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Allgemeines

Roman-Tagebuch Teil 22

Dranbleiben.
Dranbleiben ist schwer.
Dranbleiben erfordert Arbeit.
Dranbleiben erfordert Durchhaltevermögen, Kreativität, Mut und eine Menge andere Dinge.

Dranbleiben am Roman ist wie Marathonlaufen. Oder das Training zum Marathon. Harte Arbeit.

Ich bin gerade dabei, dran zu bleiben. Es ist zäh. Es ist hart. Aber es ist möglich. Dran zu bleiben ist eine echte, ziemlich schwere Aufgabe. Dann, wenn der Elan des Neubeginns verflogen ist. Dann wenn die Euphorie, es gewagt zu haben, versiegt, wenn es “Routine” wird. Alltag. Dann wird Schreiben, genau wie jede andere regelmäßige Tätigkeit, zum harten Brot. Man kann das sogar messen. Vielen, wenn nicht den meisten Autoren geht es so, dass es schwer wird, wenn etwa ein Drittel des Romantextes da steht. Ein Drittel. Erstaunlich. Genau dort stehe ich jetzt, in etwa. Ein Drittel der Wortanzahl, die ich mir für mein erstes Buch vorgenommen habe. Tja, ich bin also auch in dieser Hinsicht, eher gewöhnlich. Entspreche dem, was zu erwarten ist.

Dranbleiben wird schwer, wenn man den ersten Schwung verloren hat und die Strecke bis zum Ziel noch so weit erscheint. Dranbleiben gleicht dann manchmal einer Selbstquälerei. Man findet Ausreden, warum man heute leider nicht schreiben kann, man lässt es schleifen und es droht leicht, in Vergessenheit zu geraten. Warum tue ich das eigentlich? Wofür? Wofür nehme ich mir soviel Zeit? Knapse sie ab. Vom Schlaf, von Zeit mit Freunden und anderen sozialen Aktivitäten, von dem, was ich sonst noch gern tue und all zu oft sogar von Tätigkeiten, die ich eigentlich tun sollte und die ich schleifen lasse, nur um zu schreiben.

Warum? Wozu tue ich das?

Die Antwort lautet: Weil Schreiben zu mir gehört, wie das Wasser zum Fisch, der Honig zur Biene und die Nuss zum Eichhörnchen. Ich kann nicht ohne. Kreativität durch Worte auszudrücken ist ein Teil von mir. Und dennoch fällt es schwer an diesem einen großen, riesigen Projekt, meinem Roman, dran zu bleiben. Anders als bei den Rollenspielen, die ich zuvor geschrieben habe, bin ich hier allein. Allein mit mir und meinen Ideen. Da ist niemand, der mich motiviert und so direkt sagt, hey ich will das lesen. Im Gegenteil, es gibt sogar Leute, die sagen: Das ist verrückt. Lass es sein. Wozu quälst du dich? Ist es das wert? Lass andere Romane schreiben und du mach wieder vernünftige Sachen.

Vernünftig. Uff. Vernünftig war ich glaube ich noch nie so richtig. Trotzdem ist es manchmal verlockend, aufzugeben. Denn das wäre einfacher. Fang was Neues an. Oder schreib wieder Rollenspiele, da kommt das feedback schneller usw. Nicht mal Zeit und Kraft für diesen Blog hatte ich in letzter Zeit. Soviel anderes schien drängender. Und die Motivation zu schreiben muss aus mir selbst kommen. Da steht weder mein Ehemann und sagt: Schreib jetzt gefällig. Noch meine beste Freundin sagt: Hey, nimm dir Zeit für deinen Roman und deinen Blog. Nein. Ich muss das aus mir selbst schaffen. Beziehungsweise, ich muss mir Leute suchen, die mich motivieren und mir helfen, dran zu bleiben. Und das sind nicht meine nächsten, lieben Familienangehörigen und Freunde. Das ist weder meine Mutter, noch mein Mann noch meine Kinder. Das sind Gleichgesinnte. Genauso Verrückte. Leute, die auch schreiben und die wissen, wovon ich rede, wenn ich sage, dass es so schwer ist, dran zu bleiben. Nicht aufzugeben. Weiter zu machen.

Unterstützung beim Dranbleiben

Und genau das habe ich getan. Ich habe mir andere Schreiber gesucht. Andere Autoren, Schriftsteller, Menschen, die wissen, wovon ich spreche.

Ich hatte berichtet, dass ich im Juli einen Onlinekurs belegt habe. Aus dem ist eine kleine Gruppe von Schreibern entstanden, die sich nun regelmäßig per Zoom treffen und gemeinsam schreiben. Und regelmäßig heißt einmal pro Woche. Für etwa 1 bis 3 Stunden.

Was sind das für Leute? Hausfrauen, IT-Leute, Selbstständige, aber alles Schreiber. Und was schreiben die? Schreiben wir alle im selben Genre? Nein. Die Bandbreite reicht von Thriller/Horror über Detektivgeschichten ala Philippe Marlowe und Alltagsgeschichten mit inneliegender Weisheit bis zu meinen mittelalterlichen Abenteuergeschichten.

Was tun wir da? Wir tauschen uns aus. Über den Fortschritt der Woche, über die Hürden, die im Alltag herumstehen und uns hindern wollen, über Ideen und Methoden, über Hilfreiches aus Schreibratgebern oder Sachen, die wir selbst ausprobiert haben. Und am Wichtigsten: Wir nehmen uns eine Zeitbox zwischen 15 und 30 Minuten, in der wir alle gemeinsam, gleichzeitig schreiben, um es uns hinterher gegenseitig vorzustellen. Und ob du es glaubst oder nicht: In dieser kurzen Zeit habe ich oft mehr zu Stande gebracht, als in der ganzen Woche zwischen den Treffen. In dieser kurzen Zeit bin ich hochkonzentriert, fokussiert und voll bei der Sache. Der Kick, das, was ich da fabriziere, gleich 3, 4 oder 5 anderen vorzustellen, bringt mich zu Höchstleistungen. Diese 3, 4, 5 Leute haben ja zugleich noch selbst Ahnung vom Schreiben und können zum Teil sehr kritisch sein, wobei ich gestehe, dass meine Texte, genau wie die der anderen schon mit Wohlwollen betrachtet werden. Man geht mit Kritik behutsam um, weil man weiß, wie empfindlich die Autorenseele ist. Trotzdem bringt mich das voran. Es hilft beim Dranbleiben. Es gab Wochen, in denen habe ich nur diese 15 bis 30 Minuten geschrieben. Aber immerhin. Ich bin dran geblieben. Besser als nichts.

Aber reicht das?

Nein! Immer noch zu wenig, um wirklich vorwärts zu kommen. Auf diese Art würde ich vermutlich noch 10 Jahre brauchen, bis der Roman fertig ist. Also habe ich in der vergangenen Woche eine neue Initiative gestartet. Ich habe, schon wieder, einen Kurs belegt. Gewisse Leute um mich herum stöhnen schon. Schon wieder ein Kurs. Hast du nicht inzwischen genug Input? Du kannst doch schreiben. Ja, schreiben kann ich. Und ich tue es ja auch. Ja, ich bin über die Anfänge hinweg, hab es vom: “Ich will schreiben” zum “Ich schreibe” und “Ich kann schreiben” bis zu der Stufe geschafft, an der ich sage: “Ich schreibe einen Roman.” Allein das, ist schon eine grandiose Entwicklung. Aber es fehlen eben immer noch zwei Drittel Text bis zur Aussage: “Ich habe einen Roman geschrieben.” Und nochmal mehr bis zur Aussage “Ich habe meinen ersten Roman veröffentlicht.” Oder gar: “Ich habe es geschafft, mein erster Roman verkauft sich ganz gut.” (Meine Schreiblevels nach Yvonne Kraus)

Und der Schlüssel, damit ich da hinkomme: Dran bleiben.
Und weil Dranbleiben so schwer ist, brauche ich eben Unterstützung. Der Kurs Perfekter Plot von Yvonne Kraus (https://mynextself.com/) diente mir nicht in erster Linie dazu, neue Dinge zu lernen, auch wenn es auch dazu gut war, sondern vor allem dazu, meine Motivation zu erneuern und aufrecht zu halten. Und das hat funktioniert. Ich bin neu motiviert. Nicht nur für den Roman. Auch für den Blog. Ich weiß, ich schreibe hier viel zu selten. Vielleicht muss ich mir auch für den Blog wöchentlich eine halbe Stunde Zeitbox nehmen. Grübel. EIgentlich eine gute Idee.

Und noch etwas hat sich getan in Sachen dran bleiben. Ich habe mich zu einer Art Club angemeldet, einer Schreibwerkstatt (ebenfalls von Yvonne Kraus, https://mynextself.com/schreibwerkstatt/#tve-jump-17be910239c ) Etwas, dass mich nun regelmäßig durch meinen Schreiballtag begleiten wird und mich hoffentlich motiviert, dran zu bleiben. Immerhin kostet es Geld und auch das sollte mich motivieren, voran zu machen, dran zu bleiben und wirklich etwas zu erreichen. Denn sonst würde ich ja sauer verdientes Geld zum Fenster hinaus werfen.

Und wie weit bin ich nun?

Mein Gesamtdokument umfasst nun etwa 60 000 Worte. Allerdings werden nicht alle diese Worte Eingang in den Roman finden. Ein Teil ist schon jetzt quasi Makulatur. Ausschuss. Wird dem Rotstift zum Opfer fallen. Aber immerhin. Ca. ein Drittel der Gesamtwortzahl ist schon mal geschrieben. Ich weiß also, ich kann es. Und meine Schreibergruppe bestätigt mir wöchentlich, dass das, was ich fabriziere nicht so schlecht ist. Im Gegenteil, sie bescheinigen mir, dass ich passende Worte finde, schöne Bilder male, Kopfkino entstehen lasse und, sehr wichtig, eine ganze eigene Stimme habe, wenn ich meinen Roman schreibe. Ich treffe meinen Ton, auch wenn ich nur 15 Minuten Zeit habe. Mehr kann ich eigentlich fast nicht erreichen.

Doch. Den Roman fertig stellen. Veröffentlichen. Und gelesen werden.

Und dazu braucht es langen Atem. Und Dranbleiben. Dranbleiben. Dranbleiben.

AH und mit diesem Blogpost habe ich wieder einen Schritt getan. Ich bleibe dran. Und ich erzähle dir, euch, der ganzen Welt, dass ich einen Roman schreibe. Nun muss er wohl fertig werden, damit ich mich nicht lächerlich mache.

Über Feedback, Rückmeldungen (fast) aller Art und Eure Meinung in einem Kommentar würde ich mich freuen.

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