Am letzten Wochenende: 29. bis 31. Juli 2022 war ich beim Kaltenberger Ritterturnier. Und natürlich gibt es hier dazu einen Bericht. Das Bild, das oben zu sehen ist, ist nur ein Symbolbild, da man beim Kaltenberger Ritterturnier weder Fotos noch Filmaufnahmen machen darf.

Die Fakten

Das Turnier wurde 1980 von Prinz Luitpold von Bayern ins Leben gerufen. In den letzten zwei Jahren musste es Coronabedingt ausfallen. Die Arena, in der die mittelalterliche Stunt-Show stattfindet ist 70 mal 30 Meter und bietet fast 10.000 Sitzplätze und 3.000 Stehplätze. Um die Arena und das Kaltenberger Schloss (erbaut ab 1292) findet ein Markt statt mit Handwerkern und Verkaufsständen. Außerdem gibt es mehrere Bühnen, auf denen mittelalterliche Musik und Gaukelei geboten wird. (Quelle www.wikipedia.de)

Die Karten kosten von 29,95 Euro für den Einlass auf den Markt mit Stehplatz über mindestens 44,95 für einen Sitzplatz bis zu 74,95 für einen Logenplatz.

An einem Wochenende gibt es auch eine Gauklernacht. Dort musste man für den Eintritt 39, 95 Euro berappen.

Alle Infos zum Kaltenberger Ritterturnier findest du unter www.ritterturnier.de

Die Ankunft beim Kaltenberger Ritterturnier:

Wir hatten von unserer Unterkunft eine knappe halbe Stunde Anfahrtsweg. Dank Google Maps und Handynavigation kein Problem. Die letzte Strecke war auch ausgeschildert. Am Parkplatz angekommen, wiesen uns nette Damen und Herren einen passenden Parkplatz auf einer Wiese zu. Natürlich nicht, bevor wir nicht den Obolus von 5 Euro Parkgebühr entrichtet hatten.

Wir hatten uns den Samstag als Besuchstag ausgesucht. Einlass sollte um 16 Uhr sein. Auf Empfehlung von Bekannten erreichten wir das Gelände der Kaltenberger Ritterspiele recht früh, nämlich eine Stunde vor Einlass. Nachdem wir die letzten Assecoires an der Gewandung gerichtet und die Mittelaltersandalen geschnürt hatten, begaben wir uns auf den kurzen Weg vom Parkplatz zum Eingang. Dort hatte sich schon eine Menschentraube gebildet. Eine Lokalität vor den Toren des Spektakels sorgte für Getränke. Etliche machten davon Gebrauch, obwohl es an unserem Besuchstag mit etwa 20 Grad nicht sonderlich heiß war.

Angesichts der Menschenmenge begann der Einlass auf den Markt schon ab ca. halb vier, so dass es sich gelohnt hat, früher da zu sein. Dennoch haben wir uns gefragt, warum der Markt nicht schon mittags oder gar vormittags öffnet. Von anderen Mittelaltermärkten sind wir es gewohnt, den ganzen Tag dort zu verbringen und richtig in eine andere Zeit einzutauchen.

Der Markt

Leider ging es mir körperlich nicht so besonders gut an diesem Tag, was den Besuch des Ritterturniers und des Marktes ein wenig getrübt hat. Das war aber nicht der alleinige Grund, dass mich der Markt enttäuscht hat. Es gab wenig richtig mittelalterliches. Der Töpfer hatte zwar schöne Tonwaren, auch Türme und Burgen, in die man eine Kerze/Teelicht stellen konnte und ähnliches, aber das war eher moderne Kunst, sehr schöne Kunst, zugegebener Maßen, aber eben nicht mittelalterlich. Ich hätte mir zum Beispiel Tonwaren wie Krüge, Becher oder Schalen gewünscht.

Gewandungsstände habe ich nur zwei entdeckt und einer davon hat Kleidung im Ethnostyle angeboten, aber keine mittelalterlichen Kleidungsstücke. Der zweite hat sehr schöne, aber auch sehr teure Gewandungen. Schade. Hier wäre noch Potential nach oben.

Dafür gab es einen Stand mit Holzkämmen und immerhin einen Waffenstand. Wobei wir uns dort gefragt haben: Wieso darf man Waffen auf dem Markt kaufen, wenn man aber beim Einlass keine tragen darf? Wozu soll ich dann ein Schwert oder einen Dolch erstehen, wenn ich ihn beim nächsten Mal dann gar nicht mitbringen kann? Auch hier ein deutliches Minus zu anderen Mittelaltermärkten.

Positiv aufgefallen sind uns handwerkliche Darstellungen, so gab es einen Tischler/Schreiner bei dem Besucher sich nicht nur ansehen konnten, wie Holz mit Beitel und Hammer bearbeitet wurde, sondern sogar selbst Hand anlegen konnten. Außerdem gab es eine Färberei, die zeigte wie Wolle und Leinen mittels Naturfarben gefärbt wurden und die Möglichkeit in Hütten hinein zu schauen und zu sehen, wie man damals hauste.

Verpflegung auf dem Kaltenberger Ritterturnier

Attraktiv fanden wir auch die Bewirtungsstände und die Möglichkeit ein mehrgängiges Rittermenü zu buchen. Das Menü wäre sehr üppig gewesen, weshalb wir dieses Mal darauf verzichtet haben, uns einen Platz zu reservieren. Im Nachhinein habe ich eben erfahren, dass man das Menü auch erst ab 4 Personen buchen konnte und wir waren nur zu zweit. Wieder schade.

Aber auch die anderen Stände boten leckere kulinarische Schmankerln. Von verschiedenen Knödelvariationen und Hirschgulasch mit Knödeln über Waffeln und Pfannkuchen mit süßer oder herzhafter Füllung gab es vieles. Es duftete herrlich nach gebratenem Fleisch und auch für den Durst gab es genügend Stände. Bier wurde in rauen Mengen ausgeschenkt. Aber man durfte auch eigene Flaschen mit aufs Gelände bringen, so lange es keine Glasflaschen waren.

Musik und Rahmenprogramm

Neben einem Barden (Barlhow), der sein Publikum mit Späßen, Laute und nettem Gesang, sowie seiner frechen Schnauze unterhielt, spielte zum Beispiel das Weibsvolk auf, eine Gruppe aus 4 Frauen, die mittelalterliche Lieder aus verschiedenen Ländern darboten. Mit Percussion, Flöten, Dreisaiter, Fidel und Gesang unterhielten sie das Publikum gar trefflich.

Außerdem spielten an unserem Wochenende die Bands Koenix und Tanzwut auf und es gab zahlreiche weitere Gaukler, Jongleure und Walking Acts auf dem Gelände.

Ein Trupp Trommler und Fahnenschwenker zog immer mal wieder über den Platz und um 18 Uhr fand der Festumzug mit allen Gruppen über das Veranstaltungsgelände des Kaltenberger Ritterturniers statt.

Das Kaltenberger Ritterturnier – die Stuntshow

Ab 19 Uhr war Einlass in die Arena. Die Sitzplätze auf Holzbänken waren recht eng und nicht sonderlich bequem. Beim nächsten Mal nehme ich mir sicher ein Sitzkissen mit.

Das Vorprogramm startete um 19 Uhr 30 mit Musik und Fahnenschwenker und dem Herold Walter von der Pferdewiese. Dieser Teil war ganz nett, riss uns aber noch nicht vom Hocker. Das eigentliche Turnier wurde dann von Prinz Luitpold von Bayern höchstpersönlich um 20 Uhr eröffnet.

Der zweite Teil, das Hauptprogramm ,wartete mit einer ganz ordentlichen Story und etlichen aktiven Darstellern auf. Die Geschichte entbehrte zwar in manchen Teilen der Logik, war an anderen Stellen für eifrige Mittelalterfans recht vorhersehbar und doch so nett gemacht, dass sich die Show sehen lassen konnte. Besonders zu loben sind die Stuntreiter, die ihre Sache sehr gut gemacht haben und für Spannung und atemberaubende Momente gesorgt haben.

Alles in allem hat das Kaltenberger Ritterturnier meine Erwartungen erfüllt. Es war ein unterhaltsamer Abend mit einigen spektakulären Bildern, die sich mir ins Gehirn gebrannt haben. Anregung für meine Schreiberei war es allemal. Das Turnier selbst rechtfertigt die hohen Eintrittspreise zumindest teilweise und hat mich für den nicht ganz so gelungenen Markt entschädigt.

Jedes Jahr würde ich dennoch nicht zum Kaltenberger Ritterturnier fahren. Dazu war es zu wenig inspirierend. Schade ist nämlich auch, dass viel zu viele Personen reine Besucher sind, die nicht mittelalterlich gewandet kommen. Anders als auf dem Wormser Spektaculum oder dem MPS ist damit die Atmosphäre eher wie im Europapark Rust, wo eben viele Touristen in modernen Alltagsklamotten herumstromern. Ein echtes Mittelalterfeeling kommt somit nicht auf, was sehr bedauerlich ist.

Als ärgerlich haben wir auch empfunden, dass sowohl während des Vorprogramms als auch nach Beginn des Hauptprogramms immer wieder Leute noch in die Reihen reinrutschen mussten. Auch während der Show war es recht unruhig, denn manche Zeitgenossen können nicht mal 2 Stunden sitzen bleiben, sondern müssen ständig rein und raus, vermutlich zur Toilette oder um sich Getränkenachschub zu holen. Das war mehr als lästig. Besonders unhöflich fanden wir, dass es Menschen gab, die sofort nach Ende des Turniers aufgesprungen und gegangen sind, ohne den Akteuren den verdienten Applaus zu spenden. Das ist mehr als schäbig. Denn so schlecht war die Show nun nicht.

Fazit

Das Kaltenberger Ritterturnier ist sicherlich eine Reise (und auch den hohen Eintritt) wert, wird aber nicht in die Riege meiner absoluten Lieblingsmärkte aufsteigen. Einmal gesehen haben muss man es, wenn man Fan von Mittelalterveranstaltungen und Märkten ist. Aber es gibt eine Menge anderer Märkte, die mehr Ambiente und Flair entwickeln.

Warst du auch schon mal in Kaltenberg zum Ritterturnier? Oder welcher Mittelaltermarkt gefällt dir besonders gut? Sag es mir in den Kommentaren.