Auf dem Weg zum Roman

Schlagwort: Schreibkurs

Roman-Tagebuch Teil 13

In diesem Teil meines Roman-Tagebuches will ich einen kurzen Einblick in meinen gestrigen Tag und den Online-Kurs geben, den ich belegt habe:

Wie sich Pläne ändern können

Nach dem ich mich drei Tage mit Migräne geplagt habe, bin ich gestern aufgewacht und es schien deutlich besser. Natürlich habe ich mich gefreut und den Tag entsprechend in Angriff genommen. Ich hab geduscht, mich ausnahmsweise 😉 mal hübsch gekleidet und habe mich auf den Weg gemacht. Ich hatte versprochen, jemanden aus meinem Bekanntenkreis zu einem wichtigen Arzttermin zu fahren. Um 11 Uhr 20 mussten wir da sein. Auf der Hinfahrt hat auch alles reibungslos geklappt. In der Zeit, in der ich hätte warten müssen, bin ich in die Lörracher Innenstadt gegangen und habe noch einige Besorgungen getätigt, sowie Geld abgehoben, damit mein Sohn am Nachmittag einkaufen fahren konnte für die Familie. Anschließend saß ich zu Hause auf heißen Kohlen, denn am Nachmittag ab 14 Uhr sollte ja das erste Treffen des Online-Schreibkurses stattfinden, zu dem ich mich angemeldet hatte. Und der Arzttermin dauerte und dauerte, ich bekam Zwischenmeldungen, die ein ums andere Mal besagten, „Ich bin noch nicht dran!“ Erst nach 13 Uhr konnte ich zum Abholen starten. Bis ich meine Bekannte wieder aufgesammelt hatte, war es zwanzig nach 1. Der Weg zurück zu Ihr dauert, wenn man gut durchkommt 15 Minuten, bei mehr Verkehr werden es leicht 20 Hin und Zurück also 40 Minuten, ich konnte es gerade noch rechtzeitig zu meinem Kurs schaffen. Also hab ich mich gesputet. Aber schon auf der ersten, großen Straße: Stau, stadtauswärts: Stau, auf der Autobahn: Stau, auf der Nebenstrecke, mit der ich die Autobahn umgehen wollte: Stau. Defacto haben wir für eine Strecke statt 15 schnellen Minuten, mehr als 25 langsame gebraucht. Rechtzeitig zurück zu sein, schien unmöglich. Also entschieden wir, ich nehme am Kurs von der Wohnung meiner Bekannten aus teil, die mir dafür ihren Arbeitsrechner und ihr Internet zur Verfügung gestellt hat. 

Werde ich es rechtzeitig schaffen?

Noch eine Viertelstunde Zeit! Zuerst PC aus der oberen Etage, dem Arbeitszimmer, ins Wohnzimmer holen, mit Lan-Kabel verbinden, damit die Leitung stabiler läuft und natürlich an den Strom anstöpseln, damit er nicht mittendrin abrauscht. Nächstes Problem: man muss Zoom noch herunterladen! Und ich muss es schaffen auf dem PC meiner Bekannten, meinen Mailaccount aufzurufen…. Ähm wie war das Passwort nochmal?  Da ich ja modern bin, merkt sich das nur mein PC im Keyspeicher! Also das ganze über Handy-Authentifizierung…. Jetzt gib mal diesen Scheißlangen Code ein, wenn du aufgeregt bist und unter Zeitdruck stehst… aber wir habens geschafft… Mail aufgerufen, Zugang zu Zoom angeklickt und schwupps war ich drin im Meeting-Raum. Fast zehn Minuten vor der Zeit als eine der ersten! Alles gut, beruhig dich wieder, Martina, du hast es geschafft… aber ich sage es Euch, ich stand echt unter Strom!

Und wie lief es nun?

Wir waren insgesamt 11 Leute im Online-Schreibkurs. Den nächsten Schock kriegte ich, als es hieß: „Und jetzt zeigt mal eure Studi-Ausweise…. Ähm, ähm, ähm, ich bin gar keine Studentin…!! Aber zum Glück hatte ich alles richtig gemacht, den teureren Zugang für Externe bezahlt und brauchte keinen Nachweis, dass ich irgendwo studiere…Insgesamt waren wir, wenn ich mich nicht irre 3 Externe und 8 Studierende… ein bunter Haufen, alt, mittelalt und jung, von Jurastudent und Leuten aus dem Studienfach Geschichte bis zu Sozialkeramikstudenten, Erziehern und Pensionären…mit mehr oder weniger Schreiberfahrung… immerhin schien ich trotz meines überhaupt nicht studierten Hintergrundes nicht völlig fehl am Platz.

Die ersten Fragen, die man mit einer persönlichen Vorstellung beantworten sollte, waren zum einen die nach der Motivation für den Kurs und zum zweiten die berühmte Zeitreisefrage: „In welche Zeit würdest du gerne reisen, wenn du eine Zeitreisemaschine hättest?“

Mhh, keine Frage bei mir wäre es schon das Mittelalter… kurz vor 1200, am liebsten in England… 

Eine spannende Idee…

Eine Freundin sagte später: „Na eigentlich ist es doch ganz klar, wohin man reisen muss, wenn es nur eine einmalige Zeitreisemöglichkeit gäbe!“

 Auf meine Nachfrage antwortete sie: „In die Zeit von Jesus, um zu sehen, ob die biblischen Berichte von Tod und Auferstehung wahr sind!“

Das hat mich sehr nachdenklich gemacht, darauf bin ich gar nicht selbst gekommen. Aber klar, Jesus persönlich zu begegnen, ihn fragen zu können, mit ihm zu speisen und durch Galiläa zu wandern, das wäre schon eine Zeitreise wert. 

Zurück zum Kurs

Die Teilnehmer am Kurs hatten auch unterschiedliche Antworten: vom alten Rom oder Griechenland übers frühe, mittlere und späte Mittelalter, die Zeit um 1850 bis in die 1920 oder 1950/60 Jahre. Auch die Motivationen waren so unterschiedlich wie die Teilnehmer. Manche haben mehr Schreiberfahrung, andere weniger, manche kommen mehr wegen des geschichtlichen Teils, andere wollen eher autobiographisch arbeiten, andere eher fiktional mit geschichtlichen Bezügen und andere mehr realitätsnah mit wenig fiktionalen Anteilen.

Weiter ging es mit einem Aufwärmspiel… es folgte Arbeit mit Mindmaps. Inhaltlich ging es um Geschichtsbewusstsein und darum, dass der Protagonist nicht unbedingt das gleiche Verständnis von Geschichte haben muss, wie ich als Schreiber.

Sehr spannend und trotzdem leicht logisch nachvollziehbar. Ich hab mich nicht abgehängt gefühlt. Davor hatte ich ein mulmiges Gefühl, ob der Kurs überhaupt für mich geeignet sein könnte. Jetzt bin ich überzeugt, dass ich richtig gelandet bin.

Nach dem Kurs war ich aufgedreht wie ein Duracellhäschen!

Kennt den noch jemand?

Dieses Häschen mit Batterie, das läuft und läuft und läuft und dabei wie wild trommelt…

Unglaublich. Ich war ein echter Adrenalinjunkee, hätte plappern und plappern und plappern können… Diese Form von Unterricht (Online per Zoom, mit mir fremden Leuten und einer starken Selbstbeteiligung und der Gefahr sich zu „blamieren“) setzt mich echt unter Strom. Zum Beispiel die zweite Aufgabe: Erstelle eine Mindmap zu deinem Thema. Du hast dafür zehn Minuten! Die knappe Zeitvorgabe hat mich echt unter Druck gesetzt. Ich brauche sonst für so etwas ewig. Zumal ich mir nicht mal klar war, zu welchem Thema ich das nun erstellen sollte oder wollte… sollte ich offen zu meinem Romanthema die Mindmap verfassen oder zu meinem Rollenspielthema, zum Mittelalter in Europa im Allgemeinen oder im Besonderen, zu englischer, deutscher oder sonstiger Geschichte…. Ahhhhh….

Ich habe mich schließlich für Europa im Mittelalter entschieden und mich später geärgert, dass ich nicht gleich spezifischer geworden bin,… aber so lerne ich dazu. Ich will etwas mit dem Kurs. Er soll mir für diesen Roman und für alle weiteren, die ich vielleicht noch schreiben werde, helfen. Also muss ich gucken, was ich daraus ziehen kann, was für mich hilfreich ist, was mein Thema voran treibt und nicht, was den anderen hilft, womit ich vielleicht gar nichts anfangen kann. Ich bin nun fest entschlossen, immer so konkret wie möglich an meinem Projekt zu arbeiten.

Ein anderer Teilnehmer wird wohl etwas „Ähnliches“ basteln: eine fiktionale Welt mit historischen Vorbildern und eine „klassische“ Heldenreise…. Bin gespannt, ob man sich gegenseitig inspirieren kann oder ob es eher in Konkurrenz ausartet…

Nett war noch, dass jemand dabei ist, der über etwas schreibt, mit dem ich mich auch ein bisschen auskenne. Ich konnte in einem privaten Chat mitteilen, dass ich etwas mit ihrem Buchthema zu tun habe und nun wollen wir uns mal privat „unterhalten“, in Coronazeiten ja leider nicht persönlich, sondern höchstens per Telefon oder über Chats. Ansonsten wären wir „ein Bier“ trinken gegangen, wobei das auch aus räumlichen Gründen schwierig geworden wäre, die Entfernung zwischen uns beträgt so ca 800 km.

Alles in allem kann ich sagen, ich denke, für mich lohnt sich der Onlinekurs der Universität Mainz. Ich bin froh, dass ich mich angemeldet habe…

Leider muss ich jetzt für heute hier enden, die Migräne kam nach dem anstrengenden und aufregenden Tag gestern mit voller Wucht zurück und ehe mir der Schädel vollends platzt, ist nun hier Schluss.

Über Kommentare freue ich mich immer. Also scheut euch nicht und hinterlasst eure Meinung!

Roman-Tagebuch Teil 12

In diesem Teil berichte ich von Flauten und Schreibblockaden:

Seit dem letzten Roman-Tagebuch-Eintrag hat sich an meinem Manuskript nichts Wesentliches getan. Keine neue Szene ist entstanden, kein Fortschritt in irgendeiner Form zu verzeichnen. Es herrscht absolute Schreibflaute. Ebbe. Ich hab zwar Ideen, wo und wie es weiter gehen kann, aber ich bringe sie nicht zu Papier, die Ideen.

Woran liegt es, ist da die erste Frage, die ich mir stelle. Zum einen an der Zeit, der Ruhe und der Muße. Zeit zu finden, in der ich ungestört und am Stück arbeiten kann, ist gerade sehr schwer. Ich habe zum einen immer noch viel zu tun und festgestellt, dass ich tagsüber nicht genug innere Ruhe finde, selbst wenn ich mal eine Stunde Pause hatte, kam ich dann nicht hinein ins Geschehen meiner Geschichte. Es war, als guckte ich nur von außen darauf und fände die Verbindung zu meinen Charakteren nicht mehr. Zum anderen waren diese Pausen selten und rar und irgendwie drängten sich dann andere Gedanken in den Vordergrund.

Außerdem habe ich zur Zeit Besuch von meinem großen Sohn. Darüber freue ich mich natürlich sehr und ich genieße es auch, Zeit mit ihm zu verbringen. Für das Schreiben bedeutet das aber, dass mein Arbeitsraum gerade belegt ist. Wie ich ja schon berichtet habe, schreibe ich oft zwischen 5 und 8 Uhr morgens. Und ich kann ja schlecht in den Schlafraum meines Sohnes um diese Zeit hineinplatzen. Obwohl er meinte, wenn es leise geschähe, wäre es okay, fühle ich mich dabei nicht wohl und wäre dann sicher auch gehemmt, was das erfinden, fabulieren und texten angeht. Also lasse ich es. Zu späterer Zeit bin ich aber nicht mehr so kreativ oder anders gesagt, dann hat mich das normale Leben in seinen Bann gezogen und ich habe zu viel zu tun.

Tja und noch eine Ausrede habe ich: Seit mehr als drei Tagen plagt mich eine ausgewachsene Migräne. Die Kopfschmerzen halten sich zwar noch in Grenzen, aber ich   kämpfe mit einer sogenannten Migräne-Aura: Mir ist schwindelig. Wenn ich den Kopf drehe, schwankt der ganze Raum. Übelkeit wallt auf. Ich bin lichtempfindlich und lasse überall die Rollos runter, weil es selbst ohne Sonnenschein zu hell draußen ist. Und manche Gerüche ertrage ich schier nicht. Damit zu schreiben ist quasi nicht möglich. Allein schon der Bildschirm ist zu grell. Denken quasi ausgeschlossen. Da ich auf Grund anderer Tabletten, die ich nehmen muss, nicht alle Schmerztabletten vertrage, habe ich es mit Paracetamol versucht: Null Effekt. Auch Kühlen hat nur wenig Linderung gebracht. Einzig Liegen, Schlafen, möglichst wenig Bewegen und vor allem dunkle Zimmer haben ein wenig Linderung gebracht. Schnauf. Doofe Sache.

Heute geht es zum ersten Mal etwas besser, was du daran siehst, dass ich einen Blog-Artikel verfassen kann.

Ah, und der letzte Grund liegt in der Geschichte selbst. Ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie es weiter geht. Und vermutlich ist dass der entscheidende Grund für meine Schreibblockade. Ich habe drei offene Enden. Für zwei davon habe ich grobe Ideen, wie es weiter gehen kann und soll. Das dritte Ende schwebt irgendwie im luftleeren Raum. Mein Protagonist weiß selbst nicht, wie weiter… er ist auf dem Weg von A nach B, wobei B irgendwie im Nebel liegt… ich habe zwar zwei Ideen, wie es weiter gehen könnte, kann mich aber nicht so recht entscheiden…. Lasse ich ihn alleine kämpfen? Gerät er gleich in irgendwelche neuen Schwierigkeiten, sucht er sich sofort Hilfe… findet er sie dort, wo ich es denke oder doch nicht? Ihr seht, viele Fragen sind offen. 

Das es dort nicht weiter geht, liegt einzig und allein daran, dass ich nicht gut im Planen und Plotten bin. Als Plotten bezeichnet man das Vorausplanen der einzelnen Handlungsstränge einer Geschichte, sprich das grobe Konzept. Und mein Konzept ist sehr grob. Ich habe nur einen Ausgangspunkt und einige wenige Eckpfeiler gehabt und ein Ziel in weiter Ferne, dass ich irgendwie erreichen will. Das rächt sich nun. Bevor ich an der Stelle weiter machen kann, brauche ich selbst erstmal Klarheit, auf was ich hinaus will und wie es weiter gehen soll. Also ist Planen angesagt!

Könnte ich dann nicht an Stelle Nummer zwei weiter machen? Theoretisch eine gute Idee, praktisch wäre es vermutlich nicht klug. Denn Szene Nummer zwei liegt irgendwo in der Zukunft von Szene Nummer drei und so lange ich nicht weiß, wie es dort weiter geht, ist es gefährlich Nummer zwei auszuformulieren. Denn erstens ändert sich mein Protagonist vielleicht auf dem Weg dorthin. Neue Ereignisse bringen neue Erkenntnisse, neue Verhaltensweisen, neue Denkweisen und dann würde die Szene nicht mehr passen. Oder der Weg ändert sich völlig und ich lande gar nicht mehr dort, wo ich hinwill. Also sppare ich mir den Atem und warte, bis meine Hauptfigur bei Szene zwei tatsächlich angekommen ist. Erst dann kann ich sagen, wie sich das Ganze entwickeln wird.

Bleibt noch Nummer eins: Dort weiß ich, wie es weiter gehen soll, ich bin auch schon am richtigen Punkt, um dort weiter zu schreiben, kein Protagonist hindert mich, niemand würde mir reinpfuschen, und es liegt nicht zu weit in der Zukunft… Aber dort hadere ich mit mir und der Figur, die diesen Teil erzählt. Die Erzählerin macht das eigentlich gut, aber ich tue mich trotzdem schwer… so ganz kann ich es selber nicht erklären. Am ehesten würde ich sagen: Ich kann da zwar weiter machen, aber ich will gerade nicht.

Was tue ich nun dagegen?

Ich lese! 

Ich lese meine eigenen Texte. Immerhin stehen da schon hundert Seiten. Und es ist sicher nicht verkehrt, nochmal zu verinnerlichen, was ich schon fabriziert habe. Außerdem kommen einem dabei neue Ideen, wie es weiter gehen kann. Das hoffe ich zumindest. Ich komme wieder in Kontakt mit meiner Hauptfigur, kann sie fragen, was sie will und wo es hingeht. Nebenbei habe ich Kleinigkeiten überarbeitet, wobei das diesmal nicht im Vordergrund stand. Aber es ergaben sich Nachfragen und ich habe begonnen wieder neu zu recherchieren. Auch ein Punkt. Recherche hilft weiter. Ich lese also auch Fremdtexte. Suche im Internet. Schau mir Bilder an. Rede mit Leuten. 

Und wie im letzten Blog-Post erwähnt, fange ich heute einen neuen Schreibkurs an:

Literarisches Schreiben und historisches Erzählen

Ich bin sehr gespannt und ein wenig aufgeregt. Noch weiß ich nicht genau, was mich erwartet. Aber ich erhoffe mir einen großen Kick für meine Schreibarbeit. Und ich hoffe, dass ich nicht untergehe bei all den Studierenden und klugen Leuten. Die Maximalgröße des Kurses lag glaube ich bei 11 Leuten, was ja recht überschaubar ist. Ich bin wie gesagt, sehr gespannt und hoffe auf Anregungen und neue Erkenntnisse, die mich weiter bringen. Das ganze findet über Zoom statt und ich hoffe, dass es technisch alles gut läuft. Bei meinem letzten Webinar über Zoom hatte ich Startschwierigkeiten und bin immer wieder rausgeflogen, bis ich schließlich den Laptop gewechselt habe. Diesmal benutze ich deshalb gleich mein kleines MacBook statt den Windowsrechner.

Natürlich berichte ich hier, wie es gelaufen ist. Und ob ich wirklich neue Inspirationen für den Roman daraus ziehen konnte. 

Wie es weiter geht, kannst du im nächsten Teil meines Roman-Tagebuches lesen. Über Kommentare freue ich mich immer.