Auf dem Weg zum Roman

Schlagwort: 3000 Worte

Roman-Tagebuch Teil 8

In diesem Teil meines Roman-Tagebuches berichte ich von gelungener Wiederherstellung und neuen Hoffnungen:

Geschafft! Gestern abend konnte ich sagen, die Szenen sind alle wieder hergestellt. Nicht in allen Teilen genauso, wie zuvor, aber zumindest sinngemäß. Und bin ich jetzt zufrieden? Teilweise!

Warum nur teilweise? Mhh, das ist schwer zu sagen. Zum einen merke ich, dass ich of am ersten Entwurf hänge, weil der aus meinem Herzen geflossen und mein ureigenstes Baby ist. Das ist natürlich auch hinderlich beim Überarbeiten. Es macht es mir schwer. Dabei gilt die allgemeine Regel: „The first draft of anything is shit.“, von Ernest Hemingway (zu deutsch: Der erste Entwurf ist immer Scheiße!) 

Insofern ist es eigentlich nicht schlimm, diese Szene noch einmal neu verfasst zu haben. Auch dieser Entwurf wird nicht der letzte bleiben. Ich werde es überarbeiten und überarbeiten und überarbeiten. 

Trotzdem trauere ich dem ersten Entwurf ein wenig nach, bin nicht zufrieden.

Außerdem und als zweites ist da die Angst, etwas Wesentliches vergessen zu haben. Etwas übersehen, verloren zu haben, unwiderbringlich, weil ich mich nicht erinnere oder nicht richtig erinnere. Das Gedächtnis ist tückisch oder wie Fachleute sagen: „Wir vergessen nicht nur, wir verdrehen, verzerren und verformen unsere Erinnerungen wie Knetgummi.“ (Aus: https://www.dasgehirn.info/denken/gedaechtnis/vom-vergessen-und-falschen-erinnern) Sprich, es ist nicht nur so, dass mir eventuell etwas fehlt vom Text, an das ich mich nicht mehr erinnere, nein, es könnte auch sein, dass ich irgendetwas leicht verdreht neu notiert habe. Ein Gefühl nicht mehr so deutlich ist oder deutlicher als zuvor. Ein Gedanke, den es vorher noch nicht gab usw. Das Problem ist, das kleine Verschiebungen manchmal große Auswirkungen haben können. Seufz.

Und ich ärgere mich über den Zeitverlust. Darüber, dass ich zwei Tage damit verbracht habe, zu rekonstruieren, was da eigentlich schon stand. Dass ich in dieser Zeit nicht voran gekommen bin, dass keine neuen Szenen entstanden sind,… dabei ist meine Schreibzeit ohnehin nicht reichlich bemessen. Ich knappse sie mir von anderen Dingen ab und habe ab und an ein schlechtes Gewissen, soviel Zeit mit Tippseleien zu vergeuden.

Aber wie auch immer, ich kann es nicht ändern, kann die Zeit nicht zurück drehen und den Verlust der 3000 Worte nicht verhindern… aber ich kann vorwärts schauen und dort weiter machen, wo ich aufgehört habe. 

Insofern bin ich zufrieden, denn das, was da jetzt steht ist eine gute Ausgangsposition für das, was folgen soll. Und das alleine zählt.

So betrachtet „Ich bin zufrieden!“

Was ich durch die verlorene Zeit nicht geschafft habe, ist die Schlüsselszenen zu beenden und weiter voran zu gehen. Das heißt, ich bin noch nicht an der Stelle angekommen, wo es um einen Perspektivwechsel geht. Und gerade frage ich mich auch, ob ich den jetzt einschieben will, gerade bin ich eigentlich gut im Fluss mit meiner Hauptfigur und ich fürchte, wenn ich die Person wechsele, die ich begleite, würde mich das ausbremsen und zurück werfen. Vielleicht muss ich einfach so lange bei meinem Hauptchara bleiben, bis es nicht anders möglich ist, als zu wechseln. Oder bis ich an einen Punkt komme, wo ich mit seinem Handlungsstrang ins Stocken gerate. 

Was ich schön und gut finde, ist, dass ich inzwischen so in meiner Geschichte drin bin, dass mir auch im Alltag Ideen zufliegen, Bilder sich in mein Blickfeld drängen, die Figuren erzählen, wie es weitergeht… neue Ideen wachsen

Für diese Woche kann ich vermerken:

Montag und Dienstag habe ich nicht geschrieben, bzw. nicht wesentlich geschrieben: 0 und 9 Worte. Am Mittwoch und Donnerstag habe ich sehr voran gemacht. Insgesamt 3000 Worte. Die mir dann aber am Freitag morgen abhanden gekommen sind. Freitag 1500 Worte und Samstag nochmal: Ergebnis 3000 Worte wieder hergestellt. Reine Schreibleistung 6000 Worte, leider entspricht das nur 3000 wirklich Neuen…. Wenn man das auf die tägliche Leistung umrechnet, sind es immer noch 500 Worte pro Tag. Gar nicht so schlecht für eine solche Katastrophenwoche.

Ab Montag schreibe ich dann hoffentlich wieder  vorwärts.

Wie es weiter geht, kannst du im nächsten Teil meines Roman-Tagebuches lesen.

Roman-Tagebuch Teil 6

In diesem Teil berichte ich von Katastrophen und Frust:

3000 Worte sind über Nacht verschwunden!

Klammheimlich und so mir nichts dir nichts und alle Versuche sie wieder herzustellen, sind fehl geschlagen.

Ich bin schockiert, entsetzt, am Boden zerstört.

3000 Worte sind drei Tage Arbeit. Und diese 3000 Worte waren Schlüsselszenen. Dialoge, an denen ich lange gefeilt habe, Beschreibungen, die wichtig waren, Details und Kleinigkeiten und jede Menge Herzblut. 3000 Worte! Selbst wenn ich noch Teile davon überarbeitet, gestrichen oder geändert hätte, waren sie die Grundlage. 3000 Worte fehlen und ich weiß nicht, wie ich sie wieder zurück bringen soll.

Abgesehen von meiner Verzweiflung, die echt hinderlich ist, ist es sehr schwer, einen Text ein zweites Mal so gut zu Papier zu bringen…. Ich kenne das schon von früher, wo mir ab und an Texte fürs Rollenspiel abhanden gekommen sind. Jeder neue Versuch ist eine Quälerei, weil man möglichst nah ans Original heran will und sich doch nicht mehr genau genug erinnert.

Aber wie kam es dazu?

Als ich heute morgen, den letzten Abschnitt meiner Geschichte meinem Mann zum Lesen geben wollte, traf mich der Schlag. Ich öffnete mein Schreib-Programm und hatte mich schon beim Öffnen gewundert, dass als letztes Datum Dienstag angegeben worden war, dabei hatte ich doch gestern und vorgestern auch daran gearbeitet. Und oh Schreck: Es fehlte der letzte Abschnitt, fast ein ganzes Kapitel.

Auch das Nachsuchen, ob nicht irgendwo noch ein Backup gespeichert ist, das man wiederherstellen könne, ergab: letztes Backup vor zwei Tagen!

Wie kann das sein? 

Ich arbeite ja seit Neuestem mit Papyrus. Ich war davon ausgegangen, dass das Ding automatisch speichert. Aber so scheint das nicht zu sein. Und ich habe wohl nicht darauf geachtet und viel zu selten selber aktiv auf Speichern gedrückt.

In Scrivener ist das anders, da wird alle zwei Sekunden automatisch gespeichert. Text verlieren ist nahezu ausgeschlossen, es sei denn, ich lösche etwas absichtlich. Und merke hinterher: Das war falsch.

Jetzt habe ich aber aus verschiedenen anderen Gründen zu Papyrus gewechselt und bin an vielen Punkten für den Roman damit auch sehr zufrieden, aber das ist ein echtes Manko. Wie kann das geschehen, dass drei Tage Arbeit einfach so weg sind? 

Und nun? 

Nun muss ich mich wohl gleich ans Werk machen und zusehen, dass ich möglichst viel aus meinem Gedächtnis wieder zu Papier bzw. in den Computer bringe. 

Und ich werde recherchieren, ob man auch bei Papyrus eine automatische Speicherung alle paar Minuten einrichten kann. Ich hoffe, mein Mann kann mir bei diesem technischen Problem helfen.

Was bleibt ist eine Menge Frust und eine Menge Arbeit!

Um möglichst schnell die verlorenen Szenen wieder herzustellen, ende ich für heute hier und setze mich an meinen Romantext.

Ich werde demnächst berichten, wie es weiter geht und ob ich es schaffe, die Texte einigermaßen zufriedenstellend wieder herzustellen.