In diesem Teil meines Roman-Tagebuches will ich berichten, wie ich dazu komme, einen Roman schreiben zu wollen:

Wie ich schon an anderer Stelle erzählt habe, gehört Schreiben schon immer zu mir! Und vom Geschichten erfinden und der Leidenschaft für ein textbasiertes Rollenspiel ist es nicht weit zu der Idee, ein ganzes Buch mit einer Story füllen zu wollen. Da war sie nun, die ominöse Idee vom Roman. 

Wie fängt man denn nun einen Roman an?

Ich denke, es gibt viele verschiedene Möglichkeiten mit einem Romanprojekt zu beginnen, manchmal hat man einen genialen Einfall für eine Geschichte, zack die Idee ist da, ein grober Plot, der Aufhänger für das ganze Drama, dann wieder schleicht sich eine Figur an und sagt „Hallo, willst du nicht meine Geschichte erzählen?“

Manchmal inspiriert mich ein Foto, ein Gemälde oder etwas in der Natur, ein Satz, den jemand sagt oder eine Szene, die ich beobachte. Ich sammle Worte, Ideen, Beobachtungen, Bilder… Gottes weite Welt ist voll von Inspirationen!

Und in diesem Fall? 

Ich schreibe schon lange Texte, bei denen ich mit anderen Schreibern gemeinsam eine Geschichte erzähle. Jeder schreibt aus der Perspektive seiner Figur und der andere antwortet mit seiner Figur und deren Perspektive und führt die Geschichte fort. Das ist manchmal sehr witzig, manchmal anstrengend, aber man befruchtet sich immer gegenseitig mit Ideen und Motivation.

Am liebsten hätte ich nun einen Roman entwickelt aus dem, was ich in diesem Rollenspiel schon erfunden hatte.

Dabei gibt es aber ein Problem

Der Inhalt der Geschichten ist ja nicht allein mein geistiges Eigentum. Es beruht auf den Ideen verschiedener Autoren, die alle Versatzstücke zu der Geschichte beigetragen haben. Und ich habe gar nicht mehr Kontakt zu allen, damit ich sie fragen könnte, ob ich Ideen, die wir gemeinsam gehabt haben, in meinem Buch verwursten darf. Damit ist diese Möglichkeit gestorben.

Hier zeigt sich schon ein großes Thema beim Schreiben: 

Urheberrecht und geistiges Eigentum. 

Darauf zu achten ist nicht nur aus rein rechtlichen Gründen nötig, hier könnten Schadensersatzforderungen drohen, es ist mir auch an sich ein Anliegen. Denn ich möchte ja selbst nicht, dass mir jemand meine Ideen klaut.

Das Rollenspiel führe ich gerne weiter, der Roman muss aber aus diesem Grund eine davon getrennte, unabhängige Sache sein.

Die Schwierigkeit blieb also, ich brauchte eine frische Idee für den Roman. Eine neue, unverbrauchte Idee, eine Idee, die funktioniert. Und die trägt für eine Geschichte, die nicht nur ein paar Seiten lang ist, sondern mehrere Hundert.

Aber woher nehmen und nicht stehlen?

Ich wusste nicht viel. Nur, dass meine Geschichte in einer mittelalterlichen Welt spielen soll, denn da kenne ich mich ganz gut aus. Mein Rollenspiel ist schließlich um 1200 in England angesiedelt und dazu habe ich schon unendlich viel recherchiert. 

Also wäre es doch nur logisch, den Roman ins England dieser Zeit zu verlegen, oder?

Es sprach einiges dafür, manches aber auch dagegen. Am Ende blieb die Idee einer mittelalterlichen Welt in einem fiktiven Kontext. Warum genau ich es nicht historisch in unserer realen Welt verankern möchte, dazu an anderer Stelle mehr.

So, das Setting war da: Mittelalter und fiktive Welt. Und dann? Was will ich eigentlich erzählen?

Ich habe gehirnt und gegrübelt und irgendwann flog mich eine grobe Idee an. Etwas, was eigentlich ein Schema F bei vielen Romanen ist. Noch nichts Spezifisches. Nur der ungefähre Rahmen.

Und wie gehts weiter?

Vom Rollenspielen kenne ich das, dass oft mit der Figur auch die Geschichte kommt, die sie erzählen will.

Also: Ich brauchte einen Hauptcharakter, den ich fragen kann, was er denn erlebt hat und erzählen möchte.

Ja, du hast richtig gehört, ich frage meine Figuren und die machen sich oft selbstständig, erzählen, wollen sich mitteilen und haben ihre ganz eigenen Vorstellungen von der Geschichte.

Ob ich meinen Chara gefunden habe? Und ob er redet?

Wie es weiter geht, kannst du im nächsten Teil meines Roman-Tagebuches lesen.