnen, so wie ich es gelernt habe, meinen Haushalt zu ordnen.

Punkt sechs: Ruhe und Muße fehlen. Oft ist das der Fall, der Alltag ist so schnell, so hektisch, ich komme nicht zur Ruhe. Und wenn alles am Rasen ist, rasen auch die Gedanken und es ist schwer, einen aus dem Strudel zu fischen und festzuhalten. Ich muss mir selber Ruhe gönnen, um zu mir selbst und zum Kern der Dinge vorzustoßen. Unruhe und Alltagsstress sind dabei mehr als hinderlich. Hier geht es um Konzentration, Fokussierung, sich selber Ruhe und Pausen zu gönnen. Meditation und Besinnung, Gebet und Ruhe können helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Punkt sieben: Sorgen und Nöte hindern mich mehr, als mir oft bewusst ist. Wenn meine Gedanken dabei sind, für irgendeine kleine oder große Not in meinem Leben Feuerwehr zu spielen, wie kann ich dann zur gleichen Zeit tiefschürfende Erkenntnisse erwarten? Ich bin anderweitig beschäftigt. Und ich muss Prioritäten setzen. Und dann ist das „reale“ Leben, die tatsächliche Not wichtiger, als irgendein Gedanke, den man auf den Punkt bringen will. Wenn mich das Leben zu sehr fordert, komme ich nicht zur Ruhe. Auch hier geht es wieder um Zeit, um innere Ruhe, um Gelassenheit.

Punkt acht: Müdigkeit und Konzentration sind Killer für gute Gedanken. Wenn ich nicht ausgeschlafen bin, müde und erschöpft vom Alltag, dann bin ich unkonzentriert und damit unfähig prägnante Formulierungen zu finden. Mein Problem dabei? Ich habe nur frühmorgens Zeit zum Schreiben. Ich stehe deshalb oft um kurz nach fünf auf. Und ja, da bin auch ich noch müde… wobei abends zu schreiben, wie ich es früher gemacht habe, funktioniert heute gar nicht mehr. Man muss also den richtigen Zeitpunkt zum Denken finden und sich genug Schlaf bzw. Pausen gönnen. Schon wieder diese Sache: Ruhe, Pausen, Schlaf und Zeit. Ein gutes Zeitmanagement ist also auch hier hilfreich.

Punkt neun: Alles andere ist wichtiger, als zu schreiben und präzise zu sein. Auch das kenne ich. Wenn ich viele Termine am Tag habe, wenn die Unordnung in meinem Haushalt oder irgendeine andere Aufgabe zu drängend wird, kann ich mich nicht darauf einlassen, an Worten zu drechseln und mich auf das eine zu fokussieren, was ich wirklich sagen will. Schon wieder sind wir beim Zeitmanagement.

Punkt zehn: Ablenkungen, egal welcher Art sind hinderlich. Und auch die Unordnung auf meinem Schreibtisch, beziehungsweise der Blick aus dem Fenster können Ablenkungen bieten. Ich arbeite zum Beispiel besser, wenn mein Blick zur Wand geht und ich nicht rausgucken und mich ablenken lassen kann. Ordnung im Äußeren, hilft Ordnung im Inneren zu finden. 

Woran muss ich arbeiten?

Selbstbewusstsein und Angst: Ich habe etwas zu sagen. Ich darf und muss dazu stehen, egal was jemand anderes sagt. Ich bin ein geliebtes Kind meines Gottes. Ich darf selbstbewusst sein. Und ich bin weder mehr, noch weniger wert als alle anderen Menschen um mich herum!

Zeitmanagement: Ich muss mich darum bemühen, den richtigen Zeitpunkt für die Dinge zu finden. Muss Ruhe, Schlaf und Pausen einbauen. Ich kann Gott fragen, welche Prioritäten er für meinen Alltag setzen möchte. Denn Gott kommt nicht zu spät. Oder zu früh, er kommt immer genau richtig.

Ordnung im Äußeren und Inneren: Ich muss mich besser Organisieren lernen. Wieder für mehr Aufgeräumtheit in meinem Umfeld und in meinem Inneren sorgen. Meditation und Besinnung können mir helfen, mich besser zu fokussieren. Auch hier ist es Gottes Ordnung für mein Leben, die hilfreich ist.

Was ist noch nützlich: 

Spaziergänge: Hier kann man zur Ruhe kommen. Oft fließen meine Gedanken dann. Ich muss allerdings etwas dabei haben, um sie zu notieren.

Notizen machen, wenn der passende Gedanke kommt, anstatt zu einem festgelegten Zeitpunkt darüber zu brüten. Dafür hilfreich sind entweder digitale Geräte, wie eine Notizapp im Handy, ein einfacher, kleiner Notizblock mit Stift oder mein Bulletjournal.

Mindmaps helfen mir Gedanken und Ideen zu sortieren. Sie können aber auch ablenken und verwirren. Mit digitalen Mindmaps habe ich schon viel Zeit vertrödelt und meisten funzen sie nicht so, wie ich es gerade brauche. Deshalb gehe ich wieder dazu über, das Ganze analog zu machen. 

Vom Großen ins Kleine: Dampfe Ideen so lange ein, bis die Quintessenz übrig bleibt. 

Fragen stellen: Warum ist mir das wichtig. Was will ich eigentlich damit? Wen interessiert das? Worauf kommt es an?

Sicher gibt es noch viele andere Ideen, wie man sich selbst organisiert, um genug Ruhe, Zeit und Muße zu finden. Oder um selbstbewusster und weniger ängstlich zu sein. Oder wie man von einem Wust und dem Chaos im Kopf zu klaren Aussagen findet. Aber für heute soll es genug sein… Ich muss ja auch noch an meiner Prämisse arbeiten… und an den Charakteren, ganz zu schweigen von der Geschichte, die ich gerne wieder vorantreiben möchte… Ich weiß nicht mal, ob ich im Mai überhaupt irgendein produktives Wort an der Geschichte selbst verfasst habe. 

Deine Meinung und dein Kommentar zum Thema „auf den Punkt“ kommen würden mich sehr interessieren. Also nur keine Scheu, sagt mir, was ihr denkt! Welche Mittel und Wege nutzt ihr, um präzise zu formulieren?

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