Auf dem Weg zum Roman

Autor: Martina (Seite 1 von 3)

Roman-Tagebuch Teil 18

Die Zeit vergeht im Fluge. Schon wieder ist es (viel zu) lange her, dass ich einen Blogpost geschrieben habe. Mit Schrecken habe ich eben festgestellt, dass ein ganzer Monat seit meinem letzten Artikel vergangen ist. Schande über mich! ich gelobe Besserung. Aber irgendwie ist oft so wenig Tag und so viel zu tun… 

Was habe ich in dieser Zeit alles gemacht?

Abgesehen von Alltagsdingen, wie aufräumen,  fegen, Wäsche waschen und spülen habe ich mir sehr viel Zeit für meine Freundin genommen. Das war einfach wichtig.

Außerdem ist bei mir ein Medikamentenspiegel aus dem Ruder gelaufen, was zur Folge hatte, dass ich mich sehr schlapp und müde und unausgeglichen gefühlt habe. Zum Glück wurde die Ursache bei einem Routinecheck entdeckt und konnte behoben werden. Nun nehme ich eine höhere Dosierung und fühle mich schon wieder viel fitter. Sicherlich war das ein Grund, warum ich auch meine Schreibprojekte nicht mehr so gut im Griff hatte.

Und ich war anderweitig kreativ. Siehe das Bild oben, das innerhalb von zehn Tagen entstanden ist aus einer Kritzelei. Eigentlich wollte ich nur einige Kugelschreiber ausprobieren, ob sie funktionieren. Das Ergebnis könnt ihr oben sehen. Kreativität hat eben viele Seiten und bei mir ist es nicht immer nur schreiben!

Habe ich am Roman gearbeitet?

Mmh…. eigentlich wollte ich hier über den Namenstausch schreiben, habe aber gesehen, dass ich das schon im letzten Teil des Romantagebuches getan habe. Außer einigen Kleinigkeiten habe ich also in den letzten vier Wochen nicht ernsthaft an der Geschichte gebastelt. Das Leben und andere Dinge sind mir dazwischen gekommen. Das heißt aber nicht, dass ich mich gar nicht mit dem Schreiben beschäftigt habe. Es ging nur an der Romanidee nicht weiter.

Filterwörter zum Zweiten

Noch ein Satz zum Thema aus dem letzten Blogpost (siehe hier): nämlich zu den Filterwörtern. 

Ich habe darüber noch einmal eine ausführlichere Diskussion mit anderen Schreibern gehabt und bin letztendlich zu folgendem Schluss gekommen: Filterwörter ganz zu streichen ist auch nicht sinnvoll, manchmal gehören sie einfach in einen Text, aber eben nicht in jeden zweiten Satz. In der Diskussion wurde sehr deutlich, dass das ganze Ansichtssache ist und eine Stilfrage. Es mag modern sein auf Filterwörter ganz zu verzichten. Ob es immer sinnvoll ist, ist eine andere Sache. Ich habe nun für mich beschlossen, dass ich Filterwörter dezent, aber doch einsetzen werde, immer da, wo es anders nur schwer möglich ist. Unbenommen bleibt natürlich, dass man Dinge immer besser zeigt als nur erzählt. Und dass die Reaktion einer Person natürlich anschaulicher ist, als eine lange Beschreibung dessen, was sie sieht, hört, fühlt, riecht und denkt. Aber auch die Beschreibung hat ihre Berechtigung. Alles zu seiner Zeit und mit Augenmaß.

Ansonsten habe ich in den letzten Wochen an anderen Baustellen gearbeitet. 

Baustelle 1

Schon an Silvester 20/21 habe ich mit meiner Familie ein Krimi-Dinner-Spiel gespielt. Ich hatte mir mehrere mittelalterliches Krimi-Dinner-Spiele für zu Hause zum Selbermachen bestellt. Es kamen  zwei gut ausgearbeitete Boxen mit Tischkarten und Rollenbeschreibungen und und und…und ein Büchlein mit einer Geschichte und einem Vorschlag für eine Art Krimirallye ala Schnitzeljagd. Das letzte war so gar nicht für meine Zwecke geeignet. Die andere beiden waren keine schlechten Vorlagen, aber das eine zu anzüglich und das andere zu albern. Es passte nicht so Recht für mich und meine Gelegenheit. Ich habe mich jedenfalls entschieden, keines davon, so wie es war, zu benutzen. Ich hab mir den Fall und alle Rollenbeschreibungen und Hinweise etc. angeguckt und dann hab ich angefangen zu basteln: Ich habe eigene Charaktere erfunden bzw. zum Teil aus meinem Rollenspiel übernommen, habe eigene Vorgeschichten erfunden und Motive zum Teil ganz neu verfasst oder aus der Vorlage umgemodelt. Den Fall aber habe ich vom zeitlichen Ablauf und der Tatwaffe aus der Vorlage übernommen und nur teilweise angepasst, mit eigenen Einschüben und eigenen Varianten. Für jeden Charakter gibt es eine Einladung, eine Rollenbeschreibung und Hinweise. Es gab auch Charaktere, die nicht aktiv gespielt wurden…. An Silvester haben wir das Ganze dann als Familie ausprobiert und gespielt. 

Das hat schon viel Spaß gemacht, allerdings war der Aufwand für ein einmaliges Vergnügen recht hoch.

Nun habe ich meinen Kollegen angeboten, das Ganze noch einmal mit ihnen zu spielen und sie haben zugesagt. Im August werden wir also ein mittelalterliches Krimi-Dinner haben. Da es aber mehr Kollegen als Familienmitglieder sind, muss ich manche Rollen so umschreiben, dass sie ein aktiver Spieler spielen kann. Außerdem hatte meine Familie kleine Verbesserungsvorschläge, die ich noch eingebaut habe.

Auch wenn das nach wenig klingt, war der Aufwand, das Krimi-DInner für meine Kollegen anzupassen doch erheblich.  Ich habe sicher eine Woche lang jeden Tag mehrer Stunden daran gesessen. Und noch ist es nicht ganz fertig.

Tja und dann Baustelle 2 

Meine Chefin aus dem Kindergarten hatte eine  Auftragsarbeit für mich. Ich sollte ein Theaterstück/Anspiel für den Schulanfängergottesdienst schreiben. Natürlich möglichst schon gestern fertig, aber spätestens in zehn Tagen. Denn die Kollegen brauchen ja noch Zeit zum Üben. Und die Aufführung ist am schon bald. 

Die Aufgabe war ganz schön anspruchsvoll. Es muss für Kinder und Erwachsene ansprechend sein. Leicht verständlich, aber dennoch mit einer Botschaft. Es gab schon eine Ideensammlung und ziemlich konkrete Vorstellungen.

Die ersten Tage war ich vernagelt und hatte auch nur wenig Zeit. Ab und an ein grober Gedanke, mehr war nicht drin. Am Montag nach Auftragsannahme bin ich sehr früh aufgestanden und hab mich konzentriert an das Stück gesetzt. Ergebnis: Innerhalb von zwei Stunden stand der Text. Ich habe ihn noch jemanden zum Probelesen geschickt und dann meiner Chefin. Die war absolut begeistert, was mir sehr gut getan hat. Und damit habe ich es geschafft, rechtzeitig und zufriedenstellend zu liefern. Und meine Kollegen haben genügend Zeit zum Proben. Im Hinterkopf schwebte mir die Idee, ob man das nicht als Kinderbuch bei einem Verlag einreichen könnte. Dazu bräuchte ich dann noch die passenden Bilder.

Ich bin sehr gespannt auf die Aufführung. Die Kollegen haben schon passende Stabfiguren gebastelt. Sie müssen nur noch angemalt werden.

Heute habe ich eine Vertretung übernommen und dann meine Chefin angesprochen, ob man aus dem Text nicht vielleicht ein Bilderbuch machen könnte. Sie war Feuer und Flamme und hatte gleich Ideen für die Umsetzung. Vielleicht… kann ich dann bald von meinem ersten Buch berichten. Mal sehen, was daraus wird.

Und wie geht es mit dem Roman weiter?

Dafür finde ich hoffentlich demnächst wieder mehr Zeit und Muße. Mit der Überarbeitung bin ich fast fertig, nun muss es vorwärts gehen. Gerade bin ich allerdings nicht inspiriert… seufz. Ich muss den Dreh wieder finden. 

Ich nehme mir mal vor, morgen wieder früh aufzustehen und mich gedanklich wieder mit dem Roman zu beschäftigen.

Und diesmal nehme ich mir vor bis zum nächsten Artikel auf dieser Seite nicht so viel Zeit verstreichen zu lassen.

Über Kommentare und Anregungen würde ich mich sehr freuen.

Roman-Tagebuch Teil 17

Neue Szenen und Beschreibungen

Es geht vorwärts. Endlich wieder. Das habe ich ja schon berichtet!

In der letzten Woche sind zwei Szenen entstanden, wo vorher nur ein knapper Satz darauf hindeutete, dass dort noch etwas fehlte, mehr als 2500 Worte wurden neu geschrieben und noch mehr Text verbessert. Ich habe mir die Zeit genommen, mich mit Beschreibungen auseinanderzusetzen und Worte zu finden, die den Leser mit hinein nehmen in die Hauptstadt meines Landes. Außerdem habe ich meine Hauptfigur in einen Badezuber steigen lassen… auch hier war es entscheidend, Atmosphäre zu kreieren, zu beschreiben…warum das wichtig ist, liest du vielleicht irgendwann in meinem Roman. 

Erstaunlicherweise waren es zwei eher „langweilige“ Szenen, die mich wieder hineingezogen haben in die Geschichte. Da passiert keine Action, es ist nichts, was die Geschichte voran treibt, keine tiefschürfenden Erkenntnisse oder Gefühle werden gewälzt, niemand kämpft oder stirbt, leidet oder siegt…. Es geht keinen Schritt voran… niemand trifft weitreichende Entscheidungen oder verliert sich in Trauer, Wut oder maßloser Eifersucht. Was macht diese Szenen dennoch so besonders, dass sie einen solchen Sog auf mich ausgeübt haben, dass ich mir jetzt gut vorstellen kann, voran zu schreiben? Wieso faszienieren sie mich so, begeistern mich geradezu?

Weil sie Atmosphäre schaffen. Weil sie meine Welt lebendig gemacht haben. Weil ich plötzlich ganz nah bei meiner Figur war. Weil ich gesehen, gehört und gerochen habe, wie es dort aussieht, wo ich meinen Helden hingeschickt habe. Ich habe dort mit ihm gestanden. Auf die Stadt geblickt. Gefühlt und erlebt wie es in den Straßen dieser Hauptstadt zugeht …seine Perspektive eingenommen. Und damit bin ich ihm nah gekommen, konnte ihn verstehen, seine Beweggründe, seine Gedanken  … 

Und ich habe gemerkt, wie lieb ich diesen Charakter gewonnen habe, wie wichtig er mir ist … und wie sehr ich mit ihm mitleide …

Zum Thema Beschreibungen habe ich noch einen Extra-Artikel verlasst, den du hier lesen kannst: https://kreative-schreiberei.de/wie-schreibt-man-gute-beschreibungen/

Ansonsten kann ich noch berichten, dass ich schon wieder auf Namenssuche war. Namen sind wichtig, das habe ich schon an anderer Stelle gesagt (den Artikel findest du hier). Sie müssen passen: Zur Figur, zu ihrer Rolle, zur Geschichte, aber auch zueinander. Jetzt hat jemand festgestellt, dass eine Figur so ähnlich heißt, wie die in meiner Herrscherfamilie gängigen Namen. Und dass das erstens verwirrend und zweitens unpassend ist. Man kann ihn dann schlecht vom König unterscheiden, es könnte sogar zu Verwechslungen kommen und es setzt die „Einmaligkeit“ der Herrschernamen herab, bzw. stört die Zusammengehörigkeit innerhalb der Dynastie, wenn ein Außenstehender den gleichen Wortstamm im Namen hat.

Also musste ein neuer Name her! Eine Schwierigkeit, wenn man schon hundert Seiten verfasst und sich an den Namen gewöhnt hat. Für mich prägen Namen das Bild der Person, deshalb sind sie so wichtig, und es ist schwer, sie zu ersetzen.

Ich hab also wieder Namensgeneratoren und Vornamenlisten gewälzt.  Diesmal wurde ich hier fündig: https://www.familienbande24.de/vornamen/laender/altdeutsche,vornamen/jungs_index.html

Von etwa 8 Namen, die überhaupt in Frage kamen, habe ich das ganze auf 3 Namen zusammengedampft. Und dann habe ich es im Text ausprobiert. Wie sieht das Schriftbild aus? Wie klingt es? Ist der Name hart genug für einen Mittelklassebösewicht? Kann man ihn gut rufen? Passt er zu meiner Vorstellung der Figur? Ist die Bedeutung angemessen?

Ein Name hat sich herauskristallisiert. Und nun muss ich den im ganzen Text suchen und ersetzen. Seufz. Eine elende Arbeit. Trotz der „Suchen-und-ersetzen-Funktion“ des Programms eine lästige Sache.

Ihr wüsstet nun gern, welchen ich ausgesucht habe? 

Staatsgeheimnis! Das verrate ich nicht… Beinahe hätte ich eine Abstimmung gemacht, um eure Meinung zu hören. Aber ganz ehrlich: Bei Namen bin ich zu eigen, der muss für mich passen, da kann ich keine Wahl veranstalten! 

Und außerdem soll es ein Geheimnis bleiben, bis das Buch hoffentlich erscheint. Irgendwie habe ich da Angst, mir könnte jemand den Namen klauen… das ist sicher albern, aber irgendeinen Tick muss ich als Autor ja haben!! *Zwinker*

Für heute habe ich nicht mehr zu berichten. Ich wünsche allen eine gute Woche und freue mich über Eure Kommentare.

Wie schreibt man gute Beschreibungen?

Wozu überhaupt Beschreibungen?

Beschreibungen schaffen Atmosphäre. Sie sorgen dafür, dass man hineinschlüpfen kann in Situationen, dass man sich Szenen bildlich vorstellen kann, dass man der Hauptfigur nahe kommen, sie sehen kann.  Um den berühmten Film im Kopf anzustoßen, braucht es Beschreibungen. Ein Autor malt Bilder mit Worten, lässt fremde Welten entstehen, entführt uns in seine Fantasie. Ohne Beschreibungen bliebe ein Roman kalt und nackt. Hohl. Tot. Unansehnlich. 

Beschreibungen sind das Salz in der Suppe. Damit man schmecken und riechen kann, wie es ist, dort zu sein, wo der Roman spielt. Sinnesempfindungen können unseren Vorstellungen auf die Beine helfen. Was sieht die Hauptfigur? Was hört sie? Was riecht sie? Was schmeckt sie? Was für Empfindungen streifen ihre Haut? Und zu guterletzt kann man auch Gefühle beschreiben: Trauer, Wut, Freude!

Ich sehe was, was du nicht siehst! Was kann man alles sehen?

Die Sache mit dem Sehen fällt mir meistens noch leicht. Ich bin ein Augenmensch! Visuelles ist mir nah. Also beschreibe ich, was vor Augen ist. Wie sieht es dort aus, welche Gegenstände sind im Raum, welche Personen? Welche Kleidung, Frisuren tragen sie? Welche Farben herrschen vor? Gibt es etwas, woran das Auge hängen bleibt? Was dominiert die Szene? Auch Details sind wichtig. Ist das Holz des Tisches blank gescheuert?  Oder ist es frisch lackiert? Oder gelaugt und geölt? Stehen Blumen auf dem Tisch oder steht dreckiges Geschirr herum? 

Ohren auf! Was kannst du hören?

Tja das ist schon schwieriger, Welche Geräusche bilden den Soundtrack zu meiner Szene? Da muss ich mich immer erinnern, dass auch dass dazu gehört, um einen Film im Kopf zu produzieren. Lautlos ist es selten. Da zwitschern Vögel, man hört vielleicht Autos oder das Knirschen von Sand und Kies unter Stiefeltritten, jemand ruft, Kindern spielen und Streiten lauthals, Pferdehufe stampfen und das Tier schnaubt oder, oder, oder… Manchmal sind es nur leise Töne. Sie  in der Beschreibung zu vergessen oder zu vernachlässigen, beraubt uns aber einer ganz wesentlichen Erfahrung. Immerhin ist es ja so, dass wir selbst im Schlaf das Hören nicht abstellen können und manche wachen vom kleinsten Geräusch auf.

Nase zu! Wonach riecht es hier?

Oh weia, da bin ich richtig schlecht. Zum Glück habe ich eine Freundin, der das sehr wichtig ist und die mich daran erinnert, dass Szenen einen eigenen Geruch haben können. Dass Gerüche auch Erinnerungen wecken können an Vergangenes, an Kindheit, Vertrautheit, Liebe. Duftet es nach Rosen oder Lavendel, stinkt der Müllhaufen zum Himmel? Oder liegt ein feiner Weihnachtduft nach Zimt und gebratenen Äpfeln in der Luft? Gerüche zu beschreiben fordert Feingefühl, es gibt soviele Nuancen, Abstufungen und manchmal ist es richtig schwer, herauszufinden, wie etwas duftet. So habe ich erst gestern ein Gespräch mit einer Autorin gehabt, die sich gefragt hat, wonach Tomaten riechen. Bei der Recherche kam heraus, eigentlich duftet hauptsächlich der grüne Stielansatz oder natürlich duftet es, wenn man sie zermanscht, aber die heile Tomate ohne Grünzeug dran hat fast keinen Eigengeruch… wozu solche Überlegungen gut sind? Damit Beschreibungen stimmig werden und wir nicht die Nase rümpfen und sagen, das kann man doch gar nicht riechen.

Kannst du schmecken, wie wunderbar lecker es ist?

Ähnlich wie riechen kommt dieser Sinn bei Beschreibungen manchmal zu kurz. Ich finde es dennoch enorm wichtig und zwar nicht nur, wenn die erzählende Person gerade ein Brötchen isst. Manchmal beißt man sich auf die Zunge und schmeckt Blut, wenn man aufwacht, hat man oftmal einen unangenehmen Geschmack im Mund, wie kann man den bloß beschreiben? Oder die Zahnpasta gibt uns mit ihrem Minzgeschmack einen Frischekick, manchmal kann sogar der Staub in einer alten Bibliothek einen schalen Geschmack im Mund erzeugen… 

Was fühlst du, wenn ich dich berühre?

Die Haut ist ein empfindliches Sinnesorgan und auch sie gibt uns wesentliche Hinweise, wie der Ort beschaffen ist, an dem wir uns befinden. Der Tisch von vorhin, ist er glatt poliert oder rissig, spröde, kann man sich Holzspriesen in den Finger ziehen, wenn man darüber streicht? Lässt Kälte eine Gänsehaut entstehen? Oder schwitze ich, dass es mir den Schweiß aus allen Poren drückt? Ist mein Sitzplatz weich gepolstert oder harter Stein? Kann ich mich stechen, wenn ich die Hecke schneide oder sind die Blätter samtig weich? Eine sanfte Berührung kann ich ebenso fühlen, wie den Wind auf meinem Gesicht oder die angenehme Wärme einer Frühlingssonne! Das spüren über die Haut gibt weitere wesentliche Anhaltspunkte, wie es meinem Protagonisten geht, wie er sich fühlt. 

Und was ist mit Gefühlen?

Auch Gefühle kann man beschreiben. Für meine Geschichten ist das immer sehr wichtig. Ich mag erzählen, wie ein Charakter durch innere Kämpfe und Gefühle wächst, wie er sich verändert, ein „neuer“ Mensch wird. Dazu braucht es natürlich Gefühle und Gedanken, die man auch beschreiben kann. Ist es Trauer, Wut, Freude, die er empfindet, wie fühlt sich das in seinem Inneren an? Welche Farben hat das Gefühl? Welchen Geschmack hinterlässt es? Und schon wieder bin ich bei den anderen Sinnesempfindungen, die mir Anhaltspunkte für innere Beschreibungen bieten.

Wieviel Beschreibung verträgt eine Geschichte? Oder was macht Beschreibungen so schwierig?

Nun, das Wieviel hängt von der Geschichte ab, von dem, was ich erzählen will. Zuviel ist genauso schädlich wie zu wenig.

Wenn es um die Entwicklung meiner Protagonisten geht, wenn  die Geschichte ihre Entwicklung nachzeichnet, brauche ich mehr Beschreibungen. Ich muss erklären, zeigen wie und warum sie sich entwickeln, was sie prägt und beeinflusst. 

Wenn eine Geschichte mehr handlungsorientiert ist, braucht es in geringerem Maße innere Monologe und Beschreibungen von Gefühlswelten, aber Beschreibungen von Schauplätzen haben dennoch ihren Platz. Ohne kommt fast keine Erzählung aus.

Beschreibungen brauchen Vorstellungskraft und Fantasie. Und Liebe zum Detail. Und den Mut sich zu fokussieren. Herauszufiltern, was ist wesentlich, was nicht. Beschreibe ich einen bekannten Ort, brauche ich weniger Worte, als wenn ich eine ganz neue Welt erschaffe und die Leser dorthinein entführen will. Egal ob Sciencefiction oder historischer Roman oder Fantasy-Abenteuer, Welten, die dem Leser unbekannt sind, brauchen ausführlichere Beschreibungen. 

Spielt die Geschichte dagegen in Berlin, Köln oder Hamburg zu unserer heutigen Zeit, kann ich mir Autos, Straßen und Häuser relativ leicht vorstellen und brauche nur die ganz spezifischen Details, selbst wenn ich noch nie in diesen Städten gewesen bin. Dagegen können die Flugobjekte in einem Scifi- Abenteuer sehr speziell sein. Ich muss sie beschreiben, damit der Leser sie vor sich sieht. Das heißt ein Autor muss wissen, was seine Leser wissen können, er muss sich hineinfühlen in seine Leserschaft, muss ein Gespür haben, was notwendige Informationen sind und was man auch weglassen kann, weil es eine Szene überfrachten würde.

Ich tendiere oft eher dazu, zu wenig zu beschreiben, weil in meinem Kopf sind die Bilder ja vorhanden, dabei vergesse ich, dass der Leser nicht automatisch in meinem Kopf ist, dass ich also mehr sagen muss, als ich für nötig halte.

Andererseits sind zu langatmige Beschreibungen langweilig und ermüdend und ich kenne sogar Leute, die dann einfach weiterblättern, weil es sie nicht interessiert. Da ich auf keinen Fall möchte, dass meine Leser meine Worte nicht lesen, muss ich mich also so kurz fassen wie möglich, aber auch so lang wie nötig. Und das ist die Kunst.

Und wie beschreibe ich jetzt?

In dem ich ein Bild male, zeige, was zu sehen, zu fühlen ist. Möglichst direkt und ohne sogenannte Filterwörter. Show, don’t tell. 

Filterwörter, was ist das nun wieder?

Bis vor Kurzem wusste ich auch noch nichts von der Existenz von Filterwörtern. Beziehungsweise, ich hatte den Begriff so noch nie gehört. Doch dann stieß ich auf zwei Artikel, die sich sehr gut damit befassen und umfassend erklären, worum es geht. (Die Links findest du am Ende meines Artikels)

Was genau sind Filterwörter und was machen sie? 

Filterwörter sind solche, die eine Distanz zu deiner Figur schaffen. Sehen, Schmecken, fühlen  und noch etliche andere fallen darunter. 

Aber du hast doch gerade oben gesagt, man soll beschreiben, was man sieht und hört und über Sinneseindrücke wahrnimmt? Ja. Aber nicht, in dem man diese Worte zu häufig im Text verwendet. Ab und zu kann man sie einstreuen, aber sehr dezent und an die jeweilige Situation angepasst. Besser ist es, die Dinge direkt zu sagen oder eben Handlungen und Reaktionen zu umschreiben. Welche Worte man eher meiden sollte und wie das aussehen kann, kannst du in den Artikeln nachlesen, die ich am Ende meines Blogposts verlinke.

Hier ein paar Beispiele. Ich markiere die Filterwörter kursiv.

Also statt: Er fühlte sich unwohl. Es schmeckte unangenehm nach Galle und er spürte Übelkeit aufsteigen. Hoffentlich musste er sich nicht übergeben.

Besser: Tom schnaufte. Gallebittere Spucke lief ihm im Mund zusammen. Er krümmte sich, eine Hand auf den Bauch gepresst. Schweiß brach ihm aus. Jetzt nur nicht übergeben!

Oder: Karina stand und sah die Straße entlang. Sie wartete auf den Schulbus. Jetzt konnte sie ihn schon hören, wie er laut rumpelnd und keuchend um die letzte Ecke bog. Sie freute sich auf die Schule, weil sie dann Tom begegnete. Sie fühlte sich zu ihm hingezogen. Sie stieg in den Bus. „Darf ich mich neben dich setzen?“, fragte sie. Sie sah Tom nicken und rutschte neben ihn.

Stattdessen könnte es auch so aussehen: Karina trippelte unruhig auf und ab. Die Straße lag leer und verlassen. Immer noch nichts. Wann kam er endlich? Sie schnaufte. Wenig später bog der Schulbus rumpelnd und keuchend um die Ecke. Ihr Herz machte einen Satz. Dort saß Tom. Hitze stieg ihr in die Wangen und sie senkte schnell den Kopf. Für Augenblicke verengte sich ihre Kehle, dann fing sie sich und stieg in den Bus. „Darf ich mich neben dich setzen?“ Tom nickte und sie rutschte neben ihn.

Es geht also darum, die Erfahrungen unmittelbarer zu beschreiben. Mach es so nah wie möglich, es sei denn, du willst die Distanz zu deiner Figur. Die Art und Weise, wie du Filterworte verwendest, ändert die Perspektive. Guckst du deiner Hauptfigur als außenstehender Beobachter zu, wie sie etwas tut oder fühlt oder bist du so nah bei ihr, dass Ihre Empfindungen deine werden, Ihr Blick das ist, was du siehst?

Statt: Sie stand auf dem Hügel und sah den Adler am Himmel über sich.

Eher: Sie stand auf dem Hügel. Der Himmel spannte sich weit. Ein Adler zog dort seine Kreise.

Statt: Das Meer roch unangenehm modrig nach Algen und Fisch.

Lieber: Sie rümpfte die Nase. Vom Meer her stank es modrig nach Algen und Fisch. 

Statt: Sie mochte ihr Brötchen. Es schmeckte nach Käse und Tomaten

Besser: Mhh. Lecker. Käse und Tomaten auf Brötchen. Sie liebte es.

Statt: Kurt fühlte sich unsicher, als er auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch war.

Könnte man es so sagen: Kurt biss sich auf die Lippen. Die Aktentasche wurde immer schwerer und seine Knie weicher. Wenn er es doch nur schon hinter sich hätte, dieses vermaledeite Vorstellungsgespräch.

Statt: Lina hörte die Glocken der großen Kathedrale. Es war schon spät.

Heißt es dann: Die Glocke der Kathedrale dröhnte über den Marktplatz. Lina zuckte zusammen. Es war schon spät.

Ausführliche Artikel findest du hier: https://mynextself.com/filterwoerter/

und hier

Roman-Tagebuch Teil 16

Geht es mit dem Roman voran?

Wochenlang musste ich berichten, dass sich nichts, aber auch gar nichts an meinem Roman-Projekt getan hat! Einen ganzen Monat lang habe ich kein (oder fast kein) Wort zu meiner Geschichte hinzugefügt. Es lag brach. Wie ödes Land verwaist. Wie ein Schiff auf Sand gelaufen. Kein Fortschritt. Ebbe. Nada. Niente. Rien. 

Seit etwa anderthalb Wochen jedoch ist etwas im Gange. Ödes Land wird bewässert. Blumen sprießen. 

Die Flut kehrt zurück. Das Schiff wird flott gemacht.

Zuerst noch langsam, dann immer schneller und mächtiger kommt etwas ins Rollen und meine Gedanken sprießen wie die Blumen. Ein neuer Wind weht und bläht meine Segel…. Aufbruchsstimmung. Neue Hoffnung, wo ich schon dachte, ich könnte die ganze Sache beerdigen.

Was genau passiert da? Womit beschäftige ich mich?

Rein äußerlich sieht man (noch) nicht viel. Es sind keine neuen Kapitel entstanden, keine neue Line, kein neuer Handlungsstrang. Nichts Bahnbrechendes. Vor drei Tagen hätte ich gar noch sagen müssen, nicht ein Wort, eine Szene ist hinzugefügt oder verändert worden. Es sah immer noch nach Stillstand aus. Und dennoch bewegte sich schon da ein laues Lüftchen durch mein Denken.

Angeregt durch meinen Schreibkurs habe ich mich daran gemacht, Dinge zu erfinden, die meine Welt lebendiger machen sollen. Zu meiner Welt gehören nicht nur Länder, Berge und Ebenen, Flüsse und Seen, Städte und Burgen. In diesen Ländern gibt es Pflanzen und Tiere, Völker unterschiedlicher Art.  Und damit es anschaulich und spannend wird, braucht es neue Pflanzen, ungewöhnliche Tiere, Eigenheiten von Volksgruppen. Und deshalb erfinde ich welche. Ich erfinde Pflanzennamen. Heilpflanzen, Nutzpflanzen, Bäume, Gräser…Tiere sollen folgen. Kultur und Merkmale von Völkern.

Wie mache ich das?

Ich habe eine Seite, auf der man sich Pflanzennamen generieren lassen kann. Leider klingen die alle englisch. Erstaunlicherweise aber hört man, dass es Pflanzennamen und nicht Berg- oder Seenamen, Tier- oder Drachennamen sind. 

Was macht es aus, dass man diese Namen als Pflanzennamen erkennt? 

Das habe ich mich gefragt und festgestellt, dass es gewisse Endungen oder Zusätze sind, die diese Worte als Pflanzennamen kennzeichnen. Daraufhin habe ich ein deutsches Heilkräuterlexikon durchgeblättert und mir gängige Endungen und besondere Zusätze notiert. Diese habe ich dann wild und mit viel Phantasie kombiniert. Und voila es kamen sehr passable Pflanzennamen dabei heraus. Diesmal deutsche! Und ich bin gleichzeitig darüber gestolpert, wie vielfältig und wunderbar unsere Pflanzenwelt ist und welche merkwürdigen Kombinationen es tatsächlich gibt, obwohl ich dachte, ich hätte sie mir gerade ausgedacht…

Ich verrate hier nicht mehr… Wer wissen will, wie meine Pflanzen heißen, aussehen, riechen oder wirken, muss warten bis mein Buch fertig und veröffentlicht ist!

Über die Pflanzen kam ich ins Fabulieren. Zugleich wurde mir bewusst, dass meine Hauptperson in den ersten Kapiteln viel zu nett war. Seine Charakterbeschreibung, in der er einen gewissen Standesdünkel und eine Arroganz aufweist, passte nicht überein, mit dem, was ich geschrieben hatte. Er war zu freundlich zu anderen, die gesellschaftlich unter ihm standen. Zu umgänglich. Da war keine Entwicklungsspanne gegeben, nichts, was sich noch hätte zum Besseren wenden können. 

Und so entstand der Gedanke, dass ich das, was da steht, noch einmal überarbeiten müsse, ehe ich weiter voran schreibe. Außerdem musste sich etwas in den Dialogen ändern. Nicht nur die Arroganz des Helden, auch der niedere Stand anderer musste sich irgendwie wiederspiegeln. In ihrer Sprache. In ihren Worten, ihrem Dialekt. Also begann ich vor drei Tagen, meine Kapitel genau daraufhin zu überarbeiten. Arroganz und Überheblichkeit einzubauen in Worten und Gedanken, in Handlungen… und Dialekte zu verwenden, um die Herkunft meiner Personen deutlicher zu machen.

Gestern und heute ist aus dem Überarbeiten eine ganz neue Szene entstanden. Es geht voran. Wenn auch noch innerhalb dessen, was da schon stand, aber dennoch. Ich merke, wie Gedanken wieder fließen, wie neue Ideen sprudeln. Wie aus dem, was ich tue etwas Neues erwächst. Das Schiff nimmt wieder Fahrt auf. Und der Wind pustet kräftig.

Seit gestern nutze ich eine weitere Inspirations- und Motivationsquelle. Ich treffe mich mit anderen Autorinnen in einem Videochat, man bespricht kurz, was man plant und schreibt dann eine Zeit, um sich im Anschluss auszutauschen, wie es funktioniert hat. 

Das hilft ungemein, um fokussiert zu arbeiten.

Neues, altes Schreibprogramm!

Und noch etwas ist passiert. Ich habe – mal wieder – mein Schreibprogramm gewechselt. Dazu muss man wissen, ich habe sicher schon zwei Jahre Scrivener 3 für Mac genutzt und habe in diesem Jahr, kurz nachdem das Programm für Windows erschienen ist auch Scrivener 3 für Windows heruntergeladen. Ich mag Scrivener. Ich kann mich gut organisieren mit diesem Programm. Dennoch fehlt mir etwas. Und dieses Etwas glaubte ich in dem Konkurrenzprogramm Papyrus Author gefunden zu haben. Papyrus Author hat viele verlockende Funktionen. So hat es einen Dudenkorrektor. Und ist damit in Sachen Rechtschreibkorrektur sicher ungeschlagen. Außerdem bietet es eine Stil- und Lesbarkeitsanalyse und man kann Charakterkarten anlegen, die man direkt aus demText verlinken kann. Es gibt viele gute Gründe für Papyrus Author. Und ich habe sie alle ausprobiert und genossen… aber ein Problem habe ich mit dem Programm… ich bin dort nicht so organisiert wie in Scrivener. Die Struktur erschließt sich mir nicht so, es ist ein langer Fließtext, den ich zwar irgendwie mit Kapiteln und Szenenüberschriften zerlegen kann, aber irgendwie ist mir Scrivener da sympathischer. Und manches, was ich in Scrivener liebgewonnen hab, finde ich in Papyrus nicht wieder… entweder weil ich zu blöd bin, es zu finden oder weil es schlicht nicht vorhanden ist.

Die ersten Hundert Seiten habe ich begeistert in Papyrus geschrieben, aber als ich jetzt hängen geblieben bin und mir klar wurde, dass ich Dinge grundlegend überarbeiten muss, bin ich zu Scrivener zurück gekehrt. Habe alles von Hand übertragen und arbeite nun mit Scrivener 3 für Windows. In Scrivener habe ich jede Szene quasi in einem eigenen Dokument. Ich kann diese Dokumente leicht untereinander verschieben. Ich kann Schnappschüsse von einzelnen Dokumenten machen, diese dann bearbeiten, wieder einen Schnappschuss machen, wieder bearbeiten so oft ich will und diese Schnappschüsse dann miteinander vergleichen und mich für die Variante des Textes entscheiden, die mir am besten gefällt, ohne Angst haben zu müssen, dass mir die Idee aus dem ersten Schnappschuss abhanden kommt.

Das ist überarbeiten mit doppeltem Boden … ich kann jederzeit zu Variante 1, 2 oder 3 zurückspringen. Und zwar  für jede winzige Szene einzeln und unabhängig von den andere Sequenzen. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich meinen Text auch nochmal ganz verwerfen und neu Schreiben kann, dass ich nicht nur einzelne Worte, sondern ganze Stimmungen ändern kann. Und wenn es mir nicht gefällt, drücke ich sozusagen den Resetknopf. Ohne das für das gesamte Dokument zu tun!

Wenn ich dann dahin komme, dass ich den Text mit Dudenkorrektor überarbeiten will, werde ich wohl zu Papyrus zurück kehren, aber bis dahin bin ich bei Scrivener gut aufgehoben.

Wer mehr über scrivener erfahren will, findet hier gute Informationen: https://www.knowhowlounge.de

Auf Youtube findet man auch ein verständliches Video von Gian dazu, wie man in Scrivener schreibt und in Papyrus korrigiert. 

Zusammenfassung: Was ich geschafft habe! 

  • Neue Pflanzennamen und ein funktionierendes System um beliebig viele weitere  Pflanzen zu erfinden.
  • Überarbeitung entscheidender Dialoge bezüglich Stimmung und Charaktereigenschaften
  • Einbau von Dialekt in meine Dialoge 
  • Meinen Protagonisten zu Beginn etwas unsympathischer zu machen
  • Eine neue Szene erfinden
  • Schwung gewinnen 
  • Motivation zum Weitermachen finden
  • Neue Ideen für neue Szenen entwickeln

Ich finde, das ist eine ganze Menge und mit Sicherheit ein Grund zu feiern. Jubel! Ich glaube jetzt daran, dass es weiter gehen kann und wird. Dass ich nicht heillos feststecke, sondern dass ich kreativ genug bin, neue Wege zu finden. Mein Roman wächst weiter. Lass dich überraschen, was ich beim nächsten Mal berichten kann!

Bis dahin, hinterlass mir doch deinen Kommentar. Ich bin neugierig auf deine Meinung.

Roman-Tagebuch Teil 15

„Nun komm doch mal auf den Punkt!“

Kennst du das auch? 

Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schafft man es nicht, seinem Gegenüber zu vermitteln, worum es eigentlich geht.  Was ist der springende Punkt, das hüpfende Komma?* (Zitat: Heinz Erhard) Worauf kommt es wirklich an? Was ist die Quintessenz? Der Kern des Ganzen… oder anders ausgedrückt: Was will ich eigentlich damit sagen? 

Ich habe festgestellt, dass ich damit erhebliche Probleme habe. In letzter Zeit gab es zwei Stellen, an denen das wichtig gewesen wäre: Zum einen wollte ich (und sollte es in meinem Schreibkurs auch) eine Prämisse für meinen Roman finden, also eine übergeordnete Aussage, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Zum zweiten habe ich an meinen Charakteren gearbeitet und auch dabei gemerkt, wie schwer es mir oft fällt, prägnant zu sein und nicht zu viel auf einmal zu wollen. Ich kann drumrumlabern was das Zeug hält, ellenlange Passagen erzählen, beschreiben, ausmalen, fabulieren und dichten, bis sich die Balken biegen, aber präzise auf den Punkt kommen, fällt mir ungeheuer schwer. 

Warum eigentlich?

  • Punkt eins: Vielleicht habe ich gar nichts zu sagen?
  • Punkt zwei: Alles, was ich zu sagen habe, ist gleich wichtig. Deshalb kann ich mich nicht entschieden, was das Wichtigste ist?
  • Punkt drei: Es gibt zu viel zu sagen und ich bin einfach eine Labertasche?
  • Punkt vier: Ich habe Angst, dass das, was ich zu sagen habe, niemanden interessieren könnte und verschleiere es darum mit vielen unnützen Worten.
  • Punkt fünf: Meine Gedanken sind ein einziges Chaos. Deshalb finde ich selbst keine Klarheit und der springende Punkt hüpft mir davon.
  • Punkt sechs: Ruhe und Muße fehlen. In der Hektik des Alltags komme ich nicht zu der Ruhe, die man benötigt, um klare Gedanken zu formulieren.
  • Punkt sieben: Alltagssorgen und Nöte lenken mich ab.
  • Punkt acht: Müdigkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit.
  • Punkt neun: Andere Aufgaben warten und drängeln, scheinen wichtiger.
  • Punkt zehn: Meine Arbeitsumgebung ist unaufgeräumt oder bietet zu viele Ablenkungen. 

Was trifft nun auf mich zu?

Punkt eins: Ich habe gar nichts zu sagen! Ich glaube, das trifft auf mich nicht oder nur selten zu. Ich habe zu vielen Dingen eine Meinung und manchen Leuten haue ich sie auch um die Ohren. Manchmal scheint es aber so, als hätte ich nichts zu sagen. Warum? Dann fehlt mir der Mut, zu dem zu stehen, was ich denke und meine. Ich erachte meine eigenen Gedanken nicht als wertvoll genug, um gehört zu werden. Hier muss ich selbstbewusster werden. Ich habe etwas zu sagen. Und ich kann und darf dazu stehen.

Punkt zwei: Zu viel zu sagen, alles wichtig, wie soll ich entscheiden? Da finde ich mich wieder. Für mich sind viele Dinge auf der gleichen Ebene, stehen nebeneinander, sind gleich wichtig. Und Entscheidungen, egal welcher Art, fallen mir ungeheuer schwer. Selbst wenn ich nur aussuchen soll, was ich in einem Restaurant für mich zum Essen bestellen soll, gerate ich ins Schwitzen. Ich frage dann die anderen, folge Entscheidungen, die andere treffen, habe Angst falsch zu entscheiden….Da spielt eine große Unsicherheit mit hinein und das Gefühl, wenn ich mich „falsch“ entscheide, geht die Welt unter… dabei kann man viele Entschiedungen und Meinungen ja revidieren. (Natürlich nicht alle und manchmal hat eine Fehlentscheidung fatale Folgen) Entscheidungen zu fällen und damit eine Auswahl zu treffen und dazu zu stehen, hat wieder etwas mit Selbstbewusstsein zu tun. 

Punkt drei: Ja, es gibt zu viel zu sagen. Es gibt so viele Dinge, die ich gerne erzählen, zu denen ich meine Meinung sagen will. Und Ja, ich kann labern. Und will es auch manchmal. Und oftmals mache ich mehr Worte als nötig. Aber es gab auch Zeiten in meinem Leben, da habe ich kein Wort heraus gebracht. Schwierig ist, genau das richtige Maß zu finden. Und eine Quintessenz ist eben sehr komprimiert, sprich alles ist auf ein Minimum eingedampft. Daran muss ich meistens hart arbeiten. Und wieder geht es um Selbsbewusstsein und darum, die Angst zu bezwingen, das Wesentliche nicht zu treffen.

Punkt vier: Oh ja, das kenne ich gut. Die Angst, dass meine Meinung dumm ist, nicht wichtig oder einfach nur lächerlich. Das ohnehin keiner hören will, was ich zu sagen habe. Das ich ausgelacht werde. Und dann rede ich drumrum, mache viele Worte, um doch irgendwie zu überzeugen. Und erreiche genau das Gegenteil. Es wird schwammig, uninteressant, langatmig. Schon wieder sind wir bei Angst und Selbstbewusstsein. Ich muss meine Angst überwinden, nicht gemocht zu werden für das, was ich sage oder schreibe. Ich muss lernen, selbstbewusst zu dem zu stehen, was ich meine.

Punkt fünf: Chaos im Kopf, keine Klarheit im Denken! Ja das bin ich. Das Chaos im Kopf zeigt sich zum Beispiel in der Unordnung, die mein Haushalt oft hat. Ich finde es schwer, aus dem Wust an Gedanken, den einen zu fischen, der relevant ist. Genauso wie es mir schwer fällt, festzulegen, welcher Gegenstand an welchen Ort gehört. Hier ist der Punkt eher, dass ich lernen muss, meine Gedanken zu ordnen, so wie ich es gelernt habe, meinen Haushalt zu ordnen.

Punkt sechs: Ruhe und Muße fehlen. Oft ist das der Fall, der Alltag ist so schnell, so hektisch, ich komme nicht zur Ruhe. Und wenn alles am Rasen ist, rasen auch die Gedanken und es ist schwer, einen aus dem Strudel zu fischen und festzuhalten. Ich muss mir selber Ruhe gönnen, um zu mir selbst und zum Kern der Dinge vorzustoßen. Unruhe und Alltagsstress sind dabei mehr als hinderlich. Hier geht es um Konzentration, Fokussierung, sich selber Ruhe und Pausen zu gönnen. Meditation und Besinnung, Gebet und Ruhe können helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Punkt sieben: Sorgen und Nöte hindern mich mehr, als mir oft bewusst ist. Wenn meine Gedanken dabei sind, für irgendeine kleine oder große Not in meinem Leben Feuerwehr zu spielen, wie kann ich dann zur gleichen Zeit tiefschürfende Erkenntnisse erwarten? Ich bin anderweitig beschäftigt. Und ich muss Prioritäten setzen. Und dann ist das „reale“ Leben, die tatsächliche Not wichtiger, als irgendein Gedanke, den man auf den Punkt bringen will. Wenn mich das Leben zu sehr fordert, komme ich nicht zur Ruhe. Auch hier geht es wieder um Zeit, um innere Ruhe, um Gelassenheit.

Punkt acht: Müdigkeit und Konzentration sind Killer für gute Gedanken. Wenn ich nicht ausgeschlafen bin, müde und erschöpft vom Alltag, dann bin ich unkonzentriert und damit unfähig prägnante Formulierungen zu finden. Mein Problem dabei? Ich habe nur frühmorgens Zeit zum Schreiben. Ich stehe deshalb oft um kurz nach fünf auf. Und ja, da bin auch ich noch müde… wobei abends zu schreiben, wie ich es früher gemacht habe, funktioniert heute gar nicht mehr. Man muss also den richtigen Zeitpunkt zum Denken finden und sich genug Schlaf bzw. Pausen gönnen. Schon wieder diese Sache: Ruhe, Pausen, Schlaf und Zeit. Ein gutes Zeitmanagement ist also auch hier hilfreich.

Punkt neun: Alles andere ist wichtiger, als zu schreiben und präzise zu sein. Auch das kenne ich. Wenn ich viele Termine am Tag habe, wenn die Unordnung in meinem Haushalt oder irgendeine andere Aufgabe zu drängend wird, kann ich mich nicht darauf einlassen, an Worten zu drechseln und mich auf das eine zu fokussieren, was ich wirklich sagen will. Schon wieder sind wir beim Zeitmanagement.

Punkt zehn: Ablenkungen, egal welcher Art sind hinderlich. Und auch die Unordnung auf meinem Schreibtisch, beziehungsweise der Blick aus dem Fenster können Ablenkungen bieten. Ich arbeite zum Beispiel besser, wenn mein Blick zur Wand geht und ich nicht rausgucken und mich ablenken lassen kann. Ordnung im Äußeren, hilft Ordnung im Inneren zu finden. 

Woran muss ich arbeiten?

Selbstbewusstsein und Angst: Ich habe etwas zu sagen. Ich darf und muss dazu stehen, egal was jemand anderes sagt. Ich bin ein geliebtes Kind meines Gottes. Ich darf selbstbewusst sein. Und ich bin weder mehr, noch weniger wert als alle anderen Menschen um mich herum!

Zeitmanagement: Ich muss mich darum bemühen, den richtigen Zeitpunkt für die Dinge zu finden. Muss Ruhe, Schlaf und Pausen einbauen. Ich kann Gott fragen, welche Prioritäten er für meinen Alltag setzen möchte. Denn Gott kommt nicht zu spät. Oder zu früh, er kommt immer genau richtig.

Ordnung im Äußeren und Inneren: Ich muss mich besser Organisieren lernen. Wieder für mehr Aufgeräumtheit in meinem Umfeld und in meinem Inneren sorgen. Meditation und Besinnung können mir helfen, mich besser zu fokussieren. Auch hier ist es Gottes Ordnung für mein Leben, die hilfreich ist.

Was ist noch nützlich: 

Spaziergänge: Hier kann man zur Ruhe kommen. Oft fließen meine Gedanken dann. Ich muss allerdings etwas dabei haben, um sie zu notieren.

Notizen machen, wenn der passende Gedanke kommt, anstatt zu einem festgelegten Zeitpunkt darüber zu brüten. Dafür hilfreich sind entweder digitale Geräte, wie eine Notizapp im Handy, ein einfacher, kleiner Notizblock mit Stift oder mein Bulletjournal.

Mindmaps helfen mir Gedanken und Ideen zu sortieren. Sie können aber auch ablenken und verwirren. Mit digitalen Mindmaps habe ich schon viel Zeit vertrödelt und meisten funzen sie nicht so, wie ich es gerade brauche. Deshalb gehe ich wieder dazu über, das Ganze analog zu machen. 

Vom Großen ins Kleine: Dampfe Ideen so lange ein, bis die Quintessenz übrig bleibt. 

Fragen stellen: Warum ist mir das wichtig. Was will ich eigentlich damit? Wen interessiert das? Worauf kommt es an?

Sicher gibt es noch viele andere Ideen, wie man sich selbst organisiert, um genug Ruhe, Zeit und Muße zu finden. Oder um selbstbewusster und weniger ängstlich zu sein. Oder wie man von einem Wust und dem Chaos im Kopf zu klaren Aussagen findet. Aber für heute soll es genug sein… Ich muss ja auch noch an meiner Prämisse arbeiten… und an den Charakteren, ganz zu schweigen von der Geschichte, die ich gerne wieder vorantreiben möchte… Ich weiß nicht mal, ob ich im Mai überhaupt irgendein produktives Wort an der Geschichte selbst verfasst habe. 

Deine Meinung und dein Kommentar zum Thema „auf den Punkt“ kommen würden mich sehr interessieren. Also nur keine Scheu, sagt mir, was ihr denkt! Welche Mittel und Wege nutzt ihr, um präzise zu formulieren?

Roman-Tagebuch Teil 14

Dieser Teil des Roman-Tagebuches handelt schon wieder von Stillstand und Schreibblockaden:

Wenn man auf das Manuskript guckt, hat sich da seit längerem nicht wirklich etwas getan. Ich hänge. Ich habe drei offene Enden und Ideen, was man wo noch einflicken muss, aber geschrieben habe ich außer einzelnen Worten oder kurzen Notizen nichts. Es herrscht Ebbe. Flaute. Windstille. Stillstand. Oder anders ausgedrückt, ich hab mich in eine Sackgasse manövriert! Und wie das Bild oben beweist, verstecken sich solche Sackgassen an den unmöglichsten Stellen. Manchmal steht einem ein ganzer Wald offen, aber man schafft es, an der einzigen unwegsamen Stelle hängen zu bleiben. Aber wie ist die Lage wirklich? Kann man nicht einfach umdrehen?

Ich habe festgestellt, dass mein vorletzter Blockpost auch schon das Thema Schreibblockade und Stillstand hatte. Es wird also langsam Ernst! 

Ist das nun wirklich eine dieser berühmten Schreibblockaden?

Ja und Nein!

Ja, insofern, dass ich am Buch selber überhaupt nicht vorwärts komme. Wenn es darum geht, Text zu produzieren für die Geschichte, bin ich total blockiert. Da kommt kein vernünftiges Wort raus, kein Satz, den man stehen lassen kann. 

Und nein! An diesem Blockpost seht ihr, das Schreiben im Allgemeinen funktioniert. Ich schreibe immer noch. Ich schreibe Einkaufslisten, Notizen (sogar für den Roman), Tagebucheinträge bzw. Bulletjournalplanungen, Rechercheergebnisse werden notiert und Blogposts verfasst.

Aber bei meinem Buchprojekt, da hängt es.

Und woran hängt es?

Ich glaube, dass ich gerade an mangelnder Planung scheitere, an Orientierungslosigkeit, wo und wie es weiter gehen soll. Sprich, mein Plot ist nicht gut genug, er trägt mich nicht weiter. Ich habe lose Ideen, weiß aber nicht, wie ich sie mittels eines roten Fadens verbinde. Ich weiß nicht, wo ich genau hinwill und vor allem, wie ich dahin komme, wo ich hinwill.

Sprich, ich muss die Fußarbeit machen, bevor es weiter geht. Muss am Plot feilen, Handlungsstränge sortieren, Ziele neu definieren. An Grundlagen arbeiten. 

Dazu kommt ja noch mein Schreibkurs, der mich auch sehr fordert und für den ich Zeit, Kraft und Gedanken aufwänden muss. 

Ah, da ist es, das Thema Zeit. Zeit und Ruhe oder Muße. Ich bräuchte erheblich Zeit, um wieder hinein zu finden. Und im Moment ist es schwer, mir soviel Zeit am Stück zu nehmen.

Die letzten zwei Wochen hatte ich Besuch. Lieben Besuch. Aber er hat mein Arbeitszimmer blockiert und damit hatte es sich mit Rückzug und Ruhe und Abgeschiedenheit und Konzentration für die Story.

Seit Montag ist das wieder anders. Geschrieben habe ich trotzdem noch nichts! Schnauf!

Was kann man nun also gegen Schreibblockaden tun?

Über Schreibblockaden haben schon viele kluge Leute viele Dinge gesagt:

Oder 

Es gibt noch viele weitere gute Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden, die ich hier nicht alle aufführen kann.

Was mache ich ganz konkret gegen meine persönliche Schreibblockade?

Nun ich schreibe! Das ist das eine! Ich schreibe so viel, wie möglich: Blogbeiträge, Notizen, Ideenfetzen, oder eben auch Banales: Einkaufslisten, meine Bulletjournalplanung oder anderes… denn es ist ja nicht so, dass ich plötzlich nicht mehr schreiben kann! Nein, wie ihr hier seht, kann ich immer noch gute Texte verfassen. Das Schreiben habe ich nicht verlernt. Ich kann Buchstaben aneinander reihen, ich kann Sätze bilden und Sätze zu Absätzen zusammenfügen, was ich nicht kann, ist die Geschichte vorantreiben, an der ich eigentlich arbeiten will.

Und um dort wieder in Gang zu kommen, muss ich mir über den Plot klar werden. Deshalb sind es diese drei Dinge, die ich gerade tue: 

Schreiben!

Lesen!

Und Plotten!

Ich habe mir überlegt, dass ich mehrere große Kartons (DinA2-Plakatpappen) nutze, um darauf meinen Plot zu entwickeln und mir einen neuen Überblick über mein Projekt zu verschaffen. Es braucht mindmaps und timelines, in denen die verschiedenen Handlungsstränge zeitlich chronisiert werden. Ich brauche einen neuen Überblick: 

Wo bin ich gestartet?

Was steht da schon ?

Und wo will ich hin?

Außerdem brauche ich einen neuen Überblick über meine Figuren, über Freunde und Feinde und neue Klarheit über meinen Protagonisten. Was will er? Und wie kommt er dahin?

Und natürlich bilde ich mich weiter fort:

Der Schreibkurs geht noch eine ganze Weile und ich hoffe, ich kann daraus konkrete Anregungen für mein Projekt mitnehmen.

Zum Thema Recherche habe ich schon einiges gelernt, und auch wenn ich einen fiktionalen Roman schreiben will, der aus der Zeit gehoben ist und keinen direkten Geschichtsbezug hat, so kann ich doch geschichtliches Recherchieren und Geschichtswissen einbringen. Jede Welt, auch jede erfundene, hat ihre Vorbilder oder ihre Bezüge in realen Umständen oder Zuständen. Wenn wir meinen, wir denken völlig Neues, so hat das Neue doch seine Grundlage in bereits Dagewesenem. Es schwebt nie oder selten in luftleerem Raum. Es hat einen Bezug zu mir, zu meinem Erleben, meinem Wissen, zu der Welt aus der ich komme…. Also muss ich was Neues über mich und meine Welt lernen, über mein Thema Mittelalter und daraus erwächst dann vielleicht neue Inspiration für meine Geschichte.

Soweit so gut.

Was jetzt noch fehlt, ist die Zeit!

Ich muss mir Zeit nehmen. Von alleine kommt sie nicht. Irgendwann muss ich anfangen… 

Am Mittwoch hat mir meine Tochter die Pappkartons besorgt und gestern habe ich angefangen:

Zuerst einmal habe ich mir einen Überblick über meine 293 Charaktere verschafft… okay ganz so viele sind es nicht… aber genug um selbst ein riesiges DinA2-Plakat zu füllen.

Heute folgen Überlegungen zu Handlungssträngen, timeline und Intrigen!

Bin gespannt, ob es hilft.

Und natürlich ist Freitags mein Kurstag: Heute geht es um autobiographisches Schreiben. Auch spannend, wenn auch zur Zeit nicht ganz mein Thema.

Was auf alle Fälle nicht in Frage kommt, ist Aufgeben! Ich will und werde dieses Buch zu Ende schreiben! Und wenn es eben länger dauert, dann ist das so!

Bis dahin freue ich mich über eure Kommentare!

Roman-Tagebuch Teil 13

In diesem Teil meines Roman-Tagebuches will ich einen kurzen Einblick in meinen gestrigen Tag und den Online-Kurs geben, den ich belegt habe:

Wie sich Pläne ändern können

Nach dem ich mich drei Tage mit Migräne geplagt habe, bin ich gestern aufgewacht und es schien deutlich besser. Natürlich habe ich mich gefreut und den Tag entsprechend in Angriff genommen. Ich hab geduscht, mich ausnahmsweise 😉 mal hübsch gekleidet und habe mich auf den Weg gemacht. Ich hatte versprochen, jemanden aus meinem Bekanntenkreis zu einem wichtigen Arzttermin zu fahren. Um 11 Uhr 20 mussten wir da sein. Auf der Hinfahrt hat auch alles reibungslos geklappt. In der Zeit, in der ich hätte warten müssen, bin ich in die Lörracher Innenstadt gegangen und habe noch einige Besorgungen getätigt, sowie Geld abgehoben, damit mein Sohn am Nachmittag einkaufen fahren konnte für die Familie. Anschließend saß ich zu Hause auf heißen Kohlen, denn am Nachmittag ab 14 Uhr sollte ja das erste Treffen des Online-Schreibkurses stattfinden, zu dem ich mich angemeldet hatte. Und der Arzttermin dauerte und dauerte, ich bekam Zwischenmeldungen, die ein ums andere Mal besagten, „Ich bin noch nicht dran!“ Erst nach 13 Uhr konnte ich zum Abholen starten. Bis ich meine Bekannte wieder aufgesammelt hatte, war es zwanzig nach 1. Der Weg zurück zu Ihr dauert, wenn man gut durchkommt 15 Minuten, bei mehr Verkehr werden es leicht 20 Hin und Zurück also 40 Minuten, ich konnte es gerade noch rechtzeitig zu meinem Kurs schaffen. Also hab ich mich gesputet. Aber schon auf der ersten, großen Straße: Stau, stadtauswärts: Stau, auf der Autobahn: Stau, auf der Nebenstrecke, mit der ich die Autobahn umgehen wollte: Stau. Defacto haben wir für eine Strecke statt 15 schnellen Minuten, mehr als 25 langsame gebraucht. Rechtzeitig zurück zu sein, schien unmöglich. Also entschieden wir, ich nehme am Kurs von der Wohnung meiner Bekannten aus teil, die mir dafür ihren Arbeitsrechner und ihr Internet zur Verfügung gestellt hat. 

Werde ich es rechtzeitig schaffen?

Noch eine Viertelstunde Zeit! Zuerst PC aus der oberen Etage, dem Arbeitszimmer, ins Wohnzimmer holen, mit Lan-Kabel verbinden, damit die Leitung stabiler läuft und natürlich an den Strom anstöpseln, damit er nicht mittendrin abrauscht. Nächstes Problem: man muss Zoom noch herunterladen! Und ich muss es schaffen auf dem PC meiner Bekannten, meinen Mailaccount aufzurufen…. Ähm wie war das Passwort nochmal?  Da ich ja modern bin, merkt sich das nur mein PC im Keyspeicher! Also das ganze über Handy-Authentifizierung…. Jetzt gib mal diesen Scheißlangen Code ein, wenn du aufgeregt bist und unter Zeitdruck stehst… aber wir habens geschafft… Mail aufgerufen, Zugang zu Zoom angeklickt und schwupps war ich drin im Meeting-Raum. Fast zehn Minuten vor der Zeit als eine der ersten! Alles gut, beruhig dich wieder, Martina, du hast es geschafft… aber ich sage es Euch, ich stand echt unter Strom!

Und wie lief es nun?

Wir waren insgesamt 11 Leute im Online-Schreibkurs. Den nächsten Schock kriegte ich, als es hieß: „Und jetzt zeigt mal eure Studi-Ausweise…. Ähm, ähm, ähm, ich bin gar keine Studentin…!! Aber zum Glück hatte ich alles richtig gemacht, den teureren Zugang für Externe bezahlt und brauchte keinen Nachweis, dass ich irgendwo studiere…Insgesamt waren wir, wenn ich mich nicht irre 3 Externe und 8 Studierende… ein bunter Haufen, alt, mittelalt und jung, von Jurastudent und Leuten aus dem Studienfach Geschichte bis zu Sozialkeramikstudenten, Erziehern und Pensionären…mit mehr oder weniger Schreiberfahrung… immerhin schien ich trotz meines überhaupt nicht studierten Hintergrundes nicht völlig fehl am Platz.

Die ersten Fragen, die man mit einer persönlichen Vorstellung beantworten sollte, waren zum einen die nach der Motivation für den Kurs und zum zweiten die berühmte Zeitreisefrage: „In welche Zeit würdest du gerne reisen, wenn du eine Zeitreisemaschine hättest?“

Mhh, keine Frage bei mir wäre es schon das Mittelalter… kurz vor 1200, am liebsten in England… 

Eine spannende Idee…

Eine Freundin sagte später: „Na eigentlich ist es doch ganz klar, wohin man reisen muss, wenn es nur eine einmalige Zeitreisemöglichkeit gäbe!“

 Auf meine Nachfrage antwortete sie: „In die Zeit von Jesus, um zu sehen, ob die biblischen Berichte von Tod und Auferstehung wahr sind!“

Das hat mich sehr nachdenklich gemacht, darauf bin ich gar nicht selbst gekommen. Aber klar, Jesus persönlich zu begegnen, ihn fragen zu können, mit ihm zu speisen und durch Galiläa zu wandern, das wäre schon eine Zeitreise wert. 

Zurück zum Kurs

Die Teilnehmer am Kurs hatten auch unterschiedliche Antworten: vom alten Rom oder Griechenland übers frühe, mittlere und späte Mittelalter, die Zeit um 1850 bis in die 1920 oder 1950/60 Jahre. Auch die Motivationen waren so unterschiedlich wie die Teilnehmer. Manche haben mehr Schreiberfahrung, andere weniger, manche kommen mehr wegen des geschichtlichen Teils, andere wollen eher autobiographisch arbeiten, andere eher fiktional mit geschichtlichen Bezügen und andere mehr realitätsnah mit wenig fiktionalen Anteilen.

Weiter ging es mit einem Aufwärmspiel… es folgte Arbeit mit Mindmaps. Inhaltlich ging es um Geschichtsbewusstsein und darum, dass der Protagonist nicht unbedingt das gleiche Verständnis von Geschichte haben muss, wie ich als Schreiber.

Sehr spannend und trotzdem leicht logisch nachvollziehbar. Ich hab mich nicht abgehängt gefühlt. Davor hatte ich ein mulmiges Gefühl, ob der Kurs überhaupt für mich geeignet sein könnte. Jetzt bin ich überzeugt, dass ich richtig gelandet bin.

Nach dem Kurs war ich aufgedreht wie ein Duracellhäschen!

Kennt den noch jemand?

Dieses Häschen mit Batterie, das läuft und läuft und läuft und dabei wie wild trommelt…

Unglaublich. Ich war ein echter Adrenalinjunkee, hätte plappern und plappern und plappern können… Diese Form von Unterricht (Online per Zoom, mit mir fremden Leuten und einer starken Selbstbeteiligung und der Gefahr sich zu „blamieren“) setzt mich echt unter Strom. Zum Beispiel die zweite Aufgabe: Erstelle eine Mindmap zu deinem Thema. Du hast dafür zehn Minuten! Die knappe Zeitvorgabe hat mich echt unter Druck gesetzt. Ich brauche sonst für so etwas ewig. Zumal ich mir nicht mal klar war, zu welchem Thema ich das nun erstellen sollte oder wollte… sollte ich offen zu meinem Romanthema die Mindmap verfassen oder zu meinem Rollenspielthema, zum Mittelalter in Europa im Allgemeinen oder im Besonderen, zu englischer, deutscher oder sonstiger Geschichte…. Ahhhhh….

Ich habe mich schließlich für Europa im Mittelalter entschieden und mich später geärgert, dass ich nicht gleich spezifischer geworden bin,… aber so lerne ich dazu. Ich will etwas mit dem Kurs. Er soll mir für diesen Roman und für alle weiteren, die ich vielleicht noch schreiben werde, helfen. Also muss ich gucken, was ich daraus ziehen kann, was für mich hilfreich ist, was mein Thema voran treibt und nicht, was den anderen hilft, womit ich vielleicht gar nichts anfangen kann. Ich bin nun fest entschlossen, immer so konkret wie möglich an meinem Projekt zu arbeiten.

Ein anderer Teilnehmer wird wohl etwas „Ähnliches“ basteln: eine fiktionale Welt mit historischen Vorbildern und eine „klassische“ Heldenreise…. Bin gespannt, ob man sich gegenseitig inspirieren kann oder ob es eher in Konkurrenz ausartet…

Nett war noch, dass jemand dabei ist, der über etwas schreibt, mit dem ich mich auch ein bisschen auskenne. Ich konnte in einem privaten Chat mitteilen, dass ich etwas mit ihrem Buchthema zu tun habe und nun wollen wir uns mal privat „unterhalten“, in Coronazeiten ja leider nicht persönlich, sondern höchstens per Telefon oder über Chats. Ansonsten wären wir „ein Bier“ trinken gegangen, wobei das auch aus räumlichen Gründen schwierig geworden wäre, die Entfernung zwischen uns beträgt so ca 800 km.

Alles in allem kann ich sagen, ich denke, für mich lohnt sich der Onlinekurs der Universität Mainz. Ich bin froh, dass ich mich angemeldet habe…

Leider muss ich jetzt für heute hier enden, die Migräne kam nach dem anstrengenden und aufregenden Tag gestern mit voller Wucht zurück und ehe mir der Schädel vollends platzt, ist nun hier Schluss.

Über Kommentare freue ich mich immer. Also scheut euch nicht und hinterlasst eure Meinung!

Roman-Tagebuch Teil 12

In diesem Teil berichte ich von Flauten und Schreibblockaden:

Seit dem letzten Roman-Tagebuch-Eintrag hat sich an meinem Manuskript nichts Wesentliches getan. Keine neue Szene ist entstanden, kein Fortschritt in irgendeiner Form zu verzeichnen. Es herrscht absolute Schreibflaute. Ebbe. Ich hab zwar Ideen, wo und wie es weiter gehen kann, aber ich bringe sie nicht zu Papier, die Ideen.

Woran liegt es, ist da die erste Frage, die ich mir stelle. Zum einen an der Zeit, der Ruhe und der Muße. Zeit zu finden, in der ich ungestört und am Stück arbeiten kann, ist gerade sehr schwer. Ich habe zum einen immer noch viel zu tun und festgestellt, dass ich tagsüber nicht genug innere Ruhe finde, selbst wenn ich mal eine Stunde Pause hatte, kam ich dann nicht hinein ins Geschehen meiner Geschichte. Es war, als guckte ich nur von außen darauf und fände die Verbindung zu meinen Charakteren nicht mehr. Zum anderen waren diese Pausen selten und rar und irgendwie drängten sich dann andere Gedanken in den Vordergrund.

Außerdem habe ich zur Zeit Besuch von meinem großen Sohn. Darüber freue ich mich natürlich sehr und ich genieße es auch, Zeit mit ihm zu verbringen. Für das Schreiben bedeutet das aber, dass mein Arbeitsraum gerade belegt ist. Wie ich ja schon berichtet habe, schreibe ich oft zwischen 5 und 8 Uhr morgens. Und ich kann ja schlecht in den Schlafraum meines Sohnes um diese Zeit hineinplatzen. Obwohl er meinte, wenn es leise geschähe, wäre es okay, fühle ich mich dabei nicht wohl und wäre dann sicher auch gehemmt, was das erfinden, fabulieren und texten angeht. Also lasse ich es. Zu späterer Zeit bin ich aber nicht mehr so kreativ oder anders gesagt, dann hat mich das normale Leben in seinen Bann gezogen und ich habe zu viel zu tun.

Tja und noch eine Ausrede habe ich: Seit mehr als drei Tagen plagt mich eine ausgewachsene Migräne. Die Kopfschmerzen halten sich zwar noch in Grenzen, aber ich   kämpfe mit einer sogenannten Migräne-Aura: Mir ist schwindelig. Wenn ich den Kopf drehe, schwankt der ganze Raum. Übelkeit wallt auf. Ich bin lichtempfindlich und lasse überall die Rollos runter, weil es selbst ohne Sonnenschein zu hell draußen ist. Und manche Gerüche ertrage ich schier nicht. Damit zu schreiben ist quasi nicht möglich. Allein schon der Bildschirm ist zu grell. Denken quasi ausgeschlossen. Da ich auf Grund anderer Tabletten, die ich nehmen muss, nicht alle Schmerztabletten vertrage, habe ich es mit Paracetamol versucht: Null Effekt. Auch Kühlen hat nur wenig Linderung gebracht. Einzig Liegen, Schlafen, möglichst wenig Bewegen und vor allem dunkle Zimmer haben ein wenig Linderung gebracht. Schnauf. Doofe Sache.

Heute geht es zum ersten Mal etwas besser, was du daran siehst, dass ich einen Blog-Artikel verfassen kann.

Ah, und der letzte Grund liegt in der Geschichte selbst. Ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie es weiter geht. Und vermutlich ist dass der entscheidende Grund für meine Schreibblockade. Ich habe drei offene Enden. Für zwei davon habe ich grobe Ideen, wie es weiter gehen kann und soll. Das dritte Ende schwebt irgendwie im luftleeren Raum. Mein Protagonist weiß selbst nicht, wie weiter… er ist auf dem Weg von A nach B, wobei B irgendwie im Nebel liegt… ich habe zwar zwei Ideen, wie es weiter gehen könnte, kann mich aber nicht so recht entscheiden…. Lasse ich ihn alleine kämpfen? Gerät er gleich in irgendwelche neuen Schwierigkeiten, sucht er sich sofort Hilfe… findet er sie dort, wo ich es denke oder doch nicht? Ihr seht, viele Fragen sind offen. 

Das es dort nicht weiter geht, liegt einzig und allein daran, dass ich nicht gut im Planen und Plotten bin. Als Plotten bezeichnet man das Vorausplanen der einzelnen Handlungsstränge einer Geschichte, sprich das grobe Konzept. Und mein Konzept ist sehr grob. Ich habe nur einen Ausgangspunkt und einige wenige Eckpfeiler gehabt und ein Ziel in weiter Ferne, dass ich irgendwie erreichen will. Das rächt sich nun. Bevor ich an der Stelle weiter machen kann, brauche ich selbst erstmal Klarheit, auf was ich hinaus will und wie es weiter gehen soll. Also ist Planen angesagt!

Könnte ich dann nicht an Stelle Nummer zwei weiter machen? Theoretisch eine gute Idee, praktisch wäre es vermutlich nicht klug. Denn Szene Nummer zwei liegt irgendwo in der Zukunft von Szene Nummer drei und so lange ich nicht weiß, wie es dort weiter geht, ist es gefährlich Nummer zwei auszuformulieren. Denn erstens ändert sich mein Protagonist vielleicht auf dem Weg dorthin. Neue Ereignisse bringen neue Erkenntnisse, neue Verhaltensweisen, neue Denkweisen und dann würde die Szene nicht mehr passen. Oder der Weg ändert sich völlig und ich lande gar nicht mehr dort, wo ich hinwill. Also sppare ich mir den Atem und warte, bis meine Hauptfigur bei Szene zwei tatsächlich angekommen ist. Erst dann kann ich sagen, wie sich das Ganze entwickeln wird.

Bleibt noch Nummer eins: Dort weiß ich, wie es weiter gehen soll, ich bin auch schon am richtigen Punkt, um dort weiter zu schreiben, kein Protagonist hindert mich, niemand würde mir reinpfuschen, und es liegt nicht zu weit in der Zukunft… Aber dort hadere ich mit mir und der Figur, die diesen Teil erzählt. Die Erzählerin macht das eigentlich gut, aber ich tue mich trotzdem schwer… so ganz kann ich es selber nicht erklären. Am ehesten würde ich sagen: Ich kann da zwar weiter machen, aber ich will gerade nicht.

Was tue ich nun dagegen?

Ich lese! 

Ich lese meine eigenen Texte. Immerhin stehen da schon hundert Seiten. Und es ist sicher nicht verkehrt, nochmal zu verinnerlichen, was ich schon fabriziert habe. Außerdem kommen einem dabei neue Ideen, wie es weiter gehen kann. Das hoffe ich zumindest. Ich komme wieder in Kontakt mit meiner Hauptfigur, kann sie fragen, was sie will und wo es hingeht. Nebenbei habe ich Kleinigkeiten überarbeitet, wobei das diesmal nicht im Vordergrund stand. Aber es ergaben sich Nachfragen und ich habe begonnen wieder neu zu recherchieren. Auch ein Punkt. Recherche hilft weiter. Ich lese also auch Fremdtexte. Suche im Internet. Schau mir Bilder an. Rede mit Leuten. 

Und wie im letzten Blog-Post erwähnt, fange ich heute einen neuen Schreibkurs an:

Literarisches Schreiben und historisches Erzählen

Ich bin sehr gespannt und ein wenig aufgeregt. Noch weiß ich nicht genau, was mich erwartet. Aber ich erhoffe mir einen großen Kick für meine Schreibarbeit. Und ich hoffe, dass ich nicht untergehe bei all den Studierenden und klugen Leuten. Die Maximalgröße des Kurses lag glaube ich bei 11 Leuten, was ja recht überschaubar ist. Ich bin wie gesagt, sehr gespannt und hoffe auf Anregungen und neue Erkenntnisse, die mich weiter bringen. Das ganze findet über Zoom statt und ich hoffe, dass es technisch alles gut läuft. Bei meinem letzten Webinar über Zoom hatte ich Startschwierigkeiten und bin immer wieder rausgeflogen, bis ich schließlich den Laptop gewechselt habe. Diesmal benutze ich deshalb gleich mein kleines MacBook statt den Windowsrechner.

Natürlich berichte ich hier, wie es gelaufen ist. Und ob ich wirklich neue Inspirationen für den Roman daraus ziehen konnte. 

Wie es weiter geht, kannst du im nächsten Teil meines Roman-Tagebuches lesen. Über Kommentare freue ich mich immer.

Roman-Tagebuch Teil 11

Uff, es ist schon drei Wochen her…

… seit ich meinen letzten Blogartikel online gestellt habe! Das habe ich gestern Abend mit Schreck festgestellt. 

Die Zeit vergeht gerade wie im Fluge und ich habe mehr zu tun, als mir lieb ist. Trotzdem tut es mir leid, dass es so lange gedauert hat. Das war keine Absicht! Für alle, die auf eine Fortsetzung gewartet haben, hier kommt sie nun:

In diesem Teil geht es um Alltag, meinen Job als Springer, neue Perspektiven und Auf und Abs:

Alltag und andere Widrigkeiten

Auch wenn ich es mir noch so sehr vornehme, der Alltag funkt eben doch manchmal dazwischen. Und es ist mir wichtig, meine Familie und mir liebe Menschen gerade dann zu begleiten, wenn es Ihnen nicht gut geht. 

Außerdem hatte ich mehrere Einsätze als Aushilfskraft an meiner ehemaligen Arbeitsstelle. Ich bin gelernte Erzieherin, arbeite als Springerin und Krankheitsvertretung in einem Kindergarten und mag das gern, da so mitten hinein zu hüpfen in den Trubel. Von den Kindern und Kollegen werde ich immer begeistert empfangen und sehr lieb aufgenommen, inklusive Bilder malen nur für mich. 😉

Allerdings ist es auch herausfordernd, wenn manchmal früh morgens eine Nachricht am Handy aufplöppt, ob man in einer Stunde zum Dienst erscheinen kann. Dann wird der ganze Tagesablauf um und um gewürfelt. Trotzdem nehme ich die Anfrage meistens an, es sei denn, irgendein dringender oder sehr wichtiger Termin würde dadurch platzen. 

Krankheit ist auch so etwas, was ungebeten und ungefragt dazwischen funkt. Nun bin zwar nicht ich krank, sondern zur Zeit liebe Menschen um mich herum, aber es bedeutet nicht nur Zeit und Kraft und Energie zu investieren, es bedeutet auch, sich Gedanken zu machen, mitzuleiden, zu beten. Ich tue das gerne. Mir ist das wichtig. Vor allem, weil mir die Menschen wichtig sind. Aber meine Zeit und Kraft ist nur einmal vorhanden, deshalb muss ich immer abwägen, wo ich mich nun wie stark engagiere. Und zur Zeit sind mir definitiv die Menschen in meinem Umfeld wichtiger als alles andere. Deshalb musste der Blog warten, deshalb musste auch das Schreiben am Roman zeitweise ein bisschen hintenan stehen.

Worte, nichts als Worte…

In der Woche vor Ostern war ich trotzdem sehr produktiv, was den Textzuwachs an meinem Roman angeht. Zum einen hatte ich ja meinen absoluten persönlichen Tagesrekord, zum anderen war ich auch an den anderen Tagen richtig fleißig: Insgesamt 7022 Worte habe ich vom 29.3. bis Ostersonntag. verfasst, das sind über 1000 Worte pro Tag und wenn man nur die Schreibtage rechnet, waren es sogar 1170 Worte pro Schreibtag.

Die Woche nach Ostern hingegen war nicht sehr erfolgreich, was das Schreiben angeht. Die tägliche Anzahl der Worte lag unter 300, ich hatte insgesamt nur drei Schreibtage (Durchschnitt der Schreibtage lag bei 670 Worten).

Und seitdem ist es weiter durchwachsen. Ich schaffe meistens mein Tagesziel nicht, komme selten in den Flow, der das Schreiben so wunderbar und leicht machen kann. Und vor allem komme ich höchstens jeden zweiten Tag zum Schreiben. Trotzdem bleibt mein Ziel einen Roman nicht nur anzufangen, sondern auch zu beenden nach wie vor bestehen. Ich kämpfe um jede Schreibzeit und stehe dafür auch immer noch extra früh auf. Und es sind immerhin schon knapp 100 Seiten und 40.000 insgesamt.

Wohin soll’s gehen und vor allem aus wessen Sicht?

Ich habe es geschafft! Ich habe den ersten Perspektivwechsel vollzogen und bin gerade dabei, ein Kapitel aus der Sicht einer Frau zu schreiben. Merkwürdigerweise tue ich mich immer schwerer, Texte aus der Sicht einer Frau zu verfassen, dabei bin ich doch selber eine. Woran genau das liegt, habe ich bis heute noch nicht herausgefunden. Frauen werden bei mir oft überzeichnet, zickig, sehr launisch, kurzum unsympathisch oder sie bleiben fade, uninteressant und langweilig. Dazwischen gibt es nur wenig.

Vielleicht liegt es daran, dass ich oft auch mit meinen eigenen Gefühlen nicht richtig in Kontakt bin. Zuweilen  spüre ich gar nicht, wie es mir wirklich geht. Sage, es gehe mir gut, obwohl ich eigentlich angespannt, müde oder gar tieftraurig bin. Es dauert oft lange, bis ich merke, dass etwas mich tiergehend verunsichert oder verärgert hat. Und mit anderen Frauen habe ich zumindest früher eher negative Erfahrungen gemacht.

Aber diese Frau in meiner Geschichte gefällt mir. Sie ist ein wichtiger Nebencharakter und ziemlich tough. Sie wehrt sich, ist authentisch und hat Gefühle, die passen… Und ich freue mich, dass die Geschichte aus ihrer Sicht genauso flüssig in die Tasten fließt, wie aus der Perspektive des Protagonisten. 

Mein Mann war über die Szenen sehr überrascht, da es doch sehr ruppig zur Sache geht. Sein Kommentar  nach dem ersten Lesen des Kapitel-Entwurfs war: „Krass!“

Es freut mich doch immer wieder, wenn ich selbst mir nahestehende Menschen überraschen kann. 😉

Und sonst?

Ich habe es gewagt! Ich habe mich zu einem Kurs der Universität Mainz angemeldet.: 

Literarisches Schreiben und historisches Erzählen

Er beginnt Ende April und läuft über zehn Wochen. Das Thema passt wie die Faust aufs Auge zu mir und ich bin ziemlich gespannt, was mich erwartet und was ich dabei lernen kann. Und ein bisschen aufgeregt bin ich auch, immerhin habe ich nie studiert und auch noch keine Kurse an Universitäten belegt…

Dass ich überhaupt daran teilnehmen kann, ist Corona geschuldet. Das erste Mal, dass die Seuche mir etwas Positives beschert. Der Kurs findet nämlich Pandemiebedingt online statt und ist deshalb auch für Nichtmainzer zugänglich. Mein Glück, denn ich war zwar mal in der Nähe von Mainz beheimatet, aber das ist jetzt schon mehr als 8 Jahre her und von hier aus, wäre es ein bisschen weit jede Woche für zwei Stunden anzureisen…

Ich erhoffe mir wirklich einen Schub für meine Schreibpraxis und freue mich darauf, mehr zu lernen und weiter zu schreiben.

Bis dahin liebe Grüße an alle Leser

Hinterlasst mir gerne einen Kommentar. Bin neugierig auf Eure Ideen, Fragen, Meinungen und Anregungen!

Roman-Tagebuch Teil 10

Tagesrekord

Jubel! Ich habe meinen absoluten Tagesrekord gebrochen!

Ich habe heute über 2000 Worte für meinen Roman geschrieben!

Ich gebe zu, ich bin ein bisschen stolz auf mich. Und wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, wäre es sogar noch mehr geworden, aber mein Tag war auch ansonsten voll: ein Arzttermin, zweimal einkaufen, einmal tanken, ein etwas mehr als einstündiger Spaziergang mit Freundin, ein Telefonmeeting und ein Abendessen mit der Familie, dass ich zum Glück nicht selber kochen musste.

Nun bin ich platt! Obwohl es mich immer noch juckt, weiter zu schreiben.

Warum war ich heute so produktiv?

Heute stand eine besondere Schlüsselszene an. Mit viel Emotion und viel Aktion und einer tiefgehenden Tragik.  Entscheidend für den gesamten Fortgang des Abenteuers! Ich habe seit Tagen auf diese Stelle hingefiebert. Ich habe die Szene vor mir gesehen. Wie ein Film lief sie in meinem Kopf ab. Und ich hatte schon Angst, dass ich es dann, wenn es so weit ist, sie zu schreiben, nicht hinkriegen werde, die Bilder in Worte zu bannen. Aber mit Musik lief das heute wie am Schnürchen. Ja, man muss auch diese Szene noch überarbeiten und dran schleifen… Es fehlen Beschreibungen und auch die Gefühle erscheinen mir noch zu oberflächlich dargestellt. Aber die Aktion steht da. Die Dialoge sind schon nicht schlecht und ich werde ganz gewiss nicht mehr vergessen, was ich dort sagen wollte. Alles andere kann man nachträglich noch ergänzen, verändern, verbessern…

Und wann habe ich das Schreiben noch untergebracht, bei meinem vollen Tagesplan?

Tja. Mein Wecker stand heute morgen auf 5 Uhr 15!

Von 6 bis etwa 9 Uhr habe ich dann etwas mehr  als 3/4 meines heutigen Tagespensums verfasst. Dann kam der Arztbesuch und der erste Einkauf. Mittags hatte ich dann noch einmal eine halbe Stunde Zeit zum Tippen. Später habe ich nur noch einzelne Worte oder Sätze ergänzt, das war so zwischen kurz nach vier und fünf.

Und heute Abend? Da hatte ich zwar Lust und hätte gerne weiter geschrieben, aber ich habe gemerkt, dass ich für die Geschichte zu erschöpft und ausgepowert war. Wohingegen dieser Blogpost wie von selbst in die Tasten floss.

Ob ich morgen zum Schreiben komme, weiß ich noch nicht… da habe ich schon ein volles Programm… vor allem eines, das ganz früh beginnt…. Und dann fehlt mir eben die Zeit, in der ich so früh kreativ bin.

Wahrscheinlich wirst du sagen: So früh kann auch nur eine Lerche aufstehen…. Dazu muss ich bekennen, dass ich bis vor einiger Zeit eigentlich immer eine Nachteule war. Ich konnte locker bis drei Uhr nachts telefonieren und Geschichten planen und schreiben und machen und tun. Kuchen für Geburts- oder Festtage habe ich immer abends nach acht oft bis Mitternacht gebacken. Manchmal habe ich sogar abends geputzt. Obwohl meine Devise normalerweise lautet: Ab acht Uhr gehört der Abend mir!

Und am Morgen war ich dann hundemüde und mein Mann sagte immer: Wenn ich dir den Schwarztee ans Bett bringe, ist das eigentlich Notwehr! Weil er mich sonst nicht wach gekriegt hätte. Ich habe mich immer, immer gequält am morgen, schon seit ich eine Jugendliche war.

Warum sich das geändert hat, weiß ich gar nicht genau. Ein Grund ist vielleicht mein Schlafapnoegerät, sprich meine Atemmaske für die Nacht. Endlich bin ich nämlich morgens wirklich ausgeschlafen. Und ich habe festgestellt, dass ich morgens einfach leistungsfähiger bin. Außerdem wollen um 5 oder 6 Uhr morgens weniger Leute etwas von mir. Da kriege ich selten Telefonanrufe, habe noch keinen Besuch (der natürlich im Moment wegen Corona eh weniger als sonst ist) und meine Familie schläft zum großen Teil auch noch. Ich bin also ungestört und kann mich deshalb besser auf mein Projekt, den Roman, konzentrieren. Alles gute Gründe so früh aufzustehen. Trotzdem protestiert mein innerer Schweinehund manchmal. Das lasse ich aber nicht gelten. Also bleibt der Wecker so früh, ich quäle mich aus dem Bett und bin eine halbe Stunde später fit für den Tag.

Ah, aber mein morgendlicher Schwarztee darf nicht fehlen! Frühstücken tue ich dann erst so zwischen 8 und 9 Uhr.

Aber heute feiere ich erst mal meinen Rekord! 2000 Worte!

Hoch die Tassen!

Jubel!

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