Auf dem Weg zum Roman

Schlagwort: Scrivener

Roman-Tagebuch Teil 16

Geht es mit dem Roman voran?

Wochenlang musste ich berichten, dass sich nichts, aber auch gar nichts an meinem Roman-Projekt getan hat! Einen ganzen Monat lang habe ich kein (oder fast kein) Wort zu meiner Geschichte hinzugefügt. Es lag brach. Wie ödes Land verwaist. Wie ein Schiff auf Sand gelaufen. Kein Fortschritt. Ebbe. Nada. Niente. Rien. 

Seit etwa anderthalb Wochen jedoch ist etwas im Gange. Ödes Land wird bewässert. Blumen sprießen. 

Die Flut kehrt zurück. Das Schiff wird flott gemacht.

Zuerst noch langsam, dann immer schneller und mächtiger kommt etwas ins Rollen und meine Gedanken sprießen wie die Blumen. Ein neuer Wind weht und bläht meine Segel…. Aufbruchsstimmung. Neue Hoffnung, wo ich schon dachte, ich könnte die ganze Sache beerdigen.

Was genau passiert da? Womit beschäftige ich mich?

Rein äußerlich sieht man (noch) nicht viel. Es sind keine neuen Kapitel entstanden, keine neue Line, kein neuer Handlungsstrang. Nichts Bahnbrechendes. Vor drei Tagen hätte ich gar noch sagen müssen, nicht ein Wort, eine Szene ist hinzugefügt oder verändert worden. Es sah immer noch nach Stillstand aus. Und dennoch bewegte sich schon da ein laues Lüftchen durch mein Denken.

Angeregt durch meinen Schreibkurs habe ich mich daran gemacht, Dinge zu erfinden, die meine Welt lebendiger machen sollen. Zu meiner Welt gehören nicht nur Länder, Berge und Ebenen, Flüsse und Seen, Städte und Burgen. In diesen Ländern gibt es Pflanzen und Tiere, Völker unterschiedlicher Art.  Und damit es anschaulich und spannend wird, braucht es neue Pflanzen, ungewöhnliche Tiere, Eigenheiten von Volksgruppen. Und deshalb erfinde ich welche. Ich erfinde Pflanzennamen. Heilpflanzen, Nutzpflanzen, Bäume, Gräser…Tiere sollen folgen. Kultur und Merkmale von Völkern.

Wie mache ich das?

Ich habe eine Seite, auf der man sich Pflanzennamen generieren lassen kann. Leider klingen die alle englisch. Erstaunlicherweise aber hört man, dass es Pflanzennamen und nicht Berg- oder Seenamen, Tier- oder Drachennamen sind. 

Was macht es aus, dass man diese Namen als Pflanzennamen erkennt? 

Das habe ich mich gefragt und festgestellt, dass es gewisse Endungen oder Zusätze sind, die diese Worte als Pflanzennamen kennzeichnen. Daraufhin habe ich ein deutsches Heilkräuterlexikon durchgeblättert und mir gängige Endungen und besondere Zusätze notiert. Diese habe ich dann wild und mit viel Phantasie kombiniert. Und voila es kamen sehr passable Pflanzennamen dabei heraus. Diesmal deutsche! Und ich bin gleichzeitig darüber gestolpert, wie vielfältig und wunderbar unsere Pflanzenwelt ist und welche merkwürdigen Kombinationen es tatsächlich gibt, obwohl ich dachte, ich hätte sie mir gerade ausgedacht…

Ich verrate hier nicht mehr… Wer wissen will, wie meine Pflanzen heißen, aussehen, riechen oder wirken, muss warten bis mein Buch fertig und veröffentlicht ist!

Über die Pflanzen kam ich ins Fabulieren. Zugleich wurde mir bewusst, dass meine Hauptperson in den ersten Kapiteln viel zu nett war. Seine Charakterbeschreibung, in der er einen gewissen Standesdünkel und eine Arroganz aufweist, passte nicht überein, mit dem, was ich geschrieben hatte. Er war zu freundlich zu anderen, die gesellschaftlich unter ihm standen. Zu umgänglich. Da war keine Entwicklungsspanne gegeben, nichts, was sich noch hätte zum Besseren wenden können. 

Und so entstand der Gedanke, dass ich das, was da steht, noch einmal überarbeiten müsse, ehe ich weiter voran schreibe. Außerdem musste sich etwas in den Dialogen ändern. Nicht nur die Arroganz des Helden, auch der niedere Stand anderer musste sich irgendwie wiederspiegeln. In ihrer Sprache. In ihren Worten, ihrem Dialekt. Also begann ich vor drei Tagen, meine Kapitel genau daraufhin zu überarbeiten. Arroganz und Überheblichkeit einzubauen in Worten und Gedanken, in Handlungen… und Dialekte zu verwenden, um die Herkunft meiner Personen deutlicher zu machen.

Gestern und heute ist aus dem Überarbeiten eine ganz neue Szene entstanden. Es geht voran. Wenn auch noch innerhalb dessen, was da schon stand, aber dennoch. Ich merke, wie Gedanken wieder fließen, wie neue Ideen sprudeln. Wie aus dem, was ich tue etwas Neues erwächst. Das Schiff nimmt wieder Fahrt auf. Und der Wind pustet kräftig.

Seit gestern nutze ich eine weitere Inspirations- und Motivationsquelle. Ich treffe mich mit anderen Autorinnen in einem Videochat, man bespricht kurz, was man plant und schreibt dann eine Zeit, um sich im Anschluss auszutauschen, wie es funktioniert hat. 

Das hilft ungemein, um fokussiert zu arbeiten.

Neues, altes Schreibprogramm!

Und noch etwas ist passiert. Ich habe – mal wieder – mein Schreibprogramm gewechselt. Dazu muss man wissen, ich habe sicher schon zwei Jahre Scrivener 3 für Mac genutzt und habe in diesem Jahr, kurz nachdem das Programm für Windows erschienen ist auch Scrivener 3 für Windows heruntergeladen. Ich mag Scrivener. Ich kann mich gut organisieren mit diesem Programm. Dennoch fehlt mir etwas. Und dieses Etwas glaubte ich in dem Konkurrenzprogramm Papyrus Author gefunden zu haben. Papyrus Author hat viele verlockende Funktionen. So hat es einen Dudenkorrektor. Und ist damit in Sachen Rechtschreibkorrektur sicher ungeschlagen. Außerdem bietet es eine Stil- und Lesbarkeitsanalyse und man kann Charakterkarten anlegen, die man direkt aus demText verlinken kann. Es gibt viele gute Gründe für Papyrus Author. Und ich habe sie alle ausprobiert und genossen… aber ein Problem habe ich mit dem Programm… ich bin dort nicht so organisiert wie in Scrivener. Die Struktur erschließt sich mir nicht so, es ist ein langer Fließtext, den ich zwar irgendwie mit Kapiteln und Szenenüberschriften zerlegen kann, aber irgendwie ist mir Scrivener da sympathischer. Und manches, was ich in Scrivener liebgewonnen hab, finde ich in Papyrus nicht wieder… entweder weil ich zu blöd bin, es zu finden oder weil es schlicht nicht vorhanden ist.

Die ersten Hundert Seiten habe ich begeistert in Papyrus geschrieben, aber als ich jetzt hängen geblieben bin und mir klar wurde, dass ich Dinge grundlegend überarbeiten muss, bin ich zu Scrivener zurück gekehrt. Habe alles von Hand übertragen und arbeite nun mit Scrivener 3 für Windows. In Scrivener habe ich jede Szene quasi in einem eigenen Dokument. Ich kann diese Dokumente leicht untereinander verschieben. Ich kann Schnappschüsse von einzelnen Dokumenten machen, diese dann bearbeiten, wieder einen Schnappschuss machen, wieder bearbeiten so oft ich will und diese Schnappschüsse dann miteinander vergleichen und mich für die Variante des Textes entscheiden, die mir am besten gefällt, ohne Angst haben zu müssen, dass mir die Idee aus dem ersten Schnappschuss abhanden kommt.

Das ist überarbeiten mit doppeltem Boden … ich kann jederzeit zu Variante 1, 2 oder 3 zurückspringen. Und zwar  für jede winzige Szene einzeln und unabhängig von den andere Sequenzen. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich meinen Text auch nochmal ganz verwerfen und neu Schreiben kann, dass ich nicht nur einzelne Worte, sondern ganze Stimmungen ändern kann. Und wenn es mir nicht gefällt, drücke ich sozusagen den Resetknopf. Ohne das für das gesamte Dokument zu tun!

Wenn ich dann dahin komme, dass ich den Text mit Dudenkorrektor überarbeiten will, werde ich wohl zu Papyrus zurück kehren, aber bis dahin bin ich bei Scrivener gut aufgehoben.

Wer mehr über scrivener erfahren will, findet hier gute Informationen: https://www.knowhowlounge.de

Auf Youtube findet man auch ein verständliches Video von Gian dazu, wie man in Scrivener schreibt und in Papyrus korrigiert. 

Zusammenfassung: Was ich geschafft habe! 

  • Neue Pflanzennamen und ein funktionierendes System um beliebig viele weitere  Pflanzen zu erfinden.
  • Überarbeitung entscheidender Dialoge bezüglich Stimmung und Charaktereigenschaften
  • Einbau von Dialekt in meine Dialoge 
  • Meinen Protagonisten zu Beginn etwas unsympathischer zu machen
  • Eine neue Szene erfinden
  • Schwung gewinnen 
  • Motivation zum Weitermachen finden
  • Neue Ideen für neue Szenen entwickeln

Ich finde, das ist eine ganze Menge und mit Sicherheit ein Grund zu feiern. Jubel! Ich glaube jetzt daran, dass es weiter gehen kann und wird. Dass ich nicht heillos feststecke, sondern dass ich kreativ genug bin, neue Wege zu finden. Mein Roman wächst weiter. Lass dich überraschen, was ich beim nächsten Mal berichten kann!

Bis dahin, hinterlass mir doch deinen Kommentar. Ich bin neugierig auf deine Meinung.

Roman-Tagebuch Teil 6

In diesem Teil berichte ich von Katastrophen und Frust:

3000 Worte sind über Nacht verschwunden!

Klammheimlich und so mir nichts dir nichts und alle Versuche sie wieder herzustellen, sind fehl geschlagen.

Ich bin schockiert, entsetzt, am Boden zerstört.

3000 Worte sind drei Tage Arbeit. Und diese 3000 Worte waren Schlüsselszenen. Dialoge, an denen ich lange gefeilt habe, Beschreibungen, die wichtig waren, Details und Kleinigkeiten und jede Menge Herzblut. 3000 Worte! Selbst wenn ich noch Teile davon überarbeitet, gestrichen oder geändert hätte, waren sie die Grundlage. 3000 Worte fehlen und ich weiß nicht, wie ich sie wieder zurück bringen soll.

Abgesehen von meiner Verzweiflung, die echt hinderlich ist, ist es sehr schwer, einen Text ein zweites Mal so gut zu Papier zu bringen…. Ich kenne das schon von früher, wo mir ab und an Texte fürs Rollenspiel abhanden gekommen sind. Jeder neue Versuch ist eine Quälerei, weil man möglichst nah ans Original heran will und sich doch nicht mehr genau genug erinnert.

Aber wie kam es dazu?

Als ich heute morgen, den letzten Abschnitt meiner Geschichte meinem Mann zum Lesen geben wollte, traf mich der Schlag. Ich öffnete mein Schreib-Programm und hatte mich schon beim Öffnen gewundert, dass als letztes Datum Dienstag angegeben worden war, dabei hatte ich doch gestern und vorgestern auch daran gearbeitet. Und oh Schreck: Es fehlte der letzte Abschnitt, fast ein ganzes Kapitel.

Auch das Nachsuchen, ob nicht irgendwo noch ein Backup gespeichert ist, das man wiederherstellen könne, ergab: letztes Backup vor zwei Tagen!

Wie kann das sein? 

Ich arbeite ja seit Neuestem mit Papyrus. Ich war davon ausgegangen, dass das Ding automatisch speichert. Aber so scheint das nicht zu sein. Und ich habe wohl nicht darauf geachtet und viel zu selten selber aktiv auf Speichern gedrückt.

In Scrivener ist das anders, da wird alle zwei Sekunden automatisch gespeichert. Text verlieren ist nahezu ausgeschlossen, es sei denn, ich lösche etwas absichtlich. Und merke hinterher: Das war falsch.

Jetzt habe ich aber aus verschiedenen anderen Gründen zu Papyrus gewechselt und bin an vielen Punkten für den Roman damit auch sehr zufrieden, aber das ist ein echtes Manko. Wie kann das geschehen, dass drei Tage Arbeit einfach so weg sind? 

Und nun? 

Nun muss ich mich wohl gleich ans Werk machen und zusehen, dass ich möglichst viel aus meinem Gedächtnis wieder zu Papier bzw. in den Computer bringe. 

Und ich werde recherchieren, ob man auch bei Papyrus eine automatische Speicherung alle paar Minuten einrichten kann. Ich hoffe, mein Mann kann mir bei diesem technischen Problem helfen.

Was bleibt ist eine Menge Frust und eine Menge Arbeit!

Um möglichst schnell die verlorenen Szenen wieder herzustellen, ende ich für heute hier und setze mich an meinen Romantext.

Ich werde demnächst berichten, wie es weiter geht und ob ich es schaffe, die Texte einigermaßen zufriedenstellend wieder herzustellen.

Schreibroutine

Talent ist billiger als Salz. Was den erfolgreichen Menschen vom talentierten unterscheidet, ist eine Menge harter Arbeit. (Stephen King)

Stephen Kings Zitat ist harter Tobak, wie vieles, was der berühmte Schriftsteller so gesagt  bzw. geschrieben hat. Obwohl ich ja gedacht hätte, es ist das Talent, was entscheidend ist. Aber King sagt, Talent alleine reicht nicht, es braucht harte Arbeit. Er sagt auch: Selbst wenn ich Talent habe, brauche ich mir nichts darauf einzubilden, es gibt viele mit Talent. Was den Unterschied macht, ist harte Arbeit. 

Aber Schreiben ist doch…  Inspiration… und Talent und… Freude, aber…. harte Arbeit? 

Arbeiten klingt gar nicht gut! Arbeiten klingt nach Fleiß, nach langweiliger Routine, nach… Stunden am Schreibtisch, Stress, Kopfschmerzen, wenig Spaß, Arbeiten eben. Und wie kann ich, wenn ich mich regelmäßig, sozusagen gezwungenermaßen an den Schreibtisch setze, etwas Schreiben, was nicht nur wie eine hölzerne Anleitung zum Zusammenbau eines Möbelstücks klingt? Und das immer zur gleichen Zeit? Mit der gleichen Routine? Am gleichen Ort? 

Brauche ich wirklich eine Schreibroutine, wenn ich mehr will, als nur ab und an ein bisschen hobbymäßig zu texten?

Hast du eine Schreibroutine?

In diesem Post beschäftige ich mich damit, ob es sinnvoll ist, sich auch als Hobbyautor eine Schreibroutine zu zu legen, oder ob man lieber wartet, bis die Muse einen küsst. 

Jahrelang habe ich geschrieben, wenn ich Lust und Zeit hatte. Klar, es war mein Hobby, ich wollte schreiben! Zeitweise war ich so begierig zu schreiben, dass ich jeden Tag viele Seiten in den Laptop getippt habe, oft bis spät in die Nacht. Wenn man alle Seiten nähme, die ich jemals geschrieben habe, kämen wohl etliche dicke Bücher dabei heraus.

Dann gab es Zeiten, da wurde das Schreiben weniger, die Zeit knapper, die Motivation war nicht mehr ganz so hoch, obwohl ich immer noch schreiben wollte. Irgendwann reduzierte sich das Schreiben von mehrmals täglich auf einmal die Woche, einmal alle zwei Wochen, einmal im Monat bis es fast ganz eingeschlafen ist. Zu allem Übel wurde ich auch noch so krank, dass an kreatives Schreiben lange gar nicht zu denken war. 

Am Ende angelangt!

Zeit die Träume zu begraben?

Glücklich war ich damit nicht. Aber irgendwie war die Inspiration weg, die Fähigkeit schien abhanden gekommen, jeder Text fiel mir schwer, um jedes Wort musste ich ringen. Eine Quälerei von vorne bis hinten. Es war wohl besser aufzugeben!

Wenn ich es getan hätte, würdest du jetzt nicht diesen Blog lesen.

Ich wollte weiter schreiben. Wollte unter Anderem mein textbasierte Rollenspiel  nicht sterben lassen, dass ich zu dem Zeitpunkt seit mehr als 8 Jahren mit Freunden geschrieben habe (Inzwischen arbeite ich daran seit mehr als 13 Jahren! WOW!) Es gab noch so viele offene Lines, so viele Ideen, die wir mal dafür gehabt hatten… also habe ich mich zurück gekämpft ins Schreiben. Dennoch waren es meist nicht mehr als ein bis zwei Texte pro Monat, die ich fertig gestellt habe, manchmal auch gar keiner. Es ging schleppend, unbefriedigend. 

Gab es eine Möglichkeit, dieses Drama zu beenden?

Irgendwann bin ich auf eine Webseite gestoßen, die neben einem Schreibprogramm für den PC (Scrivener) auch empfohlen hat, sich eine Schreibgewohnheit anzutrainieren, also ein festes Ritual, zu einer genau definierten Zeit, damit man ins Schreiben kommt. Ich war skeptisch. Wie soll das gehen? Zu einer festgelegten Zeit eine festgelegte Zahl von Worten zu schreiben schien mir wenig inspirierend. Wie kann ich da kreativ sein? Wo blieb die Muse? Ich muss doch in Stimmung sein, um etwas zu schreiben! Oder etwa nicht?

Trotz allem war ich neugierig genug, den Kurs Schreibgewohnheit zu belegen. -> Hier gehts zum kostenpflichtigen Kurs von Gian Carmichel,  ( https://www.knowhowlounge.de , man muss auf der Seite nach dem Kurs „Schreibgewohnheit“ suchen). Außerdem gibt es auf dieser Webseite viele Tipps und Tricks zur Schreibsoftware Scrivener ( hier findet man den Scrivener Download: https://www.literatureandlatte.com ), zu der ich an anderer Stelle noch etwas sagen werde. Allerdings ist Gian von der Knowhowlounge da ein weitaus größerer Kenner als ich, deshalb, solltest du Interesse haben mit Scrivener zu arbeiten, schau dich unbedingt auf Gians Seite um, er hat für fast alles einen Geheimtipp.

Jetzt aber weiter mit der Schreibgewohnheit. Ich fand die Sache tatsächlich einleuchtender als gedacht, allerdings habe ich es anfangs nicht auf Dauer geschafft, mir meine ganze eigene Schreibroutine zu schaffen. Ich bin ein Chaot! Regelmäßigkeit und Routine passten irgendwie so gar nicht zu meinem Stil. Und es ist doch ein Hobby! Das muss schließlich Spaß machen! Oder?

Warum ich trotzdem empfehle, sich eine Schreibgewohnheit zu schaffen?

Es blieb immer noch: Motivation und Freude am Schreiben allein reichten nicht mehr aus: Ich schrieb zwar, aber nur sporadisch! Viel zu selten kam die Muse und inspirierte mich. Und das war ebenso unbefriedigend, wie die Quälerei mit der Routine. Irgendetwas musste sich ändern, wenn ich nicht ganz aufhören wollte. Und das wollte ich auf keinen Fall. Schreiben gehört zu mir wie das Atmen oder das Wasser zum Fisch.

Also gut, neuer Anlauf. Wie war das mit den Gewohnheiten? Um eine neue Routine zu schaffen, braucht es drei Dinge: Einen Auslöseimpuls, also dass, was dich dazu bringt mit deiner Tätigkeit, sei es Schreiben oder Joggen oder was auch immer, zu beginnen. Dann die Tätigkeit an sich und als Abschluss eine Belohnung. Und wenn du das eine geraume Zeit durchhältst, die Rede ist von etwa zwei bis hin zu acht Monaten in Folge (über den Zeitrahmen, wie lange genau es braucht, gibt es Diskussionen), hast du eine neue Gewohnheit etabliert.

Habe ich das umgesetzt? Anfangs ja, zu meinem Rollenspielprojekt kam der Wunsch, ein Buch zu schreiben. Ich fing  an… wenn auch noch etwas zögerlich: Ich fand meinen Platz zum Schreiben, meine Zeit und einen Auslöser… dann kam mal wieder das Leben dazwischen, wichtige Menschen in meinem privaten Umfeld brauchten meine Zeit und Kraft, meine alte Arbeitsstelle forderte mich als Vertretung an – das Schreiben lag brach. 

Seit Anfang diesen Jahres habe ich mir erneut vorgenommen, mehr zu schreiben. Mein Romanprojekt rückt in den Focus, ich habe endlich angefangen, nicht nur davon zu träumen, sondern die ersten Seiten zu verfassen, aktuell sind es schon über 50. 

Und die Idee für den Blog wurde geboren.

Und wie mache ich das nun mit dem Schreiben?

Ich habe mir eine feste Zeit gesucht, bei mir ist das morgens, erschreckend früh morgens (und das, obwohl ich eigentlich eine Nachteule bin!). Und ich habe einen festen Platz (und der ist nicht auf dem Sofa!), auch wenn ich damit nicht ganz zufrieden bin. Außerdem habe ich einen oder eigentlich  zwei Auslöse gefunden, die für mich funktionieren. 

Meine Auslöser

Ich trinke immer Tee beim Schreiben, also koche ich mir als erstes meinen Lieblingstee und stelle mir meine Tasse an den Arbeitsplatz. Allein der Geruch und der sich kräuselnde Dampf wecken Inspirationen. Als nächstes setze ich die Kopfhörer auf und stelle meine Lieblingsmusik ein. Ohne Musik geht gar nichts! Heute habe ich den Beweis dafür gefunden… Ich saß gefühlt stundenlang am Laptop und hab nur wenige mühselig errungene Sätze zustande gebracht, Kaum mehr als 100 Worte. Ich hatte dabei keine Musik an, weil ich nebenbei jemanden am Telefon begleitet habe. Jetzt war ich aber nicht ständig am Quatschen und der andere auch nicht… es war ein stilles nebeneinander und miteinander arbeiten… bei mir blieb es ziemlich unproduktiv. Sobald ich aber den Hörer aufgelegt hatte und die Kopfhörer mich mit meiner Lieblingsmusik beschallt haben, begann der Text zu fließen. Ergebnis: Es wurden noch mehr als 1000 Worte.  Musik ist einer meiner Impulse für meine Schreibarbeit.

Die Inspiration kommt tatsächlich fast wie von allein, wenn ich anfange in die Tasten zu tippen. Meistens jedenfalls! Und weil ich ja regelmäßig schreibe, bin ich viel mehr in der Geschichte drin und es fällt leichter anzuknüpfen.

Wie lange schreibe ich? 

Ich stelle mir einen Timer auf eine Stunde. Und lege konzentriert los. Danach mache ich eine Pause, erledige Dinge im Haushalt oder ähnliches, um später an den Schreibtisch zurück zu kehren. Mein Schreibumfang beträgt zur Zeit täglich zwei bis drei Stunden. Mit dem Blog sogar noch mehr. Das Tagespensum variiert jedoch stark. Manchmal nehme ich mir eine bestimmte Anzahl Worte vor und höre erst auf, wenn ich die erledigt habe. Oder, wenn ich viel Ruhe und Zeit habe oder gerade sehr im Fluss bin, schreibe ich auch länger als geplant. Wenn es mal gar nicht gut geht, sind es nur wenige Sätze oder Worte, aber einen Tag ohne Schreiben gibt es nicht mehr.

Zum Thema Belohnung! 

Das fällt mir schwer. Wenn ich Texte fürs Rollenspiel schreibe, dann ist mir die Rückmeldung meiner Schreibpartner die beste Belohnung. Wenn ich für den Roman Worte zu Papier bringe, bin ich einfach froh zu sehen, wie das Gesamtprojekt Gestalt annimmt und wächst. Und beim Blog? Ist es natürlich euer Feedback. Also schreibt fleißig Kommentare, das freut das Autorenherz. Was die Belohnung an sich betrifft, da gäbe es sicher noch Verbesserungspotential.

Das Erstaunliche: Je regelmäßiger ich schreibe, desto öfter stellt sich meine Muse pünktlich ein. Ich schreibe wieder ca. einen Post pro Woche für mein Rollenspiel und  mehr als einen Blogartikel pro Woche, dazu arbeite ich jeden Tag am Text für den Roman. Auch wenn es nach harter Arbeit klingt, es lohnt sich. Mein Schreiben ist auf ein neues Level gehoben worden, ich komme vorwärts, sehe Erfolge.

Fazit: 

Für mich funktioniert eine Schreibroutine. 

Und dass, obwohl ich nie gedacht hätte, dass ich der Typ für eine solche Regelmäßigkeit bin. So kann man sich täuschen!

Hast du es schon ausprobiert? Schreibst du nach Lust und Laune oder hast du dir eine Routine angewöhnt? Berichte mir doch über deine Erfahrungen!